Alles reine Kopfsache

……………. wenn er denn funktioniert. Es ist so viel passiert in letzter Zeit und im Moment renne, bzw. humpel ich meinem Leben hinterher. Apropos humpel. Nachdem ich ja nun ganz genau aufzeichnen konnte, wo welche Knochen sind und welches Gelenk im Alter langsam aber sicher seinen Geist aufgegeben hat, habe ich den Aromatasehemmer gewechselt. Leider trau ich mich immer noch nicht, das Ding im nächsten Kanal zu versenken. Weichei, blödes. Exemestan war einfach nur scheisse, also gewechselt auf Letrozol. Meine FA meinte, der macht weniger Knochenschmerzen. Wie schön. Also das Zeug ist, hm, wie soll ich sagen, einfach nur scheisse. Erstaunlicherweise dachte ich die ersten 2 Wochen, hm, besser? Okay, Knie tut weniger weh, Morgensteife wie immer aber vielleicht bissi kürzer? Aber dann, alles haut mir in die Füße und es fällt mir alles runter. Also mal wieder alles okay für Langarmer, aber für mich scheisse. Dazu das Taubheitsgefühl……. Ich hab mal früher mit den Füßen das Brot gehalten während die Brotmaschine lief, ja natürlich nur meins, ich befürchte, bis ich mitkriege, dass der Zeh ab ist, ist die Blutung schon gestillt. Also Rücken verdrehen, aufpassen, dass die linke Brust nicht mit unters Rad kommt und weiter.
Ein Gutes hatte diese Umstellung aber……………….. klingt bescheuert, wenn es überall wehtut und ich scheisse drauf bin und immer lese, was meinen lieben Kriegerinnen um mich rum so passiert, dann sind die Stiche und Schmerzen und was sonst noch so ziept und hämmert natürlich alles Rezidive und Metas. Kopfschmerzen nach Rotwein, oh Gott, jetzt hab ichs im Kopf und ich finde mich wieder im Kapitel „wie denke ich mich hysterisch in 4 Minuten“. Gott sei Dank gibt es da immer jemanden, der mich nach 3 Minuten unterbricht mit den Worten: hast dus vielleicht nicht mal ne Nummer kleiner? Nee, heute will ich Drama, okay, meld dich wenn du wieder normal bist. Die Kunst ist, nicht alles was Anderen passiert auf sich selbst zu projizieren. Jeder ist anders und Doofkrebs ist wie die Pralinenschachtel von Forrest Gump, man weiß nie was man kriegt. Trotzdem ist man immens erschüttert, wenn eine aus der Familie einfach stirbt. Wobei ich mit einfach meine, sie ist plötzlich tot obwohl vor 4 Wochen noch alles paletti war. Da überlegst du plötzlich, scheisse, du wolltest doch noch …………. Spätestens da sollte man sich hinsetzen, Schnappatmung runterfahren und durchatmen.
