Leben live….

Hallo Freunde des knallharten beats ……………..so fingen viele mails eines meiner Vorgesetzen an. Kam mir gerade irgendwie in den Sinn. Heute ist wieder so ein Tag …………… bin noch am Überlegen ob ich es lustig finde oder angepisst bin. Also ich dachte so, hm, is Sonntag, Wetter so okay, raus keine Lust, also machste wellness. Guten Rückenwohl-Badezusatz in die Wanne, was zu essen und zu trinken und ein Thriller, definitiv meine Vorstellung von relaxen. Gesagt, getan, eingetaucht und aaaaahhhhh. Witziger weise hatten wir gestern Abend das Thema, wie um Himmels Willen kommst du eigentlich aus der Wanne raus mit ohne Arme. Och, langsam mit gutem Gleichgewicht, also kein Rotwein im Wasser, und vertrauen auf, das ging immer, eigentlich nicht so schwierig. Aber da ich ja nicht völlig blöd bin, habe ich immer ein Telefon in der Nähe, falls mal ….. keine Ahnung, vorsichtshalber. Irgendwie hatte ich aber verdrängt, dass meine Füße schon die halbe Nacht bei Drehungen leicht gekrampft haben. Also dachte ich, jetzt raus bevor ich einschrumpel und habe mein linkes Bein nach links gedreht um darauf zu knien. Mitten in der Bewegung habe ich die Mutter eines Oberschenkelkrampfes gekriegt …… ach du Alarm ….. egal wo ich das Bein hingedreht habe, Krampf. Unter Gestöhne wie aua, Mist, verdammt, scheiße, ich bringe diesen Aromatsehemmer um, Hilfe und allem anderen was man so fluchen kann, habe ich dann ne Stellung gefunden wo der Krampf nachließ, aber nur bis zur kleinsten Bewegung. Mittlerweile saßen durch mein Gestöhne beide Katzen in der Badezimmertür und warteten gespannt wie es weitergeht, erst gesessen, dann ganz gemütlich die Vorderbeine untergesteckt, ja, das kann dauern, machen wir es uns mal bequem. Natürlich hat es mein Ego nicht zugelassen mal jemanden anzurufen, äh, was machst du gerade, ich brauche mal nen langen Arm. Lange Rede, kurzer Sinn, nach ner gefühlten Stunde hab ich mich irgendwie aus dieser Badewanne gezirkelt, geht doch. Mittlerweile hatte sich alles verkrampft, dreh ich die linke Schulter, zu weit nach unten sticht es mörder in der Doofkrebsbrust, dreh ich die rechte falsch sticht es in der rechten, die Narbe von der Angleichungs-OP, den linken Fuß den ich zum Anziehen brauche, da sticht es seit Umstellung des Aromatasekacks neuerdings auch wie blöd. Dafür bekommt der aber meinen Kniegelenken besser. Und wieder ist die Frage aller Fragen, nimmste das Zeug weiter oder möchtest du mehr Lebensqualität auch wenn deine docs die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich suche immer noch jemanden der das mal für mich entscheidet. Jedenfalls bin ich dann erstmal duschen gegangen. Ey, ich war sacknass geschwitzt. Und dann ne Ibuprofen 600 in Wein aufgelöst, lecker ….
Aber ich hatte eine wunderschöne Woche auf Fehmarn, viel gelaufen, ja, für mein Fahrgestell echt, immer mal stehen bleiben, hier tuts weh, da stichts, der Rücken bricht gleich durch, aber im Großen und Ganzen kann ich stolz auf mich sein. Und ich hatte Zeit mal wieder das Hirn zu lüften und mich auf das Wesentliche zu besinnen. Was wirklich blöd ist, ist treffe ne Entscheidung und dann geht’s ein bisschen besser und ich sitze es erstmal aus…………….. so vergeht die Zeit und manchmal habe ich Angst, dass ich eine für mich wichtige Entscheidung verschnarche, die Zeit vergeht so schnell. Gestern habe ich jemanden mit Kleidung meiner Mutter eine große Freude machen können, sie ist schon 15 Monate nicht mehr da. Wo sind die hin, was hab ich in der Zeit gemacht, ich glaube es nicht. Und Diagnose Doofkrebs war im Dezember 2013, 2015 hab ich vorzeitig mit Herceptin und Studienmedi abgebrochen. In der Notaufnahme des Klinikums müsste eigentlich ein Zimmer nach mir benannt werden so oft wie ich da war, äh, Entschuldigung, meine Nase blutet seit ner Stunde, ich bin Krebspatient, oh ja, gehen Sie vor, Arzt kommt sofort……………… war alles kacke, aber ich hatte nicht diese Kollateralschäden wie heute, das nehm ich dem Doofkrebs echt übel. Wenn ich dich kriege, na warte……….. Jedenfalls hatte ich eine Auszeit und das war wie heimlich im Dunkeln an den Kühlschrank schleichen………….eigentlich hätte ich im März wieder irgendwelche Nachsorgetermine, aber nein, der Beschluss war, März ist krebsfreier Monat, im April gibt es auch noch was zu untersuchen, Lust habe ich auch nicht, aber wir sind ja immer noch nicht bei wünsch dir was. Heute fragte mich jemand, was ist wenn wieder was ist. Hä, na dann ist was, dann werden die nicht vorhandenen Ärmel hochgekrempelt und es geht wieder an den Start. Ich rege mich nicht über ungelegte Eier auf. Man kann nicht planen, nur leben, wie oft kriege ich bei facebook oder so mit, was andere alle haben, dazubekommen, versterben, leben trotz Metas ohne Ende. Es ist wie es ist, einfach leben, lieben und genießen. Ich lass mich überraschen obwohl ich keine Lust auf diese dauernden Untersuchungen habe und jedes Mal mit Diskussion über den Port, nein, wir nehmen Blut so nicht ab, gut, dann geh ich eben, nein, das können Sie nicht, haben die ne Ahnung was ich alles kann. Mal sehen wie es diesmal läuft.
Ach, was auch lustig war, so als Ohnarmer (ich liebe dieses Wort wirklich, hohler geht’s nicht) in Deutschland. Auf Fehmarn steh ich mit Freundin in Bäckerei, Bedienung sagt, 2 Euro 10 oder so, ich krokel im Portemonnaie rum, war sie schon genervt…………. gibt mir das Rückgeld, bzw. gibt es mir nicht sondern legt es in die Schale, wir ahnen schon, an die ich natürlich nicht rankomme. Sie guckt und sieht das auch, macht aber null Anstalten das Ding mal zu schieben sondern guckt meine Freundin an, von der sie nicht wusste, dass wir zusammengehören, und sagt, Moment noch bitte. Wäre ich nicht im Urlaub gewesen hätte ich sie gefragt ob unter der Fönwelle auch Hirn ist. Manche Leute, dazu fällt mir nix ein. Doch, an der Tankstelle ein wie 12 Jahre aussehender Kassierer, guckt mich mit offenen Mund an und sagt, Sie können Auto fahren, cool ey, na das lob ich mir doch. Und dann war ich diese Woche noch in einer Werkstatt für Behinderte, was abholen, das Personal hatte Besprechung und ich hab geklopft und bin rein. 3 Männer, eine Frau, die mich von oben bis unten grell anguckte und den Mund aufmachte und ich haargenau wusste, was sie sagen wollte, ich sollte gefälligst nichts stören. Auch hier noch im Urlaubsmodus sprach ich einen der Männer an, guten Tag ich möchte gerne das und das abholen. Sie klappte den Mund zu, er kam mit und ich  konnte es mir nicht verkneifen, man glaubt es kaum, es gibt auch Behinderte in freier Wildbahn……. Nur gut, dass ich immer so nett bin.Tja, man muss echt kerngesund sein für das Leben.

