Mein ganz persönliches Weihnachtsgefühl…. …

hat mich heute plötzlich und unerwartet von hinten angesprungen. Ich habe einen alten Freund im Klinikum besucht, hab ihn ein paar Jahre nicht gesehen. Letzte Woche habe ich zufällig erfahren, dass er im Krankenhaus liegt, irgendwas mit Krebs und es sähe nicht sooooo gut aus. Also habe ich fragen lassen ob ich kommen darf und ja, er würde sich freuen. Ich war heute da und wir haben ein Stündchen von den guten alten Zeiten geredet und wer schon alles nicht mehr da ist. Und manchmal entpuppt sich eine Katastrophe auf den 2. Blick als…  ………… irgendwie muss ich mir noch das passende Wort dazu suchen. Jedenfalls wurde bei einer Notoperation wegen eines geplatzten Gefäßes Bauchspeicheldrüsenkrebs im Anfangsstadium diagnostiziert und der hat noch nicht gestreut……. also kann man dem Gefäß nicht wirklich böse sein.

Wir haben dann beide festgestellt, dass das Leben viel zu kurz ist um jemanden aus den Augen zu verlieren, den man eigentlich mag. Also wollen wir uns in Zukunft wieder wie auch immer mehr umeinander kümmern. Eine echt gute Idee. Als ich raus bin, haben sich irgendwie alle angelächelt. Das war schon wirklich auffallend.

Dann bin ich über die Wolfhager nach Harleshausen zur Tierwelt. Um 18.00 , als die Schweigeminute für Berlin angesagt wurde, sind doch tatsächlich mehrere Autos rechts ran gefahren. Echt unglaublich, noch unglaublicher….keiner hat gehupt.

Und da war es plötzlich, mein Weihnachtsgefühl…..hoffentlich hält es ein paar Tage.

Und noch was haben wir beschlossen…..nächstes Jahr gibt es keinen Krebs sondern Langusten.

Schöne Weihnachten

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Heute vor 3 Jahren

…. war meine Welt noch in Ordnung.

morgen vor 3 Jahren wurde ich unsanft aus meinem bequemen Leben geschossen.

morgen vor 2 Jahren habe ich geheiratet

morgen vor einem Jahr war irgendwie klar, dass meine Mutter ernsthaft erkrankt war.

