Die Sache mit dem Vertrauen. …

ist ja nicht immer so ganz einfach. Vor allem das Vertrauen in einen selbst. Irgendwie hatte ich das zwischendurch irgendwo liegengelassen: Hallo, ich suche mein Vertrauen, hat das jemand gefunden? Okay, dann nicht.
Die letzten Wochen waren irgendwie ätzend, ich kann gar nicht sagen warum. Aber das Gute was zu berichten ist, die Untersuchungen waren okay. Mein Kardiodoc findet „grenzwertig“ jetzt nicht unbedingt sooo toll wie ich, aber wir lassen es so, geht doch …… MRT und Sono vom Innenraum war okay. Das Leberteil verhält sich auch ordentlich, ist gutartig und wächst nicht, die Galle ist immer noch nicht da, der ausgerissene Terrormarker hat sich besonnen und die Lunge hat das Verstrahlen bislang auch nicht so übelgenommen. Ich schnaufe zwar wie ein mittleres Walross, aber das liegt an zu wenig Sport wegen Knie und zu viel fressen. Aber wenn das Leben mich ärgert will ich wenigstens was Schönes essen. Eigentlich ist ja alles gut könnte man sagen, aber das Problem ist, wenn eigentlich alles gut ist, dann hat man Zeit nach Dingen zu suchen, die eben nicht gut sind. Und da ich ein Trüffelschwein bin……….. ich sage nur Aromatasehemmer. Also entweder ich schmeiß das Zeug weg oder ich will mal ein paar Tage Arme zum Ausprobieren. Nicht für immer, ich glaube mir stehen keine Arme, aber mal sehen was ich damit wieder könnte. Ich hätte nie gedacht, dass so ein Kackmedikament solche Probleme macht. In sämtlichen Doofkrebsgruppen in den ich so bin schreiben alle dasselbe. Alle haben Probleme, nur ganz wenige nicht. Hallo ? Normalerweise gehöre ich doch auch immer zu den wenigen. Typisch, wenn man es mal brauchen könnte. Beim Aufstehen könnte man direkt eine Szene aus nem Zombiefilm nachstellen. Alle Knochen steif, einfach nur hin- und hertaumeln und hoffen, das Klo zu erreichen ohne irgendwo an die Wand zu fallen. Da wär son Arm um die Wand festzuhalten vielleicht gar nicht schlecht. Quatsch natürlich, das fehlte mir auch noch. Normal kann jeder. Aber es nervt mich total, dass ich mittlerweile Hilfsmittel rumschleppen muss oder genau überlegen muss, hm, du fährst heute da und da hin. Was ziehst du an falls du aufs Klo musst …. und was ist, wenn das Klo ganz klein ist? Die Zeiten in denen ich einen Fuß überall da hingekriegt habe wo er nicht hingehört, die sind vorbei. Und wieviel ibu muss ich nehmen um einen ganze Tag Landpartie in Bückeburg zu überleben? Apropos Bückeburg, eine riesen Schlange an der Kasse, kurz nach Öffnung Systemabsturz, ich mit meinen Mädels, 2 haben gleich die Klos angepeilt, mich relativ vorne angestellt. Kann von hinten ein älterer, sehr schlecht gelaunter, Kerl und pisste mich an, das geht ja wohl nicht, vordrängeln, wenn jeder das machte, drehte sich um und wollte wieder gehen. Moment junger Mann, als Schwerbehinderte hätte ich auch gleich an die Kasse gehen können, mache es aber nicht, ich kann nicht lange stehen. Interessierte ihn auch nicht, wollte nur meckern. Das Schlimme ist, es ist wirklich so. Ist jetzt nicht allein die Schuld von Aromatasi-Schatz, alle Contis haben ein Skelett das 104 ist mittlerweile ….. aber beides zusammen ist scheiße. Ich habe ja mal gelernt, es gibt ein Schmerzgedächtnis und ich befürchte, meines ist besser als mein normales. Die Lösung heißt im Moment ibu 600, wenns dicke kommt mit Rotwein. Lecker. Was ein Gefühl, aufstehen und sich ein bißchen besser bewegen zu können. Alles schön und gut, aber gefährlich finde ich. Wenn ich mich zudröhne, merke ich nicht, wenn sich was verändert. Vielleicht ein Schmerz bei dem man Ursachenforschung betreiben muss? Keine Ahnung, ich bin einfach genervt. wahrscheinlich ist es auch einfach das zugeben müssen, es geht nicht mehr alles. Hat meine Mutter früher schon immer gesagt, hab ich nur die Augen verdreht, sorry, ich machs nie wieder.
Schluss mit dem ewigen Gejammer. Ich hatte einen schönen Geburtstag mit meinen Lieblingsmenschen, war auf nem Udo Lindenberg Konzert, hab 3 neue Zähne, eine neue Perücke namens Jolanda und neuerdings Augenbrauen und farbige Lippen. Ach du Alarm, das hat wehgetan, meine Fresse. Aber das brauchte ich jetzt mal. Ohne Augenbrauen sieht man einfach doof aus, wer schön sein will muss leiden. Oh ja.
Was gabs sonst noch? Einige Kriegerinnen sind verstorben. Scheiße. 2 Kriegerinnen haben ein Rezidiv bzw. eine Neuerkrankung. Scheiße.
Und ich habe dem Feind ins Auge geblickt. Einfach nur genial. Ich durfte mir in der Pathologie meinen Doofkrebs anschauen und erklären lassen. Auf sowas steh ich ja, ich will es immer genau wissen. Ein sehr netter doc erklärte mir genau, was wo zu sehen ist, wo Doofkrebs anfängt, was welche Zellen sind, wie meine Abwehr versucht hat sie in Schach zu halten. Völlig spannend. Man stellt sich Krebszellen oder Tumore ja immer als dunkles, unheimliches, bedrohliches Etwas vor, am beste noch häßlich. Kann ich jetzt mal so nicht sagen. Ich fand die Zellen eigentlich ganz hübsch. Was sagt uns das? Vertraue nicht allem was äußerlich ansprechend wirkt. Jedenfalls denke ich öfter an sie und sage dann immer: wagt es ja nicht, ich habe euch im Blick ihr kleinen Drecksbiester.
Was war noch, hm ………. Oh ja, ich habe es nach anderthalb Jahren endlich mal geschafft das Zimmer meiner Mutter auszuräumen, alte Möbel auf den Sperrmüll usw.. Am Dienstag ist mein neuer, fett roter, Schrank und das neue Bett gekommen. Eine Schlafgelegenheit war mir schon wichtig, wenn mal was ist………..
Tja, kurz gesagt, es könnte mir echt schlechter gehen, ich werde einfach nur alt, aber das ist ja auch eigentlich der Plan. Manchmal nervt mich Doofkrebs, manchmal lachen wir zusammen. Es bleibt weiterhin spannend und ich liebe es – natürlich bis auf das Medikament das mit A anfängt. Aber das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof, was nen blöder Spruch.
So, ein lecker Glas Wein und eine ibu warten schon sehnsüchtig auf mich. Mit ibu steige ich fast wie eine Gazelle aus der Badewanne, oder wie heißt das Tier mit dem langen Rüssel
Also immer weiter, nach dem Motto: wo die Angst ist, ist der Weg ….. machen wir uns auf in die nächste Runde.