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Was bestimmt mein Leben ?

Irgendwie hatte ich in der letzten Zeit öfter Gespräche über das Thema Angst. Das war immer völlig interessant, denn Angst ist nicht gleich Angst. Man muss erstmal rausfinden, vor was genau man eigentlich Angst hat, ist auch insofern hilfreich, kann man sie benennen, hat sie schon viel von ihrer Macht verloren.

Bei Diagnose Doofkrebs schlägt dir natürlich erstmal die rein existentielle Angst mit der Faust in den Magen. Du kriegst Schnappatmung und denkst, oh Gott, ich sterbe, ich werde leiden, mein Leben ist vorbei. Es gehen dir 27.453 Gedanken durch den Kopf, wie soll ich das schaffen, ich schaffe das nicht, niiiiiiiemals, gleichzeitig, das soll es gewesen sein, ich habe doch noch 1 Million Dinge vor……. Was ist mit meiner Familie, meinen Kindern, oh mein Gott, sie sind noch so klein. All solche Dinge eben.

Also, ein Plan muss her, wie kriege ich die Angst in den Griff. Ich finde das so völlig spannend, denn es gibt so viele Wege, manche kann ich für mich nicht nachvollziehen, bei manchen denk ich, thats it.

Eine meiner ganz lieben BK-Mädels glaubt an Gott und wirkt immer tiefenentspannt, Neid, aber ist so gar nicht meins. Sie sagt, sie vertraut Gott, er weiß was er für sie tut und sie vertraut darauf. Wahnsinn, echt, ich kann damit nichts anfangen, hänge aber voll gebannt an ihren Lippen wenn sie erzählt.

Ich glaube, viele haben Angst vorm Sterben, obwohl, ist es die Angst vor dem Prozess oder das Nichtmehrdasein? Oder auch ev. Schmerzen und Leiden oder/und dass das eine Beziehung nicht aushält. Und das kommt leider öfter vor als man denkt. Krebs ist ein Thema, damit kann nicht jeder umgehen und zieht sich zurück. Was natürlich für den Betroffenen noch ein Schlag in denselben Magen bedeutet.

Okay, ich möchte nicht über andere reden, also erzähl ich mal was da so meine Position ist. Zuerst natürlich, siehe oben….. ich denke, da sind wir uns alle gleich. Aber dann hab ich mich mal hingesetzt und Bilanz gezogen. Wovor habe ich eigentlich Angst?

Ich habe keine Angst zu sterben, ich fände es nur blöd weil mir das Leben Spass macht, ah, ich höre schon, erzähl doch nix, davor hast du doch Angst, lüg dir nicht selber in die Tasche, ne, tu ich nicht. Wir müssen alle sterben irgendwann, es ist nur früher nie so präsent gewesen. Ich durfte mittlerweile bei mehreren Menschen dabei sein als sie verstorben sind, seitdem habe ich erst recht keine Angst mehr. Und Schmerzen? Muss man heute nicht mehr haben. Was mir ev. einen kleinen Hauch von Angst einflößt ist der Gedanke, ich hätte keinen Menschen, würde bewegungslos und/oder dement in einem Altersheim rumhängen und könnte nicht selbstbestimmt sterben, da läuft mir doch ein Schauer über den Rücken. Weil ich möchte selbst bestimmen wann Schichtende ist, das wiederum hat aber was mit Lebensqualität zu tun, die mir im Moment wöchentlich abhanden geht wegen der Nebenwirkungen des Aromatasescheiß und der Conti-Spätfolgen.

Klar hab ich auch Angst, z.B. das mein einzig sehendes Auge so blind wird, dass ich nicht mehr Auto fahren kann, dass ich nachts im Dunkel in der Tiefgarage überfallen werde da mein Vermieter seit 2 Jahren anscheinend für ein Tor spart, dass ich liebgewonnene Menschen verliere. Aber ich denke, das ist normal, denn sonst könnte man ja andere Dinge nicht schätzen.

