Hm, ……. wer hat meinen Konflikt?

Also nachdem ich mich jetzt ein bisschen eingelesen habe in die Thematik „Krankheit als Weg“ oder „wer krank werden will, der tuts auch“ oder es sind immer „ungelöste Konflikte“ und ich muss den „Weg zu mir selbst“ finden und all son Kram, seitdem suche ich den ungelösten Konflikt. Leider habe ich ihn noch nicht gefunden und wenn ihn keiner geklaut hat, dann behaupte ich mal dreist, ich habe wegen Veranlagung, Pech, Schicksal, zuviel Chips, Übergewicht und weiß nicht noch was Brustdoofkrebs gekriegt. Einfach mal so. Tja, jetzt würde ein Verfechter dieser Theorien ja sofort sagen, ah, die Frau ist ein Musterbeispiel an Verdrängung. Ich zitiere mal: Eine Krankheit/Krise beinhaltet immer etwas Positives und will uns eine Disharmonie aufzeigen. Der Sinn ist zur Besinnung zu kommen und über unser Leben nachzudenken. Und wenn es sein muss, dann zwingt uns die Krankheit eben. Ah ja.

Ehrlich gesagt, ich hab nicht wirklich Lust, mich mit so was zu beschäftigen, je mehr ich lese, desto abenteuerlicher wird es. Ich habe in meinem Leben eine Menge Dinge getan, aber bestimmt nicht, die Tatsachen verdrängt. Natürlich hat mich der Krebs komplett kalt erwischt, ich war so überzeugt von mir, dass mir nichts passieren kann………..ich hätte es wahrscheinlich noch nicht mal gerafft, wenn der auf der Brust gewachsen wäre. Klingt blöd, ist aber so. Krankheit darf nicht als unser Feind betrachtet werden, die Symptome wollen uns zeigen wo das Problem ist, ach so. Wenn wir das begriffen haben, können wir unser Leben ändern und einen „lebensrichtigen“ Weg gehen. Dann bin ich eben ein bisschen dumm, ich verstehe gar nichts.

Vor Doofkrebs hatte ich ein absolutes Gefühl der Stärke und Glauben an mich, ich kann alles was ich will. Ein Problem damit, dass ich nicht Tennis spielen kann oder alles tun kann was Langarmer können, das hatte ich nie. Es gibt so viel was man tun kann. Ich habe meinem Körper vertraut, der macht das schon, sei es so profane Dinge wie auf die Knie gehen, Balance halten und all son Kram. Und ich war glücklich und zufrieden, denn ich hatte keine Angst. Und auch keinen passenden Konflikt. Ich habe keine Probleme damit, dass meine Arme kurz sind, ich wollte bewusst keine Kinder, ich wollte nie irgendwo die große Karriere machen um mir was zu beweisen. Alles war gut so wie es war. Vielleicht hat mir ein Konflikt gefehlt. Dann jagte ab 2007 eine OP die nächste, Knie, Fuß, Augen, Rücken, Schilddrüse….. und als da immer noch nichts mit Konflikt war, da dachte sich wohl jemand, gut, dann setzen wir noch einen drauf und probieren es mal mit Doofkrebs. Und das war ein Treffer. Das erste Mal im Leben hatte ich den Gedanken, oh scheiße, das kriegste jetzt nicht hin.  Und damit war die Saat des Zweifels gesät, um mich mal ein bisschen unheilschwanger auszudrücken.

Also liebe Verfechter dieser Krankheit als Weg Theorien, dann erklärt mir das mal für Blonde. Vorher hatte ich ein Urvertrauen – hm, vielleicht soll man das nicht haben? – und jetzt ? Jetzt bremse ich vor jeder Rolltreppe und denke, pass bloß auf, ich hoffe, mir fällt nichts runter, komm ganz schlecht wieder hoch. Hoffe, dass es nicht so warm ist, dass mir die Klamotten am Hintern kleben, alles Sachen worüber ich mir früher niiiiieemals Gedanken gemacht hätte. Ich höre es schon, jaaaaaaaaaaaaaaaa, das ist doch klar, diese Kollateralschäden haste nur weil du dich gegen dich und für Chemie entschieden hast. Wahrscheinlich ist das die Strafe und ich muss deshalb jetzt unter dem ganzen Scheiß leiden. Auch ne Erkenntnis. Hätte ich Chemie abgelehnt und statt dessen mal ernsthaft nach meinen Konflikten gesucht ………………. wir werden es nicht wissen, außerdem wäre ich dann tot. Auch doof.

Natürlich dachte ich auch, scheiße, wie konnte das passieren und dachte, so, jetzt änderst du dein Leben, machst alles anders und besser. Aber was ist besser. Ich bin jetzt eigentlich wieder da wo ich 2013 im Dezember auch war. Okay, ich habe ein paar Runden um mich selbst gedreht, musste aber leider feststellen, ich will es nicht anders. Ich bin immer noch glücklich und habe zu damals nicht viel geändert. Was ich von dem Weg der Selbsterkenntnis habe sind deutlich mehr Schmerzen, ein angeknackstes Selbstvertrauen in meinen Körper, Kollateralschäden wohin ich gucke, bzw. fasse. Also irgendwie ist da wohl mit der Theorie was falsch gelaufen. Und ein 3,5 cm großes, Her 2 neu positiv duktal invasives Mamakarzinom finde ich, ehrlich gesagt, für diese Erkenntnis etwas übertrieben. Außerdem muss man mal bedenken, jeder Arzt früher in meinem Leben tat als Erstes kund, ja, das Schicksal hat es ja nicht gut gemeint mit dir, so eine Behinderung ist ja furchtbar………….. okay, warum das furchtbar ist haben sie mir nicht erklärt. Ich habs damals schon nicht gerafft, deswegen hat das Schicksal mir jetzt Doofkrebs geschickt. Is klar. Leute, Leute….. manche Menschen sollten lieber arbeiten statt dauernd zu denken. Was ist, wenn das Schicksal sich selbst nichts dabei denkt oder einfach mal Bock darauf hatte.

Es ist wie es ist und ich werde natürlich versuchen, mich etwas gesünder zu ernähren, weil darauf habe ich Einfluss …………….. und wenn jemand einen Konflikt hat den er nicht braucht, ich guck ihn mir mal an.

