Fatique?

Ich glaube, ich habe in den letzten 2 Wochen mehr geschlafen als in den letzten 3 Jahren. Sobald ich sitze klappen mir die Augen zu. Für mein operiertes Knie ist das nicht schlecht, aber normal ist das auch nicht. Andererseits war ich auch dauernd irgendwie on Tour. Das Schlimme ist, man kann sich ganz leicht daran gewöhnen. Wenn dich Fatique erwischt,ist das, glaube ich, nicht wirklich lustig. Ich bin echt froh, dass ich nächste Woche wieder arbeite, denn sonst würde ich mich hemmungslos gehen lassen. Ich weiß es genau. Wenn man nichts zu tun hat wozu man aufstehen muss, warum sollte man denn. Dazu noch doofe Gedanken, hier tut was weh, da ist ne Knubbel, schon fängst du dir ne fette Depression ein. Das ist einfach scheiße. Das sind alles Kollateralschäden von Doofkrebs und alle sagen, du bist doch wieder gesund, warum stehst du nicht auf und kommst mit? Als wenn das einfach eine Frage des Wollens wäre.

Mittlerweile ist meine Knie OP  über 2 Wochen her und es wird langsam. Es sticht hier und da und Treppen sind noch doof, alles aber besser als vorher. Trotzdem, als Pferd wäre ich bestimmt schon beim Abdecker  gelandet. Im Moment habe ich wieder so eine Phase wo ich alles in Frage stelle. Was mach ich hier eigentlich und warum und vor allem, warum hab ich nicht den Arsch in der Hose einfach zu sagen, nö, mache jetzt einfach nicht weiter. Ich bin völlig obergenervt von dem Aromatasehemmer. Das Zeug haut mir so auf die Gelenke, das kann sich ein Langarmer mal gerade nicht vorstellen. Außerdem fällt mir alles aus dem Fuß, der auch gerade nichts besseres tun hat als dauernd breiter zu werden. Ganz toll. Ehrlich, hätte mir vor Doofkrebs einer gesagt was daraus wird, dann hätte ich ihn einfach nicht genommen, jawohl, ich hätte mich einfach mal geweigert. Okay, es liegt ja nun an mir, wie ich damit umgehe. Ich versuche gerade mich selbst zu überzeugen, dass ich mich traue, das Zeug einfach über den Balkon zu werfen. Garantieren kann mir den Nutzen sowieso keiner und meine Schmerzgrenze ist irgendwie überschritten………. aber irgendwie ist da auch die Stimme die sagt, hm, das Risiko würde ich nicht eingehen. Es ist so schwierig, ich entschließe mich endlich und 5 Minuten später kommt das schlechte Gewissen. Ist wie im richtigen Leben.

Gerade war Reklame im Fernsehen mit Mario Barth. Fällt mir doch gleich mal sein toller Spruch ein: lieber Krebs als Jobcenter…… blödes Arschloch….und ja, das hätte ich auch ohne Doofkrebs gesagt.

Wo war ich..? Ach beim Leben überhaupt. Wie ich mich kenne, und ich kenne mich gut, werde ich solange daran rummeckern, bis die 5 Jahre, die ich das mindestens nehmen soll, vorbei sind. Ich hasse diese Unentschlossenheit. Sonst habe ich immer die große Klappe, in Ratschlägen verteilen bin ich auch gut, nur befolge ich meine eigenen auch nicht. Aber immerhin habe ich das schon mal erkannt. Also der Plan für das restliche Jahr: umsetzen. Na da lass ich mich doch mal überraschen.

Der nächste Plan ist, die Kilos, die ich mir im letzten Jahr wieder angefressen habe, wieder loszuwerden. Aber mal ehrlich, wenn anderthalb  Jahre alles so schmeckt als hätte man in die Haltestange einer Straßenbahn gebissen, dann gerät man schon in Versuchung, alles neu zu probieren. Und all den Mist vor Doofkrebs esse ich ja nun auch nicht. Aber die Hälfte weniger wäre vielleicht ne Idee. Mal sehen, oh Gott, ich habe soviel gute Pläne, wie ich mich kenne gibt das wahrscheinlich nix, aber in der Theorie bin ich echt klasse. Da macht mir keiner was vor.

Die nächste Idee, ich arbeite noch weniger und widme mich den Dingen, die mich interessieren. Wie z.B. die DGHS oder Allianz gegen Brustkrebs oder wieder mehr Hospiz? Auch da bin ich unentschlossen, vielleicht denke ich auch mal wieder zuviel nach. Aber es gibt ja auch soviel zu denken. Ich bin Mitglied in einer community Brustkrebs Nachsorge mit über 1700 Mitgliedern. Bei der Menge schreiben täglich mehrere Mädels irgendwas. Ich freue mich für jede mit, die eine gute Nachricht verbreitet, erwische mich bei schlechten Nachrichten, dass ich denke, gott sei dank nicht ich, versuche Mut zu machen und es ist echt cool, wenn viele Mädels dir antworten und dich wie auch immer unterstützen. Das ist genauso wertvoll wie die Allianz gegen Brustkrebs. Da treffen wir uns im Februar wieder, da freue ich mich schon drauf.