Also Balance halten, das ist das Mittel der Wahl. Das ist, zugegeben, nicht immer einfach. Alles im Leben ist gefährlich, oder um es mit den Worten meiner Frauenärztin auszudrücken, keiner zwingt mich an Brustkrebs zu sterben, ich kann mich auch versehentlich von der Straßenbahn überfahren lassen. Ich sitze täglich im Auto oder renne kurz vor rot über die Straße, okay ich nicht, rennen ist wirklich gestorben.

Was will ich nun damit kundtun? Das Leben ist schön und bietet viele Möglichkeiten, die man sich nicht durch die Angst vor irgendwas nehmen lassen sollte. Ich denke, obwohl ich nicht an diesen bestimmten Gott glaube, es ist eh vorbestimmt wann es vorbei ist, egal was ich mache, und ist es meine Bestimmung an Doofkrebs zu sterben, dann ist das so, natürlich versuche ich dem so lange wie möglich standzuhalten aber……..

Also, weg mit den trüben Gedanken, einfach leben, lieben und genießen und zwar jeden neuen Tag, Dinge tun und nicht verschieben und der Angst sagen, ich kenn dich und deswegen kannst du mir nichts tu. Und da gibt es kein richtig oder falsch,  jeder hat seinen Weg, egal  ob das andere verstehen oder nicht.

Ich wünsche mir, dass jeder so einen Weg für sich findet. Ich bin völlig dankbar, dass ich einen gefunden habe und nein, ich verdränge nichts, ich versuche immer die Dinge anzusprechen und mich ihnen zu stellen. Es ist manchmal anstrengend, aber ey, was soll mir schon passieren ??? ich liebe es…….

Weltkrebstag

Am 4. war ja Weltkrebstag und da ich neugierig bin, bin ich tatsächlich an dem Samstag gefühlt mitten in der Nacht aus dem Bett und war mit Diana um Punkt 9 im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel, jetzt DRK Kliniken……….na dann. Der 1. Vortrag der uns interessierte, ging über die Entstehung von Krebs. Okay, nützt mir jetzt auch nichts mehr, aber man will ja irgendwie doch wissen, warum man nun gerade von Doofkrebs ausgesucht wurde. Also was mich schonmal beruhigt, meine 4000 gegessenen Tüten Chips oder die diversen Asbach-Cola meiner frühen Jahre sind wahrscheinlich doch nicht unbedingt schuld daran. Eigentlich ist es ganz einfach, entweder man hat Pech oder nicht. Die Zellen hat jeder im Körper und der Plan ist, dass sie absterben und ausgeschieden werden. Der Plan ist gut, nur er funktioniert nicht immer. Denn manche vergessen einfach zu sterben, was übrigens auch mein Plan ist, und schlafen vor sich hin, bis sie irgendwann  mutieren und beginnen Unheil anzurichten, das ist die eine Art, die andere ist eben, eine Zelle beginnt durch welchen Defekt auch immer die Richtung zu ändern und schon geht’s los.  Also das ist jetzt mal so wie ich das verstanden habe.

Die Veranstaltung an sich war gut organisiert.  Auf den Fluren waren viele Stände von Kliniken, Einrichtungen,  Pflege,  Perückenläden, Allianz gegen Brustkrebs, Praxis Strahlentherapie usw.. Man konnte sich über alles informieren was so zu einer Krebsdiagnose und Behandlung gehört. Die Organisatoren haben sich echt Mühe gegeben.

Wir haben uns mehr Vorträge angehört als eigentlich geplant war, es war einfach alles interessant. Das Krankenhaus hat eine Palliativstation die besichtigt werden konnte, man konnte sich Videos von OPs ansehen, die ein doc erklärte,  selbst versuchen zu nähen und all sowie,  kurz gesagt,  es war echt gelungen. Schade war nur, dass sowenig  Reklame gemacht wurde. Aber es waren schon ordentlich Leute da.

Okay, also warum tu ich mir das an? Weiß ich auch nicht wirklich, aber es interessiert mich einfach.  Ich beschäftige mich nicht dauernd mit Krebs , ich weiß auch nicht alles genau wie meiner funktioniert,  es ist auch viel zuviel input aber es ist ein Thema das mich direkt betrifft und deshalb ist es mir wichtig,  mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Und ich habe es einiges mitgenommen:

Erstmal können wir froh sein hier zu leben,  es war mir echt nicht bewusst,  wieviel Arbeit,  Engagement und auch Leidenschaft die ganzen Ärzte, Forscher und wer noch dazu gehört in die Bekämpfung von Krebs stecken. Das Thema ist so unglaublich komplex,  ich verstehe nur das Grobe und das auch nur für Normalos erklärt. Aber das haben alle Redner gut hingekriegt. Mag unser Gesundheitswesen auch manchmal Mist sein, ich fluche auch genug, aber jedenfalls haben wir sowas überhaupt. Trifft dich der Doofkrebs in einem armen Land, dann gute Nacht. Es ist wie alles im Leben leider eine Frage der Kohle, eine auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie kann kein sich  System der Welt leisten. Wobei wir wieder bei der Diskussion wären, wäre Krebs leicht heilbar, müsste die Pharmaindustrie ev. von goldfarbenen Ferraris auf rot umsteigen. Und das geht ja nun echt nicht.  Es ist müßig. Ich für meinen Teil bin jedenfalls dankbar,  dass so viele Menschen zusammen arbeiten um mir ein Möglichstes an vorhandener Therapie anbieten zu können, mir als einfachem Kassenpatient.  Wobei mir einfällt,  vor Jahren habe ich versucht,  eine private Zusatzversicherung zu bekommen,  auch nur 1. Klasse und Chefarzt oder und Tagegeld wurde rundweg abgelehnt. Begründung,  ich sei schließlich behindert. …ja  und? Werde ich von kurzen Armen krank, is klar. Ich müsste viel mehr ins Krankenhaus als andere….. oh, die Herrschaften konnten in die Zukunft blicken. Was solls,  hab ich die Kohle eben in ABC angelegt. (Asbach, bißchen Cola).

