Wetterfühligkeiten

Wie heißt es so schön: die Zeit heilt alle Wunden, na denn……….. Aus Erfahrung mit Wunden aller Art kann ich sagen, dass manche Wunden Narben hinterlassen, die wiederum manchmal sehr auf das Wetter reagieren. 2018 begann scheiße sowie 2017 endete, nämlich mit dem Tod einer alten Freundin. Wobei mit alt definitiv die Jahrzehnte gemeint sind, die wir uns kannten. Ansonsten war sie ein Jahr jünger als ich und auch ein Conti, mit 4fach Schädigung wie es so schön im Amtsdeutsch heißt, dh. kurze Arme und nur Füße unterm Hintern. Oh, ich höre schön das entsetzte Raunen, wie furchtbar, nö, war nicht furchtbar, nur eben früher manchmal mühselig aber Spaß hatten wir doch. Als wir so 11 oder so waren und sie noch etwas handlicher, konnte man sie prima in den Mülleimer stecken, wenn sie genervt hat. Ja, das waren noch gute Zeiten. Das wird definitiv eine größere Narbe, die auch sicher den Rest meines Lebens zu spüren sein wird. Denn sie war mein Vorbild. Immer wenn mir ein Furz quer hing oder ich mit meinem Schicksal haderte, wobei es gar nicht so um Schicksal an sich ging, sondern eher um irgendwelche momentanen Dinge wie, scheiße, krieg ich nicht auf oder 3 cm fehlen um an was ranzukommen………… son Kram halt …………. Wie oft dachte ich, ey, geht’s noch, denk an Gerlinde. Okay, gewonnen, obwohl, ha, sie hatte ja 24 Stunden Assistenz, dh. sie konnte sich helfen lassen und ich????? Mal ernsthaft, das hab ich am meisten bewundert, dauernd jemanden um sich zu haben, ich würde irre, diejenigen mit mir auch. Sie lebte getreu dem Motto geht nicht, gibt’s nicht. Skifahren, tauchen, Auto fahren (möglichst noch mit ner Zigarette im Mundwinkel) alles null problemo. Was ich mich dagegen traue ………… bin ich eher ein Weichei. Wie dem auch sei, ich werde sie fürchterlich vermissen, bin aber sehr glücklich, dass ich sie die letzten 3 Wochen intensiv begleiten durfte. Süße, du wirst mir fehlen.
Vor lauter Doofkrebs hab ich irgendwie aus den Augen verloren, dass man auch an was anderem sterben kann. Ist aber genauso Mist. Aber, wie war der Plan? Gestorben wird hier erstmal nicht, obwohl ich manchmal denke, hm, meine Füße üben schon mal tot sein auf Probe. Die sind im Moment irgendwie völlig taub und alles was ich greifen will fällt raus. Das nervt total. Also mehr mit den Händen. Geht auch nicht wirklich, mir tun die Gelenke weh. Jammern hilft auch nicht weiter, hm, wenn einer ne Idee hat, nur her damit. Spätfolgen und Zometa haben sich ja meine Zähne als potentielles Opfer geortet, da muss ich mir auch langsam was einfallen lassen. Implantate macht mein doc nicht, er sagt, er verbaut nix mit Metall in Krebspatienten. Bislang ging Fleisch schneiden ganz einfach: Gabel in den Mund zwischen die Zähne, natürlich anderster rum. Reinspießen und mit rechter Hand schneiden. Easy, aber leider vorbei, das halten die sanierten Zähne nicht wirklich aus und dann bricht hier und da ein Stückchen ab, super. Da ja auch das Handgelenk weh tut, muss ich immer ein scharfes Messer haben, gibt’s aber fast nie. Neuer Plan, linken Dekoarm, nach Entnahme von 15 Lymphknoten ist der auch leicht angepißt, vorwuchten und Gabel halten. Ist lustig, bei der Bewegung krieg ich einen derartigen Krampf in die Doofkrebsbrust, dass ich alles wegschmeiße. Ich befürchte, langsam wird es Zeit sich an früher zu erinnern. Da haben sie uns Contis mit nur ohne Arme genötigt, alles mit den Füßen zu lernen, auch essen. Krieg ich theoretisch hin. Linkes Bein auf den Tisch und Gabel halten. War früher einfach, leider sieht das mein durch Chemo taub gewordener linker Fuß anders. Gabel rutscht raus. Aber es reizt mich total, mal in ein sauteures Lokal zu gehen, wo einer schöner ist als der Andere und dann den Fuß, bzw. halbes Bein auf den Tisch. Natürlich ordentlich Zehennägel lackiert, vielleicht noch einen funkelnden Ring auf einen dicken Zeh, muss ja zum Ambiente passen, ich gebe zu, das wärs. Wer würde was sagen, käm jemand zum Essen vor lauter gaffen? Würde ich dezent drauf hingewiesen, hier gehören keine Füße auf den Tisch? Das nehme ich mir auf jeden Fall vor. Das geht aber nur, wenn ich mental gut drauf bin, das ist im Moment definitiv nicht so. Mutters Freundin, meine Prinzessin und jetzt Gerlinde hat mich ziemlich runtergehauen. Ich brauche dringend ne Auszeit, ja, eine Woche Ostsee Anfang Februar. Ich freu mich so darauf. Obwohl Februar ist ja auch wieder ätzend, denn dann sind meine 3 Monate ohne Aromatasehemmer rum. Hab ich schon mal gesagt, dass ich es hasse? Und seit Tagen diskutiere ich wieder das Für und Wider. Studientechnisch ist es auf jeden Fall besser und ev. hat ein Rezidiv keinen Bock auf das Zeug, aber meine Lebensqualität ist auf dem absteigenden Ast. Also ist die Frage: wo ist der Punkt, dass ich keine Lust mehr darauf habe. Im Moment ist der bei mir noch in langer Ferne, aber gerade nach den Erlebnissen mit Gerlinde bin ich doch aufmerksamer und nachdenklicher. Ich werde diesmal mit dem Aromatasescheiß wieder anfangen, ganz einfach, denn wenn nicht, weiß ich ja nicht was schlimmer wird dadurch und verdächtige die Spätfolgen des armen Contergans ……. Hinterher ist es noch unschuldig, Spass…. .
Es ist wie es nun mal ist, aber manchmal ist mein sonniges Gemüt auch im Urlaub. Also fahr ich direkt mal hinterher.
Sehen wirs mal so: ich kann auch Fisch oder Nudeln essen, Reis oder Suppe, alles mit nichts schneiden müssen. Gegen die Schmerzen hilft Ibu 600 in Rotwein und außerdem kann ich ja immer noch um Hilfe bitte, was aber die letzte Option wäre. Nicht, weil es mir unangenehm ist, ich bin im Grunde saufaul und wenn ich mir immer helfen lasse, dann kann ich irgendwann gar nicht mehr allein. Und dazu hab ich keinen Bock. Kommt noch früh genug. Gott sei Dank fliege ich nicht an die Ostsee, es wäre schwierig zu erklären, warum man im Gepäck außer Bügeln, Türklinken, Haken und was weiß ich was auch noch ein Messer hätte. Das nehm ich doch mal glatt mit, man weiß ja nie. Es ist wie es ist und bleibt weiter spannend.