2016 hat mich unglaublich viel Kraft gekostet. Manchmal denkt man im Nachhinein betrachtet, wie hab ich das bloß hingekriegt? Gut, dass mir diese Frage nie mittendrin einfällt… Im Januar ist meine Mutter verstorben, einfach so könnte man sagen. Ich musste mich ein dreiviertel Jahr mit der Friedhofsverwaltung und anderen Behörden streiten um meinen Bruder und meinen Stiefvater hier in den FriedWald unter unseren Baum umbetten zu lassen, das war wirklich unglaublich. Die Friedhöfe sind angepisst, die Menschen wählen andere Bestattungsformen und die kriegen ihre Gräber  nicht voll. Du hast kein Recht auf Umbettung in Deutschland und bist auf die Gnade einzelner Beamter angewiesen, aber Mutter und ich haben das ausgesessen, so dass wir alle 3 zusammen letzten Monat zusammen unter den Baum einziehen lassen konnten. Was mich ein bißchen versöhnt ist, in diesem Jahr sind so viele Menschen verstorben mit denen ich groß geworden bin, so ist sie in einer Reihe mit vielen Menschen, deren Tod ich völlig scheiße finde. Ja, ich weiß, klingt völlig bekloppt, habe aber auch nie behauptet, ich wäre normal. Normal kann jeder. Und ich habe mich von jemanden mental verabschiedet, von dem ich dachte, wir sind Freunde fürs Leben, leider hätte das nur funktioniert, hätte ich meine eigenen Meinungen angepasst. Es ist keine gute Idee jemandem nur deshalb zu verzeihen weil man ihn vermisst. Und das Jahr ging gnadenlos kacke weiter. Mit jedem Monat ist die Liste der Dinge die mir schwerer fallen oder so einfach nicht mehr gehen, länger geworden. Einfach mal den Fuß hoch und zugreifen, geht nicht mehr, das Bein dahin kriegen wo ich es brauche, nur unter stöhen und fluchen, mit den Zehen zugreifen um z.B. eine Kehrschaufel zu benutzen, nix, fällt raus. Den BH über den Kopf ziehen und fertig, ohne Türklinke brauche ich gar nicht anzufangen. Ich brauche alle möglichen Möbelstücke um hier und da einzuhaken oder den Arm abzustürzen oder auf fremden Klos die Hose wieder hochzuziehen, alles Dinge, die vor kurzem kein Problem waren. Das sind für mich elementare Dinge, die ein Langarmer gar nicht nachvollziehen kann. Und ich kenne alle meine Gelenke persönlich mit Vornamen, jedes einzelne tut weh und ich verhandel jeden Tag mit jedem einzelnen, los Knie, ich muss in die Hocke, jetzt mach mal nicht so blöd. Aber wie immer hört keine Sau auf mich. Und die ganzen Untersuchungen, hier mal ne MRT was das Hämagiom in der Leber so macht, da mal ne Ultraschall von der Brust, dann mal das Gefühl, äh, das war letzte Woche aber noch nicht da, dann mal zum Blut abnehmen, oh ein halbes Jahr ist um, gönne ich mir noch eine Infusion mit Zometa obwohl ich es scheiße vertrage, wieso habe ich plötzlich wieder eine Blutung? Vergiß den Zahnarzt nicht, Zometa kann Kiefernekrosen machen, neuer Termin für Mammografie und MRT. Und prompt kriege ich kein Ergebnis weil der Server abgekackt ist und sich die Bilder nicht aufbauen. Das mit den Blutungen darf irgendwie nicht sein, wir machen mal ne GebärmutterSpiegelung. Ganz toll, war schon immer ein Traum von mir. Mittlerweile humpel ich wie ein lahmes Pferd, MRT vom Knie war auch nett. Knie tot, am 11.1.17 gibt’s erstmal ne Arthroskopie um zu retten was zu retten ist. Meine Augen, bzw. das eine auf dem ich sehe, wird immer schlechter, tja, ich glaube sie müssen dann doch mal ne graue Star oP in Erwägung ziehen. Die Mädels von denen ich mitkriege, dass von einer Untersuchung zur anderen sich Metas ausgebreitet haben oder ein neuer Tumor plötzlich da ist, davon will ich lieber gar nichts erzählen. Was mich am meisten ärgert ist, ich weiß nicht, auf wen ich sauer sein soll. Woran jetzt genau ist der Doofkrebs mit dem Aromatasehemmer schuld und woran Contergan? Ich wette, die beiden hängen irgendwo gemeinsam ab und denken sich, tja Mädel, Pech, dann rate mal schön, wir sagen es dir nicht. Wenn ich mich so in der Conti-Kommunity umhöre…….. es geht stetig bergab. Kaum einer kann noch arbeiten und dieses ewige Hin und Her mit der Stiftung ist zermürbend. Kurz gesagt, Mist auf ganzer Linie. Ich habe keine Lust mehr auf Doofkreb und Contergan.