Natürlich  ist es  wichtig, mit sich im Reinen zu sein, das hilft ungemein sich mit Krebs auseinanderzusetzen und die Behandlung einigermaßen gut zu überstehen,  auch und vor allem mental, aber eine Krankheit wie Krebs zu verhindern, nö,  da bin ich raus, definitiv. Ich verdächtige da eher auch schonmal unsere Umwelt, unser Essen, Hauptsache billig und viel, ein bisschen verstrahlt oder genmanipuliert, lecker Antibiotika drin  ……ja, da macht sich so jeder seine Gedanken. Aber zuviel denken ….. wer weiß

 

Kirschen

Gestern sagte der Verkäufer an der Kirschenbude: der Sommer ist so gut wie rum, heute ist der letzte Tag Kirschenverkauf. Die Erdbeeren sind auch nicht mehr schön……tja, ist so. Und ich dachte: na Gott sei Dank. Sommer und ich sind nicht so die besten friends. Wenn es 26 Grad sind, blauer Himmel und trocken, alles gut, liebe ich auch … aber diese Schwüle, ätzend. Vertrag ich gar nicht mehr. Nachdem ich 2012 die Schilddrüse entsorgt hatte, war das mit dem Schwitzen echt gut geworden. Seitdem ich diese scheiss dämlichen Aromatasehemmer nehme….. alles auf Anfang. In der facebook-Gruppe meiner Mitleiderinnen unter dem Mist toppen wir uns dauernd mit Anekdoten, eine peinlicher als die andere, wo man gerade unangebracht rumgeschwitzt hat.
Aber es ist ja nicht nur der Scheisss, fragt mal einen Ohnarmer, ich liebe das Wort immer noch, wie er Wärme findet. Mal ein Tag in meinem Sommerleben. Also aufstehen, Knochen sortieren, über Medis, Gott und die Welt schimpfen und duschen. Nach dem Abtrocknen könnte ich gleich wieder duschen, die Haut fühlt sich klebrig an. Also langsam machen um abzudampfen, immer mit einem Blick auf die Uhr natürlich. Und los geht’s, Aufgabe des Tages, so wenig wie möglich anziehen. Wer Lust hat kann mal versuchen, mit einem Finger, der Rest lässt sich ja bekanntlich nicht knicken, den Schlüppi hochzuziehen. Was im Winter mit einigen tänzelnden Bewegungen super funktioniert, null chance, die Seite wo Finger ist kommt Schlüppi fast hoch, eingerollt versteht sich, die andere Seite klammert sich am Oberschenkel fest. Prima, also Bügel holen und immer stückchenweise, links rechts, aufrollen, ziehen, zwischendurch nicht vom Bett fallen, nach 10 Minuten hängt er ungefähr da wo er soll, duschen könnte ich jetzt auch wieder. Okay, im Sommer soll man viel trinken, bin ich bekloppt? Ich werde sowas von vertrocknen, denn sonst muss ich unterwegs aufs Klo, Bügel und Bett mitnehmen ist schwierig, andere Klos zu klein, zu dreckig und überhaupt. Jetzt Blick zu Uhr, ups, los jetzt. Phase 2, BH. Funktioniert in kalt auch ganz gut, in warm also BH übern Kopf, dicken großen Zeh unter den Rand und die Dinger rein, aber leichter als früher, weil weniger wegen Doofkrebs und dann hoffen, vergeblich natürlich, dass sich nichts einrollt, verdreht und sonstwas. Klappt natürlich nicht, also los Richtung Türklinke, bißchen in die Knie, super Idee dank Aromatase, tut scheiße weh, schnellstmöglich die Wulst hinter die Klinke und wackeln und zappeln bis das Ding einigermaßen da sitzt wofür es geplant war. So, duschen und nen Stündchen ruhen, das wärs jetzt. Kleid übern Kopf, Haare drauf, ach du Alarm, liege schlecht in der Zeit und los. Das beantwortet vielleicht auch manchen Blick, was hast du denn an? Leute, es geht hier nicht um Mode oder schön sein, sondern einfach nur um allein anziehen mit ohne Knöpfe und Reißverschlüssen. Ich will nicht auf den Laufsteg, ich will nur ins Leben. Natürlich kann man sagen, wie blöd bin ich