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Alles reine Kopfsache

……………. wenn er denn funktioniert. Es ist so viel passiert in letzter Zeit und im Moment renne, bzw. humpel ich meinem Leben hinterher. Apropos humpel. Nachdem ich ja nun ganz genau aufzeichnen konnte, wo welche Knochen sind und welches Gelenk im Alter langsam aber sicher seinen Geist aufgegeben hat, habe ich den Aromatasehemmer gewechselt. Leider trau ich mich immer noch nicht, das Ding im nächsten Kanal zu versenken. Weichei, blödes. Exemestan war einfach nur scheisse, also gewechselt auf Letrozol. Meine FA meinte, der macht weniger Knochenschmerzen. Wie schön. Also das Zeug ist, hm, wie soll ich sagen, einfach nur scheisse. Erstaunlicherweise dachte ich die ersten 2 Wochen, hm, besser? Okay, Knie tut weniger weh, Morgensteife wie immer aber vielleicht bissi kürzer? Aber dann, alles haut mir in die Füße und es fällt mir alles runter. Also mal wieder alles okay für Langarmer, aber für mich scheisse. Dazu das Taubheitsgefühl……. Ich hab mal früher mit den Füßen das Brot gehalten während die Brotmaschine lief, ja natürlich nur meins, ich befürchte, bis ich mitkriege, dass der Zeh ab ist, ist die Blutung schon gestillt. Also Rücken verdrehen, aufpassen, dass die linke Brust nicht mit unters Rad kommt und weiter.
Ein Gutes hatte diese Umstellung aber……………….. klingt bescheuert, wenn es überall wehtut und ich scheisse drauf bin und immer lese, was meinen lieben Kriegerinnen um mich rum so passiert, dann sind die Stiche und Schmerzen und was sonst noch so ziept und hämmert natürlich alles Rezidive und Metas. Kopfschmerzen nach Rotwein, oh Gott, jetzt hab ichs im Kopf und ich finde mich wieder im Kapitel „wie denke ich mich hysterisch in 4 Minuten“. Gott sei Dank gibt es da immer jemanden, der mich nach 3 Minuten unterbricht mit den Worten: hast dus vielleicht nicht mal ne Nummer kleiner? Nee, heute will ich Drama, okay, meld dich wenn du wieder normal bist. Die Kunst ist, nicht alles was Anderen passiert auf sich selbst zu projizieren. Jeder ist anders und Doofkrebs ist wie die Pralinenschachtel von Forrest Gump, man weiß nie was man kriegt. Trotzdem ist man immens erschüttert, wenn eine aus der Familie einfach stirbt. Wobei ich mit einfach meine, sie ist plötzlich tot obwohl vor 4 Wochen noch alles paletti war. Da überlegst du plötzlich, scheisse, du wolltest doch noch …………. Spätestens da sollte man sich hinsetzen, Schnappatmung runterfahren und durchatmen.
Ich hatte letztens auch ein interessantes Erlebnis. Nachdem das Bett meiner Mutter leider meinem zarten Körper zum Opfer fiel, man könnte auch sagen, ich bin draufgeknallt und es ist die Verankerung gebrochen, dachte ich, so, sie ist letztes Jahr im Januar verstorben, ist time to make a change. Der Plan, Bett und Kleiderschrank, auch schon 4x umgezogen, kommt weg und ich kaufe mir was schönes Neues. Ein Zimmer mit Bett soll es bleiben, denn der Zeitpunkt in dem ich mehr Hilfe brauche, den kann ich erahnen, noch nicht, aber es ist besser, hier kann einer pennen. Ach, bevor ich es vergesse, ich habe es geschafft, alle Kleidung meiner Mutter zu verschenken, an Leute die es wirklich anziehen und sich tierisch gefreut haben. Okay, sie war 90, hätte aber niiiiiiieeemals solche Klamotten getragen. Bin echt begeistert, hätte ihr gefallen.  So, jetzt ist der Faden gerissen……. Ach so, ich also los nach Schrank und Bett gucken. Da das Leben ja bekanntlich zu kurz für schlechtes Essen und schlechte Möbel ist, habe ich mich natürlich sofort in nen massiven, nicht gerade billigen Schrank verliebt und ein italienisches Bettgestell. In dem Moment, in dem ich gerade meine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen wollte, räusperte sich Doofkrebs im Hinterstübchen und sagte: äh, du weißt schon, dass das nen Haufen Kohle ist und ob sich das noch lohnt? Also ich weiß ja nicht. Der nette Verkäufer fragte mit Besorgnis in der Stimme ob alles okay ist, ja, muss mal gerade raus, muss kurz mit mir reden. Ich hatte eine Patentante Hildegard, genannt Hilla. Hilla lebte immer nach dem Motto, Kinners, ich hab mir gerade mal das oder das gekauft, und wenn ich nur eine Stunde Spass daran hatte, bevor ich tot umfalle, dann hat sich das gelohnt. Denk nicht so viel nach über das Für und Wider, machs, du bist länger tot als lebendig. Hast du gehört Doofkrebs? Leck mich am Arsch. Punkt. Mitte – Ende Juni kommen die Sachen, freu mich.
Irgendwie hat sich der Doofkrebs auf mich eingeschossen. Ich geh mit Freundinnen und Bekannten zu Untersuchungen, informiere mich viel, irgendwie habe ich verstanden, dass das so meins ist. Als müsste ich erstmal da mitreden können um rauszufinden, was mich so umtreibt. Ich würde wirklich gerne da mehr machen, so wie im Hospiz oder bei der DGHS. Obwohl ich meinen „richtigen“ Job und die Kollegen echt liebe. Ey, ich bin Zwilling und angeblich orientieren die sich immer neu, könnte mich mal einer in den Arsch trete, damit auch mal Taten folgen und ich mir nicht nur alles rosa rede?
Also es ist wie immer, der normale Wahnsinn den ich so liebe, ein bisschen Unzufriedenheit, Angst, Frust und Hoffnung. Aber ich könnte so manche Daumen brauchen für mich und ein paar Kriegerinnen. Im Mai ist wieder TÜV, nächste Woche geht’s los. Kardiologe, der meint ich müsse jetzt mal was nehmen, denn die Aromatasescheisse haut auf den Blutdruck, Lunge röntgen, Krankenhaus wegen Studie, MRT Innenraum wegen Leberbefund, Sonografie und das volle Programm. Will ich das alles wissen? Kann ich damit leben nichts zu wissen? Ich habe einfach keine Lust immer alles zu bedenken. Das fand ich schon immer Mist. Nimmt Zeit vom Leben, Lieben, Essen und Trinken. Geht ja gar nicht.
Die nächsten Daumen für die Freundin meiner Mutter, Brustkrebs, Chemo durch, jetzt massive Hautmetas an der wegoperierten Brust, muss das sein mit 80 ??? Nächste Woche MRT ob irgendwo noch gestreut …………… Freundin mit unklarem Brustbefund, auch nächste Woche MRT, das ist irgendwie nicht normal.
Wenn ich den TÜV bestehe, dann wird erstmal einer getrunken, heute Abend hab ich übrigens auch jemanden, der die Sektflaschen aufmachen kann, ha, mal kein Wein. Dann kommen die nächsten Baustellen, mein nur ein sehenes Auge ist Mist, einer unserer Conterganmitstreiter ist durch Schlaganfall verstorben, es wird immer deutlicher, dass bei unseren Gefäßen was nicht stimmt, ich muss das unbedingt untersuchen lassen, ich mach doch keine Chemo und Verstrahlung und quäle mich durch Letrozol und den Mist, damit dann ein Gefäß reißt und Ende im Gelände, nix da.
Aber, wie sagt meine Kollegin: erstmal langsam und eins nach dem anderen…………….
Ja, so ist das mit dem Leben, und die Bronchitis, die ich seit 2 Wochen habe könnte auch mal verschwinden………

Leben live….

Hallo Freunde des knallharten beats ……………..so fingen viele mails eines meiner Vorgesetzen an. Kam mir gerade irgendwie in den Sinn. Heute ist wieder so ein Tag …………… bin noch am Überlegen ob ich es lustig finde oder angepisst bin. Also ich dachte so, hm, is Sonntag, Wetter so okay, raus keine Lust, also machste wellness. Guten Rückenwohl-Badezusatz in die Wanne, was zu essen und zu trinken und ein Thriller, definitiv meine Vorstellung von relaxen. Gesagt, getan, eingetaucht und aaaaahhhhh. Witziger weise hatten wir gestern Abend das Thema, wie um Himmels Willen kommst du eigentlich aus der Wanne raus mit ohne Arme. Och, langsam mit gutem Gleichgewicht, also kein Rotwein im Wasser, und vertrauen auf, das ging immer, eigentlich nicht so schwierig. Aber da ich ja nicht völlig blöd bin, habe ich immer ein Telefon in der Nähe, falls mal ….. keine Ahnung, vorsichtshalber. Irgendwie hatte ich aber verdrängt, dass meine Füße schon die halbe Nacht bei Drehungen leicht gekrampft haben. Also dachte ich, jetzt raus bevor ich einschrumpel und habe mein linkes Bein nach links gedreht um darauf zu knien. Mitten in der Bewegung habe ich die Mutter eines Oberschenkelkrampfes gekriegt …… ach du Alarm ….. egal wo ich das Bein hingedreht habe, Krampf. Unter Gestöhne wie aua, Mist, verdammt, scheiße, ich bringe diesen Aromatsehemmer um, Hilfe und allem anderen was man so fluchen kann, habe ich dann ne Stellung gefunden wo der Krampf nachließ, aber nur bis zur kleinsten Bewegung. Mittlerweile saßen durch mein Gestöhne beide Katzen in der Badezimmertür und warteten gespannt wie es weitergeht, erst gesessen, dann ganz gemütlich die Vorderbeine untergesteckt, ja, das kann dauern, machen wir es uns mal bequem. Natürlich hat es mein Ego nicht zugelassen mal jemanden anzurufen, äh, was machst du gerade, ich brauche mal nen langen Arm. Lange Rede, kurzer Sinn, nach ner gefühlten Stunde hab ich mich irgendwie aus dieser Badewanne gezirkelt, geht doch. Mittlerweile hatte sich alles verkrampft, dreh ich die linke Schulter, zu weit nach unten sticht es mörder in der Doofkrebsbrust, dreh ich die rechte falsch sticht es in der rechten, die Narbe von der Angleichungs-OP, den linken Fuß den ich zum Anziehen brauche, da sticht es seit Umstellung des Aromatasekacks neuerdings auch wie blöd. Dafür bekommt der aber meinen Kniegelenken besser. Und wieder ist die Frage aller Fragen, nimmste das Zeug weiter oder möchtest du mehr Lebensqualität auch wenn deine docs die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich suche immer noch jemanden der das mal für mich entscheidet. Jedenfalls bin ich dann erstmal duschen gegangen. Ey, ich war sacknass geschwitzt. Und dann ne Ibuprofen 600 in Wein aufgelöst, lecker ….
Aber ich hatte eine wunderschöne Woche auf Fehmarn, viel gelaufen, ja, für mein Fahrgestell echt, immer mal stehen bleiben, hier tuts weh, da stichts, der Rücken bricht gleich durch, aber im Großen und Ganzen kann ich stolz auf mich sein. Und ich hatte Zeit mal wieder das Hirn zu lüften und mich auf das Wesentliche zu besinnen. Was wirklich blöd ist, ist treffe ne Entscheidung und dann geht’s ein bisschen besser und ich sitze es erstmal aus…………….. so vergeht die Zeit und manchmal habe ich Angst, dass ich eine für mich wichtige Entscheidung verschnarche, die Zeit vergeht so schnell. Gestern habe ich jemanden mit Kleidung meiner Mutter eine große Freude machen können, sie ist schon 15 Monate nicht mehr da. Wo sind die hin, was hab ich in der Zeit gemacht, ich glaube es nicht. Und Diagnose Doofkrebs war im Dezember 2013, 2015 hab ich vorzeitig mit Herceptin und Studienmedi abgebrochen. In der Notaufnahme des Klinikums müsste eigentlich ein Zimmer nach mir benannt werden so oft wie ich da war, äh, Entschuldigung, meine Nase blutet seit ner Stunde, ich bin Krebspatient, oh ja, gehen Sie vor, Arzt kommt sofort……………… war alles kacke, aber ich hatte nicht diese Kollateralschäden wie heute, das nehm ich dem Doofkrebs echt übel. Wenn ich dich kriege, na warte……….. Jedenfalls hatte ich eine Auszeit und das war wie heimlich im Dunkeln an den Kühlschrank schleichen………….eigentlich hätte ich im März wieder irgendwelche Nachsorgetermine, aber nein, der Beschluss war, März ist krebsfreier Monat, im April gibt es auch noch was zu untersuchen, Lust habe ich auch