Fakt ist auch, im Jahr 2030 gibt es wesentlich mehr 80, 90 oder 100jährige. Sehr wesentlich sogar. Und je älter man wird desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken. Jeder 2. wird im Laufe des Lebens die Diagnose erhalten, weswegen nicht gleichbedeutend mehr Menschen sterben, die Therapien werden besser aber das ist wohl der Preis für ein immer längeres Leben. Natürlich, stirbt man mit 75 an ne Herz-Kreislauferkrankung,  dann kriegt man nicht mehr mit,  dass man mit 80 Krebs kriegt. Wie auch immer. Auf jeden Fall war bei dem Vortrag über Krebs im Alter nicht viel los. Ich dachte, jetzt kommen alle ältere Leute die draußen rumliefen, nix da, die sind geflüchtet, irgendwie will man es wohl doch nicht so wissen? Ich kann nur sagen, hat einer von euch jemand mit Mitte 70 der erkrankt, auf jeden Fall wohin,wo geriatrische Abteilung ist und man erstmal abcheckt,  was sinnvoll ist und was alles noch schlimmer macht.

Und natürlich die Vorsorge , ich kann nur wieder sagen, wäre ich nicht hin, sähe es wohl schlecht aus. Zumal erzählt wurde, man denkt um, Krebs macht nicht irgendwann mal Jahre später  Metastasen sondern es siedeln sich Zellen früh ab und gehen dann erstmal pennen bis wer weiß schon wann. Deshalb so schnell wie möglich die Zellhaufen, die sich zum Tumor zusammengerottet haben rausholen, bevor sie viele kleine Späher senden können. Erscheint mir logisch.

Kurz gesagt, entweder es erwischt dich oder nicht,  du kannst nichts vorbeugend tun, nur hinterher vielleicht gesünder leben und sich mehr bewegen und sowas. Da bin ich im Moment nur in der Theorie gut, aber echt, der Aromatasehemmer macht mir sowas von Probleme und Tabletten nehmen um Nebenwirkungen von Tabletten  zu ertragen ist doch auch scheiße.  Irgendwann schmeiß ich die aus dem Fenster,  ich schwöre es. Jedenfalls war es ein gelungener Tag, meine Füße haben gebrannt, das Knie wieder dicke,  der Rücken tot, Hirn voll und hungrig.  Da kann man jedenfalls was gegen machen. Die Schäden, die die Behandlungen bei mir ausgelöst haben, finde ich vielen schlimmer als den Doofkrebs an sich, die Alternative ist aber auch keine Option. Es ist wie es ist,  alles eine Scheiße,  ja, positiv denken, also schöne Scheiße. Nichtsdestotrotz liebe ich die Scheiße und werde wieder morgen früh fluchend über meine Knochen aus dem Bett kriechen und überlegen,  was ich denn mal für eine Krankheit haben könnte um im Bett liegen zu bleiben.  So wie jeden 2. Tag.  Wenn mir was Gutes eingefallen ist, stehe ich meist schon an der Arbeit in der Tiefgarage. Pech gehabt, aber ich liebe es.

Fatique?

Ich glaube, ich habe in den letzten 2 Wochen mehr geschlafen als in den letzten 3 Jahren. Sobald ich sitze klappen mir die Augen zu. Für mein operiertes Knie ist das nicht schlecht, aber normal ist das auch nicht. Andererseits war ich auch dauernd irgendwie on Tour. Das Schlimme ist, man kann sich ganz leicht daran gewöhnen. Wenn dich Fatique erwischt,ist das, glaube ich, nicht wirklich lustig. Ich bin echt froh, dass ich nächste Woche wieder arbeite, denn sonst würde ich mich hemmungslos gehen lassen. Ich weiß es genau. Wenn man nichts zu tun hat wozu man aufstehen muss, warum sollte man denn. Dazu noch doofe Gedanken, hier tut was weh, da ist ne Knubbel, schon fängst du dir ne fette Depression ein. Das ist einfach scheiße. Das sind alles Kollateralschäden von Doofkrebs und alle sagen, du bist doch wieder gesund, warum stehst du nicht auf und kommst mit? Als wenn das einfach eine Frage des Wollens wäre.

Mittlerweile ist meine Knie OP  über 2 Wochen her und es wird langsam. Es sticht hier und da und Treppen sind noch doof, alles aber besser als vorher. Trotzdem, als Pferd wäre ich bestimmt schon beim Abdecker  gelandet. Im Moment habe ich wieder so eine Phase wo ich alles in Frage stelle. Was mach ich hier eigentlich und warum und vor allem, warum hab ich nicht den Arsch in der Hose einfach zu sagen, nö, mache jetzt einfach nicht weiter. Ich bin völlig obergenervt von dem Aromatasehemmer. Das Zeug haut mir so auf die Gelenke, das kann sich ein Langarmer mal gerade nicht vorstellen. Außerdem fällt mir alles aus dem Fuß, der auch gerade nichts besseres tun hat als dauernd breiter zu werden. Ganz toll. Ehrlich, hätte mir vor Doofkrebs einer gesagt was daraus wird, dann hätte ich ihn einfach nicht genommen, jawohl, ich hätte mich einfach mal geweigert. Okay, es liegt ja nun an mir, wie ich damit umgehe. Ich versuche gerade mich selbst zu überzeugen, dass ich mich traue, das Zeug einfach über den Balkon zu werfen. Garantieren kann mir den Nutzen sowieso keiner und meine Schmerzgrenze ist irgendwie überschritten………. aber irgendwie ist da auch die Stimme die sagt, hm, das Risiko würde ich nicht eingehen. Es ist so schwierig, ich entschließe mich endlich und 5 Minuten später kommt das schlechte Gewissen. Ist wie im richtigen Leben.