denn, kann mir ja helfen lasen von Pflegedienst, Kollegen etc., na klar, kann ich, aber das wäre eine Art von Kapitulation, dazu bin ich noch nicht bereit. Ich hätte damals nicht den Hals so weit aufreißen müssen, Krebstherapie ist nicht so schlimm, war sie für mich auch nicht, aber die Kollateralschäden … habe ich voll unterschätzt. Und ich kann auch nicht mehr hören, ich muss das unbedingt nehmen. Die docs die ich habe wollen wirklich mein Bestes, haben aber leider keine Ahnung und Peilung von meinen Problemen. Langarmer eben, da kannste nichts machen.
Aber ich kann was machen. Also ich werde so wie es aussieht, demnächst die Tabletten ignorieren. Jetzt habe ich nämlich was Neues seit einiger Zeit. Ich humpele wie doof, der rechte Oberschenkel tut so scheiße weh, wenn ich aufstehe, laufe und hinsetze, ist ein Gefühl als würden Sehnen über einen Knochen springen. Jeder Schritt tut weh. Ich habe den Aromatsehemmer von ner anderen Firma genommen, nach Tagen taten die Knie kaum noch weh. Dafür fingt der Oberschenkel an. Alarm angesagt, nein, wir müssen ne Knochenszinti machen, gucken ob nicht ne blöde Meta………… nix, ich vertrau erst mal meinem Bauch, der ist ja groß genug, Orthopäde meint, wäre nen Muskelproblem, meine Feldenkrais-Frau auch, was zu tun? Hm, wird schwierig, im Moment haue ich mich mit ibu 600 voll, am besten ist die Wirkung wirklich mit Wein………… aber ich bin echt am Ende meiner Frustationstoleranz, also wenn einer was weiß was mir weiterhilft, bitte sofort Bescheid sagen. Wenn meine Gyn wieder da ist probiere ich wieder einen anderen Hersteller……….. und wenn das nichts bringt, adios amigos, macht wen Anderes unglücklich. Aber wer damit wenig Probleme hat soll sie nehmen, auf jeden Fall.
Fakt ist, Doofkrebs und Conti ist gleich Pest und Cholera, oder so ähnlich. Und da ich nicht völlig blöd bin, es wird Zeit für Plan B. Ich war mal bei der Rentenberatungsstelle. Ich muss sagen, der Typ war voll nett und ich habe es auch verstanden. Ich überlege jetzt bis zum 22.8. ob ich einen Antrag auf Teilerwerbsminderungsrente stelle, ich arbeite ja schon nur noch 30 Stunden statt Vollzeit, hätte ich gleich mal damals machen sollen, aber irgendwie dachte ich, alles wird besser. Lustig. Jedenfalls will ich nicht ganz aufhören, 3 Stunden täglich wäre super. Leider war ich so gut wie nie krankgeschrieben, so bin ich einfach nicht, mal sehen wie sich da was ergibt. Ich möchte auch mehr ehrenamtlich machen im Bezug auf Krebsis oder Sterbebegleitung etc. , mal sehen. Aber ich brauche auch mehr Auszeit für mich um mich hingebungsvoll um meine Gebrechen zu kümmern. Da bin ich doch schon mal halb ausgelastet.
Und liebe Freundin Gerlinde, du hast recht. Es ist wieder schwieriger geworden mit den Menschen. Es gab eine Zeit, da war Behinderung okay, in letzter Zeit merke ich aber auch, dass die Toleranz und Akzeptanz nicht mehr so da sind und vor allem die Berührungsängste wieder zunehmen. Kommt mir manchmal so vor wie früher, ich hab nichts gegen Dunkelhäutige, aber in der Familie ………… da gibt es auch viel zu tun. Da habe ich auch zu lange geträumt, da muss ich ja einer gewissen Chefin eines Vereins eigentlich dankbar sein, dass sie mich unsanft geweckt hat.
Ich habe jedenfalls nicht vor, mich behindern zu lassen, weder von blöden Langarmern noch von Doofkrebs, nun ja, der Aromatsescheiss hat momentan die Nase vorn … aber ich erwische dich noch irgendwie irgendwo irgendwann.
Es ist viel zu tun, legen wir los. Bis bald, werde berichten ….

Die Sache mit dem Vertrauen. …

ist ja nicht immer so ganz einfach. Vor allem das Vertrauen in einen selbst. Irgendwie hatte ich das zwischendurch irgendwo liegengelassen: Hallo, ich suche mein Vertrauen, hat das jemand gefunden? Okay, dann nicht.
Die letzten Wochen waren irgendwie ätzend, ich kann gar nicht sagen warum. Aber das Gute was zu berichten ist, die Untersuchungen waren okay. Mein Kardiodoc findet „grenzwertig“ jetzt nicht unbedingt sooo toll wie ich, aber wir lassen es so, geht doch …… MRT und Sono vom Innenraum war okay. Das Leberteil verhält sich auch ordentlich, ist gutartig und wächst nicht, die Galle ist immer noch nicht da, der ausgerissene Terrormarker hat sich besonnen und die Lunge hat das Verstrahlen bislang auch nicht so übelgenommen. Ich schnaufe zwar wie ein mittleres Walross, aber das liegt an zu wenig Sport wegen Knie und zu viel fressen. Aber wenn das Leben mich ärgert will ich wenigstens was Schönes essen. Eigentlich ist ja alles gut könnte man sagen, aber das Problem ist, wenn eigentlich alles gut ist, dann hat man Zeit nach Dingen zu suchen, die eben nicht gut sind. Und da ich ein Trüffelschwein bin……….. ich sage nur Aromatasehemmer. Also entweder ich schmeiß das Zeug weg oder ich will mal ein paar Tage Arme zum Ausprobieren. Nicht für immer, ich glaube mir stehen keine Arme, aber mal sehen was ich damit wieder könnte. Ich hätte nie gedacht, dass so ein Kackmedikament solche Probleme macht. In sämtlichen Doofkrebsgruppen in den ich so bin schreiben alle dasselbe. Alle haben Probleme, nur ganz wenige nicht. Hallo ? Normalerweise gehöre ich doch auch immer zu den wenigen. Typisch, wenn man es mal brauchen könnte. Beim Aufstehen könnte man direkt eine Szene aus nem Zombiefilm nachstellen. Alle Knochen steif, einfach nur hin- und hertaumeln und hoffen, das Klo zu erreichen ohne irgendwo an die Wand zu fallen. Da wär son Arm um die Wand festzuhalten vielleicht gar nicht schlecht. Quatsch natürlich, das fehlte mir auch noch. Normal kann jeder. Aber es nervt mich total, dass ich mittlerweile Hilfsmittel rumschleppen muss oder genau überlegen muss, hm, du fährst heute da und da hin. Was ziehst du an falls du aufs Klo musst …. und was ist, wenn das Klo ganz klein ist? Die Zeiten in denen ich einen Fuß überall da hingekriegt habe wo er nicht hingehört, die sind vorbei. Und wieviel ibu muss ich nehmen um einen ganze Tag Landpartie in Bückeburg zu überleben? Apropos Bückeburg, eine riesen Schlange an der Kasse, kurz nach Öffnung Systemabsturz, ich mit meinen Mädels, 2 haben gleich die Klos angepeilt, mich relativ vorne angestellt. Kann von hinten ein älterer, sehr schlecht gelaunter, Kerl und pisste mich an, das geht ja wohl nicht, vordrängeln, wenn jeder das machte, drehte sich um und wollte wieder gehen. Moment junger Mann, als Schwerbehinderte hätte ich auch gleich an die Kasse gehen können, mache es aber nicht, ich kann nicht lange stehen. Interessierte ihn auch nicht, wollte nur meckern. Das Schlimme ist, es ist wirklich so. Ist jetzt nicht allein die Schuld von Aromatasi-Schatz, alle Contis haben ein Skelett das 104 ist mittlerweile ….. aber beides zusammen ist scheiße. Ich habe ja mal gelernt, es gibt ein Schmerzgedächtnis und ich befürchte, meines ist besser als mein normales. Die Lösung heißt im Moment ibu 600, wenns dicke kommt mit Rotwein. Lecker. Was ein Gefühl, aufstehen und sich ein bißchen besser bewegen zu können. Alles schön und gut, aber gefährlich finde ich. Wenn ich mich zudröhne, merke ich nicht, wenn sich was verändert. Vielleicht ein Schmerz bei dem man Ursachenforschung betreiben muss? Keine Ahnung, ich bin einfach genervt. wahrscheinlich ist es auch einfach das zugeben müssen, es geht nicht mehr alles. Hat meine Mutter früher schon immer gesagt, hab ich nur die Augen verdreht, sorry, ich machs nie wieder.
Schluss mit dem ewigen Gejammer. Ich hatte einen schönen Geburtstag mit meinen Lieblingsmenschen, war auf nem Udo Lindenberg Konzert, hab 3 neue Zähne, eine neue Perücke namens Jolanda und neuerdings Augenbrauen und farbige Lippen. Ach du Alarm, das hat wehgetan, meine Fresse. Aber das brauchte ich jetzt mal. Ohne Augenbrauen sieht man einfach doof aus, wer schön sein will muss leiden. Oh ja.
Was gabs sonst noch? Einige Kriegerinnen sind verstorben. Scheiße. 2 Kriegerinnen haben ein Rezidiv bzw. eine Neuerkrankung. Scheiße.
Und ich habe dem Feind ins Auge geblickt. Einfach nur genial. Ich durfte mir in der Pathologie meinen Doofkrebs anschauen und erklären lassen. Auf sowas steh ich ja, ich will es immer genau wissen. Ein sehr netter doc erklärte mir genau, was wo zu sehen ist, wo Doofkrebs anfängt, was welche Zellen sind, wie meine Abwehr versucht hat sie in Schach zu halten. Völlig spannend. Man stellt sich Krebszellen oder Tumore ja immer als dunkles, unheimliches, bedrohliches Etwas vor, am beste noch häßlich. Kann ich jetzt mal so nicht sagen. Ich fand die Zellen eigentlich ganz hübsch. Was sagt uns das? Vertraue nicht allem was äußerlich ansprechend wirkt. Jedenfalls denke ich öfter an sie und sage dann immer: wagt es ja nicht, ich habe euch im Blick ihr kleinen Drecksbiester.
Was war noch, hm ………. Oh ja, ich habe es nach anderthalb Jahren endlich mal geschafft das Zimmer meiner Mutter auszuräumen, alte Möbel auf den Sperrmüll usw.. Am Dienstag ist mein neuer, fett roter, Schrank und das neue Bett gekommen. Eine Schlafgelegenheit war mir schon wichtig, wenn mal was ist………..
Tja, kurz gesagt, es könnte mir echt schlechter gehen, ich werde einfach nur alt, aber das ist ja auch eigentlich der Plan. Manchmal nervt mich Doofkrebs, manchmal lachen wir zusammen. Es bleibt weiterhin spannend und ich liebe es – natürlich bis auf das Medikament das mit A anfängt. Aber das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof, was nen blöder Spruch.
So, ein lecker Glas Wein und eine ibu warten schon sehnsüchtig auf mich. Mit ibu steige ich fast wie eine Gazelle aus der Badewanne, oder wie heißt das Tier mit dem langen Rüssel
Also immer weiter, nach dem Motto: wo die Angst ist, ist der Weg ….. machen wir uns auf in die nächste Runde.