Natürlich hat bekanntlich jedes Ding seine 2 Seiten. Also auch 2016. Es gibt auch Dinge, die mich glücklich, stolz und zufrieden gemacht haben. Ich bin alles 3 in Bezug auf meine Mutter. Ich konnte ihr ermöglichen, hier Zuhause zu versterben, mit Udo Jürgens im Hintergrund, der Möglichkeit noch alles zu sagen und sich zu verabschieden. Das war natürlich nur mit Hilfe möglich aber es war mir soooooooooo wichtig und wenn man das erstmal verarbeitet hat, macht es einen stark und stolz. So kann ich mich immer mit einem Lächeln erinnern. Und ich habe über mich gelernt und Entscheidungen getroffen. Ich bin jetzt Mitglied bei der DGHS. Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben. Nein, wir planen nicht den kollektiven Selbstmord, finden es aber unsagbar wichtig, dass jeder so weit wie möglich über seinen Tod selbst bestimmen kann und dies auch umgesetzt wird, und sich Krankenhäuser oder Angehörige nicht darüber hinwegsetzen können. Desweiteren gehe ich schön regelmäßig zum Treffen der Gruppe Allianz gegen Brustkrebs. Ich war nie der Vereinstyp aber man bekommt viele Infos, kann sich mit anderen Frauen austauschen und muss nicht immer seine Befindlichkeiten erklären. Im richtigen Leben wird man oft angesprochen, schön, sie sehen ja gut aus, na ja, sie sind ja wieder gesund und können ihr Leben wieder genießen. Ja, ist klar, nur isses leider nicht so. Irgendwie fehlt einem da der Nerv für größere Erklärungen. Daher finde ich diese Gruppe  um so wichtig. Was mich auch sehr gefreut hat, RTL Hessen hat in meinem Blog gelesen und angefragt ob sie ein Portrait über mich machen dürfen. Ich war echt erstmal vorsichtig, auf sowas wie Bauer sucht Frau oder Schwiegertochter gesucht kann ich gar nicht, letztendlich nach einigen Gesprächen mit Alex Pitronik von RTL Hessen habe ich meinem Bauch vertraut. Der ist ja auch groß genug. Am meisten gefreut hat mich, dass Heidi von der Allianz gegen Brustkrebs mitgemach hat und ich finde, der Beitrag ist gut geworden. Wer mal Lust hat zu gucken, ich hab es nicht so mit verlinken…. bin blond, ne, war blond…

http://www.rtl-hessen.de      Sendung vom 08.12.16 Sabines Kampf gegen den Doofkrebs

Hier auch nochmal der link zum Artikel der HNA vom 18.08.16

http://www.hna.de/kassel/bietet-doofkrebs-paroli-macht-anderen-internet-6674444.html

auch sehr interessant: http://www.allianz-gegen-brustkrebs.de und http://www.denkwandel-coaching.de

Aber, das Allerwichtigste, Fanfare bitte……. ohne meine Freunde und Bekannten und Restfamilie ginge echt gar nichts. Ich habe Freunde, die mir beim Abschied meiner Mutter ihre ganze körperliche und mentale Kraft  gegeben haben, die immer da sind, auf die ich mich immer verlassen kann und ohne die ich manchmal nicht wüsste, ob ich hier weiter so klar komme. Also Dieter, Heidrun, Rainer, Peggy, Edda, Daniela, Claus,Marlies, Patricia, Gudrun, Sabine, Jutta und noch einige mehr…… ohne Euch wäre ich echt am Arsch. Wann immer ich was für Euch tun kann……sofort melden bitte. Ganz vielen Dank. Das macht mich glücklich. Ich hab immer noch den Job den ich liebe, ich trinke weiterhin Alkohol und esse Schokolade.

Was bleibt unterm Strich? Ich liebe mein Leben und gebe es freiwillig nicht her. Und wenn es nicht anders geht, dann muss ich mir eben eine Türklinke oder meinen Schrank mitnehmen. Dann ist es eben so. Ich will nichts ändern, ich bin glücklich und zufrieden und wenn ich mal am meckern bin, dann ist es auch gut. Ich behalte Doofkrebs, will keine langen Arme und habe weiterhin keine Angst vor dem Tod. Ich fände es einfach nur scheiße zu sterben weil ich noch so viel vor habe. Und zu sterben ist ja eh nicht der Plan. Ich bin mal gespannt auf 2017, was ich heute in einem Jahr schreiben werde. Das Jahr kriegt eine faire Chance, und ich hoffe, ich werde keinen von Euch verlieren….

Also: ich danke jedem Einzelnen von Euch dafür.