 

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2017

Irgendwie ist es Mode auf das Jahr zurückzublicken. Okay, es wäre nett, wenn es bald aus meinem Leben verschwinden würde. Wobei ich 2018 aber auch nicht so richtig traue. Irgendwas ist immer. Aber vielleicht kann ich ja mal einen kleinen Wunsch äußern, also: lieber Arschkartenverteiler, wie wäre es, wenn du mich dieses Jahr einmal verschnaufen lässt. Und, damit wir uns richtig verstehen, nicht nur mich, sondern ALLE die ich liebe, schätze, kenne……… Ich höre schon, soviel auf einmal, das geht aber nicht. Doch, mit ein bisschen gutem Willen… . Also gib das bitte weiter an den Wünscheminister.
Die Sache mit den Wünschen ist interessant. Ich hatte die Tage einen kurzen Gedankenaustausch mit einem befreundeten Arzt. Bislang habe ich die Angelegenheit immer aus der Patientenperspektive betrachtet. Was wünsche ich mir von meinem Arzt? Und gerade zu Weihnachten. Ganz einfach, er soll seinen Arm um meine Schultern legen, mich vertrauensvoll anlächeln und sagen: Frau Kuhnt, es ist alles gut, der Doofkrebs kommt nie weder, Sie sind geheilt, alle Nebenwirkungen werden verschwinden, Sie haben ein langes und glückliches Leben. Dann soll er mir papsttechnisch einen Kuss auf den Scheitel setzen und entschwinden …… ach ja….. .Und dann klingelt der Wecker, Zeit für die Realität. Also ich kann natürlich nur über mich reden, ich erwarte einfach nur gnadenlose Ehrlichkeit, perfekterweise gepaart mit dem Angebot der Hilfe bei allem was kommt. Ich glaube, es ist für einen Arzt auch nicht immer einfach. Ich weiß nicht ob ihr es wusstet, Ärzte sind auch nur Menschen. Einen mag man mehr, einen weniger, egal ob Doc oder Patient. Da immer den Mittelweg zu finden, sich auch nicht zu viel reinzuhängen…… hm, ich glaube ich danke jetzt mal all so meinen Ärzten, die das für mich seit 2013 wundervoll umsetzen. DANKE
Was war nun mit 2017. Das Jahr fing an mit ner Knie-OP, dem doc kann ich auch danken, der hatte kein Problem damit, dass ich schnell noch vor der Narkose zum Hausdoc bin um mir die Portnadel setzen zu lassen. Hatte er so auch noch nicht, aber dafür ist Porti ja da, also sagte er, probier ich. Soweit so gut, Wochen später bekam ich mörder Oberschenkelprobleme, laufe ging nur gebückt, Orthopäde und was es sonst noch so gibt, nix hat geholfen. Ich glaube 100 Ibuprofen in 3 Monaten reichen nicht, ätzend. Das Schicksal hat sich wahrscheinlich in der Adresse geirrt und so bin ich über Umwegen bei dem Osteopath meines Vertrauens gelandet. Der hatte einem Conti auch noch nicht live und in Farbe gesehen und musste mich erstmal durchtasten, wo nun alles was verschoben, verklemmt und gebogen ist. Ich glaube ich sichere seine Rente. Es war und ist mühsam, lohnt sich aber. Nur mit meinem Ego gibt es manchmal Probleme. Ich sehe es einfach nicht ein, dass immer mehr nicht geht so wie letztes Jahr. Wenn ich das hochrechne, was sich allein seit Anfang der Doofkrebsbehandlung verschlechtert hat, die Perspektive ist düster. Und das kotzt mich an. Meine Selbstständigkeit ist das Wichtigste für mich immer gewesen und es nervt mich, dass die Handtaschen mittlerweile Rucksäcken gleichen, ich brauche dies und jenes Hilfsmittel. Ich hasse es. Kriege dann oft als Antwort: Sei doch froh, dass es das überhaupt gibt. Nein, ich will jetzt frustriert sein. Punkt, basta, aus. Und jetzt sind schon 2 Monate ohne Aromatasescheißdreckshemmer rum, einen hab ich noch. Am 30.1. gibt’s ne Infusion mit lecker Zometa, für gegen Knochenmetas, und ab dem 1.2. sollte ich mir dann wieder den blöden A…hemmer täglich gönnen. Es war echt besser, natürlich habe ich immer Knochenschmerzen, die Füße brennen, manchmal tut mir die Hand so weh, dass ich nicht einkaufen gehen kann…………. Aber alles gedämpfter als mit dem Zeug. Die berechtigte Frage ist also, nehmen oder nicht. Leider lese ich zu viele Studien. Mal sehen wie es wird. Und im März kommt dann die große Entscheidung, lass ich mein einzig sehendes Auge operieren, bzw. trauen die sich das? Also langweilig wird’s als Conti mit Doofkrebs echt nicht. Ich hab jetzt keine Lust im Einzelnen nochmal drüber nachzudenken, wen ich alles in 2017 verloren habe, das bringt mich nicht weiter, nur, jedes Mal wenn ich dachte, so wie jetzt, haltet die Zeit an, kam der nächste Kack. Und das Jahr endet im Diako auf der Intensiv, wo ich täglich nach meiner Freundin sehe, die ist zwar sediert und beatmet, muss sich aber das tägliche Leben von mir erzählen lassen.
Also alles ganz furchtbar sozusagen. Aber die Medaille hat ja bekanntlich 2 Seiten. Ich habe tolle Leute kennengelernt. Zum Beispiel über eine Facebook-Gruppe über Umwege eine Kriegerin aus der Nähe, wir treffen uns jetzt vor Ort. Ich liebe es, dass es so viele Mädels gibt mit denen man sich in den sozialen Netzwerken austauschen kann, mit Daumen drücken bei Untersuchungen, Mut machen und all so was. Und oft denke ich, so, jetzt komm mal auf den Teppich zurück, was du da gerade gelesen hast, da geht es dir doch gut. Ich gebe zu, manche verliere ich Das ein bisschen aus den Augen, bzw. dem Auge.  Und ich durfte ja aus meinem Gemeckere ein bisschen vorlesen bei der Krebsberatungsstelle der DRK-Klinken, dank Dr. Kleiß, dem Chefonko. Das war wirklich für mich ne interessante Erfahrung. Und ich hatte noch viele tolle Sachen und Momente mehr. Und was ich auch über mich erfahren habe, ich bezeichne mich sicher als Kriegerin, aber ich kämpfe nicht gegen den Doofkrebs. Kriegerin heißt für mich, ich bin auf dem Kriegspfad, nehme es persönlich wenn er zuschlägt irgendwo, schaue rechts und links, versuch ihn nicht so weit vor kommen zu lassen, aber kämpfen? Nein, eher ist es loslassen, Dinge und Menschen die mir nicht guttun. Ich versuche mich auf das Wesentliche und auf mich zu konzentrieren. Da bin ich aber voll beschäftigt. Mal ehrlich, vor 2013 habe ich mir nicht mal ein Viertel soviele Gedanken um mich und mein Leben gemacht. Man sollte einfach mal ohne Doofkrebs damit anfangen.
Und bekanntlich, das Beste kommt zum Schluss: Ich habe das Jahr überlebt !!!
Das ist übrigens auch der Plan für 2018. Also liebes Jahr, gönn mir mal eine Pause zum Durchatmen. Und denk dran, nicht nur mir………..
Und zum Schluss natürlich, Dank an euch Alle. Die mich lieben, mögen, aushalten, unterstützen, helfen und tausend andere Dinge für mich tun. Denn niemand ist eine Insel.
Wehe das Jahr legt sich mit einem von Euch an.

Ach manchmal……

Manchmal frage ich mich: wann ist der Moment wo du einfach umfällst und entweder 3 Wochen durchschläfst, einen Psychologen brauchst oder mehr Alkohol. Keine Ahnung, ich bin erstaunt über mich selbst, was ich alles aushalte und wegstecke ohne Amok zu laufen. Klar, sofort sagt jeder, jaaaaa, warte mal ab, das kommt schon. Nö, ich glaube, ich kann das einfach. Das Leben passiert dir während du gerade Pläne machst. Und irgendwie wollte es wohl noch schnell 2017 alles fertigmachen.  So eine Art Jahresabschluss könnte man sagen. Mal schauen, ob wir der Querulantin nicht doch noch den Spaß verderben können. War nahe dran. Guter Versuch.
Ich hab doch mal erzählt, dass die beste Freundin meiner Mutter letztes Jahr auch mit 80 die Diagnose Brustkrebs bekam, eine OP jagte die nächste, mehr sage ich mal lieber nicht, jedenfalls ist sie am 25.11. einfach so verstorben. Einfach so heißt, Krankenhaus, Hospiz 3 Tage und vorbei. Gott sei Dank durfte ich noch am Vorabend ihres Todes 3 Stunden bei ihr sitzen und die lange Zeit betrachten, die sie mein Leben begleitet hat. Es tut mir so leid. Warum kann man eigentlich nicht einfach aufgrund des Alters sterben, sondern muss sich mit diesem verdammten Mistkrebs rumschlagen? Preisfrage….. Das hat mich schon mitgenommen, aber 2 Tage später hat meine Prinzessin Lieblingskatze aufgrund ihrer Herzkrankheit das Atmen vergessen. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, gleich fang ich an zu schreien. Habs mir dann aber anders überlegt, weil, es bringt nix, es ist wie es ist, egal wie scheiße ich das persönlich finde. Das Leben ist kein Ponyhof. Okay, das Jahr ist in kurzer Zeit rum dachte ich so, es ist jetzt bestimmt mal gut und wir warten aufs Neue und geben ihm eine Chance. Alles bleibt gut, hat geklappt, ich glaube 1 Woche. Nächster Knall, für eine meiner Freundinnen aus Kindertagen sieht es sehr schlecht aus, mal zur Abwechslung kein Krebs, aber nicht minder hinterhältig. Also wieder jeden Tag hören, hingehen, Hand halten und hoffen oder nicht wissen, was man hofft. Es ist so, wie von einer Baustelle zur anderen jagen. Mal sehen wie es ausgeht. Gestern war ich dann zur Beisetzung von Mutters Freundin, zwischendurch zum Restfamily-Treffen in Leipzig, neue Katze damit der Kater nicht einsam ist……….. und noch so ein paar Dinge. Sobald ich sitze, schlafe ich. Auch nicht schlecht. Und mein Osteopath sagt immer am Dienstag: naaa, ich fühle, die Woche war wieder viel los. Kann man so sagen, ach ja, arbeiten bin ich ja auch noch.
Frage: warum geht das Alles, hm, früher vor Doofkrebs hab ich den Hintern kaum hochgekriegt. Wehe jetzt sagt wieder jemand, ja, du kämpfst gegen den Krebs, weiter so, wenn du es nicht schaffst, wer dann?  Hallo, was soll ich schaffen? Ich lebe mein Leben ganz normal weiter, allerdings tue ich fast nur noch Dinge, die mir am Herzen liegen. Und deshalb kann ich das und setze mich manchmal abends hin, bevor ich mit zu-nen (hessisch) Augen nach hinten umfalle, und bin zufrieden über das, was ich so gemacht habe. Ist ein schönes Gefühl.
Natürlich gab es nicht nur Kacke in den letzten Wochen, ich habe echt ne, für mich, tolle Erfahrung gemacht. Ich durfte ja bei der Vorstellung der Krebsberatungsstelle der DRK-Kliniken Nordhessen mitmachen und ein bisschen aus meinem Leben vorlesen. Ich hatte so die Befürchtung, okay, große Klappe wie immer und wahrscheinlich 5 Minuten vorher Durchfall. Nee, ging und es hat mir echt Spass gemacht und ich weiß jetzt, dass ich mich sowas traue. War cool. Und in diesem Zusammenhang habe ich eine völlig neue Erfahrung machen dürfen. Als Conti hatte ich schon einige Male Berührung mit Presse und Medien überhaupt. So als Kind: na liebe Sabine, du hättest doch sicherlich auch gerne Arme wie andere Kinder und nicht so ein schweres Schicksal ???? Nö…… oder trotz ihrer schweren Behinderung arbeitet sie ganz normal, was immer das ist, oder, trotz der Behinderung fährt sie Auto und all so ein gequirlter Mist. Okay, Drama bringt Zuschauer. Diesmal haben sowohl die DRK-Klinken, PR Firma excognito aus Berlin, Andreas Oertel  und FFH Redakteur Marcel Ruge, die beide öffentlich auf die Veranstaltung hinwiesen, absolut nur über Doofkrebs berichtet und keiner der mich nicht kannte, wusste vorher, dass es für lange Arme nicht gereicht hat. Das ist das 1. Mal in meinem Leben, dass das nicht erwähnt wurde. So geil, echt, ich bin echt begeistert. Vielen Dank dafür nochmal, hab ich aber auch schon den Herren gesagt. Dass ich das noch erleben darf.
Was ist sonst noch? Heute vor 4 Jahren war meine Welt in Ordnung, kommenden Montag am 18.12. vor 4 Jahren kam Doofkrebs. Kommenden Montag habe ich auch 3-jährigen Hochzeitstag. Ein Datum für alle Katastrophen, Spass…………. Und ehrlich, ich dachte nicht wirklich, dass ich das erlebe.
Es ist wie es ist und ich bin jetzt einfach mal ein bisschen stolz auf mich, was ich in den Jahren so alles geschafft habe, dank vor Allem meiner Mutter, die immer gesagt hat, wenns so nicht geht dann denk dir was aus. Mach ich, nur die Sache mit den Wein- und Sektflachen öffnen………….. seit sie nicht mehr da ist, habe ich ein echtes Problem. Aber ich denke, das krieg ich auch noch in den Griff ohne mir die Zähne auszuschießen. Warum ? weil ich es liebe, das Leben…..

O Sole mio

Ey, wochenlang zermartere ich mir mein Resthirn, also das, was die Chemo überlebt hat um endlich mal eine Entscheidung zu treffen. Setze ich den Aromatasemistdinghemmer ab oder leide ich weiter, mehr oder weniger still vor mich hin? Da gibt es ja tausend Dinge zu bedenken. Die Hälfte dafür, die andere Hälfte dagegen. Ich hasse es, Entscheidungen zu treffen, das Blöde daran ist, man kann hinterher niemanden die Schuld geben. Also habe ich mit mir mal eine kleine Diskussion gestartet: Also liebe Sabine, ist es denn wirklich so schlimm, kannst du denn nicht mal den Hintern zusammenkneifen und aufhören, wie ein Mädchen zu machen? Sooooo schlimm ist es doch bestimmt gar nicht. Doch, es ist sogar schlimmer: ich kann mich kaum alleine anziehen, es dauert gefühlte Stunden, alles fällt mir runter, wenn ich auf dem Klo sitze und will mir den Hintern abputzen, die Turnübung ist Olympiareif. Aber das Schlimmste ist mein einzig sehendes Auge, das wird von Woche zu Woche schlechter………… ich bewege mich wie 85, die PNP in den Zehen ist schlimmer geworden, ich hasse mein Leben, es ist so furchtbar. Ja, is ja gut, nun heul mal nicht gleich rum und stell dich nicht so an, schließlich hattest du auch Chemo, bist mittlerweile ziemlich alt und undankbar, du könntest tot sein. Was nen scheiß Argument, ist auch schwierig zu widerlegen. Und das Beste kommt zum Schluss: Wenn du das nicht nimmst bekommst du ein Rezidiv, ha !!!! Treffer, versenkt.
Mooooooooooooooment, meine Liebe, zeig mir mal wo das steht, dass das Zeug wirklich einen Rückfall verhindert, na? Wo denn, lese ich nicht von Mitkriegerinnen, denen das genauso passiert ist? Und was ist mit der Osteoporose? Ist ja wohl erwiesen, dass die Knochen blöd machen durch das Zeug. Was ist, wenn ich falle und mir was breche??? Dann bin ich erstmal ein kompletter Pflegefall, ganz tolle Idee. Und dann krieg ich bestimmt nen Rezidiv oder neuen Doofkrebs und habe mir umsonst das Bein gebrochen…….. hör mir auf. Okay, Waffenstillstand.
Ich bin schon groß, treffe seit Ewigkeiten meine Entscheidungen für mich und reiß mich jetzt mal zusammen. Ich will das nicht mehr nehmen. Punkt aus. Ha, ich bin stolz auf mich, das zieh ich jetzt durch (oh Gott, hoffentlich geht das gut) und sage meiner Ärztin, bis hier und nicht weiter. Ich lasse mich durch nichts mehr beeinflussen, egal was sie vorbringen sollte, nein, ich habe mich jetzt entschieden und Ruhe ist. Ey, ich bin so mutig. Bis ca. 3 Uhr in der Nacht, da musste ich aufs Klo und prompt kamen so kleine gemeine Gedanken angeschlichen. Also, wir wollen ja nicht unken, und es ist echt cool, dass du dich entschieden hast, aber ich würde es mir ewig vorwerfen, wenn dann was käme. Ganz toll, danke, es kann aber auch so was kommen. Ja, aber dann kannste sagen, ich hab alles versucht. Aber okay, du hast dich entschieden, es war ja nur so ne Idee. Is klar, die Nacht war gelaufen, aber das Fernsehprogramm war okay. Ich liebe die alten Folgen von Autopsie.
Nach gefühlten Monaten hatte ich dann jetzt endlich gestern einen Termin im Brustzentrum bei meiner, mein volles Vertrauen besitzender, Frau Dr. Schmatloch. Ich war sowas von vorbereitet, alle Gegenargumente, die ich mühevoll in schlaflosen Nächten gesammelt hatte, waren bereit zum Abruf. Also sage ich: äh, ich hätte da mal ne Entscheidung getroffen, ich habe vor ner guten Woche die Aromatasehemmer abgesetzt weil: alle Argumente……….mit Begründung………….. ich fand mich völlig überzeugend. Also ausatmen und warten auf den Gegenschlag…………..
Die Antwort kam in ihrer unnachahmlichen freundlichen Art: SOLE ! Hä? Sie hätte sich gerade noch mal mit einer neueren Studie befasst und da brauchte ich mir jetzt mal gerade nicht so den Kopf machen. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied macht, ob man das Zeug 12 Monate durch nimmt oder nur 9 Monate und 3 pausiert und dann wieder 9 usw.. Und das würde ja prima passen, Ende Januar muss ich ja eh wiederkommen, dann sollte ich bis dahin mal auf Veränderungen schauen und dann sehen wir weiter ob ich wieder anfange. Vielleicht würde ich ja auch feststellen, dass das arme Zeug unschuldig ist und es einfach meine Ohnarmer-Folgeschäden sind. Wer weiß, wer weiß. Ob sie sonst noch was für mich tun könnte? Nö, ich war erstmal verwirrt und sprachlos. Da investierst du gefühlte hunderte Stunden an Hirnaktivität und dann kommt SOLE und sagt: hättest ja mal früher was sagen können.
Mannnnnn, ich sags immer wieder, für den Scheiß musste kerngesund sein und ne Herzkrankheit wäre auch schlecht. Also oft krieg ich so ne Nummer auch nicht klar.