Alles reine Kopfsache

……………. wenn er denn funktioniert. Es ist so viel passiert in letzter Zeit und im Moment renne, bzw. humpel ich meinem Leben hinterher. Apropos humpel. Nachdem ich ja nun ganz genau aufzeichnen konnte, wo welche Knochen sind und welches Gelenk im Alter langsam aber sicher seinen Geist aufgegeben hat, habe ich den Aromatasehemmer gewechselt. Leider trau ich mich immer noch nicht, das Ding im nächsten Kanal zu versenken. Weichei, blödes. Exemestan war einfach nur scheisse, also gewechselt auf Letrozol. Meine FA meinte, der macht weniger Knochenschmerzen. Wie schön. Also das Zeug ist, hm, wie soll ich sagen, einfach nur scheisse. Erstaunlicherweise dachte ich die ersten 2 Wochen, hm, besser? Okay, Knie tut weniger weh, Morgensteife wie immer aber vielleicht bissi kürzer? Aber dann, alles haut mir in die Füße und es fällt mir alles runter. Also mal wieder alles okay für Langarmer, aber für mich scheisse. Dazu das Taubheitsgefühl……. Ich hab mal früher mit den Füßen das Brot gehalten während die Brotmaschine lief, ja natürlich nur meins, ich befürchte, bis ich mitkriege, dass der Zeh ab ist, ist die Blutung schon gestillt. Also Rücken verdrehen, aufpassen, dass die linke Brust nicht mit unters Rad kommt und weiter.
Ein Gutes hatte diese Umstellung aber……………….. klingt bescheuert, wenn es überall wehtut und ich scheisse drauf bin und immer lese, was meinen lieben Kriegerinnen um mich rum so passiert, dann sind die Stiche und Schmerzen und was sonst noch so ziept und hämmert natürlich alles Rezidive und Metas. Kopfschmerzen nach Rotwein, oh Gott, jetzt hab ichs im Kopf und ich finde mich wieder im Kapitel „wie denke ich mich hysterisch in 4 Minuten“. Gott sei Dank gibt es da immer jemanden, der mich nach 3 Minuten unterbricht mit den Worten: hast dus vielleicht nicht mal ne Nummer kleiner? Nee, heute will ich Drama, okay, meld dich wenn du wieder normal bist. Die Kunst ist, nicht alles was Anderen passiert auf sich selbst zu projizieren. Jeder ist anders und Doofkrebs ist wie die Pralinenschachtel von Forrest Gump, man weiß nie was man kriegt. Trotzdem ist man immens erschüttert, wenn eine aus der Familie einfach stirbt. Wobei ich mit einfach meine, sie ist plötzlich tot obwohl vor 4 Wochen noch alles paletti war. Da überlegst du plötzlich, scheisse, du wolltest doch noch …………. Spätestens da sollte man sich hinsetzen, Schnappatmung runterfahren und durchatmen.
Ich hatte letztens auch ein interessantes Erlebnis. Nachdem das Bett meiner Mutter leider meinem zarten Körper zum Opfer fiel, man könnte auch sagen, ich bin draufgeknallt und es ist die Verankerung gebrochen, dachte ich, so, sie ist letztes Jahr im Januar verstorben, ist time to make a change. Der Plan, Bett und Kleiderschrank, auch schon 4x umgezogen, kommt weg und ich kaufe mir was schönes Neues. Ein Zimmer mit Bett soll es bleiben, denn der Zeitpunkt in dem ich mehr Hilfe brauche, den kann ich erahnen, noch nicht, aber es ist besser, hier kann einer pennen. Ach, bevor ich es vergesse, ich habe es geschafft, alle Kleidung meiner Mutter zu verschenken, an Leute die es wirklich anziehen und sich tierisch gefreut haben. Okay, sie war 90, hätte aber niiiiiiieeemals solche Klamotten getragen. Bin echt begeistert, hätte ihr gefallen.  So, jetzt ist der Faden gerissen……. Ach so, ich also los nach Schrank und Bett gucken. Da das Leben ja bekanntlich zu kurz für schlechtes Essen und schlechte Möbel ist, habe ich mich natürlich sofort in nen massiven, nicht gerade billigen Schrank verliebt und ein italienisches Bettgestell. In dem Moment, in dem ich gerade meine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen wollte, räusperte sich Doofkrebs im Hinterstübchen und sagte: äh, du weißt schon, dass das nen Haufen Kohle ist und ob sich das noch lohnt? Also ich weiß ja nicht. Der nette Verkäufer fragte mit Besorgnis in der Stimme ob alles okay ist, ja, muss mal gerade raus, muss kurz mit mir reden. Ich hatte eine Patentante Hildegard, genannt Hilla. Hilla lebte immer nach dem Motto, Kinners, ich hab mir gerade mal das oder das gekauft, und wenn ich nur eine Stunde Spass daran hatte, bevor ich tot umfalle, dann hat sich das gelohnt. Denk nicht so viel nach über das Für und Wider, machs, du bist länger tot als lebendig. Hast du gehört Doofkrebs? Leck mich am Arsch. Punkt. Mitte – Ende Juni kommen die Sachen, freu mich.
Irgendwie hat sich der Doofkrebs auf mich eingeschossen. Ich geh mit Freundinnen und Bekannten zu Untersuchungen, informiere mich viel, irgendwie habe ich verstanden, dass das so meins ist. Als müsste ich erstmal da mitreden können um rauszufinden, was mich so umtreibt. Ich würde wirklich gerne da mehr machen, so wie im Hospiz oder bei der DGHS. Obwohl ich meinen „richtigen“ Job und die Kollegen echt liebe. Ey, ich bin Zwilling und angeblich orientieren die sich immer neu, könnte mich mal einer in den Arsch trete, damit auch mal Taten folgen und ich mir nicht nur alles rosa rede?
Also es ist wie immer, der normale Wahnsinn den ich so liebe, ein bisschen Unzufriedenheit, Angst, Frust und Hoffnung. Aber ich könnte so manche Daumen brauchen für mich und ein paar Kriegerinnen. Im Mai ist wieder TÜV, nächste Woche geht’s los. Kardiologe, der meint ich müsse jetzt mal was nehmen, denn die Aromatasescheisse haut auf den Blutdruck, Lunge röntgen, Krankenhaus wegen Studie, MRT Innenraum wegen Leberbefund, Sonografie und das volle Programm. Will ich das alles wissen? Kann ich damit leben nichts zu wissen? Ich habe einfach keine Lust immer alles zu bedenken. Das fand ich schon immer Mist. Nimmt Zeit vom Leben, Lieben, Essen und Trinken. Geht ja gar nicht.
Die nächsten Daumen für die Freundin meiner Mutter, Brustkrebs, Chemo durch, jetzt massive Hautmetas an der wegoperierten Brust, muss das sein mit 80 ??? Nächste Woche MRT ob irgendwo noch gestreut …………… Freundin mit unklarem Brustbefund, auch nächste Woche MRT, das ist irgendwie nicht normal.
Wenn ich den TÜV bestehe, dann wird erstmal einer getrunken, heute Abend hab ich übrigens auch jemanden, der die Sektflaschen aufmachen kann, ha, mal kein Wein. Dann kommen die nächsten Baustellen, mein nur ein sehenes Auge ist Mist, einer unserer Conterganmitstreiter ist durch Schlaganfall verstorben, es wird immer deutlicher, dass bei unseren Gefäßen was nicht stimmt, ich muss das unbedingt untersuchen lassen, ich mach doch keine Chemo und Verstrahlung und quäle mich durch Letrozol und den Mist, damit dann ein Gefäß reißt und Ende im Gelände, nix da.
Aber, wie sagt meine Kollegin: erstmal langsam und eins nach dem anderen…………….
Ja, so ist das mit dem Leben, und die Bronchitis, die ich seit 2 Wochen habe könnte auch mal verschwinden………

Leben live….