Gerade war Reklame im Fernsehen mit Mario Barth. Fällt mir doch gleich mal sein toller Spruch ein: lieber Krebs als Jobcenter…… blödes Arschloch….und ja, das hätte ich auch ohne Doofkrebs gesagt.

Wo war ich..? Ach beim Leben überhaupt. Wie ich mich kenne, und ich kenne mich gut, werde ich solange daran rummeckern, bis die 5 Jahre, die ich das mindestens nehmen soll, vorbei sind. Ich hasse diese Unentschlossenheit. Sonst habe ich immer die große Klappe, in Ratschlägen verteilen bin ich auch gut, nur befolge ich meine eigenen auch nicht. Aber immerhin habe ich das schon mal erkannt. Also der Plan für das restliche Jahr: umsetzen. Na da lass ich mich doch mal überraschen.

Der nächste Plan ist, die Kilos, die ich mir im letzten Jahr wieder angefressen habe, wieder loszuwerden. Aber mal ehrlich, wenn anderthalb  Jahre alles so schmeckt als hätte man in die Haltestange einer Straßenbahn gebissen, dann gerät man schon in Versuchung, alles neu zu probieren. Und all den Mist vor Doofkrebs esse ich ja nun auch nicht. Aber die Hälfte weniger wäre vielleicht ne Idee. Mal sehen, oh Gott, ich habe soviel gute Pläne, wie ich mich kenne gibt das wahrscheinlich nix, aber in der Theorie bin ich echt klasse. Da macht mir keiner was vor.

Die nächste Idee, ich arbeite noch weniger und widme mich den Dingen, die mich interessieren. Wie z.B. die DGHS oder Allianz gegen Brustkrebs oder wieder mehr Hospiz? Auch da bin ich unentschlossen, vielleicht denke ich auch mal wieder zuviel nach. Aber es gibt ja auch soviel zu denken. Ich bin Mitglied in einer community Brustkrebs Nachsorge mit über 1700 Mitgliedern. Bei der Menge schreiben täglich mehrere Mädels irgendwas. Ich freue mich für jede mit, die eine gute Nachricht verbreitet, erwische mich bei schlechten Nachrichten, dass ich denke, gott sei dank nicht ich, versuche Mut zu machen und es ist echt cool, wenn viele Mädels dir antworten und dich wie auch immer unterstützen. Das ist genauso wertvoll wie die Allianz gegen Brustkrebs. Da treffen wir uns im Februar wieder, da freue ich mich schon drauf.

Nächstes Thema, irgendwann gibt’s immer mal wieder Artikel im Netz zu dem Thema, Krebs ist längst heilbar, das wird nur von der Pharmazeutischen Industrie und deren Lobby zurückgehalten, es geht schließlich um Kohle ohne Ende. Das schlimmste daran ist, ich glaube fast, ich glaube es. Wenn ich mir überlege, was die Firma Grünenthal damals mit  Contergan abgezogen hat, es ging damals auch nur um Kohle, das macht mir Angst. Ich glaube mittlerweile auch an die eine oder andere Verschwörungstheorie.

Damit wären wir wieder am Anfang, hab ich nun Fatique oder bin ich einfach von zuviel Narkosemittel müde? Ich gehe jetzt mal einfach von Alter, Wetter,  Erderwärmung  oder Ozonloch aus und werde nächste Woche meinen Hintern frohgemut aus dem Bett heben und einem geregelten Tagesablauf nachgehen und dann ist alles wieder gut. Keine blöden Gedanken, einfach leben und genießen und nicht soviel Gedanken machen. Es ist sowieso spannender, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Das Leben passiert dir eh, egal welche Befindlichkeiten du gerade hast. Es gibt noch soviel zu erleben, ich lerne irgendwie im Moment dauernd neue Menschen kennen, völlig spannend, ich trauer weiter um Conchita, die soooooooo gerne im Februar 44 geworden wäre, ich freue mich wenn mir im ElisabethKrankenhaus die Chemoschwester zuflüstert:  ich habe heute morgen wieder an Conchita gedacht –  und ich freue mich, dass es mir eigentlich gut geht und ich schaue nicht nach links oder rechts, was der oder der hat, was ich nicht habe, es zählt das hier und jetzt. Das ist der Ganzjahresplan. Ab nächste Woche zumindest. Jetzt werde ich das Wochenende noch ein bisschen rumjammern und rumliegen. Und ich hoffe, dass Heidrun noch kurz vorbeikommt, denn die kann eine Sektflasche aufmachen und ich nicht , zumindest nicht ohne mir das Gebiss rauszuschießen. Das wäre auch noch ein Plan, Sektflasche allein aufmachen, ich denke, den werde ich erstmal vorziehen.

Ein neues Jahr……

ist auch nicht anders als das alte Jahr. Allerdings ist es ab heute dunkelbeige für mich. Ich war als Kind schon irgendwie anders……….ich hab mir Zahlen und Monate immer in Farben vorgestellt. Dezember z.B. ist bei mir gefühlt rostfarben, Januar definitiv beige. Frag mich bloß keiner warum. Wahrscheinlich hab ich als Kind  schon zuviel Chemie abbekommen. Jedenfalls ist es ein neues Jahr und man denkt, irgendwas müsste sich doch ändern. Am Arsch um es mal unfein auszudrücken. Es geht nahtlos weiter mit der Bearbeitung der vorhandenen Baustellen. Manchmal hat man ja so komische Vorahnungen. Als ich am 23. beim Kardiologen war habe ich als Gefühlszustand ‚optimistisch‘ gepostet. Ich weiß ich hatte eine Sekunde gezögert und gedacht, jedesmal wenn du denkst alles ist gut kommt das dicke Ende. Ich muss echt mal langsam mehr auf mich hören. Seit Herceptin war bislang immer alles okay, Herzecho vor allem, denn Blutdruck messen ist ja bekanntlich nicht wegen mit ohne Arme. Mein Puls hat es ja immer ein bisschen eilig……. aber bislang alles im grünen Bereich. Kaum bist du eigentlich beruhigt sagt der doc, also jetzt sieht man aber langsam, dass das Herz von den letzten Jahren angegriffen ist. Ja sag ich, ich auch aber da muss es nun mal durch. Wir sind immer noch nicht bei wünsche dir was. Nee, sagt der doc, ich sehe an den Wänden dass der Druck doch wohl manchmal zu hoch ist und, gucken Sie mal hier, diese Zacken sind zu nah an denen und ich denke, da wäre doch mal ein kleiner Betablocker angesagt, fand er gut die Idee, ich nicht. Ich fragte ihn dann, ob ich in den nächsten Wochen jetzt gleich tot umfallen würde, echt, das wärs ja, klapperst das volle Brustkrebsbehandlungsprogramm ab um dann tot umzufallen, ne, meint der doc aber wir müssen was machen, na toll. Die Diskussion über einen kleinen niedlichen harmlosen Betablocker haben wir dann auf Mai verschoben, bzw. ich habe die verschoben und der doc hat zähneknirschend zustimmen müssen. Ich mag ihn echt, aber die Zeiten sind lange vorbei, in denen ich sofort alles genommen habe was einem doc einfiel. In der Ruhe liegt die Kraft.

