Reisebericht für Fortgeschrittene …. oder, scheiße, da komm ich nicht ran.

Eigentlich wollte mich ja eine Freundin nach Metzingen begleiten, manchmal sagt aber das Leben am Vorabend gegen 18.00 hmmmm, passt mir jetzt doch nicht, bleib lieber da. Das ist nun mal so und da kann man nichts machen. War echt doof, wenn man zu irgendwelchen Leuten fährt, die man nicht kennt, die könnten einen allein schon töten und verscharren………. da ist man doch lieber zu zweit, ach Quatsch, ich bin schon groß und ich kann fragen wenn ich was brauche ….   aber trotzdem. Da es aber schon so spät war, hatte ich natürlich nicht die Möglichkeit, jemand Anderen zu organisieren und hatte kein Hotel gebucht, reicht ja auch kurzfristig. Also hab ich mich dann erst mal durch die Schlafangebote in M gegoogelt und festgestellt, das hätte ich lieber doch früher gemacht.

Als allein reisender Kurzarmer hat man da so gewisse Vorgaben. Zug fällt aus, ich kann nicht meinen Kram rumschleppen, nicht schnell genug umsteigen usw.. Also Auto, hatte Glück, keine Staus. Die Hotelrezeption muss durchgehend besetzt sein ….  warum? Na weil mich einer reinlassen muss. Es waren fast alle Hotels ausgebucht ……..  warum auch immer, Appartements, Wohnungen etc. hätte ich haufenweise kriegen können. Tja, da steh ich dann nachts allein vor einer Wohnung, Hotel oder was auch immer und kriege die Tür nicht auf. Ich kriege die meisten Türen nicht auf, denn man muss mit einer Hand am Griff oder Knauf ziehen und mit der anderen dann Schlüssel drehen ………. ich denke, man erkennt das Problem….  Ich hätte natürlich nen Taxi oder die 110 rufen können, äh, können Sie mal bitte aufschließen….    Gott sei Dank hab ich echt das letzte Zimmer erwischt in einem Hotel, war echt das letzte, denn ich musste ne Treppe hoch und da hat meine Hüfte keinen Bock drauf und als ich nach einem Aufzug fragte war die nette Dame sehr bemüht, ach hätten Sie beim buchen doch was geschrieben ….. tut mir leid, wir sind ausgebucht …. alles gut, ist ja nur der 1. Stock. Alles hingeschmissen, auf den Topf und los……

Natürlich machte sich eine gewisse Nervosität breit als ich zu dem Treffen ging, aber das war innerhalb von 0,2 Sekunden total weg. Ich wurde so freundlich, echt, ohne Berührungsängste begrüßt, dass ich mich gleich wohl gefühlt habe. Schaut Euch auf insta z.B. die Bilder von Vince Voltage, Lisa Rocketcock oder und die Seite von Ita Modelpage. Alle ein bisschen irre, aber ich habe die Hoffnung, dass auf der Welt noch nicht Alles verloren ist, solange es solche Menschen gibt. Nochmal danke für den tollen Abend. Und ich hab endlich mal ein Bild mit Make-up, cool …..

Na ja, irgendwann war ich dann zu später Stunde, dank Nachtportier, wieder im Hotel. Katzenwäsche, okay, bis Make-up weg war und dann noch ne Piccolo aus den Minibar und Alles gut.

So weit, so gut ……… bzw. hmmmm, duschen war nicht, eine riesen hohe Badewanne, okay, da wäre ich noch irgendwie rüber gekommen aber ich konnte nicht auf Dusche umstellen. Nicht genug Kraft. Ja natürlich hätte ich mir was anziehen können und an der Rezeption anrufen, äh, könnte mal jemand… aber echt, ne. Also wieder ans Waschbecken und so gut wie möglich die strategisch wichtigen Areale unter Wasser gesetzt. Geht auch, ist aber anstrengend. Egal, weiter ……. oh scheiße ………. nur ganz runde Tür- und Fenstergriffe. Okeeeeeeeee, wie mach ich das jetzt mit dem BH? Normalerweise über den Kopf und die Möppis mit dem Fuß ziehen, dann hinter in Türklinke einhaken und rumzappeln bis Alles da sitzt wo es soll. Nun das klappte nicht. Hab soweit es ging gezogen und gezappelt, alles ein bisschen verdreht, reichte aber fürs Frühstück. Da sind die Leute echt immer nett, so dass ich alles gebracht bekam.

Nach der Hälfte der Rückfahrt bin ich dann entnervt aufs Klo an einer Raststätte und hab den BH entsorgt, das Teil hat überall gedrückt weils verdreht war, natürlich bevorzugt auf die Narben, is klar. Dann ist es eben so, dann sagen die Leute, sollte ich einen Unfall haben, ey, die ist nur halb ordentlich gewaschen und nen BH könnte sie auch tragen. Mir egal, kenn ich die Leute ………nö.

Fazit: Geht doch, Wasser und BHs sind völlig überbewertet. War ne geile Fahrt. Aber ich gebe schon zu, das nächste Mal beweg ich mich nicht so weit aus meiner Komfortzone. Man wird ja schließlich älter und bequemer ………

Ich hoffe nur, ich werde nicht so schnell dement und vergesse, auf was ich Alles achten muss. Also hofft mit, in Eurem eigenen Interesse, denn sonst muss das nächste Mal einer von Euch mit.

Making-of Fotoshooting Vince Voltage

Making-of … 13.11.2019 Fotoshooting Vince Voltage in Metzingen #ita_modelpage

 

Was hat der Krebs mit mir gemacht? Klar, mich verändert, mir Angst gemacht, mich manchmal an meine Grenzen gebracht und Vieles mehr…… aber er hat mich auch mutiger gemacht, mich einfach mal aus meiner Komfortzone zu bewegen, zu polarisieren und keine Angst vor der Meinung anderer Menschen zu haben. Ich muss niemandem mehr gefallen. Ich muss abends im Bett liegen und grinsen und denken: das war ja mal ein toller Tag. Einen solchen Tag hatte ich am Mittwoch Dank ein paar klasse Menschen, die auch polarisieren … aber, normal kann jeder, dazu hab ich keine Zeit mehr!

 

 

 

 

Durcheinander

Also in den letzten Wochen läuft irgendwie wieder Alles quer ….  oder auch nicht, keine Ahnung. Ich habe das Gefühl die Zeit hat auch Stress und rennt vor mir fort. Leider komme ich nicht mehr hinterher, denn meine Hüfte, Knie und Rücken machen echt doof. Dh., dass mein Schmerzmittelkonsum ansteigt und meine Leber eher auf dem absteigenden Ast ist. Mal sehen, wer gewinnt. Jetzt muss ich mir auch noch merken, wann ich wo wie lange zu Fuß hin will, damit ich mir rechtzeitig ne Dröhnung verpasse. Meistens verpasse ich das rechtzeitige Einnehmen. Mein armer Osteopath muss sich mein Gemecker dauernd anhören, wenn ich sage, es tut weh, dann kommt ein freundliches: ja ja, ich weiß. Ja ich auch. Dann das freundliche: ich weiß eh nicht wie der Körper das die ganzen Jahre hingekriegt hat. Toll, wer will das wissen? Ich will wissen wie das weiter geht. Ja eher langsamer und mit mehr Aua. Von neuer Hüfte krieg ich weiterhin abgeraten, er meint, da ich das Bein ja zum rechts ausklappen brauch wäre der Aufwand zu groß, das würde ich einmal machen, dann springt die Kugel aus der Pfanne, das Bein bleibt in der Position stehen und dann ham wa den Salat. Na dann ………… wie sagte der von mir sehr geschätzte Frank Elstner die Tage über seine Parkinsonerkrankung: na dann zitter ich eben. Recht hat er, na dann jammer und humpel ich eben …..

Eigentlich lief es soweit ganz gut, wenn auch langsam und dann stirbt plötzlich jemand, die eigentlich so das Erfolgsvorbild war, mehrfach Krebs über lange Jahre und dann macht des buff und das war es. Abgesehen davon, dass sie eine ganz tolle Frau war und viel bei der Allianz gegen Brustkrebs für uns Alle getan hat, man denkt sofort, scheiße, du kannst dir keine Minute sicher sein, irgendwann auch wenn du schon vergessen hast, dass du Krebs hattest, irgendwann erwischt dich das Drecksbiest. Mal ehrlich, wir denken doch Alle, ne wir sterben daran nicht. Hat nichts mit Hoffnung oder so zu tun, ich glaube, das ist der angeborene Verdrängungsmechanismus. Also war erst mal nen kurzer mentaler Absturz angesagt. Um da wieder rauszukommen dachte ich, okay, wenn nicht jetzt wann dann und ging schnurstracks zu der Autoverkäuferin meines Vertrauens und sagte: Hallo, ich hab vor ner Stunde beschlossen, ich brauch nen neues Auto. Der Fairness halber ……….. ich hatte eh schon drüber nachgedacht, allerdings erst für 2020.  2020 !!!!!  Da kann ich schon längst in den ewigen Jagdgründen sein. Ich will jetzt sofort und laut und auffällig, ich lebe noch. Da passt es prima, dass das Auto in der wunderschönen Farbe tornadorot zu kriegen ist. Ja, das bin ist, fett rot und überhaupt. So schnell hab ich noch nie ein Auto gekauft. Meine Tante Hilla sagte immer: Kind, wenn du was haben möchtest und es dir leisten kannst, dann mach es einfach. Und wenn du morgen früh tot aufwachst, dann hattest du einen Abend Spass dran. Tja, meine Patentante hatte es drauf. Abgesehen davon machen meine Gebrechen ein wenig mehr Technik notwendig und ein altes Auto umrüsten bringt es nicht. Jedenfalls bekomme ich Ende November ein neues Auto und freu mich einfach mal. Und es wird den Namen meines Vorbildes bekommen. Mein jetziger heißt Dicker, ist ja auch nicht so nett.

Was mich immer wieder erschreckt  …………  mein Körper und mein Hirn können sich ohne Probleme komplett voneinander lösen. Ich hab da gar kein Mitspracherecht. Wie schon mehrfach erwähnt, ich sehe ja nur auf meinem, im Februar operierten rechten Auge. Ich dachte letztens immer mal, ey, irgendwie ist da ein Störgefühl, zu trocken … was weiß ich. Letzte Woche dann wollte ich mir dann ne Linse ins Auge zwirbeln, dazu brauch ich meinen linken Fuß, am besten nen Teelöffel und ruhige Finger, klingt nach: hä ??? klappt aber gut. Ich klappe also das Unterlid um und seh da eine Verdickung. Ich hätte jetzt Tumor gesagt, hab aber rausgefunden, dass dann jeder Schnappatmung kriegt, weil Tumor gleich Krebs, was ja nicht stimmt aber jeder denkt. Fehler Nummer eins: ich habe