nicht, aber wir sind ja immer noch nicht bei wünsch dir was. Heute fragte mich jemand, was ist wenn wieder was ist. Hä, na dann ist was, dann werden die nicht vorhandenen Ärmel hochgekrempelt und es geht wieder an den Start. Ich rege mich nicht über ungelegte Eier auf. Man kann nicht planen, nur leben, wie oft kriege ich bei facebook oder so mit, was andere alle haben, dazubekommen, versterben, leben trotz Metas ohne Ende. Es ist wie es ist, einfach leben, lieben und genießen. Ich lass mich überraschen obwohl ich keine Lust auf diese dauernden Untersuchungen habe und jedes Mal mit Diskussion über den Port, nein, wir nehmen Blut so nicht ab, gut, dann geh ich eben, nein, das können Sie nicht, haben die ne Ahnung was ich alles kann. Mal sehen wie es diesmal läuft.
Ach, was auch lustig war, so als Ohnarmer (ich liebe dieses Wort wirklich, hohler geht’s nicht) in Deutschland. Auf Fehmarn steh ich mit Freundin in Bäckerei, Bedienung sagt, 2 Euro 10 oder so, ich krokel im Portemonnaie rum, war sie schon genervt…………. gibt mir das Rückgeld, bzw. gibt es mir nicht sondern legt es in die Schale, wir ahnen schon, an die ich natürlich nicht rankomme. Sie guckt und sieht das auch, macht aber null Anstalten das Ding mal zu schieben sondern guckt meine Freundin an, von der sie nicht wusste, dass wir zusammengehören, und sagt, Moment noch bitte. Wäre ich nicht im Urlaub gewesen hätte ich sie gefragt ob unter der Fönwelle auch Hirn ist. Manche Leute, dazu fällt mir nix ein. Doch, an der Tankstelle ein wie 12 Jahre aussehender Kassierer, guckt mich mit offenen Mund an und sagt, Sie können Auto fahren, cool ey, na das lob ich mir doch. Und dann war ich diese Woche noch in einer Werkstatt für Behinderte, was abholen, das Personal hatte Besprechung und ich hab geklopft und bin rein. 3 Männer, eine Frau, die mich von oben bis unten grell anguckte und den Mund aufmachte und ich haargenau wusste, was sie sagen wollte, ich sollte gefälligst nichts stören. Auch hier noch im Urlaubsmodus sprach ich einen der Männer an, guten Tag ich möchte gerne das und das abholen. Sie klappte den Mund zu, er kam mit und ich  konnte es mir nicht verkneifen, man glaubt es kaum, es gibt auch Behinderte in freier Wildbahn……. Nur gut, dass ich immer so nett bin.Tja, man muss echt kerngesund sein für das Leben.

Was bestimmt mein Leben ?

Irgendwie hatte ich in der letzten Zeit öfter Gespräche über das Thema Angst. Das war immer völlig interessant, denn Angst ist nicht gleich Angst. Man muss erstmal rausfinden, vor was genau man eigentlich Angst hat, ist auch insofern hilfreich, kann man sie benennen, hat sie schon viel von ihrer Macht verloren.

Bei Diagnose Doofkrebs schlägt dir natürlich erstmal die rein existentielle Angst mit der Faust in den Magen. Du kriegst Schnappatmung und denkst, oh Gott, ich sterbe, ich werde leiden, mein Leben ist vorbei. Es gehen dir 27.453 Gedanken durch den Kopf, wie soll ich das schaffen, ich schaffe das nicht, niiiiiiiemals, gleichzeitig, das soll es gewesen sein, ich habe doch noch 1 Million Dinge vor……. Was ist mit meiner Familie, meinen Kindern, oh mein Gott, sie sind noch so klein. All solche Dinge eben.

Also, ein Plan muss her, wie kriege ich die Angst in den Griff. Ich finde das so völlig spannend, denn es gibt so viele Wege, manche kann ich für mich nicht nachvollziehen, bei manchen denk ich, thats it.

Eine meiner ganz lieben BK-Mädels glaubt an Gott und wirkt immer tiefenentspannt, Neid, aber ist so gar nicht meins. Sie sagt, sie vertraut Gott, er weiß was er für sie tut und sie vertraut darauf. Wahnsinn, echt, ich kann damit nichts anfangen, hänge aber voll gebannt an ihren Lippen wenn sie erzählt.

Ich glaube, viele haben Angst vorm Sterben, obwohl, ist es die Angst vor dem Prozess oder das Nichtmehrdasein? Oder auch ev. Schmerzen und Leiden oder/und dass das eine Beziehung nicht aushält. Und das kommt leider öfter vor als man denkt. Krebs ist ein Thema, damit kann nicht jeder umgehen und zieht sich zurück. Was natürlich für den Betroffenen noch ein Schlag in denselben Magen bedeutet.

Okay, ich möchte nicht über andere reden, also erzähl ich mal was da so meine Position ist. Zuerst natürlich, siehe oben….. ich denke, da sind wir uns alle gleich. Aber dann hab ich mich mal hingesetzt und Bilanz gezogen. Wovor habe ich eigentlich Angst?

Ich habe keine Angst zu sterben, ich fände es nur blöd weil mir das Leben Spass macht, ah, ich höre schon, erzähl doch nix, davor hast du doch Angst, lüg dir nicht selber in die Tasche, ne, tu ich nicht. Wir müssen alle sterben irgendwann, es ist nur früher nie so präsent gewesen. Ich durfte mittlerweile bei mehreren Menschen dabei sein als sie verstorben sind, seitdem habe ich erst recht keine Angst mehr. Und Schmerzen? Muss man heute nicht mehr haben. Was mir ev. einen kleinen Hauch von Angst einflößt ist der Gedanke, ich hätte keinen Menschen, würde bewegungslos und/oder dement in einem Altersheim rumhängen und könnte nicht selbstbestimmt sterben, da läuft mir doch ein Schauer über den Rücken. Weil ich möchte selbst bestimmen wann Schichtende ist, das wiederum hat aber was mit Lebensqualität zu tun, die mir im Moment wöchentlich abhanden geht wegen der Nebenwirkungen des Aromatasescheiß und der Conti-Spätfolgen.

Klar hab ich auch Angst, z.B. das mein einzig sehendes Auge so blind wird, dass ich nicht mehr Auto fahren kann, dass ich nachts im Dunkel in der Tiefgarage überfallen werde da mein Vermieter seit 2 Jahren anscheinend für ein Tor spart, dass ich liebgewonnene Menschen verliere. Aber ich denke, das ist normal, denn sonst könnte man ja andere Dinge nicht schätzen.

Also Balance halten, das ist das Mittel der Wahl. Das ist, zugegeben, nicht immer einfach. Alles im Leben ist gefährlich, oder um es mit den Worten meiner Frauenärztin auszudrücken, keiner zwingt mich an Brustkrebs zu sterben, ich kann mich auch versehentlich von der Straßenbahn überfahren lassen. Ich sitze täglich im Auto oder renne kurz vor rot über die Straße, okay ich nicht, rennen ist wirklich gestorben.

Was will ich nun damit kundtun? Das Leben ist schön und bietet viele Möglichkeiten, die man sich nicht durch die Angst vor irgendwas nehmen lassen sollte. Ich denke, obwohl ich nicht an diesen bestimmten Gott glaube, es ist eh vorbestimmt wann es vorbei ist, egal was ich mache, und ist es meine Bestimmung an Doofkrebs zu sterben, dann ist das so, natürlich versuche ich dem so lange wie möglich standzuhalten aber……..

Also, weg mit den trüben Gedanken, einfach leben, lieben und genießen und zwar jeden neuen Tag, Dinge tun und nicht verschieben und der Angst sagen, ich kenn dich und deswegen kannst du mir nichts tu. Und da gibt es kein richtig oder falsch,  jeder hat seinen Weg, egal  ob das andere verstehen oder nicht.

Ich wünsche mir, dass jeder so einen Weg für sich findet. Ich bin völlig dankbar, dass ich einen gefunden habe und nein, ich verdränge nichts, ich versuche immer die Dinge anzusprechen und mich ihnen zu stellen. Es ist manchmal anstrengend, aber ey, was soll mir schon passieren ??? ich liebe es…….

Weltkrebstag

Am 4. war ja Weltkrebstag und da ich neugierig bin, bin ich tatsächlich an dem Samstag gefühlt mitten in der Nacht aus dem Bett und war mit Diana um Punkt 9 im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel, jetzt DRK Kliniken……….na dann. Der 1. Vortrag der uns interessierte, ging über die Entstehung von Krebs. Okay, nützt mir jetzt auch nichts mehr, aber man will ja irgendwie doch wissen, warum man nun gerade von Doofkrebs ausgesucht wurde. Also was mich schonmal beruhigt, meine 4000 gegessenen Tüten Chips oder die diversen Asbach-Cola meiner frühen Jahre sind wahrscheinlich doch nicht unbedingt schuld daran. Eigentlich ist es ganz einfach, entweder man hat Pech oder nicht. Die Zellen hat jeder im Körper und der Plan ist, dass sie absterben und ausgeschieden werden. Der Plan ist gut, nur er funktioniert nicht immer. Denn manche vergessen einfach zu sterben, was übrigens auch mein Plan ist, und schlafen vor sich hin, bis sie irgendwann  mutieren und beginnen Unheil anzurichten, das ist die eine Art, die andere ist eben, eine Zelle beginnt durch welchen Defekt auch immer die Richtung zu ändern und schon geht’s los.  Also das ist jetzt mal so wie ich das verstanden habe.

Die Veranstaltung an sich war gut organisiert.  Auf den Fluren waren viele Stände von Kliniken, Einrichtungen,  Pflege,  Perückenläden, Allianz gegen Brustkrebs, Praxis Strahlentherapie usw.. Man konnte sich über alles informieren was so zu einer Krebsdiagnose und Behandlung gehört. Die Organisatoren haben sich echt Mühe gegeben.

Wir haben uns mehr Vorträge angehört als eigentlich geplant war, es war einfach alles interessant. Das Krankenhaus hat eine Palliativstation die besichtigt werden konnte, man konnte sich Videos von OPs ansehen, die ein doc erklärte,  selbst versuchen zu nähen und all sowie,  kurz gesagt,  es war echt gelungen. Schade war nur, dass sowenig  Reklame gemacht wurde. Aber es waren schon ordentlich Leute da.

