Wäre ich eine Fledermaus

….würde ich jetzt erst mal 2 Wochen irgendwo im Dunkeln rumhängen. Aber leider sind wir nicht bei wünsch dir was. Dauernd ist irgendwas anderes und ich soll irgendwelche Entscheidungen treffen, am besten schon vorgestern. Meine Lieblingssituation, da steh ich ja voll drauf. Natürlich kann man sich mit 2 bis 27 Leuten unterhalten, aber wo es lang geht muss man selbst entscheiden.

Letzte Woche war in Kassel in der Stadthalle eine größere Veranstaltung zum Thema Brustkrebs. Es waren auch echt ein Haufen Leute da und ich habe einige Mädels wiedergetroffen und auch erfahren, wer zwischenzeitlich doch verloren hat. Was sicher ist, kein Doofkrebs ist wie der andere. Das Ding ist wie ne Wundertüte. Prognose ist eigentlich nur statistisch zu sehen und, hey, seh ich aus wie eine Statistik? Natürlich macht sich jeder Gedanken, mal mehr und mal weniger. Ich definitiv weniger, aber wenn du so in Vorträgen sitzt und dir anhörst was du erfolgreich verdrängst, ja, nur 15% haben diese aggressive Form, den her2 positiven….. denkst du automatisch, is ja wieder typisch, immer den Hals aufreißen, da brauchst du dich ja nicht zu wundern. Ne Nummer kleiner hätte ja auch mal gereicht. Hätte der Hund nicht geschissen….müßig. Die meisten Frauen haben sich den Port wieder entfernen lassen. Mehr so aus dem Gefühl, das ist das letzte was mich an den Scheiß erinnert. Ich lasse ihn da wo er ist, ist echt einer meiner besten Kumpel geworden, sollte ich zufällig einen Arzt finden, der die Dinger bedienen kann. Aber ich darf ja immer ins Krankenhaus kommen. Wäre ich Langarmer, hätte ich das schon längst selbst gelernt. Das geht mir echt auf den Keks. Aber im nächsten Leben bestimmt……

Also der Plan nach der Veranstaltung, es gibt auch noch ein Leben neben dem Doofkrebs. Ich also voll motiviert in die neue Woche gestartet und, was passiert? Krieg ich doch ohne Vorwarnung einfach mal ne komische Blutung. Hä, was’n das jetzt. Und logisch, ich mache was alle machen. Ich goggle. ….fatal error. Natürlich steht da drin, Blutungen nach den Wechseljahren ist meist ein Zeichen für eine bösartige Erkrankung. Na prima, also sofort alle Symptome nachforschen und was war mit dem Wert bei der letzten Blutuntersuchung?  Hier steht wenn der erhöht ist……  Schluss,  aus, Feierabend,  Handy in die Ecke werfen. Bin ich eigentlich bekloppt? Langsam müsste ich doch wissen wie es läuft. Nicht zuviel input. Gehen Sie nicht über Los sondern sofort zu ihrem Frauenarzt. Gesagt getan. Dass man gleich für den nächsten Tag morgens vorm aufstehen einen Notfalltermin kriegt,  ist auch nicht gerade beruhigend. Also eine Nacht hysterisch denken, nö, diesmal nicht. Es ist  wie es ist und ich kann da jetzt gerade mal einfach nur drüber lachen. Da muss man nur aufpassen,  dass das nicht in Hysterie ausartet. Aber nach der Nummer mit dem Knie, okay, dann das auch noch, okay, leck mich…… Meine  Frauenärztin sagte sofort nach Guten Morgen, jetzt ist aber erstmal eine Ausschabung angesagt, nö, erst einen Blick in den Ort des Geschehens werfen….eins nach dem andern. Komischerweise gab es da nichts aufregendes zu sehen, hm, und jetzt? Jetzt die nächste Runde im Brustzentrum, das will sie nicht alleine entscheiden. Die Frage ist,  was soll das? Manchmal brauche ich ja auch ein bisschen länger. Wenn ich drüber nachdenke,  ich hatte in den letzten Wochen immer mal Hitzewellen. Hatte ich sonst nicht. Das ist aber auch Mist, dann greift der Aromatasehemmer nicht oder ist falsch und ich bin nicht durch durch die Wechseljahre. Das hieße umswitchen auf das allseits beliebte Tamoxifen?! Never ever, das haut mir noch mehr auf mein einzig sehende Auge. Und wenn das nicht was dann? Man könnte es ja eigentlich einfach mal drauf ankommen lassen und nichts machen. Auch nix, kriege ich kurzfristig einen Rückfall und sterbe, das ist ja auch irgendwie doof. Hm, es gibt viel zu tun, warten wir es mal ab. Ich bin jetzt mal gespannt wer sich was einfallen lässt. Vor allem muss ich mal genau die Grenzen meiner Frustationstoleranz definieren. Behandeln um jeden Preis? Nur um noch 37,4 Jahre zu leben? Ich muss keine 85 werden wenn ich nicht mehr Auto fahren kann weil ich nix mehr sehe, wenn ich nichts mehr alleine kann,  anziehen,  Hintern abputzen, an der Nase kratzen…   ich will um Himmels Willen nicht sagen, dass das nicht lebenswert ist,  aber ich darf auch nicht vergessen , dass ich 50 gute Jahre hatte, die letzten 5 könnte man gerne ersatzlos streichen,  aber da hat jeder so seine persönliche Schmerzgrenze.