Weihnachten und Silvester waren schön. Mehrere Leute haben mich gefragt ob das jetzt nicht schwierig sei ohne meine Mutter das erste Mal und letztes Jahr zeichnete sich das ja um diese Zeit ab. Ich habe da natürlich verschärft drüber nachgedacht, muss aber zu meinem eigenen Erstaunen feststellen, alles ist gut. Natürlich hätte ich sie noch gerne so 30 Jahre gehabt, aber dadurch, dass ich alle Zeit hatte mich von ihr zu verabschieden, sind es schöne Erinnerungen und ich hab meinen Frieden damit gemacht. Jedenfalls hab ich mich bei Kollegin Edda durchgefressen, bei Rainer und in Germete, da kommt Germeta her, hab mit Dieter getrunken und mit Heidrun, war zwischendurch frühstücken mit Gudrun und Lutz und mit Sabine und ihrer Mutter, kurzgesagt, vollgefressen und getrunken, alle Vorgaben für das Jahresende erfüllt. Danke an alle, war schön, und alles vertragen auch ohne Betagedöns. Geht doch.

Aber natürlich hab ich mir auch was vorgenommen im neuen Jahr. Ich werde ein paar wichtige Entscheidungen treffen, das ist der Plan, ich hoffe nicht nur theoretisch sondern auch praktisch …… ich mach das auf jeden Fall, zumindest probieren ich das, kann ja erstmal klein anfangen……. Vielleicht nächste Woche oder die drauf? Ich hasse es, ich will mein gemütliches Leben wieder haben, aber sowas von sofort. Ich hatte am 27. eine nette Unterhaltung mit meiner Frauenärztin über das Thema Lebensqualität. Ich stellte den Aromatasehemmer in Frage, es kann sich niemand der nicht dieselben Probleme hat vorstellen, was das mit den Gelenken macht. Es tut mir absolut alles weh und ich kann kaum was festhalten und mich ordentlich bewegen. Ist es mir das wert? Nur weil ich ev. dadurch nicht so schnell einen Rückfall kriege und 10 Minuten länger lebe vielleicht? Vielleicht auch nicht, weiß auch keiner………. warum soll ich mir das weiter  antun?  Ich bin sooooo neidisch auf die Mädels, die sich einfach hinstellen und sagen, nö, mache ich nicht und nehme ich nicht. Eine absolute Bauchentscheidung. Cool, will ich auch. Trau ich mich aber im Moment noch nicht wirklich. Sind die Probleme nicht ev. doch durch Verschleiß wegen Contergan? Hätte ich das auch ohne Aromatasekacke?

Also hier ist der Plan für die nächsten Wochen. Äh, ja, also ……. am 9. muss ich zum Augenarzt, das eine sehende Auge hat irgendwie auch keine Lust mehr und möchte eine OP so wie es aussieht, aber ich nicht, am 11.1. hab ich endlich die Kniearthroskopie. Da freue ich mich direkt drauf, ich kann das scheiß Teil kaum knicken. Ist das durch habe ich ein Rendezvous mit dem Zahnarzt, drei Zähne müssen restauriert werden, zwischendurch muss ich  mir nen Termin für die nächste Zometainfusion machen und schon ist der Januar rum. Jedenfalls hab ich mir vorgenommen, während sich mein Knie erholt, das ist der Zeitpunkt zum nachdenken, wenn ich Glück habe, dann kommt mir was dazwischen…. aber zumindest ist das der Plan. Mal sehen wie das mit dem Knie läuft, bzw. wie ich laufe mit ohne Stützen, ne, das heisst nicht Krücken. Aber ich konnte den Anästhesisten so vollquatschen und  den doc überreden, den OP Termin auf 9 Uhr zu verlegen, dass ich im 8 schnell zum Hausarzt kann der mir den Port ansticht und ich von dort pünktlich zur OP komme und dann nix wie heim. Bin begeistert wenn ich mich durchsetzen kann . Das ist erstmal der Plan für die nahe Zukunft, es werden wieder 138 Dinge dazwischen kommen. Es ist wie im richtigen Leben.

Also Resümee,  ob 2016 oder 2017, es ändert  sich nix und das ist auch gut so. Weil jeder nur für sich selbst was ändern kann. Mal sehen, was ich alles umsetzen kann oder werde, Pläne greifen nur bedingt, man muss sich einach zwischendurch mal ums Leben kümmern. Ich finde es weiterhin spannend und toll und ätzend und grrrŕrrr……aber es ist ja meins und damit kann ich machen was ich will.

Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr, jeder muss für sich entscheiden, was für ihn gut oder schlecht ist, also hört auf euch, scheißt drauf was andere sagen und bleibt neugierig auf das was kommt. Das, finde ich, ist ein ziemlich guter Plan.

Mein ganz persönliches Weihnachtsgefühl…. …

hat mich heute plötzlich und unerwartet von hinten angesprungen. Ich habe einen alten Freund im Klinikum besucht, hab ihn ein paar Jahre nicht gesehen. Letzte Woche habe ich zufällig erfahren, dass er im Krankenhaus liegt, irgendwas mit Krebs und es sähe nicht sooooo gut aus. Also habe ich fragen lassen ob ich kommen darf und ja, er würde sich freuen. Ich war heute da und wir haben ein Stündchen von den guten alten Zeiten geredet und wer schon alles nicht mehr da ist. Und manchmal entpuppt sich eine Katastrophe auf den 2. Blick als…  ………… irgendwie muss ich mir noch das passende Wort dazu suchen. Jedenfalls wurde bei einer Notoperation wegen eines geplatzten Gefäßes Bauchspeicheldrüsenkrebs im Anfangsstadium diagnostiziert und der hat noch nicht gestreut……. also kann man dem Gefäß nicht wirklich böse sein.

Wir haben dann beide festgestellt, dass das Leben viel zu kurz ist um jemanden aus den Augen zu verlieren, den man eigentlich mag. Also wollen wir uns in Zukunft wieder wie auch immer mehr umeinander kümmern. Eine echt gute Idee. Als ich raus bin, haben sich irgendwie alle angelächelt. Das war schon wirklich auffallend.

Dann bin ich über die Wolfhager nach Harleshausen zur Tierwelt. Um 18.00 , als die Schweigeminute für Berlin angesagt wurde, sind doch tatsächlich mehrere Autos rechts ran gefahren. Echt unglaublich, noch unglaublicher….keiner hat gehupt.

Und da war es plötzlich, mein Weihnachtsgefühl…..hoffentlich hält es ein paar Tage.

Und noch was haben wir beschlossen…..nächstes Jahr gibt es keinen Krebs sondern Langusten.

Schöne Weihnachten

Heute vor 3 Jahren

…. war meine Welt noch in Ordnung.

morgen vor 3 Jahren wurde ich unsanft aus meinem bequemen Leben geschossen.

morgen vor 2 Jahren habe ich geheiratet

morgen vor einem Jahr war irgendwie klar, dass meine Mutter ernsthaft erkrankt war.

2016 hat mich unglaublich viel Kraft gekostet. Manchmal denkt man im Nachhinein betrachtet, wie hab ich das bloß hingekriegt? Gut, dass mir diese Frage nie mittendrin einfällt… Im Januar ist meine Mutter verstorben, einfach so könnte man sagen. Ich musste mich ein dreiviertel Jahr mit der Friedhofsverwaltung und anderen Behörden streiten um meinen Bruder und meinen Stiefvater hier in den FriedWald unter unseren Baum umbetten zu lassen, das war wirklich unglaublich. Die Friedhöfe sind angepisst, die Menschen wählen andere Bestattungsformen und die kriegen ihre Gräber  nicht voll. Du hast kein Recht auf Umbettung in Deutschland und bist auf die Gnade einzelner Beamter angewiesen, aber Mutter und ich haben das ausgesessen, so dass wir alle 3 zusammen letzten Monat zusammen unter den Baum einziehen lassen konnten. Was mich ein bißchen versöhnt ist, in diesem Jahr sind so viele Menschen verstorben mit denen ich groß geworden bin, so ist sie in einer Reihe mit vielen Menschen, deren Tod ich völlig scheiße finde. Ja, ich weiß, klingt völlig bekloppt, habe aber auch nie behauptet, ich wäre normal. Normal kann jeder. Und ich habe mich von jemanden mental verabschiedet, von dem ich dachte, wir sind Freunde fürs Leben, leider hätte das nur funktioniert, hätte ich meine eigenen Meinungen angepasst. Es ist keine gute Idee jemandem nur deshalb zu verzeihen weil man ihn vermisst. Und das Jahr ging gnadenlos kacke weiter. Mit jedem Monat ist die Liste der Dinge die mir schwerer fallen oder so einfach nicht mehr gehen, länger geworden. Einfach mal den Fuß hoch und zugreifen, geht nicht mehr, das Bein dahin kriegen wo ich es brauche, nur unter stöhen und fluchen, mit den Zehen zugreifen um z.B. eine Kehrschaufel zu benutzen, nix, fällt raus. Den BH über den Kopf ziehen und fertig, ohne Türklinke brauche ich gar nicht anzufangen. Ich brauche alle möglichen Möbelstücke um hier und da einzuhaken oder den Arm abzustürzen oder auf fremden Klos die Hose wieder hochzuziehen, alles Dinge, die vor kurzem kein Problem waren. Das sind für mich elementare Dinge, die ein Langarmer gar nicht nachvollziehen kann. Und ich kenne alle meine Gelenke persönlich mit Vornamen, jedes einzelne tut weh und ich verhandel jeden Tag mit jedem einzelnen, los Knie, ich muss in die Hocke, jetzt mach mal nicht so blöd. Aber wie immer hört keine Sau auf mich. Und die ganzen Untersuchungen, hier mal ne MRT was das Hämagiom in der Leber so macht, da mal ne Ultraschall von der Brust, dann mal das Gefühl, äh, das war letzte Woche aber noch nicht da, dann mal zum Blut abnehmen, oh ein halbes Jahr ist um, gönne ich mir noch eine Infusion mit Zometa obwohl ich es scheiße vertrage, wieso habe ich plötzlich wieder eine Blutung? Vergiß den Zahnarzt nicht, Zometa kann Kiefernekrosen machen, neuer Termin für Mammografie und MRT. Und prompt kriege ich kein Ergebnis weil der Server abgekackt ist und sich die Bilder nicht aufbauen. Das mit den Blutungen darf irgendwie nicht sein, wir machen mal ne GebärmutterSpiegelung. Ganz toll, war schon immer ein Traum von mir. Mittlerweile humpel ich wie ein lahmes Pferd, MRT vom Knie war auch nett. Knie tot, am 11.1.17 gibt’s erstmal ne Arthroskopie um zu retten was zu retten ist. Meine Augen, bzw. das eine auf dem ich sehe, wird immer schlechter, tja, ich glaube sie müssen dann doch mal ne graue Star oP in Erwägung ziehen. Die Mädels von denen ich mitkriege, dass von einer Untersuchung zur anderen sich Metas ausgebreitet haben oder ein neuer Tumor plötzlich da ist, davon will ich lieber gar nichts erzählen. Was mich am meisten ärgert ist, ich weiß nicht, auf wen ich sauer sein soll. Woran jetzt genau ist der Doofkrebs mit dem Aromatasehemmer schuld und woran Contergan? Ich wette, die beiden hängen irgendwo gemeinsam ab und denken sich, tja Mädel, Pech, dann rate mal schön, wir sagen es dir nicht. Wenn ich mich so in der Conti-Kommunity umhöre…….. es geht stetig bergab. Kaum einer kann noch arbeiten und dieses ewige Hin und Her mit der Stiftung ist zermürbend. Kurz gesagt, Mist auf ganzer Linie. Ich habe keine Lust mehr auf Doofkreb und Contergan.