Hallo Freunde des knallharten beats ……………..so fingen viele mails eines meiner Vorgesetzen an. Kam mir gerade irgendwie in den Sinn. Heute ist wieder so ein Tag …………… bin noch am Überlegen ob ich es lustig finde oder angepisst bin. Also ich dachte so, hm, is Sonntag, Wetter so okay, raus keine Lust, also machste wellness. Guten Rückenwohl-Badezusatz in die Wanne, was zu essen und zu trinken und ein Thriller, definitiv meine Vorstellung von relaxen. Gesagt, getan, eingetaucht und aaaaahhhhh. Witziger weise hatten wir gestern Abend das Thema, wie um Himmels Willen kommst du eigentlich aus der Wanne raus mit ohne Arme. Och, langsam mit gutem Gleichgewicht, also kein Rotwein im Wasser, und vertrauen auf, das ging immer, eigentlich nicht so schwierig. Aber da ich ja nicht völlig blöd bin, habe ich immer ein Telefon in der Nähe, falls mal ….. keine Ahnung, vorsichtshalber. Irgendwie hatte ich aber verdrängt, dass meine Füße schon die halbe Nacht bei Drehungen leicht gekrampft haben. Also dachte ich, jetzt raus bevor ich einschrumpel und habe mein linkes Bein nach links gedreht um darauf zu knien. Mitten in der Bewegung habe ich die Mutter eines Oberschenkelkrampfes gekriegt …… ach du Alarm ….. egal wo ich das Bein hingedreht habe, Krampf. Unter Gestöhne wie aua, Mist, verdammt, scheiße, ich bringe diesen Aromatsehemmer um, Hilfe und allem anderen was man so fluchen kann, habe ich dann ne Stellung gefunden wo der Krampf nachließ, aber nur bis zur kleinsten Bewegung. Mittlerweile saßen durch mein Gestöhne beide Katzen in der Badezimmertür und warteten gespannt wie es weitergeht, erst gesessen, dann ganz gemütlich die Vorderbeine untergesteckt, ja, das kann dauern, machen wir es uns mal bequem. Natürlich hat es mein Ego nicht zugelassen mal jemanden anzurufen, äh, was machst du gerade, ich brauche mal nen langen Arm. Lange Rede, kurzer Sinn, nach ner gefühlten Stunde hab ich mich irgendwie aus dieser Badewanne gezirkelt, geht doch. Mittlerweile hatte sich alles verkrampft, dreh ich die linke Schulter, zu weit nach unten sticht es mörder in der Doofkrebsbrust, dreh ich die rechte falsch sticht es in der rechten, die Narbe von der Angleichungs-OP, den linken Fuß den ich zum Anziehen brauche, da sticht es seit Umstellung des Aromatasekacks neuerdings auch wie blöd. Dafür bekommt der aber meinen Kniegelenken besser. Und wieder ist die Frage aller Fragen, nimmste das Zeug weiter oder möchtest du mehr Lebensqualität auch wenn deine docs die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich suche immer noch jemanden der das mal für mich entscheidet. Jedenfalls bin ich dann erstmal duschen gegangen. Ey, ich war sacknass geschwitzt. Und dann ne Ibuprofen 600 in Wein aufgelöst, lecker ….
Aber ich hatte eine wunderschöne Woche auf Fehmarn, viel gelaufen, ja, für mein Fahrgestell echt, immer mal stehen bleiben, hier tuts weh, da stichts, der Rücken bricht gleich durch, aber im Großen und Ganzen kann ich stolz auf mich sein. Und ich hatte Zeit mal wieder das Hirn zu lüften und mich auf das Wesentliche zu besinnen. Was wirklich blöd ist, ist treffe ne Entscheidung und dann geht’s ein bisschen besser und ich sitze es erstmal aus…………….. so vergeht die Zeit und manchmal habe ich Angst, dass ich eine für mich wichtige Entscheidung verschnarche, die Zeit vergeht so schnell. Gestern habe ich jemanden mit Kleidung meiner Mutter eine große Freude machen können, sie ist schon 15 Monate nicht mehr da. Wo sind die hin, was hab ich in der Zeit gemacht, ich glaube es nicht. Und Diagnose Doofkrebs war im Dezember 2013, 2015 hab ich vorzeitig mit Herceptin und Studienmedi abgebrochen. In der Notaufnahme des Klinikums müsste eigentlich ein Zimmer nach mir benannt werden so oft wie ich da war, äh, Entschuldigung, meine Nase blutet seit ner Stunde, ich bin Krebspatient, oh ja, gehen Sie vor, Arzt kommt sofort……………… war alles kacke, aber ich hatte nicht diese Kollateralschäden wie heute, das nehm ich dem Doofkrebs echt übel. Wenn ich dich kriege, na warte……….. Jedenfalls hatte ich eine Auszeit und das war wie heimlich im Dunkeln an den Kühlschrank schleichen………….eigentlich hätte ich im März wieder irgendwelche Nachsorgetermine, aber nein, der Beschluss war, März ist krebsfreier Monat, im April gibt es auch noch was zu untersuchen, Lust habe ich auch nicht, aber wir sind ja immer noch nicht bei wünsch dir was. Heute fragte mich jemand, was ist wenn wieder was ist. Hä, na dann ist was, dann werden die nicht vorhandenen Ärmel hochgekrempelt und es geht wieder an den Start. Ich rege mich nicht über ungelegte Eier auf. Man kann nicht planen, nur leben, wie oft kriege ich bei facebook oder so mit, was andere alle haben, dazubekommen, versterben, leben trotz Metas ohne Ende. Es ist wie es ist, einfach leben, lieben und genießen. Ich lass mich überraschen obwohl ich keine Lust auf diese dauernden Untersuchungen habe und jedes Mal mit Diskussion über den Port, nein, wir nehmen Blut so nicht ab, gut, dann geh ich eben, nein, das können Sie nicht, haben die ne Ahnung was ich alles kann. Mal sehen wie es diesmal läuft.
Ach, was auch lustig war, so als Ohnarmer (ich liebe dieses Wort wirklich, hohler geht’s nicht) in Deutschland. Auf Fehmarn steh ich mit Freundin in Bäckerei, Bedienung sagt, 2 Euro 10 oder so, ich krokel im Portemonnaie rum, war sie schon genervt…………. gibt mir das Rückgeld, bzw. gibt es mir nicht sondern legt es in die Schale, wir ahnen schon, an die ich natürlich nicht rankomme. Sie guckt und sieht das auch, macht aber null Anstalten das Ding mal zu schieben sondern guckt meine Freundin an, von der sie nicht wusste, dass wir zusammengehören, und sagt, Moment noch bitte. Wäre ich nicht im Urlaub gewesen hätte ich sie gefragt ob unter der Fönwelle auch Hirn ist. Manche Leute, dazu fällt mir nix ein. Doch, an der Tankstelle ein wie 12 Jahre aussehender Kassierer, guckt mich mit offenen Mund an und sagt, Sie können Auto fahren, cool ey, na das lob ich mir doch. Und dann war ich diese Woche noch in einer Werkstatt für Behinderte, was abholen, das Personal hatte Besprechung und ich hab geklopft und bin rein. 3 Männer, eine Frau, die mich von oben bis unten grell anguckte und den Mund aufmachte und ich haargenau wusste, was sie sagen wollte, ich sollte gefälligst nichts stören. Auch hier noch im Urlaubsmodus sprach ich einen der Männer an, guten Tag ich möchte gerne das und das abholen. Sie klappte den Mund zu, er kam mit und ich  konnte es mir nicht verkneifen, man glaubt es kaum, es gibt auch Behinderte in freier Wildbahn……. Nur gut, dass ich immer so nett bin.Tja, man muss echt kerngesund sein für das Leben.

Was bestimmt mein Leben ?

Irgendwie hatte ich in der letzten Zeit öfter Gespräche über das Thema Angst. Das war immer völlig interessant, denn Angst ist nicht gleich Angst. Man muss erstmal rausfinden, vor was genau man eigentlich Angst hat, ist auch insofern hilfreich, kann man sie benennen, hat sie schon viel von ihrer Macht verloren.