Okay, also warum tu ich mir das an? Weiß ich auch nicht wirklich, aber es interessiert mich einfach.  Ich beschäftige mich nicht dauernd mit Krebs , ich weiß auch nicht alles genau wie meiner funktioniert,  es ist auch viel zuviel input aber es ist ein Thema das mich direkt betrifft und deshalb ist es mir wichtig,  mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Und ich habe es einiges mitgenommen:

Erstmal können wir froh sein hier zu leben,  es war mir echt nicht bewusst,  wieviel Arbeit,  Engagement und auch Leidenschaft die ganzen Ärzte, Forscher und wer noch dazu gehört in die Bekämpfung von Krebs stecken. Das Thema ist so unglaublich komplex,  ich verstehe nur das Grobe und das auch nur für Normalos erklärt. Aber das haben alle Redner gut hingekriegt. Mag unser Gesundheitswesen auch manchmal Mist sein, ich fluche auch genug, aber jedenfalls haben wir sowas überhaupt. Trifft dich der Doofkrebs in einem armen Land, dann gute Nacht. Es ist wie alles im Leben leider eine Frage der Kohle, eine auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie kann kein sich  System der Welt leisten. Wobei wir wieder bei der Diskussion wären, wäre Krebs leicht heilbar, müsste die Pharmaindustrie ev. von goldfarbenen Ferraris auf rot umsteigen. Und das geht ja nun echt nicht.  Es ist müßig. Ich für meinen Teil bin jedenfalls dankbar,  dass so viele Menschen zusammen arbeiten um mir ein Möglichstes an vorhandener Therapie anbieten zu können, mir als einfachem Kassenpatient.  Wobei mir einfällt,  vor Jahren habe ich versucht,  eine private Zusatzversicherung zu bekommen,  auch nur 1. Klasse und Chefarzt oder und Tagegeld wurde rundweg abgelehnt. Begründung,  ich sei schließlich behindert. …ja  und? Werde ich von kurzen Armen krank, is klar. Ich müsste viel mehr ins Krankenhaus als andere….. oh, die Herrschaften konnten in die Zukunft blicken. Was solls,  hab ich die Kohle eben in ABC angelegt. (Asbach, bißchen Cola).

Fakt ist auch, im Jahr 2030 gibt es wesentlich mehr 80, 90 oder 100jährige. Sehr wesentlich sogar. Und je älter man wird desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken. Jeder 2. wird im Laufe des Lebens die Diagnose erhalten, weswegen nicht gleichbedeutend mehr Menschen sterben, die Therapien werden besser aber das ist wohl der Preis für ein immer längeres Leben. Natürlich, stirbt man mit 75 an ne Herz-Kreislauferkrankung,  dann kriegt man nicht mehr mit,  dass man mit 80 Krebs kriegt. Wie auch immer. Auf jeden Fall war bei dem Vortrag über Krebs im Alter nicht viel los. Ich dachte, jetzt kommen alle ältere Leute die draußen rumliefen, nix da, die sind geflüchtet, irgendwie will man es wohl doch nicht so wissen? Ich kann nur sagen, hat einer von euch jemand mit Mitte 70 der erkrankt, auf jeden Fall wohin,wo geriatrische Abteilung ist und man erstmal abcheckt,  was sinnvoll ist und was alles noch schlimmer macht.

Und natürlich die Vorsorge , ich kann nur wieder sagen, wäre ich nicht hin, sähe es wohl schlecht aus. Zumal erzählt wurde, man denkt um, Krebs macht nicht irgendwann mal Jahre später  Metastasen sondern es siedeln sich Zellen früh ab und gehen dann erstmal pennen bis wer weiß schon wann. Deshalb so schnell wie möglich die Zellhaufen, die sich zum Tumor zusammengerottet haben rausholen, bevor sie viele kleine Späher senden können. Erscheint mir logisch.

Kurz gesagt, entweder es erwischt dich oder nicht,  du kannst nichts vorbeugend tun, nur hinterher vielleicht gesünder leben und sich mehr bewegen und sowas. Da bin ich im Moment nur in der Theorie gut, aber echt, der Aromatasehemmer macht mir sowas von Probleme und Tabletten nehmen um Nebenwirkungen von Tabletten  zu ertragen ist doch auch scheiße.  Irgendwann schmeiß ich die aus dem Fenster,  ich schwöre es. Jedenfalls war es ein gelungener Tag, meine Füße haben gebrannt, das Knie wieder dicke,  der Rücken tot, Hirn voll und hungrig.  Da kann man jedenfalls was gegen machen. Die Schäden, die die Behandlungen bei mir ausgelöst haben, finde ich vielen schlimmer als den Doofkrebs an sich, die Alternative ist aber auch keine Option. Es ist wie es ist,  alles eine Scheiße,  ja, positiv denken, also schöne Scheiße. Nichtsdestotrotz liebe ich die Scheiße und werde wieder morgen früh fluchend über meine Knochen aus dem Bett kriechen und überlegen,  was ich denn mal für eine Krankheit haben könnte um im Bett liegen zu bleiben.  So wie jeden 2. Tag.  Wenn mir was Gutes eingefallen ist, stehe ich meist schon an der Arbeit in der Tiefgarage. Pech gehabt, aber ich liebe es.

Fatique?

Ich glaube, ich habe in den letzten 2 Wochen mehr geschlafen als in den letzten 3 Jahren. Sobald ich sitze klappen mir die Augen zu. Für mein operiertes Knie ist das nicht schlecht, aber normal ist das auch nicht. Andererseits war ich auch dauernd irgendwie on Tour. Das Schlimme ist, man kann sich ganz leicht daran gewöhnen. Wenn dich Fatique erwischt,ist das, glaube ich, nicht wirklich lustig. Ich bin echt froh, dass ich nächste Woche wieder arbeite, denn sonst würde ich mich hemmungslos gehen lassen. Ich weiß es genau. Wenn man nichts zu tun hat wozu man aufstehen muss, warum sollte man denn. Dazu noch doofe Gedanken, hier tut was weh, da ist ne Knubbel, schon fängst du dir ne fette Depression ein. Das ist einfach scheiße. Das sind alles Kollateralschäden von Doofkrebs und alle sagen, du bist doch wieder gesund, warum stehst du nicht auf und kommst mit? Als wenn das einfach eine Frage des Wollens wäre.

Mittlerweile ist meine Knie OP  über 2 Wochen her und es wird langsam. Es sticht hier und da und Treppen sind noch doof, alles aber besser als vorher. Trotzdem, als Pferd wäre ich bestimmt schon beim Abdecker  gelandet. Im Moment habe ich wieder so eine Phase wo ich alles in Frage stelle. Was mach ich hier eigentlich und warum und vor allem, warum hab ich nicht den Arsch in der Hose einfach zu sagen, nö, mache jetzt einfach nicht weiter. Ich bin völlig obergenervt von dem Aromatasehemmer. Das Zeug haut mir so auf die Gelenke, das kann sich ein Langarmer mal gerade nicht vorstellen. Außerdem fällt mir alles aus dem Fuß, der auch gerade nichts besseres tun hat als dauernd breiter zu werden. Ganz toll. Ehrlich, hätte mir vor Doofkrebs einer gesagt was daraus wird, dann hätte ich ihn einfach nicht genommen, jawohl, ich hätte mich einfach mal geweigert. Okay, es liegt ja nun an mir, wie ich damit umgehe. Ich versuche gerade mich selbst zu überzeugen, dass ich mich traue, das Zeug einfach über den Balkon zu werfen. Garantieren kann mir den Nutzen sowieso keiner und meine Schmerzgrenze ist irgendwie überschritten………. aber irgendwie ist da auch die Stimme die sagt, hm, das Risiko würde ich nicht eingehen. Es ist so schwierig, ich entschließe mich endlich und 5 Minuten später kommt das schlechte Gewissen. Ist wie im richtigen Leben.