gegoogelt, natürlich mit Bilder, alle Fotos, egal ob gut- oder bösartige Tumore, alle sahen aus wie meiner, der hier vielleicht von der Farbe, der von der Form usw.. Aber wir machen uns ja nicht hysterisch ….. nein, es ist ein Gerstenkorn oder weiß der Geier, alles gut, in 2 Wochen hast du eh Augenarzttermin, das reicht. Schluss jetzt, reiß dich zusammen. Gesagt, getan, ging den ganzen Tag gut aber dann kommt die böse dunkle Nacht und ich spürte schon die Anwesenheit der sich reibenden Hände: leg dich erst mal hin, dich kriegen wir schon. Okay, zwei Gläser Wein später und nachts so gegen 3 hatten sie mich dann:  so, du denkst also es ist nichts Schlimmes? Ist ja ganz schön mutig. Du weißt, wenn das rausoperiert werden muss, dann kommt da ein Verband drauf und du kannst gar nichts mehr sehen, Ha, das wird lustig.  Und wenn es wieder Krebs ist …….. haste gelitten, tja, ist ja auch Pech, gerade das Auge, an dem anderen Auge wärs ja nicht jetzt son Stress, so in der Art und noch weiter …………. du solltest mal zum Arzt. Nachdem ich das dann zwei anderen Leuten gezeigt habe und die auch meinten, ey, geh zum Arzt dachte ich dann, nein, du bist schon groß, jetzt ist es aber gut, warte bis zum Termin und hör jetzt auf wie ein Baby zu machen. Mehrere Unkonzentriertheiten und Durchfälle später hatte ich mich kleingekriegt und erst mal Hautarzt angerufen, ne, nicht da, erst nach Ferien, kriegen dann gleich Termin, nein, bei dem Anderen nix frei……….  Augenärztin angerufen. Problem geschildert, ich gleich gesagt, ich weiß, es ist kein Notfall aber …..  okay, kommen Sie um 14.40 Uhr, geil………  meine Dankbarkeit kannte keine Grenzen. Ich also hin und musste echt nur kurz warten und dachte so, was ist jetzt wenn die sagt, oh, das sieht nicht gut aus……….  das ist echt nicht das primäre Problem. Ich kann mit einer Diagnose leben, nicht nur, weil ich es muss, was ich nicht mehr kann ist warten. Es ist unerträglich. Liebe Ärzte, ich weiß, Krebs ist keine Akuterkrankung, ich habe lange genug in der Branche Staub geputzt, wie meine Mutter immer sagte, aber Ihr wisst nicht, was einen das kostet zu warten, zumal, wenn man schon einmal Krebs hatte. Es ging in meinem Fall auch nicht um Untersuchungen, nur einmal draufschauen und Meinung abgeben. Das dauert keine Minute. Ich wäre auch entspannter mit Diagnose: oh gewesen, nicht zu wissen was ist, ist tödlich. Die Zeit könnt  Ihr bitte dazwischenschieben. Also zu 95 bis 99 Prozent ist das Ding bei mir gutartig doof, aber trotzdem, mein Darm interessiert sich nur für Antworten. Aber ich bin der Frau unendlich dankbar, sie sagte, klar, ich verstehe sie total.