Etwas über 2 Stunden

So, jetzt hatte ich ja einen Tag in der Radiologie. Also ich finde es ja besser alles hintereinander abzuarbeiten, statt dauernd wieder hin. Oder, kurz gesagt, lieber nur einmal Durchfall statt öfter. Es hat mich gewundert, dass mein Darm ziemlich zurückhaltend war. Diesmal hat es mich erst hinterher erwischt, auch ne neue Erfahrung. Jedenfalls war es ein langer Tag, um 9 bin ich bei meiner Frauenärztin aufgeschlagen, da brauchte ich noch ne Unterschrift und Überweisungen. Um 10 ins Wartezimmer zum Hausdoc zum Porti anstechen. Der kann das echt, ich bin sowas von begeistert. Anpeilen, stechen, gucken ob was raus und reingeht, Pflaster drauf und adios, nicht ohne den dezenten Hinweis: machen Sie bloß kein Scheiss, ne, das ist echt nicht mein Plan.
Woran erkennt man, dass man ernsthaft erkrankt ist, Anmeldung: breites Lächeln ..Ach, schön Sie wieder zu sehen, erschrockener Blick …. Ist alles okay ??? Ja, ist Nachsorge … Gott sei Dank, ich drück die Daumen, kommen Sie doch nochmal vorbei, wenn Sie fertig sind. Klar, mach ich. Wartezimmer 1 zur Mammografie. Ängstliche Blicke überall, Totenstille, jeder guckt vermeintlich heimlich auf meinen Port und den Schlauch und keiner traut sich was zu fragen. Ich also, das ist ein Port, der ist an die Halsvene angeschlossen, weil bei mir Kontrastmittel und Blut abnehmen nicht wirklich funktioniert. Ah ja und schon ist man mitten im Gespräch, alle entspannter. Dann war ich dran, junges Mädchen: hatten Sie schon mal eine Mammografie? Ja und der Schlauch muss da aber weg. Das ist dann so der Moment wo ich einen mittleren Anfall kriege, okay, sie macht ihre Arbeit, aber es steht dick und fett überall drauf NACH MAMMA-CA, wer lesen kann ist leicht im Vorteil. Natürlich biste einfach eh schon nervös und das kann man dann gar nicht brauchen. Ich also in Ruhe: nein, das ist meine gefühlte 104te Mammo, ich hatte Brustkrebs und die Portnadel bleibt drin, kriege noch 2x Kontrastmittel, bislang störte das nie. Ja also, da muss ich erstmal fragen, na dann. Gott sei Dank kam ihre Kollegin, kenn ich auch schon länger, alles gut, die traut sich auch an meinen Armen zu ziehen und zu drehen für gute Bilder. Die durfte dann die Kleine wieder mache, nicht ohne die Diskussion: bitte drehen Sie den Bildschirm wieder zurück, nein, das ist nicht vorgesehen. Doch, es ist meine Brust, die gehört mir und wenn da jemand was fotografiert oder so, dann möchte ich das sehen. Ging dann, die hatte wohl keinen Bock mehr auf mich. Versteh ich. Ab ins nächste Wartezimmer für MRT, äh, sorry, ich bin hier falsch, ich bin immer vorne in dem Gerät … wegen der Bilder .. Vergleich ..? Oh, ja, klasse, na super, dass Sie aufpassen … klar, kein Ding. Hier beginnt dann die 1. echte Herausforderung des Tages. Für eine Brust MRT muss man auf dem Bauch liegen und die beiden Dinger in 2 Löchern versenken, tja, da gibt es als Ohnarmer mehrere Wege um dahin zu kommen. Der uneleganteste ist, breitbeinig draufsetzen, nach vorne umfallen und hoffen, dass man die Löcher trifft. Hat den Nachteil, wenn du den Hals nicht hochgenug reckst, dann knallst du voll auf die Liege mit dem Gesicht und wenn es dumm läuft, dann brichst du dir die Nase. Also Plan B, halb seitlich drauflegen und sich langsam drehen, dabei mit Füßen, Kinn und Kopf nachhelfen um hoch zu rutschen. Der nette Herr am MRT und ich, wir kennen uns schon ne Weile, sind übereingekommen, dass ich jedes Mal aussehe wie eine verendende Robbe. Wenn man lachen muss geht’s gar nicht. Aber der Mann ist gut, er zieht nirgends an mir rum, bleibt nur daneben, sollte ich versehentlich nen Abflug machen. Lustig wird’s beim Aufstehen. Keine rechtskonvexe Rotationsskoliose liegt gerne auf dem Bauch. Da darf er dann mal an mir ziehen. Halt, Port noch spülen, Skelett auseinander klappen und wieder in Wartebereich auf Auswertung warten, leicht verschwitzt, das war echt Sport. Bisschen warten zur Entspannung und Leute gucken. Mein Lieblingsradiologe, der verzieht echt nie die Miene, ruft jemand anders auf, ich gucke und hebe meine rechte Augenbraue, das einzige was der Mann bewegt ist der Daumen an der rechten Hand. Tief durchatmen, zurücklehnen, lächeln, alles im grünen Bereich. Als Nächste bin ich dran. Wir schauen uns zusammen die Bilder an und vergleichen zur letzten Aufnahme …… alles gut, bis auf Wasserlöcher, Ölzysten und was es sonst noch so gibt, alles gut. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, was aus der und der geworden ist ….. und bis zum nächsten Mal, und ich erwarte von Ihnen nur gute Aussagen, er will sich weiterhin bemühen, hat er versprochen. So, kurz schon mal an der Anmeldung gegrinst, alles gut, Daumen hoch und jetzt in den anderen Stock zur Nuklearmedizin. Da grummelte mein Darm etwas, denn vor der Knochenszinti ………….. ich hatte kein gutes Gefühl.
