Haare ? Da war doch mal was…

Für Frauen ist der Verlust von Haaren im Allgemeinen ja immer recht schwierig. Aber da hatte ich endlich mal wieder Glück, denn, durch die Schilddrüsenüberfunktion in 2012 hatte ich eh mörder Haarausfall und meine Haare waren vorher auch schon doof, also kurz gesagt, kein Problem damit. Jeder wartete bei Beginn der Chemo darauf, wann es losging. Bei den meisten so um die 2. Chemo rum. Wir haben aber alle nicht solange gewartet sondern immer schon wenn ein Haar fiel, abrasiert. Dann wurde erst mal ausdiskutiert, wer den schönsten Kopf hat. Das nächste Mal war die Quizfrage des Tags: wer hat die schönste Perücke oder Turban oder Kopftuch, Mütze, was auch immer. Jeder ganz individuell, wie im richtigen Leben. Natürlich fiel es vielen schwer sich von ihren schönen Haaren zu verabschieden aber ich denke mal, ich bin lieber glatzköpfig als tot. So einfach ist das, zumindest für mich.

Was wirklich echt kacke aussieht ist, wenn die Wimpern und Augenbrauen ausfallen. Wimpern war okay, schmierten jedenfalls nicht mehr so auf der Brille rum. Aber ohne Augenbrauen hat das ganze Gesicht irgendwie kein Struktur mehr. Gott sei Dank bin ich kurzsichtig und musste mir das Elend nur unscharf nach dem Aufstehen ansehen. Wenn man bis dahin noch denkt, alles ist gut, kommen doch langsam mal Zweifel.

Also der Plan war eine schöne Perücke. Die erste war blond wie ich vorher, aber ich hatte nie soviel Haare, wie in dieser Perücke waren. Völlig neues Erlebnis. Mittlerweile habe ich so 5 Perücken, andere Schnitte und Längen und Farben. Je nachdem wie ich morgens drauf bin. Oder Hut, Mütze, Tuch, wie es passt eben. Es wissen eh alle die ich kenne, dass meine Haare nicht wirklich wiederkommen, denn ich hatte einen hormonbedingten Tumor und nehme jetzt täglich Aromatasehemmer wegen nix Östrogen. Tja, eben auch keine Haare. Aber irgendwie macht es mir auch Spaß und ich habe auch kein Problem, mit ohne alles rumzulaufen. Nur dauernd den nachkommenden Flaum abrasieren nervt etwas.

Mit ohne lange Arme eine Perücke aufzusetzen erfordert ziemliche Gelenkigkeit. Zu erst ging es gar nicht und sah aus wie ein Kaffeewärmer. Jeder sagte, ich helfe dir, nützte mir aber nichts, denn es ist nicht immer wer da und es muss alleine gehen. Ich habe mir das Ding aufgesetzt, mit rechts gezogen, links geht der Arm nicht hoch, und dann rückwärts an Schrank, der ging mir bis ins Genick. Also gegengedrückt und runter. Ging mal, mal nicht. Mittlerweile klappt es aber mit Hilfe des linken Fußes gut, ich bin dabei bislang nur einmal umgefallen.

Was schön war, war das Schminkseminar im Krankenhaus. Die, ich glaube DKMS, bietet kostenlose Seminare  für alle Krebspatientinnen ohne Haare an. Das Ganze wird gesponsert durch die Firma Douglas, die jedem eine Tasche mit Schmink- und Pflegeprodukten im Wert von ungefähr € 120 schenkt. Das Seminar fing an mit der Aufforderung: so, jetzt nehmen erst mal alle ihre Haare ab. Dann gabs Perückentausch, war echt lustig, wie Haare einen verändern……….Und dann kriegt man gezeigt, wie man die Augenringe wegschminkt, Augenbrauen faked, sich von leichenblaß auf hübsch schminkt und alles was dazu gehört. Dabei war ein ganz junges Mädchen, wunderhübsch, mit Langhaarperücke. Sah toll aus. Ich hab dann mal gefragt, was aus ihr wurde…….leider hatte sie keine Chance gegen Doofkrebs. Und sie war nicht die erste und war auch nicht die letzte.

Wenn man jemanden mit Tuch auf dem Kopf sieht, dann guckt man einfach hin und wenn man ein Lächeln zurück kriegt, dann denkt man, ich lebe doch nicht auf einer Insel. Vielleicht stört es mich auch nicht sonderlich, dass ich mit großen Augen angesehen werde wenn ich so einkaufe oder komplett glatzköpfig im Haus rumlaufe, denn ich werde mein ganzes Leben angeguckt. Einmal hatte meine Mutter mir ein Cape gekauft, die Idee war, Arme drunter, sieht man nix. Ich habe es genau einmal getragen und nie wieder. Keiner hat sich umgedreht und gegafft. Fand ich völlig blöd. Wahrscheinlich bin ich doch irgendwie gestört. Aber, was solls , normal kann jeder.

Wenn man im Brustzentrum vorne wartet, kann man genau unterscheiden, wer schon länger dabei ist und wen es gerade getroffen hat. Mit der Zeit wird man entspannter, aber ich denke, Haare sind irgendwie das Zeichen für Krebs und vor allem ist es für alle sichtbar und man kann nicht mehr so tun als wäre alles wie immer. Gott sei Dank gibt es echt tolle Perücken, man denkt, es sind die eigenen Haare. Haare kommen im Allgemeinen wieder, das Leben nicht.

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