Schluss mit dem Scheiß, ich hatte ein total tolles Erlebnis. Ich durfte den Fotografen Pierre Steinhauer aus Wuppertal kennen lernen. pierre-steinhauer.de. Es ging eigentlich um Krebs, er fand aber schlussendlich, Contergan sei das Thema des Tages und machte, mich absolut berührende Schwarzweißfotos. Ich fand mich in denen sowas von wieder ……. es ist unglaublich wie sehr er mich gesehen hat, also mich. Und ich mich. Momentan hab ich die nur auf meiner Facebook Seite da ich ja technisch begabt bin wie Toastbrot. Ich habe jetzt aber eine ganz liebe Freundin, die diesen blog ein bisschen schöner macht und das mit den Bildern kann und ich hoffe, sie sind hier bald zu sehen. Nicht, dass ich dich jetzt irgendwie unter Druck setzen will ………… nein, mach langsam.

Tja, es ist wie es ist ………….. hoffentlich ist es noch lange.

Nachtrag:
Hier nun die Fotos Fotoshooting bei Pierre Steinhauer

Resilienzen

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Resilienzen ………… irgendwie haut damit gerade jeder rum. Die Fähigkeit, psychische Widerstandskraft, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überwinden. Oder kurz gesagt: Kacke in Gold umwandeln. Irgendwie hatte meine Resilienz die Fähre von Oslo nach Kiel verpasst. Aber es war ein echt geiler Urlaub. Ich habe Bekanntschaft gemacht mit Körperteilen und Knochen, von denen ich bislang nicht wusste, wozu genau ich die habe. Über 6200 km mit dem Bus durch Schweden, Finnland, Lappland zum Nordkap und links wieder runter durch Norwegen und die Lofoten. Ganz ganz toll. Ehrlich, ich hab vorher nicht gewusst ob ich das schaffe, also mein Fahrgestell. Bus raus … rein, gucken, staunen, freuen, jeden Abend ein anderes Hotel, Tasche oder Koffer rein … raus. Die Hymne, die Beppo (Reiseplaner, bester Busfahrer ever etc.) jeden Tag laut spielte: Dieser Weg wird kein leichter sein ………. , der Titel war Programm. Jedenfalls mit ohne Arme gibt es da ein paar Dinge zu bedenken, vor Allem die Klos. Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist ……….. und dann unterwegs Klos zu klein, zu eng, zu dreckig, zu was weiß ich. Also habe ich erst mal getestet ob ich noch unten dicht bin. Ich bin echt nur morgens und abends in den jeweiligen Hotels aufs Klo. Das hatte ich früher perfektioniert, dass das im Alter noch funktioniert ………  cool, also hat die Schwerkraft meine Blase noch nicht erreicht. Und ich danke dem zuständigen Gott, dass er mich nicht mit Durchfall beschenkt hat.  Dann die Hotelzimmer, musste Heidrun immer erst bei mir mit gucken, die Handtücher im Bad liegen zu hoch, die Brause in der Dusche hängt zu hoch, wenn ich Pech hab krieg ich die Tür nicht alleine auf. Alles son Kleinkram. Aber Deutschland ist meilenweit entfernt von den Ländern. Überall Behindertentoiletten, alles barrierefrei. Ich hätte echt aufs Klo gekonnt …. aber mit so was will ich erst gar nicht anfangen.  Meine Hüfte, das Knie und der Fuß und der Rücken haben jeden morgen zum Frühstück eine Diclo100 Retard bekommen. Dazu ein paar mahnende Worte: ey Leute, 14 Tage mal Klappe halten muss drin sein. Und wahrhaftig, ich bin zwar immer noch gehumpelt, oder heißt das habe? egal, aber ohne dolle Schmerzen. Körper und Seele vereint, yeah, geht doch. Allerdings bin ich in Flip-Flops durch die Gegend, mein rechter Fuß war abends so dick, unglaublich, wie nen Elefantenfuß. Zur Entschädigung gabs dann abends immer den einen oder anderen Wein. Ich bin so stolz auf mich, dass ich mich das getraut habe, ich hab immer erst die große Fresse, klar, mach ich, gar kein Problem. Nach einmal drüber schlafen: geht’s noch, denk mal vorher nach. Aber ich wollte das unbedingt sehen und in ein paar Jahren schaff ich das nicht mehr. Also mitnehmen was geht und wenn ich in Zukunft mal lassen würde was eigentlich nicht geht, da wäre ich mir echt dankbar.

 

 

Das coole an der Reise war auch, in meinem Kopf war nur Platz für die einzelnen Tage, keine blöden Gedanken, einfach mal Müll aus dem Kopf und nur Bilder des Tages rein. Und ich habe gelernt, keine Kreuzfahrt, never, ever. Die Color Line ist 20 Stunden von Oslo nach Kiel geschippert, ich spüre jede einzelne Welle, ich schwöre es. Ich hasse es, wenn meine Füße keinen festen Untergrund haben. Nix für mich. Der Kracher war aber eine 3 Stunden Fähre auf den Lofoten. Mit Seegang, na prima. Irgendwer sagte ich sollte was essen, damit meine Gesichtsfarbe sich wieder normalisiert. Es hat geschwankt, so dass die Langarmer sich überall festhielten und trotzdem bei Mitpassagieren auf dem Schoß landeten. Jetzt musste ich aber mit zum Essen holen, ich war die mit Kreditkarte am Mann ……  also erst angepeilt wohin und dann los. Ich kam mir vor, wie beim Dreh zu Dinner for one, ich war besser als der Butler von Miss Sofie, vor, rechts, zurück, links ….. alle, auf die ich zugeschossen kam gingen in Deckung. Arsch lecken, ich kam durch. Hat mir mehrere Daumen hoch mit breitem Lächeln eingebracht. Trotzdem neeeeee.

 

Wieder daheim dachte ich, so, nun ist Schluss mit Doping. Keine Diclo mehr, mein Magen und die Leber sind eh schon .