Nächstes Thema, irgendwann gibt’s immer mal wieder Artikel im Netz zu dem Thema, Krebs ist längst heilbar, das wird nur von der Pharmazeutischen Industrie und deren Lobby zurückgehalten, es geht schließlich um Kohle ohne Ende. Das schlimmste daran ist, ich glaube fast, ich glaube es. Wenn ich mir überlege, was die Firma Grünenthal damals mit  Contergan abgezogen hat, es ging damals auch nur um Kohle, das macht mir Angst. Ich glaube mittlerweile auch an die eine oder andere Verschwörungstheorie.

Damit wären wir wieder am Anfang, hab ich nun Fatique oder bin ich einfach von zuviel Narkosemittel müde? Ich gehe jetzt mal einfach von Alter, Wetter,  Erderwärmung  oder Ozonloch aus und werde nächste Woche meinen Hintern frohgemut aus dem Bett heben und einem geregelten Tagesablauf nachgehen und dann ist alles wieder gut. Keine blöden Gedanken, einfach leben und genießen und nicht soviel Gedanken machen. Es ist sowieso spannender, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Das Leben passiert dir eh, egal welche Befindlichkeiten du gerade hast. Es gibt noch soviel zu erleben, ich lerne irgendwie im Moment dauernd neue Menschen kennen, völlig spannend, ich trauer weiter um Conchita, die soooooooo gerne im Februar 44 geworden wäre, ich freue mich wenn mir im ElisabethKrankenhaus die Chemoschwester zuflüstert:  ich habe heute morgen wieder an Conchita gedacht –  und ich freue mich, dass es mir eigentlich gut geht und ich schaue nicht nach links oder rechts, was der oder der hat, was ich nicht habe, es zählt das hier und jetzt. Das ist der Ganzjahresplan. Ab nächste Woche zumindest. Jetzt werde ich das Wochenende noch ein bisschen rumjammern und rumliegen. Und ich hoffe, dass Heidrun noch kurz vorbeikommt, denn die kann eine Sektflasche aufmachen und ich nicht , zumindest nicht ohne mir das Gebiss rauszuschießen. Das wäre auch noch ein Plan, Sektflasche allein aufmachen, ich denke, den werde ich erstmal vorziehen.

Advertisements

Ein neues Jahr……

ist auch nicht anders als das alte Jahr. Allerdings ist es ab heute dunkelbeige für mich. Ich war als Kind schon irgendwie anders……….ich hab mir Zahlen und Monate immer in Farben vorgestellt. Dezember z.B. ist bei mir gefühlt rostfarben, Januar definitiv beige. Frag mich bloß keiner warum. Wahrscheinlich hab ich als Kind  schon zuviel Chemie abbekommen. Jedenfalls ist es ein neues Jahr und man denkt, irgendwas müsste sich doch ändern. Am Arsch um es mal unfein auszudrücken. Es geht nahtlos weiter mit der Bearbeitung der vorhandenen Baustellen. Manchmal hat man ja so komische Vorahnungen. Als ich am 23. beim Kardiologen war habe ich als Gefühlszustand ‚optimistisch‘ gepostet. Ich weiß ich hatte eine Sekunde gezögert und gedacht, jedesmal wenn du denkst alles ist gut kommt das dicke Ende. Ich muss echt mal langsam mehr auf mich hören. Seit Herceptin war bislang immer alles okay, Herzecho vor allem, denn Blutdruck messen ist ja bekanntlich nicht wegen mit ohne Arme. Mein Puls hat es ja immer ein bisschen eilig……. aber bislang alles im grünen Bereich. Kaum bist du eigentlich beruhigt sagt der doc, also jetzt sieht man aber langsam, dass das Herz von den letzten Jahren angegriffen ist. Ja sag ich, ich auch aber da muss es nun mal durch. Wir sind immer noch nicht bei wünsche dir was. Nee, sagt der doc, ich sehe an den Wänden dass der Druck doch wohl manchmal zu hoch ist und, gucken Sie mal hier, diese Zacken sind zu nah an denen und ich denke, da wäre doch mal ein kleiner Betablocker angesagt, fand er gut die Idee, ich nicht. Ich fragte ihn dann, ob ich in den nächsten Wochen jetzt gleich tot umfallen würde, echt, das wärs ja, klapperst das volle Brustkrebsbehandlungsprogramm ab um dann tot umzufallen, ne, meint der doc aber wir müssen was machen, na toll. Die Diskussion über einen kleinen niedlichen harmlosen Betablocker haben wir dann auf Mai verschoben, bzw. ich habe die verschoben und der doc hat zähneknirschend zustimmen müssen. Ich mag ihn echt, aber die Zeiten sind lange vorbei, in denen ich sofort alles genommen habe was einem doc einfiel. In der Ruhe liegt die Kraft.

