Stark und bewundernswert…….

…….soll ich sein. Das habe ich heute vielfach nach dem Erscheinen des HNA-Artikels gehört. Sogar beim einkaufen. Neeeeeeeeee, never, niente, was gibt es da zu bewundern? Ich mache absolut gar nichts Besonderes. Ich liebe einfach nur mein Leben und will es so lange wie möglich behalten. Was gibt es da zu bewundern? Nur, weil ich nicht nur Doofkrebs habe sondern auch noch dummerweise behindert bin? Sind es diese Dinge zusammen? Okay, ich denke schon, dass ich ein ziemlich starker Mensch bin. Aber warum oder wie bin ich das geworden? VIELLEICHT GERADE DESHALB? Ich denke schon, dass es da einen Zusammenhang gibt. Mein ganzes Leben musste ich mich durchsetzen um zu erreichen, was ich wollte. Gegen die Widrigkeiten des Lebens und nen Haufen bekloppter Leute. Schon als Kind. Fällt mir gerade eine Situation ein. Meine Mutter gab mir Geld damit ich mir am Eiswagen – ja, gab es damals noch – ein Eis holen konnte. Ich also voller Stolz alleine dahin und traf als Erstes mal das Mädchen, das mit mir nicht spielen durfte weil die Mutter wohl Angst hatte, ich sei ansteckend. Klar, ich kann Arme wegzaubern…… eher wohl Hirne. Die Arme durfte nicht alleine gehen und wurde von ihrer Mutter sofort weggerissen. Hm… .okay, dann spiel ich eben mit wem anderes…… Vor der Haustür merkte ich dann, Mist, Eis in der Hand, linker Arm kann nicht halten, Mund zu klein für großes Eis – und nun? Also hab ich auf einem Bein balanciert und graziös das andere hochgeschwungen um die Klingel zu erreichen. Hat geklappt und ich bin mörder stolz hochgelaufen, leider so schnell, dass ich noch hörte, wie eine Nachbarin meine Mutter anmachte, wie sie das arme, unglückliche, behinderte Kind so den Blicken der Nachbarn aussetzen könne.  Da wurde mir irgendwie richtig klar, dass es viele bekloppte Menschen gibt. Meine Mutter zickte dann zurück, unter anderem mit der Frage: wie kommen Sie darauf, dass das  Kind unglücklich ist? Ja, hätte ich auch gerne gewusst………ja, wenn man behindert ist, ist man unglücklich. Echt? Warum hat mich nie einer dran erinnert. Und was ist heute, was hat sich geändert? Nichts. Alle sind z.B. begeistert von dem Buch von Jojo Moyes: ein ganzes halbes Jahr.  Hab ich auch gelesen, gut geschrieben, aber ich boykottiere es trotzdem und den Film sowieso. Was ist denn die Botschaft? Genau, wenn du behindert bist, vor allem so stark, bring dich um, es ist nicht lebenswert. Warum gibt es kein Ende wo sie sich kriegen und es erzählt wird, wie toll das Leben mit Hilfe wie Assistenz  und Technik funktionieren kann? Jeder, und ich meine jeder, guckt mich groß an und sagt dann, ja, stimmt eigentlich. Und uneigentlich?

Tja, klingeln mit einem Bein in der Luft ging vor Doofkrebs noch, jetzt krache ich um wenn ich einen Fuß hochhebe. Irgendwie nervt es mich total. Also muss ich immer ne Wand mitnehmen, an die ich mich lehnen kann. Und bis ich mich aus dem Auto geschält habe, vor allem morgens, obwohl es schon ein Rentner-Golf ist, also höher……….. Vorher brauchte ich ganz lange um die Klamotten anzuziehen, denn es ist Sommer …………. was der dazu kann? Dann versucht mal, wenn man geschwitzt ist, was bei den Turnübungen normal ist, mit einem Finger die Sachen hoch oder runterzuziehen. Und dann tut der natürlich auch weh, den er hat ein Gelenk – übrigens der einzige Finger bei mir der eins hat. Es gibt dann 2 Möglichkeiten. Entweder du bist total angepisst von der Situation und schmeißt alles und dich hin und jammerst oder …………….. und das ist mein Weg……. 5 Minuten hinsetzen, durchatmen und logisch denken, hm, wenn ich das in die Türklinke hänge und hier mit dem Bügel ziehe, könnte klappen. Tut es wahrhaftig auch manchmal. Yeah, ich habe Feuer gemacht …………….

Natürlich klappt es nicht immer, dann zieh ich was nicht so „rutschfestes“ an. Und wieder gibt es 2 Möglichkeiten: scheiße, geht alles nicht, ich hasse es, ich will Arme, ich will kein Doofkrebs, ich will keine Schmerzen, warum ich, sterben will ich auch nicht……. oder ………. Klamotte kann ich anziehen wenns kühler ist, Gott sei Dank lebe ich in einem Land, das mir diese Behandlung ermöglichen kann, ich habe schon fast 3 Jahre dem Doofkrebs den Mittelfinger gezeigt, ich habe einen Mittelfinger, ich habe eine schöne Wohnung, Auto, Job, Beziehung, Arbeit, Edda und Daniela als Kollegen, tolle Freunde und und und…

Was ich damit sagen will: hängt euch nicht an Dinge, die es nicht mehr gibt oder die nicht mehr gehen, überlegt mal, was ihr alles habt. Natürlich ist nichts mehr wie vor Doofkrebs. Natürlich mache ich mir vor jeder Untersuchung fast in die Hose. Aber weiß ich wie lange ich leben würde ohne Doofkrebs, ne.  Und ist es schlechter, nur weil ich dies und jenes nicht mehr kann? Ich habe dafür die Erkenntnis was ich für tolle Menschen um mich hab und ich mache einfach andere Sachen, eben was, was geht.

Und ich bin nicht alleine, es gibt viele von uns mit Doofbrustkrebs und jeden 1. Dienstag im Monat trifft sich die Allianz gegen Brustkrebs im KISS in der Willi-Allee in Kassel. Es ist ein super Austausch, im September z.B. erzählt ein Prof.doc was es Neues in der Mammadiagnostik gibt, wir tauschen uns aus über Ärzte, Medikamente, Haare, Schmerzen, wo man welche Anträge stellen kann usw. Alles was es rund ums Thema gibt. Also wenn einer eine kennt die eine kennt die eine…… einfach trauen und vorbeikommen. Wir sind echt alle nett. Termin steht auch in der HNA. 18.00 Uhr.

So, ich freue mich jederzeit über Feedback, auch mit Gegenwind.

Ich liebe es wie es ist. Punkt

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