Was bestimmt mein Leben ?

Irgendwie hatte ich in der letzten Zeit öfter Gespräche über das Thema Angst. Das war immer völlig interessant, denn Angst ist nicht gleich Angst. Man muss erstmal rausfinden, vor was genau man eigentlich Angst hat, ist auch insofern hilfreich, kann man sie benennen, hat sie schon viel von ihrer Macht verloren.

Bei Diagnose Doofkrebs schlägt dir natürlich erstmal die rein existentielle Angst mit der Faust in den Magen. Du kriegst Schnappatmung und denkst, oh Gott, ich sterbe, ich werde leiden, mein Leben ist vorbei. Es gehen dir 27.453 Gedanken durch den Kopf, wie soll ich das schaffen, ich schaffe das nicht, niiiiiiiemals, gleichzeitig, das soll es gewesen sein, ich habe doch noch 1 Million Dinge vor……. Was ist mit meiner Familie, meinen Kindern, oh mein Gott, sie sind noch so klein. All solche Dinge eben.

Also, ein Plan muss her, wie kriege ich die Angst in den Griff. Ich finde das so völlig spannend, denn es gibt so viele Wege, manche kann ich für mich nicht nachvollziehen, bei manchen denk ich, thats it.

Eine meiner ganz lieben BK-Mädels glaubt an Gott und wirkt immer tiefenentspannt, Neid, aber ist so gar nicht meins. Sie sagt, sie vertraut Gott, er weiß was er für sie tut und sie vertraut darauf. Wahnsinn, echt, ich kann damit nichts anfangen, hänge aber voll gebannt an ihren Lippen wenn sie erzählt.

Ich glaube, viele haben Angst vorm Sterben, obwohl, ist es die Angst vor dem Prozess oder das Nichtmehrdasein? Oder auch ev. Schmerzen und Leiden oder/und dass das eine Beziehung nicht aushält. Und das kommt leider öfter vor als man denkt. Krebs ist ein Thema, damit kann nicht jeder umgehen und zieht sich zurück. Was natürlich für den Betroffenen noch ein Schlag in denselben Magen bedeutet.

Okay, ich möchte nicht über andere reden, also erzähl ich mal was da so meine Position ist. Zuerst natürlich, siehe oben….. ich denke, da sind wir uns alle gleich. Aber dann hab ich mich mal hingesetzt und Bilanz gezogen. Wovor habe ich eigentlich Angst?

Ich habe keine Angst zu sterben, ich fände es nur blöd weil mir das Leben Spass macht, ah, ich höre schon, erzähl doch nix, davor hast du doch Angst, lüg dir nicht selber in die Tasche, ne, tu ich nicht. Wir müssen alle sterben irgendwann, es ist nur früher nie so präsent gewesen. Ich durfte mittlerweile bei mehreren Menschen dabei sein als sie verstorben sind, seitdem habe ich erst recht keine Angst mehr. Und Schmerzen? Muss man heute nicht mehr haben. Was mir ev. einen kleinen Hauch von Angst einflößt ist der Gedanke, ich hätte keinen Menschen, würde bewegungslos und/oder dement in einem Altersheim rumhängen und könnte nicht selbstbestimmt sterben, da läuft mir doch ein Schauer über den Rücken. Weil ich möchte selbst bestimmen wann Schichtende ist, das wiederum hat aber was mit Lebensqualität zu tun, die mir im Moment wöchentlich abhanden geht wegen der Nebenwirkungen des Aromatasescheiß und der Conti-Spätfolgen.

Klar hab ich auch Angst, z.B. das mein einzig sehendes Auge so blind wird, dass ich nicht mehr Auto fahren kann, dass ich nachts im Dunkel in der Tiefgarage überfallen werde da mein Vermieter seit 2 Jahren anscheinend für ein Tor spart, dass ich liebgewonnene Menschen verliere. Aber ich denke, das ist normal, denn sonst könnte man ja andere Dinge nicht schätzen.

Also Balance halten, das ist das Mittel der Wahl. Das ist, zugegeben, nicht immer einfach. Alles im Leben ist gefährlich, oder um es mit den Worten meiner Frauenärztin auszudrücken, keiner zwingt mich an Brustkrebs zu sterben, ich kann mich auch versehentlich von der Straßenbahn überfahren lassen. Ich sitze täglich im Auto oder renne kurz vor rot über die Straße, okay ich nicht, rennen ist wirklich gestorben.