Also was ist jetzt der Plan? Wie sagte Tamme Hanken,  nun bleib mal ruhig Schätzelein. Leider ist er plötzlich einfach verstorben, was sagt uns das. Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot. Überleg was du willst und zieh das durch, jetzt hier in heute.  und wenn jetzt, hier und heute heißt,  ich lehn mich erstmal 3 Tage zurück,  dann ist das eben so. Krebs ist keine Akuterkrankung, Contergan und Folgeschäden laufen mir auch nicht weg, also, Ruhe Schätzelein.

Die hab ich mir am Wochenende auch reichlich gegönnt. Heute habe ich,  nach Raubtierfütterung ganz früh,  bis mittags gepennt. Alles abgesagt was angesagt war und schon sind die Dinge klarer im Kopf und man hat plötzlich einen Plan,  zumindest schon mal grob. Prio 1 ist definitiv die Sache mit der Blutung,  denn wenn ich jetzt erst mein Knie aufräumen lasse und irgendwas versäume,  dann nützt es mir ja auch nicht,  wenn ich besser zum Friedhof laufen kann. Okay, logisch…aber Priorität 1,5 ist das Knie. Es tut wirklich ätzend weh, vor allem bei Treppab. Prio 2 bis 76 sind  Zahnarzt wegen gucken wegen Zometa, Kardiologe wegen Langzeitschäden durch Herceptin, Brust MRT, Darmspiegelung,  Hautarzt usw.. Hoffentlich reicht das Jahr aus. Irgendwie sehne ich mich nach dem Chemojahr. Da war die Welt bis auf Doofkrebs noch in Ordnung. Nur gut, dass ich damals nicht gewusst habe, wie das ausartet. Ich wäre wahrscheinlich noch 2 Jahre länger schlecht gelaunt gewesen.

Morgen ist Montag, ich gehöre zu denen, die total gerne zur Arbeit gehen, weil ich es liebe und weil es mich ablenkt von irgendwelchen Gedanken, die keine Sau braucht, die sich aber ganz subtil und hinterhältig irgendwie immer ins Hirn schleichen. Wehe, wenn ich die Lücke im Zaun finde. ……

Also auf in die nächste Runde, neue Woche, neues Glück, das Sektglas ist halbvoll und auch wenn die Flasche leer ist, ich weiß wo ich Nachschub herkriege. ….

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s