Bei Diagnose Doofkrebs schlägt dir natürlich erstmal die rein existentielle Angst mit der Faust in den Magen. Du kriegst Schnappatmung und denkst, oh Gott, ich sterbe, ich werde leiden, mein Leben ist vorbei. Es gehen dir 27.453 Gedanken durch den Kopf, wie soll ich das schaffen, ich schaffe das nicht, niiiiiiiemals, gleichzeitig, das soll es gewesen sein, ich habe doch noch 1 Million Dinge vor……. Was ist mit meiner Familie, meinen Kindern, oh mein Gott, sie sind noch so klein. All solche Dinge eben.

Also, ein Plan muss her, wie kriege ich die Angst in den Griff. Ich finde das so völlig spannend, denn es gibt so viele Wege, manche kann ich für mich nicht nachvollziehen, bei manchen denk ich, thats it.

Eine meiner ganz lieben BK-Mädels glaubt an Gott und wirkt immer tiefenentspannt, Neid, aber ist so gar nicht meins. Sie sagt, sie vertraut Gott, er weiß was er für sie tut und sie vertraut darauf. Wahnsinn, echt, ich kann damit nichts anfangen, hänge aber voll gebannt an ihren Lippen wenn sie erzählt.

Ich glaube, viele haben Angst vorm Sterben, obwohl, ist es die Angst vor dem Prozess oder das Nichtmehrdasein? Oder auch ev. Schmerzen und Leiden oder/und dass das eine Beziehung nicht aushält. Und das kommt leider öfter vor als man denkt. Krebs ist ein Thema, damit kann nicht jeder umgehen und zieht sich zurück. Was natürlich für den Betroffenen noch ein Schlag in denselben Magen bedeutet.

Okay, ich möchte nicht über andere reden, also erzähl ich mal was da so meine Position ist. Zuerst natürlich, siehe oben….. ich denke, da sind wir uns alle gleich. Aber dann hab ich mich mal hingesetzt und Bilanz gezogen. Wovor habe ich eigentlich Angst?

Ich habe keine Angst zu sterben, ich fände es nur blöd weil mir das Leben Spass macht, ah, ich höre schon, erzähl doch nix, davor hast du doch Angst, lüg dir nicht selber in die Tasche, ne, tu ich nicht. Wir müssen alle sterben irgendwann, es ist nur früher nie so präsent gewesen. Ich durfte mittlerweile bei mehreren Menschen dabei sein als sie verstorben sind, seitdem habe ich erst recht keine Angst mehr. Und Schmerzen? Muss man heute nicht mehr haben. Was mir ev. einen kleinen Hauch von Angst einflößt ist der Gedanke, ich hätte keinen Menschen, würde bewegungslos und/oder dement in einem Altersheim rumhängen und könnte nicht selbstbestimmt sterben, da läuft mir doch ein Schauer über den Rücken. Weil ich möchte selbst bestimmen wann Schichtende ist, das wiederum hat aber was mit Lebensqualität zu tun, die mir im Moment wöchentlich abhanden geht wegen der Nebenwirkungen des Aromatasescheiß und der Conti-Spätfolgen.

Klar hab ich auch Angst, z.B. das mein einzig sehendes Auge so blind wird, dass ich nicht mehr Auto fahren kann, dass ich nachts im Dunkel in der Tiefgarage überfallen werde da mein Vermieter seit 2 Jahren anscheinend für ein Tor spart, dass ich liebgewonnene Menschen verliere. Aber ich denke, das ist normal, denn sonst könnte man ja andere Dinge nicht schätzen.

Also Balance halten, das ist das Mittel der Wahl. Das ist, zugegeben, nicht immer einfach. Alles im Leben ist gefährlich, oder um es mit den Worten meiner Frauenärztin auszudrücken, keiner zwingt mich an Brustkrebs zu sterben, ich kann mich auch versehentlich von der Straßenbahn überfahren lassen. Ich sitze täglich im Auto oder renne kurz vor rot über die Straße, okay ich nicht, rennen ist wirklich gestorben.

Was will ich nun damit kundtun? Das Leben ist schön und bietet viele Möglichkeiten, die man sich nicht durch die Angst vor irgendwas nehmen lassen sollte. Ich denke, obwohl ich nicht an diesen bestimmten Gott glaube, es ist eh vorbestimmt wann es vorbei ist, egal was ich mache, und ist es meine Bestimmung an Doofkrebs zu sterben, dann ist das so, natürlich versuche ich dem so lange wie möglich standzuhalten aber……..

Also, weg mit den trüben Gedanken, einfach leben, lieben und genießen und zwar jeden neuen Tag, Dinge tun und nicht verschieben und der Angst sagen, ich kenn dich und deswegen kannst du mir nichts tu. Und da gibt es kein richtig oder falsch,  jeder hat seinen Weg, egal  ob das andere verstehen oder nicht.

Ich wünsche mir, dass jeder so einen Weg für sich findet. Ich bin völlig dankbar, dass ich einen gefunden habe und nein, ich verdränge nichts, ich versuche immer die Dinge anzusprechen und mich ihnen zu stellen. Es ist manchmal anstrengend, aber ey, was soll mir schon passieren ??? ich liebe es…….

Weltkrebstag

Am 4. war ja Weltkrebstag und da ich neugierig bin, bin ich tatsächlich an dem Samstag gefühlt mitten in der Nacht aus dem Bett und war mit Diana um Punkt 9 im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel, jetzt DRK Kliniken……….na dann. Der 1. Vortrag der uns interessierte, ging über die Entstehung von Krebs. Okay, nützt mir jetzt auch nichts mehr, aber man will ja irgendwie doch wissen, warum man nun gerade von Doofkrebs ausgesucht wurde. Also was mich schonmal beruhigt, meine 4000 gegessenen Tüten Chips oder die diversen Asbach-Cola meiner frühen Jahre sind wahrscheinlich doch nicht unbedingt schuld daran. Eigentlich ist es ganz einfach, entweder man hat Pech oder nicht. Die Zellen hat jeder im Körper und der Plan ist, dass sie absterben und ausgeschieden werden. Der Plan ist gut, nur er funktioniert nicht immer. Denn manche vergessen einfach zu sterben, was übrigens auch mein Plan ist, und schlafen vor sich hin, bis sie irgendwann  mutieren und beginnen Unheil anzurichten, das ist die eine Art, die andere ist eben, eine Zelle beginnt durch welchen Defekt auch immer die Richtung zu ändern und schon geht’s los.  Also das ist jetzt mal so wie ich das verstanden habe.