Was will ich nun damit kundtun? Das Leben ist schön und bietet viele Möglichkeiten, die man sich nicht durch die Angst vor irgendwas nehmen lassen sollte. Ich denke, obwohl ich nicht an diesen bestimmten Gott glaube, es ist eh vorbestimmt wann es vorbei ist, egal was ich mache, und ist es meine Bestimmung an Doofkrebs zu sterben, dann ist das so, natürlich versuche ich dem so lange wie möglich standzuhalten aber……..

Also, weg mit den trüben Gedanken, einfach leben, lieben und genießen und zwar jeden neuen Tag, Dinge tun und nicht verschieben und der Angst sagen, ich kenn dich und deswegen kannst du mir nichts tu. Und da gibt es kein richtig oder falsch,  jeder hat seinen Weg, egal  ob das andere verstehen oder nicht.

Ich wünsche mir, dass jeder so einen Weg für sich findet. Ich bin völlig dankbar, dass ich einen gefunden habe und nein, ich verdränge nichts, ich versuche immer die Dinge anzusprechen und mich ihnen zu stellen. Es ist manchmal anstrengend, aber ey, was soll mir schon passieren ??? ich liebe es…….

Weltkrebstag

Am 4. war ja Weltkrebstag und da ich neugierig bin, bin ich tatsächlich an dem Samstag gefühlt mitten in der Nacht aus dem Bett und war mit Diana um Punkt 9 im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel, jetzt DRK Kliniken……….na dann. Der 1. Vortrag der uns interessierte, ging über die Entstehung von Krebs. Okay, nützt mir jetzt auch nichts mehr, aber man will ja irgendwie doch wissen, warum man nun gerade von Doofkrebs ausgesucht wurde. Also was mich schonmal beruhigt, meine 4000 gegessenen Tüten Chips oder die diversen Asbach-Cola meiner frühen Jahre sind wahrscheinlich doch nicht unbedingt schuld daran. Eigentlich ist es ganz einfach, entweder man hat Pech oder nicht. Die Zellen hat jeder im Körper und der Plan ist, dass sie absterben und ausgeschieden werden. Der Plan ist gut, nur er funktioniert nicht immer. Denn manche vergessen einfach zu sterben, was übrigens auch mein Plan ist, und schlafen vor sich hin, bis sie irgendwann  mutieren und beginnen Unheil anzurichten, das ist die eine Art, die andere ist eben, eine Zelle beginnt durch welchen Defekt auch immer die Richtung zu ändern und schon geht’s los.  Also das ist jetzt mal so wie ich das verstanden habe.

Die Veranstaltung an sich war gut organisiert.  Auf den Fluren waren viele Stände von Kliniken, Einrichtungen,  Pflege,  Perückenläden, Allianz gegen Brustkrebs, Praxis Strahlentherapie usw.. Man konnte sich über alles informieren was so zu einer Krebsdiagnose und Behandlung gehört. Die Organisatoren haben sich echt Mühe gegeben.

Wir haben uns mehr Vorträge angehört als eigentlich geplant war, es war einfach alles interessant. Das Krankenhaus hat eine Palliativstation die besichtigt werden konnte, man konnte sich Videos von OPs ansehen, die ein doc erklärte,  selbst versuchen zu nähen und all sowie,  kurz gesagt,  es war echt gelungen. Schade war nur, dass sowenig  Reklame gemacht wurde. Aber es waren schon ordentlich Leute da.

Okay, also warum tu ich mir das an? Weiß ich auch nicht wirklich, aber es interessiert mich einfach.  Ich beschäftige mich nicht dauernd mit Krebs , ich weiß auch nicht alles genau wie meiner funktioniert,  es ist auch viel zuviel input aber es ist ein Thema das mich direkt betrifft und deshalb ist es mir wichtig,  mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Und ich habe es einiges mitgenommen:

Erstmal können wir froh sein hier zu leben,  es war mir echt nicht bewusst,  wieviel Arbeit,  Engagement und auch Leidenschaft die ganzen Ärzte, Forscher und wer noch dazu gehört in die Bekämpfung von Krebs stecken. Das Thema ist so unglaublich komplex,  ich verstehe nur das Grobe und das auch nur für Normalos erklärt. Aber das haben alle Redner gut hingekriegt. Mag unser Gesundheitswesen auch manchmal Mist sein, ich fluche auch genug, aber jedenfalls haben wir sowas überhaupt. Trifft dich der Doofkrebs in einem armen Land, dann gute Nacht. Es ist wie alles im Leben leider eine Frage der Kohle, eine auf jeden einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie kann kein sich  System der Welt leisten. Wobei wir wieder bei der Diskussion wären, wäre Krebs leicht heilbar, müsste die Pharmaindustrie ev. von goldfarbenen Ferraris auf rot umsteigen. Und das geht ja nun echt nicht.  Es ist müßig. Ich für meinen Teil bin jedenfalls dankbar,  dass so viele Menschen zusammen arbeiten um mir ein Möglichstes an vorhandener Therapie anbieten zu können, mir als einfachem Kassenpatient.  Wobei mir einfällt,  vor Jahren habe ich versucht,  eine private Zusatzversicherung zu bekommen,  auch nur 1. Klasse und Chefarzt oder und Tagegeld wurde rundweg abgelehnt. Begründung,  ich sei schließlich behindert. …ja  und? Werde ich von kurzen Armen krank, is klar. Ich müsste viel mehr ins Krankenhaus als andere….. oh, die Herrschaften konnten in die Zukunft blicken. Was solls,  hab ich die Kohle eben in ABC angelegt. (Asbach, bißchen Cola).

Fakt ist auch, im Jahr 2030 gibt es wesentlich mehr 80, 90 oder 100jährige. Sehr wesentlich sogar. Und je älter man wird desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken. Jeder 2. wird im Laufe des Lebens die Diagnose erhalten, weswegen nicht gleichbedeutend mehr Menschen sterben, die Therapien werden besser aber das ist wohl der Preis für ein immer längeres Leben. Natürlich, stirbt man mit 75 an ne Herz-Kreislauferkrankung,  dann kriegt man nicht mehr mit,  dass man mit 80 Krebs kriegt. Wie auch immer. Auf jeden Fall war bei dem Vortrag über Krebs im Alter nicht viel los. Ich dachte, jetzt kommen alle ältere Leute die draußen rumliefen, nix da, die sind geflüchtet, irgendwie will man es wohl doch nicht so wissen? Ich kann nur sagen, hat einer von euch jemand mit Mitte 70 der erkrankt, auf jeden Fall wohin,wo geriatrische Abteilung ist und man erstmal abcheckt,  was sinnvoll ist und was alles noch schlimmer macht.

Und natürlich die Vorsorge , ich kann nur wieder sagen, wäre ich nicht hin, sähe es wohl schlecht aus. Zumal erzählt wurde, man denkt um, Krebs macht nicht irgendwann mal Jahre später  Metastasen sondern es siedeln sich Zellen früh ab und gehen dann erstmal pennen bis wer weiß schon wann. Deshalb so schnell wie möglich die Zellhaufen, die sich zum Tumor zusammengerottet haben rausholen, bevor sie viele kleine Späher senden können. Erscheint mir logisch.

Kurz gesagt, entweder es erwischt dich oder nicht,  du kannst nichts vorbeugend tun, nur hinterher vielleicht gesünder leben und sich mehr bewegen und sowas. Da bin ich im Moment nur in der Theorie gut, aber echt, der Aromatasehemmer macht mir sowas von Probleme und Tabletten nehmen um Nebenwirkungen von Tabletten  zu ertragen ist doch auch scheiße.  Irgendwann schmeiß ich die aus dem Fenster,  ich schwöre es. Jedenfalls war es ein gelungener Tag, meine Füße haben gebrannt, das Knie wieder dicke,  der Rücken tot, Hirn voll und hungrig.  Da kann man jedenfalls was gegen machen. Die Schäden, die die Behandlungen bei mir ausgelöst haben, finde ich vielen schlimmer als den Doofkrebs an sich, die Alternative ist aber auch keine Option. Es ist wie es ist,  alles eine Scheiße,  ja, positiv denken, also schöne Scheiße. Nichtsdestotrotz liebe ich die Scheiße und werde wieder morgen früh fluchend über meine Knochen aus dem Bett kriechen und überlegen,  was ich denn mal für eine Krankheit haben könnte um im Bett liegen zu bleiben.  So wie jeden 2. Tag.  Wenn mir was Gutes eingefallen ist, stehe ich meist schon an der Arbeit in der Tiefgarage. Pech gehabt, aber ich liebe es.