Und weiter geht es mit dem nächsten Kontrastmittel………………… ach, die Portnadel ist ja schon gelegt? Ja, das macht immer mein Hausarzt. Warum? Na weil es kann…. Ja, ich kann das aber auch, das habe ich in der Ausbildung gelernt, okay, wann die war habe ich nicht gefragt. Ja, das glaube ich gerne, aber mein Port und ich sind sehr sensibel und da darf nur mein Hausarzt dran und die Chemodocs vom Elisabeth. Diese Aussage gefiel ihr nicht so und sie meckerte über den Port, ich kriege da nichts raus. Muss ja auch nicht, es soll ja nur das Kontrastmittel rein, ja aber ich finde der funktioniert nicht richtig, doch, geht. Kontrastmittel rein, warten Sie, ich hole noch Heparin. Nein, sage ich, ich bin allergisch dagegen. Vollbremsung, sind sie Sie sicher? NEIN, DAS HABE ICH MIR GERADE AUSGEDACHT!!!, ich glaub es nicht, bin ich doof oder was? Und dann mit einem süffisanten Lächeln: was passiert denn, wenn Sie Heparin kriegen? Och, nicht schlimm, wenns gut läuft Ausschlag von oben bis unten. Hab ich nen schlechten Tag krieg ich keine Luft und falle um, also wenn wir es ausprobieren wollen ………. Ich nehm dann die Notaufnahme vom Elisabeth bitte. Das ist echt der Hammer, man muss echt kerngesund sein und aufpassen. Und, ob man es glaubt oder nicht, ich bin echt ein netter Patient, aber da werde ich doch ein wenig bissig. Nun denn, erst mal 2 Stunden heim und Wasser trinken, schnell über facebook verkünden, dass die Dinger schon mal okay sind und dranbleiben können ………… und schon sind 2 Stunden um und ich liege auf dem nächsten Tisch, mit allen in der Praxis verfügbaren Decken unter den Knien, mein Hohlkreuz. Die kennen mich auch schon und schieben den Monitor so, dass ich gucken kann. Hab ich jetzt nicht so die Peilung, ist aber trotzdem ein gutes Gefühl. Aber 20 Minuten regungslos liegen, ach du Alarm. Aua. Auch das geht vorbei und ich sitze und warte, bis die Auswertung erfolgt ist. Tja Frau Kuhnt, ….. schluck …, ich sehe hier nix was ich das letzte Mal nicht gesehen habe. Kleiner Schweißausbruch der Erleichterung, außer ……… also Ihre Skoliose ist viel schlimmer geworden und alles was hier leuchtet ist Arthrose, na dann. Und dann erzählte sie mir noch, dass Contis eh ein schnell alterndes Skelett haben und meins ginge stramm auf die 80 zu, hab ich das gefragt? Danke für die Info. Jedenfalls keine kleine doofe Knochenmetastase, wie befürchtet, mein Doofkrebs steht auf sowas ……. Also alles gut bis auf das Schlechte. Aber man freut sich echt über Arthrose kann ich sagen.
Mittlerweile war es fast 4 Uhr, erst mal Mädels anrufen und die Skoliose mit nem dicken fetten Eis schmieren und runterkommen. Irgendwie regt es einen echt auf, ob man will oder nicht.
Die Woche verlief ansonsten okay, ich bin nur müde und die Knochen tun weh, aber es ist nun mal so. Freitagmittag nach Feierabend dachte ich, so, legst dich nen Stündchen und während mir die Augen zufielen kam mir so der Gedanke, so wie es jetzt gerade ist, auch in meinem Umfeld, kann es jetzt mal bis Weihnachten bleiben. Lächeln, schlafen. Dieses Gefühl hielt genau etwas über 2 Stunden, dann klingelte das Telefon und ich wusste, geh ich ran, ist alles anders. Aber ich bin ja schon groß. Mutters Freundin, mit 80 in 2016 Brustkrebs, jetzt explodiert in die Haut, die Wunden der OPs gehen wieder auf, Metas in der Lunge. Ich hätte auf der Stelle kotzen können. Und jetzt schlägt meine billige Internatserziehung durch:
Du verdammtes drecks Krebsarschloch, musst du dich mit Menschen anlegen, die dem nichts entgegenzusetzen haben? Musst du dir alle um mich rum greifen? Ist das die Rache dafür, dass du mich bislang nicht klein gekriegt hast? Ich nehme das persönlich. Und ich werde dich bis zum letzten Atemzug bekämpfen, du Arschloch. Und wenn du mich kriegst, dann hast du nicht gewonnen, dann werde ich dich aus der Hölle weiter bekämpfen, du feiges Arschloch. Punkt.

Reaktionszeiten

 

Normalerweise verlangsamen sich ja im Laufe des fortschreitenden Alters die Reaktionszeiten. Kann ich jetzt mal gerade nicht so bestätigen. Bei mir läuft es andersrum. Früher haben mich die Dinge des Lebens weniger reagieren lassen und auch nicht so schnell.