Natürlich hat bekanntlich jedes Ding seine 2 Seiten. Also auch 2016. Es gibt auch Dinge, die mich glücklich, stolz und zufrieden gemacht haben. Ich bin alles 3 in Bezug auf meine Mutter. Ich konnte ihr ermöglichen, hier Zuhause zu versterben, mit Udo Jürgens im Hintergrund, der Möglichkeit noch alles zu sagen und sich zu verabschieden. Das war natürlich nur mit Hilfe möglich aber es war mir soooooooooo wichtig und wenn man das erstmal verarbeitet hat, macht es einen stark und stolz. So kann ich mich immer mit einem Lächeln erinnern. Und ich habe über mich gelernt und Entscheidungen getroffen. Ich bin jetzt Mitglied bei der DGHS. Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben. Nein, wir planen nicht den kollektiven Selbstmord, finden es aber unsagbar wichtig, dass jeder so weit wie möglich über seinen Tod selbst bestimmen kann und dies auch umgesetzt wird, und sich Krankenhäuser oder Angehörige nicht darüber hinwegsetzen können. Desweiteren gehe ich schön regelmäßig zum Treffen der Gruppe Allianz gegen Brustkrebs. Ich war nie der Vereinstyp aber man bekommt viele Infos, kann sich mit anderen Frauen austauschen und muss nicht immer seine Befindlichkeiten erklären. Im richtigen Leben wird man oft angesprochen, schön, sie sehen ja gut aus, na ja, sie sind ja wieder gesund und können ihr Leben wieder genießen. Ja, ist klar, nur isses leider nicht so. Irgendwie fehlt einem da der Nerv für größere Erklärungen. Daher finde ich diese Gruppe  um so wichtig. Was mich auch sehr gefreut hat, RTL Hessen hat in meinem Blog gelesen und angefragt ob sie ein Portrait über mich machen dürfen. Ich war echt erstmal vorsichtig, auf sowas wie Bauer sucht Frau oder Schwiegertochter gesucht kann ich gar nicht, letztendlich nach einigen Gesprächen mit Alex Pitronik von RTL Hessen habe ich meinem Bauch vertraut. Der ist ja auch groß genug. Am meisten gefreut hat mich, dass Heidi von der Allianz gegen Brustkrebs mitgemach hat und ich finde, der Beitrag ist gut geworden. Wer mal Lust hat zu gucken, ich hab es nicht so mit verlinken…. bin blond, ne, war blond…

http://www.rtl-hessen.de      Sendung vom 08.12.16 Sabines Kampf gegen den Doofkrebs

Hier auch nochmal der link zum Artikel der HNA vom 18.08.16

http://www.hna.de/kassel/bietet-doofkrebs-paroli-macht-anderen-internet-6674444.html

auch sehr interessant: http://www.allianz-gegen-brustkrebs.de und http://www.denkwandel-coaching.de

Aber, das Allerwichtigste, Fanfare bitte……. ohne meine Freunde und Bekannten und Restfamilie ginge echt gar nichts. Ich habe Freunde, die mir beim Abschied meiner Mutter ihre ganze körperliche und mentale Kraft  gegeben haben, die immer da sind, auf die ich mich immer verlassen kann und ohne die ich manchmal nicht wüsste, ob ich hier weiter so klar komme. Also Dieter, Heidrun, Rainer, Peggy, Edda, Daniela, Claus,Marlies, Patricia, Gudrun, Sabine, Jutta und noch einige mehr…… ohne Euch wäre ich echt am Arsch. Wann immer ich was für Euch tun kann……sofort melden bitte. Ganz vielen Dank. Das macht mich glücklich. Ich hab immer noch den Job den ich liebe, ich trinke weiterhin Alkohol und esse Schokolade.

Was bleibt unterm Strich? Ich liebe mein Leben und gebe es freiwillig nicht her. Und wenn es nicht anders geht, dann muss ich mir eben eine Türklinke oder meinen Schrank mitnehmen. Dann ist es eben so. Ich will nichts ändern, ich bin glücklich und zufrieden und wenn ich mal am meckern bin, dann ist es auch gut. Ich behalte Doofkrebs, will keine langen Arme und habe weiterhin keine Angst vor dem Tod. Ich fände es einfach nur scheiße zu sterben weil ich noch so viel vor habe. Und zu sterben ist ja eh nicht der Plan. Ich bin mal gespannt auf 2017, was ich heute in einem Jahr schreiben werde. Das Jahr kriegt eine faire Chance, und ich hoffe, ich werde keinen von Euch verlieren….

Also: ich danke jedem Einzelnen von Euch dafür.