Gerade war Reklame im Fernsehen mit Mario Barth. Fällt mir doch gleich mal sein toller Spruch ein: lieber Krebs als Jobcenter…… blödes Arschloch….und ja, das hätte ich auch ohne Doofkrebs gesagt.

Wo war ich..? Ach beim Leben überhaupt. Wie ich mich kenne, und ich kenne mich gut, werde ich solange daran rummeckern, bis die 5 Jahre, die ich das mindestens nehmen soll, vorbei sind. Ich hasse diese Unentschlossenheit. Sonst habe ich immer die große Klappe, in Ratschlägen verteilen bin ich auch gut, nur befolge ich meine eigenen auch nicht. Aber immerhin habe ich das schon mal erkannt. Also der Plan für das restliche Jahr: umsetzen. Na da lass ich mich doch mal überraschen.

Der nächste Plan ist, die Kilos, die ich mir im letzten Jahr wieder angefressen habe, wieder loszuwerden. Aber mal ehrlich, wenn anderthalb  Jahre alles so schmeckt als hätte man in die Haltestange einer Straßenbahn gebissen, dann gerät man schon in Versuchung, alles neu zu probieren. Und all den Mist vor Doofkrebs esse ich ja nun auch nicht. Aber die Hälfte weniger wäre vielleicht ne Idee. Mal sehen, oh Gott, ich habe soviel gute Pläne, wie ich mich kenne gibt das wahrscheinlich nix, aber in der Theorie bin ich echt klasse. Da macht mir keiner was vor.

Die nächste Idee, ich arbeite noch weniger und widme mich den Dingen, die mich interessieren. Wie z.B. die DGHS oder Allianz gegen Brustkrebs oder wieder mehr Hospiz? Auch da bin ich unentschlossen, vielleicht denke ich auch mal wieder zuviel nach. Aber es gibt ja auch soviel zu denken. Ich bin Mitglied in einer community Brustkrebs Nachsorge mit über 1700 Mitgliedern. Bei der Menge schreiben täglich mehrere Mädels irgendwas. Ich freue mich für jede mit, die eine gute Nachricht verbreitet, erwische mich bei schlechten Nachrichten, dass ich denke, gott sei dank nicht ich, versuche Mut zu machen und es ist echt cool, wenn viele Mädels dir antworten und dich wie auch immer unterstützen. Das ist genauso wertvoll wie die Allianz gegen Brustkrebs. Da treffen wir uns im Februar wieder, da freue ich mich schon drauf.

Nächstes Thema, irgendwann gibt’s immer mal wieder Artikel im Netz zu dem Thema, Krebs ist längst heilbar, das wird nur von der Pharmazeutischen Industrie und deren Lobby zurückgehalten, es geht schließlich um Kohle ohne Ende. Das schlimmste daran ist, ich glaube fast, ich glaube es. Wenn ich mir überlege, was die Firma Grünenthal damals mit  Contergan abgezogen hat, es ging damals auch nur um Kohle, das macht mir Angst. Ich glaube mittlerweile auch an die eine oder andere Verschwörungstheorie.

Damit wären wir wieder am Anfang, hab ich nun Fatique oder bin ich einfach von zuviel Narkosemittel müde? Ich gehe jetzt mal einfach von Alter, Wetter,  Erderwärmung  oder Ozonloch aus und werde nächste Woche meinen Hintern frohgemut aus dem Bett heben und einem geregelten Tagesablauf nachgehen und dann ist alles wieder gut. Keine blöden Gedanken, einfach leben und genießen und nicht soviel Gedanken machen. Es ist sowieso spannender, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Das Leben passiert dir eh, egal welche Befindlichkeiten du gerade hast. Es gibt noch soviel zu erleben, ich lerne irgendwie im Moment dauernd neue Menschen kennen, völlig spannend, ich trauer weiter um Conchita, die soooooooo gerne im Februar 44 geworden wäre, ich freue mich wenn mir im ElisabethKrankenhaus die Chemoschwester zuflüstert:  ich habe heute morgen wieder an Conchita gedacht –  und ich freue mich, dass es mir eigentlich gut geht und ich schaue nicht nach links oder rechts, was der oder der hat, was ich nicht habe, es zählt das hier und jetzt. Das ist der Ganzjahresplan. Ab nächste Woche zumindest. Jetzt werde ich das Wochenende noch ein bisschen rumjammern und rumliegen. Und ich hoffe, dass Heidrun noch kurz vorbeikommt, denn die kann eine Sektflasche aufmachen und ich nicht , zumindest nicht ohne mir das Gebiss rauszuschießen. Das wäre auch noch ein Plan, Sektflasche allein aufmachen, ich denke, den werde ich erstmal vorziehen.

