Port-OP und 1. Chemo

Im Januar war ich erst mal krankgeschrieben, denn es ging von einer Untersuchung zur nächsten. Ganz wichtig ist auch die Kardiologie, denn wenn das Herz irgendwie doof macht, dann nutzt auch die schönste Behandlung nichts. In der Zwischenzeit hatten meine Chefs es relativ schnell und unbürokratisch hingekriegt, dass ich homeoffice machen konnte und meine beiden Kolleginnen sagten, mach du, wir halten dir den Rücken frei. Wenn du kannst dann kommst du, wenn nicht macht du homeoffice und wenn gar nicht, dann ist es auch gut. Und das gilt bis heute. