Treibsand

Manchmal hab ich das Gefühl, meine Füße stecken im Treibsand. Jeder Schritt ist zäh und manchmal hänge ich fest und denke, der nächste Schritt funktioniert nicht mehr. Nervt. Aber irgendwas ist ja immer. Donnerstag war ich im Krankenhaus zur Zometainfusion. Ob die Idee nun gut ist oder nicht, habe ich auch noch nicht wirklich rausgefunden. Aber jetzt isse drin und gut isses. Diesmal habe ich es besser vertragen, aber gut auch nicht. Freitag gegen nachmittag machte dann der Kreislauf doof und ein bisschen Fieber und blöd im Kopf……..aber nicht so schlimm wie das letzte mal.

Ich war Donnerstag gegen 8.15 auf der Station und hab erstmal geschaut wer da ist, hätte ja sein können, dass ich jemanden kenne. Wir waren am Anfang zu viert, wobei eine erst die 2. Chemotherapie hatte und entsprechend unsicher war. Aber es ist wirklich so, wir sind eine Familie, ob man sich nun kennt oder nicht. Sozusagen eine neue Familie. Da geht’s um Fragen wie, oh, die Einstichstelle brennt, ist das okay? Ja, nur die Ruhe, ist nur zu viel Desinfektionsmittel auf der Haut. Und, dass im Schlauch kleine Luftblasen sind, ist auch okay. Was übrigens eindeutig alle Krimis widerlegt, in denen eine kleine Luftblase in der Vene gleich zum Tod führt. Wichtig fürs Leben……. Jedenfalls wurde meine Infusion so auf eine Stunde eingestellt. Langsamer geht’s echt nicht mehr. Und da ich ja aufpasse und versuche, das Ganze etwas länger zu überleben, kam natürlich meine obligatorische Frage, was ist denn in dieser Spritze so ganz genau drin??????? Yeah, Treffer, versenkt, Heparin, tja, bin leider immer noch allergisch. Okay, Spritze weg und NaCl aufgezogen. Geht doch….Und natürlich haben wir uns unterhalten, wie es ist, dass so viele bekannte Menschen dieses Jahr schon an Krebs verstorben sind. Und vor allem, warum berührt uns das so. Es ging aber jeder von uns so. Vielleicht, weil auch Menschen die wir nicht kennen, zur Familie gehören. Und wenn jemand jung an Doofkrebs stirbt, ev. auch kleine Kinder da sind, ist es natürlich echt bitter. Aber woran liegt es? Ist es wirklich die Verschwörung? Ist Krebs schon längst heilbar, nur kann man damit nicht diese Milliarden an Kohle machen? Oder rotten wir uns alle selbst aus? Geiz ist geil, viel Fleisch für wenig Geld, ein bisschen Strahlung ins Hirn durch Handys, bisschen genmanipuliertes Gemüse, lecker Antibiotika in jeder Stück Wurst, da kann man noch 2 Stunden aufzählen. Ist natürlich müßig, aber vielleicht sollte man mal anfangen umzudenken. Okay, hab ich jetzt auch nichts mehr von, aber normal ist das alles nicht, finde ich. Jeder hat so seine Geschichte, die haben wir uns natürlich erst mal alle erzählt…… spannend. Und lustig…. zwischendurch standen 2 Damen vor dem Schwesternzimmer und guckten zu uns rüber. Flüsterte die eine, ist das das Chemozimmer? Ja, als ich die da das erste Mal gesehen habe war ich total erschrocken…. Wir haben uns angeguckt, sagte eine, guck mal, Gesunde, als ich die das erste Mal gesehen habe, hab ich mich ganz schön erschrocken. Ruhe, dann kicher, lach, gröhl….. fanden die, glaub ich, nicht lustig. Spaß muss sein. Porti hat sich übrigens vorbildlich verhalten, ging alles glatt. Beim rumsitzen habe ich mir dann erst mal ein fettes Brötchen aus der Cafeteria und ne Cola gegönnt, die Brötchen da sind super. Ach ja, das letzte Mal waren ja nicht alle Blutwerte fertig, hab ich mir noch im Studiensekretariat geholt, Leberwert ist ein bisschen erhöht, aber die wächst ja bekanntlich mit ihren Aufgaben. Und wieder das altbekannte Stirnrunzeln, ihr HB Wert ist ja wieder total im Keller, da müssen wir aber……………nein, müssen wir nicht, alles bleibt so, scheiß auf HB. Danach bin ich dann zur Arbeit, alles gut bis Freitag Nachmittag. Aber jetzt ist es okay, sehr arbeitgeberfreundlich, morgen geh ich ordentlich arbeiten.

Den Fehler darf man nicht machen und drauf achten, was alles weh tut, bzw. an Stellen wo es sonst nicht weh tat. Also entweder Augen zu und durch oder hysterisch denken. Hatte ich zu beidem keine Lust. Vielmehr hab ich mal versucht rauszufinden, was wäre, wäre ich ein Langarmer. Okay, ich müsste nicht irgendwelche Türklinken zur Hilfe nehmen um mich anzuziehen, ich würde nicht das komplette Katzenfutter nebst Wassernäpfe fallen lassen, denn ich könnte mich runterbeugen. So rutscht mir alles aus den Füßen, weil wegen Chemo-Kollateralschäden. Was auch nicht schlecht wäre, wenn ich mich festhalten könnte, wenn ich aus der Badewanne steige. Zehn Anläufe, eine Überschwemmung und 2 ungläubig guckende Katzen später komme ich dann auch mal da raus. Natürlich so geschwitzt, dass ich gleich liegen bleiben könnte. War vor Chemo und Zometa auch nicht so einfach, hat aber nicht so weh getan. Definitiv also ja zu Zometa, ne Knochenmeta würde mich wahrscheinlich gar nicht erst in die Badewanne lassen. Das wäre also auch geklärt. Irgendwie doof, für Sachen, die man früher selbstverständlich gemacht hat, braucht man heute eine generalstabsmäßige Planung. Und ohne Schmerzmittel geht gar nichts mehr. Also, ich war am Wochenende kurz davor mich zu beklagen, aber nein, ich bleibe standhaft, nur, ich ziehe den Schlüssel aus der Tür und nehme das Telefon mit ins Bad, falls ich hinknalle und absaufe kommt jedenfalls wer in die Wohnung. Man muss weiter denken.

Was vor Doofkrebs irgendwie auch schöner war……..ich habe nicht soviel gedacht. Was einem manchmal einfällt ist erstaunlich. Hätte ich auch schon mal früher anfangen können. Zuviel denken ist auch schlecht, man muss ein gesundes Mittelmaß finden und nicht über jeden scheiß nachdenken, hält irgendwie vom leben ab. Und das geht ja gar nicht. Ich denke, ich geh jetzt ins Bett, morgen ist Montag. Neue Woche, neues Glück. Fängt aber schon gut an – mit Lymphdrainage. Die Brust wird’s freuen, mich auch.

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