Die Veranstaltung an sich war gut organisiert.  Auf den Fluren waren viele Stände von Kliniken, Einrichtungen,  Pflege,  Perückenläden, Allianz gegen Brustkrebs, Praxis Strahlentherapie usw.. Man konnte sich über alles informieren was so zu einer Krebsdiagnose und Behandlung gehört. Die Organisatoren haben sich echt Mühe gegeben.

Wir haben uns mehr Vorträge angehört als eigentlich geplant war, es war einfach alles interessant. Das Krankenhaus hat eine Palliativstation die besichtigt werden konnte, man konnte sich Videos von OPs ansehen, die ein doc erklärte,  selbst versuchen zu nähen und all sowie,  kurz gesagt,  es war echt gelungen. Schade war nur, dass sowenig  Reklame gemacht wurde. Aber es waren schon ordentlich Leute da.

Okay, also warum tu ich mir das an? Weiß ich auch nicht wirklich, aber es interessiert mich einfach.  Ich beschäftige mich nicht dauernd mit Krebs , ich weiß auch nicht alles genau wie meiner funktioniert,  es ist auch viel zuviel input aber es ist ein Thema das mich direkt betrifft und deshalb ist es mir wichtig,  mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Und ich habe es einiges mitgenommen:

Erstmal können wir froh sein hier zu leben,  es war mir echt nicht bewusst,  wieviel Arbeit,  Engagement und auch Leidenschaft die ganzen Ärzte, Forscher und wer noch dazu gehört in die Bekämpfung von Krebs stecken. Das Thema ist so unglaublich komplex,  ich verstehe nur das Grobe und das auch nur für Normalos erklärt. Aber das haben alle Redner gut hingekriegt. Mag unser Gesundheitswesen auch manchmal Mist sein, ich fluche auch genug, aber jedenfalls haben wir sowas überhaupt. Trifft dich der Doofkrebs in einem armen Land, dann gute Nacht. Es ist wie alles im Leben leider eine Frage der Kohle, eine auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie kann kein sich  System der Welt leisten. Wobei wir wieder bei der Diskussion wären, wäre Krebs leicht heilbar, müsste die Pharmaindustrie ev. von goldfarbenen Ferraris auf rot umsteigen. Und das geht ja nun echt nicht.  Es ist müßig. Ich für meinen Teil bin jedenfalls dankbar,  dass so viele Menschen zusammen arbeiten um mir ein Möglichstes an vorhandener Therapie anbieten zu können, mir als einfachem Kassenpatient.  Wobei mir einfällt,  vor Jahren habe ich versucht,  eine private Zusatzversicherung zu bekommen,  auch nur 1. Klasse und Chefarzt oder und Tagegeld wurde rundweg abgelehnt. Begründung,  ich sei schließlich behindert. …ja  und? Werde ich von kurzen Armen krank, is klar. Ich müsste viel mehr ins Krankenhaus als andere….. oh, die Herrschaften konnten in die Zukunft blicken. Was solls,  hab ich die Kohle eben in ABC angelegt. (Asbach, bißchen Cola).

Fakt ist auch, im Jahr 2030 gibt es wesentlich mehr 80, 90 oder 100jährige. Sehr wesentlich sogar. Und je älter man wird desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken. Jeder 2. wird im Laufe des Lebens die Diagnose erhalten, weswegen nicht gleichbedeutend mehr Menschen sterben, die Therapien werden besser aber das ist wohl der Preis für ein immer längeres Leben. Natürlich, stirbt man mit 75 an ne Herz-Kreislauferkrankung,  dann kriegt man nicht mehr mit,  dass man mit 80 Krebs kriegt. Wie auch immer. Auf jeden Fall war bei dem Vortrag über Krebs im Alter nicht viel los. Ich dachte, jetzt kommen alle ältere Leute die draußen rumliefen, nix da, die sind geflüchtet, irgendwie will man es wohl doch nicht so wissen? Ich kann nur sagen, hat einer von euch jemand mit Mitte 70 der erkrankt, auf jeden Fall wohin,wo geriatrische Abteilung ist und man erstmal abcheckt,  was sinnvoll ist und was alles noch schlimmer macht.

Und natürlich die Vorsorge , ich kann nur wieder sagen, wäre ich nicht hin, sähe es wohl schlecht aus. Zumal erzählt wurde, man denkt um, Krebs macht nicht irgendwann mal Jahre später  Metastasen sondern es siedeln sich Zellen früh ab und gehen dann erstmal pennen bis wer weiß schon wann. Deshalb so schnell wie möglich die Zellhaufen, die sich zum Tumor zusammengerottet haben rausholen, bevor sie viele kleine Späher senden können. Erscheint mir logisch.

Kurz gesagt, entweder es erwischt dich oder nicht,  du kannst nichts vorbeugend tun, nur hinterher vielleicht gesünder leben und sich mehr bewegen und sowas. Da bin ich im Moment nur in der Theorie gut, aber echt, der Aromatasehemmer macht mir sowas von Probleme und Tabletten nehmen um Nebenwirkungen von Tabletten  zu ertragen ist doch auch scheiße.  Irgendwann schmeiß ich die aus dem Fenster,  ich schwöre es. Jedenfalls war es ein gelungener Tag, meine Füße haben gebrannt, das Knie wieder dicke,  der Rücken tot, Hirn voll und hungrig.  Da kann man jedenfalls was gegen machen. Die Schäden, die die Behandlungen bei mir ausgelöst haben, finde ich vielen schlimmer als den Doofkrebs an sich, die Alternative ist aber auch keine Option. Es ist wie es ist,  alles eine Scheiße,  ja, positiv denken, also schöne Scheiße. Nichtsdestotrotz liebe ich die Scheiße und werde wieder morgen früh fluchend über meine Knochen aus dem Bett kriechen und überlegen,  was ich denn mal für eine Krankheit haben könnte um im Bett liegen zu bleiben.  So wie jeden 2. Tag.  Wenn mir was Gutes eingefallen ist, stehe ich meist schon an der Arbeit in der Tiefgarage. Pech gehabt, aber ich liebe es.