Ich hatte eine wunderschöne Urlaubswoche auf Mallorca und ich bin noch nicht mal sonderlich aufgefallen, denn da laufen eine Menge fußkranke Leute rum. Natürlich viele Deutsche und im Hotel waren auch ne Menge Engländer. Also ich bin echt stolz auf mich, bin ganz viel geschwommen, gelaufen, okay nennen wir es humpeln, aber es ging. Und von schnell ist ja eh nicht die Rede. Trotzdem regt es mich auf, wie lahmarschig ich geworden bin. Und, als guter ordentlicher Patient, habe ich auch schön meine Medis mitgenommen, z.B. meinen über alles geliebten Aromatasehemmer. Allerdings habe ich den nicht mit Wasser, sondern mit Caiphirinha runtergespült, kleiner Triumpf, aber ich habe ihn genommen. Jedenfalls ging es dank meines Osteopathen einigermaßen gut. Und was mich echt überrascht hat, die Einzigen, die wieder doof gucken sind die Touris, die Spanier kann auch mein Anblick nicht schocken. Im Gegenteil, die greifen einfach zu und ziehen am Arm, ohne Angst zu haben, dass der wie beim Grillhähnchen abfällt. Da ich hohe Busstufen nicht hochkomme ohne festhalten oder auf schwankenden Schiffsplanken ins Trudeln gerate, kein Problem, es wird gezogen, festgehalten und geschoben. Und zwar einfach so, ohne vorher nen Fackelzug und ne Zeichnung zu machen. Bin begeistert. Man könnte also meinen, ich war gut erholt. Genau zwei Tage war ich an der Arbeit, das wars. Ich hatte schon gemerkt, dass ich mich erkältet habe. Und zwar, denke ich, bei der letzten Busfahrt durchs Gebirge auf Mallorca im klimatisierten Bus. Da war ca. Windstärke 10 drin, weil alle die Düsen volle Kanne auf Kühlung gestellt haben. Der Plan war, okay, es kommt Wochenende, da kurier ich mich mal aus. Tjjjaaaaaa, dieser Plan hat nicht funktioniert. Als ich heimkam fand ich dickes Tier ziemlich schlapp rumliegend auf dem Teppich vor. Beim genaueren Hinsehen musste ich feststellen, die Schleimhäute waren ziemlich blau. Dickes Tier ist herzkrank und da war Alarm angesagt. Die Zeit bis Diana kam, ich kann dickes Tier nicht alleine tragen, hab ich auf dem Klo gesessen, überlegend ob ich muss oder mich erst übergebe. Leichte Schnappatmung und nur im Kopf: neeeeeiiiiinnnnnn, nicht das auch noch. Also ehrlich, so war ich vor Doofkrebs nicht. Okay, also langsam und bewusst atmen und immer schön sagen: jetzt komm mal runter, es ist wie es ist, wir sehen was passiert. Jetzt reiß dich, verdammt nochmal, zusammen. Also kurz noch übergeben und ab zur Tierärztin. Lange Rede, kurzer Sinn: dickes Tier spielte totes dickes Tier und hatte Probleme mit Atmung und Wasser in der Lunge und Anna (Tierärztin) hatte die Prognose, dass sie das Wochenende wahrscheinlich eingeschläfert werden muss. Ich habe echt gedacht, gleich schrei ich. Jeeeeeeeedesmal wenn ich denke: ach so wie jetzt könnte es mal nen Monat bleiben, prompt passiert irgendeine Kacke. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich jetzt einfach mal so die Segel streichen würde. Also mal pragmatisch drangehen. Die Katze ist älter und hat Herz, ja und, ich bin auch älter und hab Doofkrebs, lassen wir uns deswegen hängen und geben gleich auf? Never ever. Also ruhig bleiben und mit 10 kg Entwässerungstabletten, 2 verschiedenen Sorten Herzmedis und dickes Tier heim. Die nächsten Stunden waren entscheidend, also ich die Nacht hin und her zwischen Klo, Katze und Bett. Mittlerweile mit dichten Stirnhöhlen und mörder Kopfweh. Wäre einer gekommen und hätte gefragt: äh, dürfte ich Sie erschießen? Ich glaube, ich hätte einen Moment überlegt. Essen ging auch nichts rein. Auch son Phänomen, früher war die Devise, wenn das Leben schon scheiße zu mir ist, dann will ich jedenfalls was Schönes essen. Und jetzt? Würgen bei der Vorstellung oder Geruch. Jedenfalls lebt dickes Tier immer noch, dank Medis und hat sich ziemlich gut erholt. Gott sei Dank ist sie verfressen und mag Maltpaste oder Leberwurst- oder Vitaminpaste. Darin kann ich die Tabletten schön kleingehäckselt versenken. Der Rest ist dann ne mittlere Varieté-Nummer. Nein Kater, das ist für dickes Tier, du darfst das nicht  ….  Und du musst alles aufessen damit du gesund wirst, nein, das reicht noch nicht, weg da Kater usw.. Leben live. Ich habe dann 3 Tage, krankgeschrieben, nur noch gepennt. Es war als ob ich den Schlaf der letzten Jahre nachholen musste. Eine ganze Woche kaum bewegt und erkältet bin ich immer noch und sobald ich sitze klappen die Augendeckel runter. Okay, kann jetzt auch was mit Alter zu tun haben, meine Mutter sagte immer, mit zunehmenden Alter wird man dünnhäutiger.

Ich bin im internet in so zwei Brustkrebs-Gruppen und verfolge diverse Bloggerinnen…………und ich habe auch verschärft drüber nachgedacht das nicht zu tun. Mehrere Leute haben mich gefragt warum ich das mache, das belastet doch nur und wenn jemand verstirbt, das ist doch furchtbar. Na klar, das ist absolut beschissen und manchmal brauch ich auch ne Tag Pause. Aber habt ihr eigentlich ne ungefähre Ahnung wie viele wird sind? Tausende !!! Es ist unglaublich wie viele Krieger/innen da unterwegs sind und ich bin stolz eine davon zu sein. Diese Gruppen und Gespräche und Tipps und Hilfen sind einfach klasse, man lernt so tolle Leute kennen und dann denkst du, ey, komm mal runter, du bist nicht alleine und anderen geht es echt gerade mal schlechter. Also reiß dich mal zusammen. Klar kann nicht jeder gewinnen und manchmal muss man Abschied nehmen, aber du kannst im normalen, krebslosen Leben auch sterben. Es ist wie es ist, einfach das Beste draus machen. Das ist die Theorie, in wie weit ich das leben kann erzählt mir dann immer mein Magen- und Darmtrakt.