Ein neues Jahr……

ist auch nicht anders als das alte Jahr. Allerdings ist es ab heute dunkelbeige für mich. Ich war als Kind schon irgendwie anders……….ich hab mir Zahlen und Monate immer in Farben vorgestellt. Dezember z.B. ist bei mir gefühlt rostfarben, Januar definitiv beige. Frag mich bloß keiner warum. Wahrscheinlich hab ich als Kind  schon zuviel Chemie abbekommen. Jedenfalls ist es ein neues Jahr und man denkt, irgendwas müsste sich doch ändern. Am Arsch um es mal unfein auszudrücken. Es geht nahtlos weiter mit der Bearbeitung der vorhandenen Baustellen. Manchmal hat man ja so komische Vorahnungen. Als ich am 23. beim Kardiologen war habe ich als Gefühlszustand ‚optimistisch‘ gepostet. Ich weiß ich hatte eine Sekunde gezögert und gedacht, jedesmal wenn du denkst alles ist gut kommt das dicke Ende. Ich muss echt mal langsam mehr auf mich hören. Seit Herceptin war bislang immer alles okay, Herzecho vor allem, denn Blutdruck messen ist ja bekanntlich nicht wegen mit ohne Arme. Mein Puls hat es ja immer ein bisschen eilig……. aber bislang alles im grünen Bereich. Kaum bist du eigentlich beruhigt sagt der doc, also jetzt sieht man aber langsam, dass das Herz von den letzten Jahren angegriffen ist. Ja sag ich, ich auch aber da muss es nun mal durch. Wir sind immer noch nicht bei wünsche dir was. Nee, sagt der doc, ich sehe an den Wänden dass der Druck doch wohl manchmal zu hoch ist und, gucken Sie mal hier, diese Zacken sind zu nah an denen und ich denke, da wäre doch mal ein kleiner Betablocker angesagt, fand er gut die Idee, ich nicht. Ich fragte ihn dann, ob ich in den nächsten Wochen jetzt gleich tot umfallen würde, echt, das wärs ja, klapperst das volle Brustkrebsbehandlungsprogramm ab um dann tot umzufallen, ne, meint der doc aber wir müssen was machen, na toll. Die Diskussion über einen kleinen niedlichen harmlosen Betablocker haben wir dann auf Mai verschoben, bzw. ich habe die verschoben und der doc hat zähneknirschend zustimmen müssen. Ich mag ihn echt, aber die Zeiten sind lange vorbei, in denen ich sofort alles genommen habe was einem doc einfiel. In der Ruhe liegt die Kraft.

Weihnachten und Silvester waren schön. Mehrere Leute haben mich gefragt ob das jetzt nicht schwierig sei ohne meine Mutter das erste Mal und letztes Jahr zeichnete sich das ja um diese Zeit ab. Ich habe da natürlich verschärft drüber nachgedacht, muss aber zu meinem eigenen Erstaunen feststellen, alles ist gut. Natürlich hätte ich sie noch gerne so 30 Jahre gehabt, aber dadurch, dass ich alle Zeit hatte mich von ihr zu verabschieden, sind es schöne Erinnerungen und ich hab meinen Frieden damit gemacht. Jedenfalls hab ich mich bei Kollegin Edda durchgefressen, bei Rainer und in Germete, da kommt Germeta her, hab mit Dieter getrunken und mit Heidrun, war zwischendurch frühstücken mit Gudrun und Lutz und mit Sabine und ihrer Mutter, kurzgesagt, vollgefressen und getrunken, alle Vorgaben für das Jahresende erfüllt. Danke an alle, war schön, und alles vertragen auch ohne Betagedöns. Geht doch.

Aber natürlich hab ich mir auch was vorgenommen im neuen Jahr. Ich werde ein paar wichtige Entscheidungen treffen, das ist der Plan, ich hoffe nicht nur theoretisch sondern auch praktisch …… ich mach das auf jeden Fall, zumindest probieren ich das, kann ja erstmal klein anfangen……. Vielleicht nächste Woche oder die drauf? Ich hasse es, ich will mein gemütliches Leben wieder haben, aber sowas von sofort. Ich hatte am 27. eine nette Unterhaltung mit meiner Frauenärztin über das Thema Lebensqualität. Ich stellte den Aromatasehemmer in Frage, es kann sich niemand der nicht dieselben Probleme hat vorstellen, was das mit den Gelenken macht. Es tut mir absolut alles weh und ich kann kaum was festhalten und mich ordentlich bewegen. Ist es mir das wert? Nur weil ich ev. dadurch nicht so schnell einen Rückfall kriege und 10 Minuten länger lebe vielleicht? Vielleicht auch nicht, weiß auch keiner………. warum soll ich mir das weiter  antun?  Ich bin sooooo neidisch auf die Mädels, die sich einfach hinstellen und sagen, nö, mache ich nicht und nehme ich nicht. Eine absolute Bauchentscheidung. Cool, will ich auch. Trau ich mich aber im Moment noch nicht wirklich. Sind die Probleme nicht ev. doch durch Verschleiß wegen Contergan? Hätte ich das auch ohne Aromatasekacke?

Also hier ist der Plan für die nächsten Wochen. Äh, ja, also ……. am 9. muss ich zum Augenarzt, das eine sehende Auge hat irgendwie auch keine Lust mehr und möchte eine OP so wie es aussieht, aber ich nicht, am 11.1. hab ich endlich die Kniearthroskopie. Da freue ich mich direkt drauf, ich kann das scheiß Teil kaum knicken. Ist das durch habe ich ein Rendezvous mit dem Zahnarzt, drei Zähne müssen restauriert werden, zwischendurch muss ich  mir nen Termin für die nächste Zometainfusion machen und schon ist der Januar rum. Jedenfalls hab ich mir vorgenommen, während sich mein Knie erholt, das ist der Zeitpunkt zum nachdenken, wenn ich Glück habe, dann kommt mir was dazwischen…. aber zumindest ist das der Plan. Mal sehen wie das mit dem Knie läuft, bzw. wie ich laufe mit ohne Stützen, ne, das heisst nicht Krücken. Aber ich konnte den Anästhesisten so vollquatschen und  den doc überreden, den OP Termin auf 9 Uhr zu verlegen, dass ich im 8 schnell zum Hausarzt kann der mir den Port ansticht und ich von dort pünktlich zur OP komme und dann nix wie heim. Bin begeistert wenn ich mich durchsetzen kann . Das ist erstmal der Plan für die nahe Zukunft, es werden wieder 138 Dinge dazwischen kommen. Es ist wie im richtigen Leben.

Also Resümee,  ob 2016 oder 2017, es ändert  sich nix und das ist auch gut so. Weil jeder nur für sich selbst was ändern kann. Mal sehen, was ich alles umsetzen kann oder werde, Pläne greifen nur bedingt, man muss sich einach zwischendurch mal ums Leben kümmern. Ich finde es weiterhin spannend und toll und ätzend und grrrŕrrr……aber es ist ja meins und damit kann ich machen was ich will.

Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr, jeder muss für sich entscheiden, was für ihn gut oder schlecht ist, also hört auf euch, scheißt drauf was andere sagen und bleibt neugierig auf das was kommt. Das, finde ich, ist ein ziemlich guter Plan.