Ich hatte letztens auch ein interessantes Erlebnis. Nachdem das Bett meiner Mutter leider meinem zarten Körper zum Opfer fiel, man könnte auch sagen, ich bin draufgeknallt und es ist die Verankerung gebrochen, dachte ich, so, sie ist letztes Jahr im Januar verstorben, ist time to make a change. Der Plan, Bett und Kleiderschrank, auch schon 4x umgezogen, kommt weg und ich kaufe mir was schönes Neues. Ein Zimmer mit Bett soll es bleiben, denn der Zeitpunkt in dem ich mehr Hilfe brauche, den kann ich erahnen, noch nicht, aber es ist besser, hier kann einer pennen. Ach, bevor ich es vergesse, ich habe es geschafft, alle Kleidung meiner Mutter zu verschenken, an Leute die es wirklich anziehen und sich tierisch gefreut haben. Okay, sie war 90, hätte aber niiiiiiieeemals solche Klamotten getragen. Bin echt begeistert, hätte ihr gefallen.  So, jetzt ist der Faden gerissen……. Ach so, ich also los nach Schrank und Bett gucken. Da das Leben ja bekanntlich zu kurz für schlechtes Essen und schlechte Möbel ist, habe ich mich natürlich sofort in nen massiven, nicht gerade billigen Schrank verliebt und ein italienisches Bettgestell. In dem Moment, in dem ich gerade meine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen wollte, räusperte sich Doofkrebs im Hinterstübchen und sagte: äh, du weißt schon, dass das nen Haufen Kohle ist und ob sich das noch lohnt? Also ich weiß ja nicht. Der nette Verkäufer fragte mit Besorgnis in der Stimme ob alles okay ist, ja, muss mal gerade raus, muss kurz mit mir reden. Ich hatte eine Patentante Hildegard, genannt Hilla. Hilla lebte immer nach dem Motto, Kinners, ich hab mir gerade mal das oder das gekauft, und wenn ich nur eine Stunde Spass daran hatte, bevor ich tot umfalle, dann hat sich das gelohnt. Denk nicht so viel nach über das Für und Wider, machs, du bist länger tot als lebendig. Hast du gehört Doofkrebs? Leck mich am Arsch. Punkt. Mitte – Ende Juni kommen die Sachen, freu mich.
Irgendwie hat sich der Doofkrebs auf mich eingeschossen. Ich geh mit Freundinnen und Bekannten zu Untersuchungen, informiere mich viel, irgendwie habe ich verstanden, dass das so meins ist. Als müsste ich erstmal da mitreden können um rauszufinden, was mich so umtreibt. Ich würde wirklich gerne da mehr machen, so wie im Hospiz oder bei der DGHS. Obwohl ich meinen „richtigen“ Job und die Kollegen echt liebe. Ey, ich bin Zwilling und angeblich orientieren die sich immer neu, könnte mich mal einer in den Arsch trete, damit auch mal Taten folgen und ich mir nicht nur alles rosa rede?
Also es ist wie immer, der normale Wahnsinn den ich so liebe, ein bisschen Unzufriedenheit, Angst, Frust und Hoffnung. Aber ich könnte so manche Daumen brauchen für mich und ein paar Kriegerinnen. Im Mai ist wieder TÜV, nächste Woche geht’s los. Kardiologe, der meint ich müsse jetzt mal was nehmen, denn die Aromatasescheisse haut auf den Blutdruck, Lunge röntgen, Krankenhaus wegen Studie, MRT Innenraum wegen Leberbefund, Sonografie und das volle Programm. Will ich das alles wissen? Kann ich damit leben nichts zu wissen? Ich habe einfach keine Lust immer alles zu bedenken. Das fand ich schon immer Mist. Nimmt Zeit vom Leben, Lieben, Essen und Trinken. Geht ja gar nicht.
Die nächsten Daumen für die Freundin meiner Mutter, Brustkrebs, Chemo durch, jetzt massive Hautmetas an der wegoperierten Brust, muss das sein mit 80 ??? Nächste Woche MRT ob irgendwo noch gestreut …………… Freundin mit unklarem Brustbefund, auch nächste Woche MRT, das ist irgendwie nicht normal.
Wenn ich den TÜV bestehe, dann wird erstmal einer getrunken, heute Abend hab ich übrigens auch jemanden, der die Sektflaschen aufmachen kann, ha, mal kein Wein. Dann kommen die nächsten Baustellen, mein nur ein sehenes Auge ist Mist, einer unserer Conterganmitstreiter ist durch Schlaganfall verstorben, es wird immer deutlicher, dass bei unseren Gefäßen was nicht stimmt, ich muss das unbedingt untersuchen lassen, ich mach doch keine Chemo und Verstrahlung und quäle mich durch Letrozol und den Mist, damit dann ein Gefäß reißt und Ende im Gelände, nix da.
Aber, wie sagt meine Kollegin: erstmal langsam und eins nach dem anderen…………….
Ja, so ist das mit dem Leben, und die Bronchitis, die ich seit 2 Wochen habe könnte auch mal verschwinden………

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