Man könnte also meinen, im Moment ist mal wieder alles gut. Aber nein, damit ich nicht aus der Übung komme ………….. Montag ist Radiologietag. MRT Brust, Mammografie, Sonografie und Knochenszintigrafie. Letztere wegen des rechten Oberschenkels …….. glaubt zwar weder mein Osteo noch mein Orthopäde aber wie beide sagten: reingucken können wir nicht. Kaum geschrieben meldet sich der Darm. Nein, heute nicht, ich bin schon groß und verschiebe mein ungutes Gefühl auf morgen Abend um diese Zeit. Treffen wir uns in 24 Stunden wieder. Hätte ich einen schönen Mittelfinger, fühle ihn dir gezeigt. Wir reden morgen weiter.

 

Erinnerungen……

Gott sei Dank verdrängt man ja eine Menge von dem Scheiß, der einem im Leben so passiert. Mich hat jetzt die Erinnerung heimgesucht …………… und ehrlich gesagt, hätte sie auch lassen können. Doofkrebs hat sich jetzt mit jemanden angelegt, der mir sehr wichtig ist. Natürlich ist es immer scheiße, aber wenn es jemanden trifft, der einem nah steht, dann ist man umso trauriger, wütender, angepißt und was es sonst noch für Gefühle gibt. Wenn man bedenkt, dass es jeden zweiten trifft ist es ja eigentlich kein Wunder ……. Trotzdem.
Was wollte ich denn eigentlich erzählen? Ach ja, Erinnerungen …………… irgendwie ist mir wieder ins Gedächtnis gekommen, wie das damals war, mit der Diagnose Doofkrebs. Mir schlägt ja immer alles auf den Darm, und wenn ich Pech habe, gleich durch. Mir ist dieses Gefühl wieder hochgekommen, wie ich auf den Straßenbahnschienen stand und nicht wusste, übergebe ich mich erst oder kacke ich in die Hose. Ich kann so gut nachvollziehen, wie es einem geht, wenn man plötzlich gesagt kriegt, Sie haben Krebs. Und wenn man dann eigentlich keine Symptome hat, ey du denkst was erzählen die dir hier eigentlich gerade für ein Mist. Da nützt es auch nicht wirklich, wenn man versucht zu vermitteln, dass man im Laufe der Zeit echt entspannter wird. Aber so der Anfang mit Diagnose, einem Wahnsinnshaufen Informationen, dem Gefühl: Krebs gleich das wars dann und ich wollte doch noch so viel machen. Da musste echt kerngesund sein. Ich habe mal so am Wochenende quer gelesen was ich alles so geschrieben habe. Echt, man vergißt wirklich viel. Ist auch gut so, aber eigentlich bin ich jetzt mal völlig stolz auf mich, was ich schon alles so hingekriegt, überlebt und überstanden habe. So wie auf alle Kriegerinnen, die ich persönlich und auch über facebook Gruppen kenne, also ich finde uns ja mal toll. Wenn mich sonst keiner lobt.
Aber ich gebe auch zu, ich traure manchmal echt den Zeiten hinterher als ich, für meine Verhältnisse, noch viel mehr konnte. So bewegungstechnisch und überhaupt. Wobei mir gleich wieder Staatsfeind Nr.1 einfällt. Diese miese Aromatasehemmer. Das Ding ist echt nen Sargnagel. Und wehe es stellt sich irgendwann raus es nutzt nichts. Irgendwie jammert man ja immer über die vergangenen Zeiten. Aber was willste machen. Jeder Satz der mit hätte, wäre, wenn anfängt ist so unnötig wie Fußpilz. Augen geradeaus und los. Vergangenem nachtrauern kostet nur Energie. Und die brauche ich jetzt mal gerade zum Verreisen.
In ein paar Stunden fliege ich nach Mallorca. Mädchenurlaub. Mein Mann muss arbeiten und ich hab eine Freundin mit der das gut klappt, dh. wir gehen uns nicht gegenseitig auf den Sack. Mal abgesehen davon, dass ich alleine Urlaub nur brauche, wenn ich voll genervt bin, ich käme allein, also ohne Langarmer gar nicht klar. Früher schon eher, ich kann mich aber nur noch schlecht bewegen, komme hier und da nicht mehr raus, kann mir die Dusche nicht mehr von oben holen, weil ich nicht mehr klettern kann, Koffer tragen etc. ist alles Mist. Früher war das auch schwierig, aber da ging es mir nicht so auf die Nerven. Ich habe auch viel mehr andere Menschen gefragt, können Sie mal bitte ….. aber das nervt mich jetzt auch. Stimmt, ich bin zusehens genervter, geb ich zu. Das Blöde ist, ich kann echt nicht unterscheiden wem ich die Schuld gebe, Doofkrebs und Aromatasehemmer oder Contergan, meine Wirbelsäule sieht mittlerweile aus wie eine Serpentine.
Lange Rede, wie immer kaum Sinn, es sind ja nur Gedanken ………….. was ist das Ergebnis daraus?
Ich bin dankbar. Ich lebe seit 4 Jahren mit Doofkrebs, immer wachsam ob was plötzlich anders ist, weh tut, komisch aussieht usw.. Es geht mir eigentlich gut. Ich muss halt nur akzeptieren, dass ich nicht ohne einen Koffer voll Hilfsmittel irgendwohin kann und dass es nicht mehr einfach ist. Aber das heißt ja nicht, dass das schlechter ist. Nur anderster wie der Hesse sagt. Und anderen geht es echt schlechter.
Also aufhören zu jammern, sich fokussieren auf das was geht und nicht hinterher trauern um das was nicht mehr ist. Das ist der Plan und ich finde ihn gut. Ich verabschiede mich jetzt nach Mallorca und werde es mir einfach mal gutgehen lassen. Füße hoch, Kopf aus und zufrieden sein. Ist eigentlich ganz einfach, wenn man nur will. Bis bald.