 

… na ja. Meine Fresse, es geht gerade fast nix mehr, mir tut Alles weh, echt Alles, ich kann mich nicht gerade machen, meine Hüfte sticht und der Fuß. Ich hab mir wahrhaftig bislang nicht klar gemacht, wie schlimm es wirklich ist. Irgendwann trifft dich die Erkenntnis, das bleibt so, das wird von allein nicht besser. Mich meistens nachts um 3 auf dem Klo. Nachts sind die Dämonen ja eh größer und lauter. Ich war echt seit langem mal wieder an dem Punkt, ne, ich hab keine Lust mehr. Ich will kleine Schmerzen mehr, ich will keine Kollateralschäden, ich will nicht immer beobachten müssen ob sich die bekannten Schmerzen nur verschlimmern oder ob da die eine oder andere Metastase hinter steckt. Nein, ich bin nicht glücklich, dass es schon so lange gut geht, es macht mir Angst. Gott sei Dank hatte meine Resilienz die nächste Fähre genommen und war pünktlich zur Krise daheim. Jetzt ist es aber gut …. es ist wie es ist, mach das Beste draus und hör um Himmels Willen mit dem Gejammer auf. Ja, is ja gut, aber ein bisschen rumgrummeln die Tage muss noch drin sein. Und ich muss mich unbedingt mit dem Thema Medikamente befassen. Ich habe alle gängigen Mittel ausprobiert. Es gibt ja auch genug Warnungen bei Langzeiteinnahme. Herzinfarkte, Schlaganfälle. Trotzdem, was ich Alles verschrieben kriege….. eigentlich dürfte das nicht sein. Außerdem gibt es da noch ein Problem, was natürlich auch keinen interessiert. Es sterben in den letzten Monaten irgendwie mehrere von uns Contis. Und es ist ein Streit entbrannt aufgrund der Gefäßschäden. Da soll jetzt nen Haufen Kohle rausgeschmissen werden, wir machen mal ne Studie …….. das Thalidomid Gefäße schädigt ist ja nun nicht neu. Beim Port legen war das für meinen doc wie Fischen im trüben Wasser, er schaute immer auf das Ultraschallgerät und sagte: hm, hier nicht, ach, hier geht’s weiter, ist ja interessant, ne, so geht das nicht…. hat echt gedauert einen Weg zu finden, das Teil da ordentlich einzubauen. Dabei kann ich dem noch die Füße küssen, dass er von selber auf die Idee kam zu schauen vorher. Ich werde mich mit dem Thema Cannabis beschäftigen. Auch wenn die Reaktion meines Arztes erst mal war: man muss sich ja nicht immer gleich auf Alles was neu ist stürzen. Doch, muss ich zur Not. Ich fühle mich wie auf ner Landmine, die jederzeit hoch gehen kann und wen ich darauf warte, dass sich einer um meine Gesundheit kümmert, na dann werde ich doch 200. Ich hasse diese Nebenkriegsschauplätze. Ich hab manchmal keine Lust auf diese ewigen Diskussionen.

 

 

Aber dann: Auftritt Resilienz. So, wir trinken jetzt nen Gläschen und überlegen uns wie wir was ändern können. Ich bin ganz schön froh, dass ich sie habe. Ich gebs zu. Wir stoßen heute Abend nochmal auf Moritz an, der am 6. mit 14 Jahren verstorben ist an diesen verdammten Krebs. Es ist so ungerecht und es mach mich demütigt, dass ich schon so lange Zeit seit Diagnose habe. Vor allem aber macht es mich wütend. Wut setzt Energie frei, dass wiederum ist Nahrung für meine Resilienz, irgendwie hängt Alles zusammen.

Ich hoffe, Ihr habt auch eine Resilienz, pflegt sie, sie ist echt wertvoll.