Weihnachten und Silvester waren schön. Mehrere Leute haben mich gefragt ob das jetzt nicht schwierig sei ohne meine Mutter das erste Mal und letztes Jahr zeichnete sich das ja um diese Zeit ab. Ich habe da natürlich verschärft drüber nachgedacht, muss aber zu meinem eigenen Erstaunen feststellen, alles ist gut. Natürlich hätte ich sie noch gerne so 30 Jahre gehabt, aber dadurch, dass ich alle Zeit hatte mich von ihr zu verabschieden, sind es schöne Erinnerungen und ich hab meinen Frieden damit gemacht. Jedenfalls hab ich mich bei Kollegin Edda durchgefressen, bei Rainer und in Germete, da kommt Germeta her, hab mit Dieter getrunken und mit Heidrun, war zwischendurch frühstücken mit Gudrun und Lutz und mit Sabine und ihrer Mutter, kurzgesagt, vollgefressen und getrunken, alle Vorgaben für das Jahresende erfüllt. Danke an alle, war schön, und alles vertragen auch ohne Betagedöns. Geht doch.

Aber natürlich hab ich mir auch was vorgenommen im neuen Jahr. Ich werde ein paar wichtige Entscheidungen treffen, das ist der Plan, ich hoffe nicht nur theoretisch sondern auch praktisch …… ich mach das auf jeden Fall, zumindest probieren ich das, kann ja erstmal klein anfangen……. Vielleicht nächste Woche oder die drauf? Ich hasse es, ich will mein gemütliches Leben wieder haben, aber sowas von sofort. Ich hatte am 27. eine nette Unterhaltung mit meiner Frauenärztin über das Thema Lebensqualität. Ich stellte den Aromatasehemmer in Frage, es kann sich niemand der nicht dieselben Probleme hat vorstellen, was das mit den Gelenken macht. Es tut mir absolut alles weh und ich kann kaum was festhalten und mich ordentlich bewegen. Ist es mir das wert? Nur weil ich ev. dadurch nicht so schnell einen Rückfall kriege und 10 Minuten länger lebe vielleicht? Vielleicht auch nicht, weiß auch keiner………. warum soll ich mir das weiter  antun?  Ich bin sooooo neidisch auf die Mädels, die sich einfach hinstellen und sagen, nö, mache ich nicht und nehme ich nicht. Eine absolute Bauchentscheidung. Cool, will ich auch. Trau ich mich aber im Moment noch nicht wirklich. Sind die Probleme nicht ev. doch durch Verschleiß wegen Contergan? Hätte ich das auch ohne Aromatasekacke?

Also hier ist der Plan für die nächsten Wochen. Äh, ja, also ……. am 9. muss ich zum Augenarzt, das eine sehende Auge hat irgendwie auch keine Lust mehr und möchte eine OP so wie es aussieht, aber ich nicht, am 11.1. hab ich endlich die Kniearthroskopie. Da freue ich mich direkt drauf, ich kann das scheiß Teil kaum knicken. Ist das durch habe ich ein Rendezvous mit dem Zahnarzt, drei Zähne müssen restauriert werden, zwischendurch muss ich  mir nen Termin für die nächste Zometainfusion machen und schon ist der Januar rum. Jedenfalls hab ich mir vorgenommen, während sich mein Knie erholt, das ist der Zeitpunkt zum nachdenken, wenn ich Glück habe, dann kommt mir was dazwischen…. aber zumindest ist das der Plan. Mal sehen wie das mit dem Knie läuft, bzw. wie ich laufe mit ohne Stützen, ne, das heisst nicht Krücken. Aber ich konnte den Anästhesisten so vollquatschen und  den doc überreden, den OP Termin auf 9 Uhr zu verlegen, dass ich im 8 schnell zum Hausarzt kann der mir den Port ansticht und ich von dort pünktlich zur OP komme und dann nix wie heim. Bin begeistert wenn ich mich durchsetzen kann . Das ist erstmal der Plan für die nahe Zukunft, es werden wieder 138 Dinge dazwischen kommen. Es ist wie im richtigen Leben.

Also Resümee,  ob 2016 oder 2017, es ändert  sich nix und das ist auch gut so. Weil jeder nur für sich selbst was ändern kann. Mal sehen, was ich alles umsetzen kann oder werde, Pläne greifen nur bedingt, man muss sich einach zwischendurch mal ums Leben kümmern. Ich finde es weiterhin spannend und toll und ätzend und grrrŕrrr……aber es ist ja meins und damit kann ich machen was ich will.

Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr, jeder muss für sich entscheiden, was für ihn gut oder schlecht ist, also hört auf euch, scheißt drauf was andere sagen und bleibt neugierig auf das was kommt. Das, finde ich, ist ein ziemlich guter Plan.