Andere Sichtweise

So, nach einer gefühlten Ewigkeit hab ich dann auch mal wieder Zeit und vor allem ….. einen komplett neuen Durchblick. Das ist soooooooooooooo geil. Obwohl, es hat mich Jahre meines Lebens gekostet und ich hatte noch nie vorher vor ner OP so ne Angst. Jedenfalls musste ich mich mal trauen, mein einzig sehendes Auge wieder richtig sehend zu machen. Mittlerweile lag ich ja bei minus 15 Dioptrien. Im Worten: minus fünfzehn. Sie sehen, dass Sie nichts sehen ……….und das mit nur einem Auge …..  war echt grenzwertig. Muss ich leider zugeben. Die letzten 3 Dioptrien hat mir die Chemo beschert, dazu dachte der graue Star, ups, die ist ja auch langsam Ende 50, da will ich auch hin. Mit Brille und auch mit Kontaktlinse kam ich nicht mehr klar. Also Plan neue Linse. Dadurch, dass mein linkes, seit Geburt und dank Contergan, Auge nicht nur nichts Ordentliches sieht sondern auch noch blöd rumschielt, war der Plan, wir lassen so eine Kurzsichtigkeit von so 1,5 bis 2 Dioptrien und ich krieg dann ne neue Gleitsichtbrille. Ohne Brille seh ich aus, als wenn ich aus irgendeiner geschlossenen Abteilung abgehauen bin.  Also OP. Da ich ja mittlerweile die absolute Krankenhauskrise habe, habe ich mich dann, renitent wie ich nun mal bin, ambulant operieren lassen. Es gab kurz Stress als ich gehen wollte, aber da ich ja hell und dunkel unterscheiden kann, hab ich mich an den blauen Anorak meiner Freundin blickmäßig geheftet und hinterher. Es sind uns auch alle schön aus dem Weg gegangen. Dringend lobend erwähnen muss ich eine der Schwestern. Es gab ne Kurznarkose um das Auge betäuben zu können, natürlich hatte mein Hausdoc mir früh morgens den Port angestochen,  im Krankenhaus hätte das nicht funktioniert, hä??? Okay, keinen Kommentar. Jedenfalls erzählte ich der Schwester von meinem Problem mit Anästhesisten, die immer die Krise beim Blutdruck an meinem Bein kriegen und Alarm schreien………… die war so cool, die rief den Arzt und sagte: hör hier mal zu, die Patientin kennt sich am besten, wir machen wie sie es sagt. Geil…… und so ging es, egal was gepiept hat wurde ausgestellt und Alle waren glücklich.

Jedenfalls sagte der Arzt, heute Abend könnte ich ev. schon sehen was ich sehe. Aber der Verband müsse draufbleiben bis zum nächsten Tag. Nach einem Umweg zum Hähnchen kaufen, nach Narkosen muss ich immer sooooofort essen, hab ich mich echt zuhause geruht, kein Kopf runter etc…. Ich versuch mal zu beschreiben, was man mit minus 15 sieht: eigentlich nur was, wenns genau auf dem Auge hängt. Ansonsten nur wie durch eine dicke Milchglasscheibe. Mit Brille war die Welt dann komprimiert, alles irgendwie klein, natürlich für mich normal, ich kenn ja erst jetzt den Unterschied. Also natürlich, neugierig wäre jeder…………….. ich lag im Bett, „hörte“ Fernsehen und hab gaaanz vorsichtig den Verband an der unteren Seite gelockert, Auge aus Angst zugelassen, also Angst nichts mehr sehen zu können, und dann bei 3 Auge auf. 1 ….  2 …. 3 ..fast ist mir das Herz stehengblieben. Es war so unglaublich, der Fernseher sprang mich an, das ganze Leben größer, dichter an mir dran, bunter, heller und vor allem klar. Man kann es nicht verstehen wenn man es nicht kennt. Ich bin dann ins Wohnzimmer, hab rausgeschaut und bin nen Schritt zurück, es war so groß und nah und klar vor allem.

Es hat echt ein paar Wochen gedauert, bis mein Hirn das intern umgebaut hat. Das hat meinen rechten Außenspiegel und den Pfeiler in der Tiefgarage ein paar Kratzer gekostet, auch egal, aber es hat echt gedauert. Beim ersten Mal Auto fahren, es gab nur Gehupe. Ich hab nie grün mitgekriegt, übrigens grün und rot sind ja echt fett grün und rot, ich hab immer geschaut was ich alles sehen und lesen kann. Wie Alice im Wunderland. Und wenn ich draußen rumgelaufen bin, ich hab Sachen genau gesehen, bin mit offenem Mund stehengeblieben, bis ich merke, die Leute guckten: oh die Arme…..keine Arme und im Kopf stimmts wohl auch nicht. Egal, einfach geil. Das Ganze ist jetzt 9 Wochen her und ich kann mir fast nicht mehr vorstellen, wie es vorher war. Schade, dass das meine Mutter nicht mehr erlebt hat, die hätte sich ein zweites Loch in den Hintern gefreut.

Bekanntlich liegt der Teufel manchmal im Detail. Irgendwie sind meine Arme ein bisschen zu kurz, dh. wär ich Langarmer, dann könnte ich problemlos das Handy in der Hand halten und lesen. Auf halbem Weg ist das nicht optimal. Aber……….. gut für den Rücken. Wenn ich es auf den Tisch lege und mich gerade hinsetze, dann ist es perfekt. Ich bin gespannt, ich war die Tage zum neue Brille ausmessen und kann es kaum abwarten was ich mit Gleitsicht wann wie wo oder auch nicht sehen kann.

Apropos Rücken……….ja, diese Baustelle nervt mehr und mehr. Oder ist es die Hüfte oder das Knie oder die Füße oder was weiß ich. Zwischenzeitlich hab ich mir 2 PRTs gegönnt. Das ist das mit im CT liegen und der doc versucht anhand der Bilder mit der Spritze exakt den Nerv zu treffen. Soweit die Theorie. In der Praxis klappt das bei mir nicht wirklich. Liegt nicht an dem tollen doc sondern an meiner rotationsskolioseverdrehten Wirbelsäule. Dh. die ist im Weg und er kommt nicht richtig dran. Allerdings ein bisschen wohl, die Nervenschmerzen sind kurzzeitig etwas weg. Sind sie da kann ich nicht ohne Schmerzen sitzen, liegen oder sogar schlafen. Das macht einen echt im Hirn weich. Dazu die Hüfte. Ich lahme wie ein totes Pferd. Jeder Schritt tut weh. Als 1. wurde mal Knochenszintigrafie gemacht. Mein Brustkrebs steht auf Knochenmetas, da ist man immer mal gut beraten nachzusehen. Mein Hirn sagte, wenn es so ist, dann ist es eben so. Als die doc bei der Besprechung sagte: hm, hier leuchtet es schon sehr, da müssen wir noch mal genauer schauen ….  sagte mein Darmtrakt: ich glaube ich kack mir in die Hose, der Puls sagte: okay, ich beschleunige… irre, Körper und Geist bei mir können sich irgendwie nicht leiden und machen was sie wollen. Jedenfalls bin ich in ner Radiologie, die Krebsis möglichst nicht warten lassen und so konnte ich gleich runter ins CT. Es ist erstaunlich, was einem so alles durch den Kopf geht. Irgendwie auch gar nichts. Es passiert dauernd so vielen von uns, warum mir nicht. Aber warum doch? Was mach ich ? Irgendwie aber ist der Kopf leer. Diesmal hatte ich Glück. Aber komischerweise stand ich so unter Spannung, richtige Freude kam erst mal nicht auf. Eine weitere MRT hat dann gezeigt, die Hüfte ist komplett fertig. Aber mit einem neuem Gelenk könnte ich viele Dinge nicht mehr alleine, also Schmerzmittel. Darüber muss ich noch ein ausführliches Gespräch mit meiner Leber führen. Die hat ihre besten Zeiten seit Chemo und Aromatasehemmer auch hinter sich. Und den einen und anderen Sekt, Aperol oder Lillet muss sie ja auch dauernd abarbeiten. Die arme ……….. aber ich esse und trinke was ich mag, das ist meine Lebensqualität und wird es dadurch eben ein paar Wochen kürzer….. so what.

Alles in Allem also der normale Wahnsinn der letzten Wochen. Manchmal könnte ich den Krebs vergessen aber es wird einem immer wieder bewusst, dass man bislang Glück hatte ….. wenn, ja wenn wieder plötzlich Menschen sterben die du kennst oder mit denen du Kontakt über die sozialen Netzwerke hast. Dann ist der Verdrängungsmodus wieder auf standby und es zieht im Magen. War leider dieses Jahr schon öfter.

Das Leben ist wie es ist ………… obwohl ehrlich ..  es ist seit der Augen-OP nicht unbedingt schöner geworden….. ich seh dauernd Dreck …. und Falten und ………… manchmal denke ich: Alter, hast du schon immer so ausgesehen ……… natürlich auch wenn ich in den Spiegel schaue…………. es ist eben wie es ist.

Frohe Ostern!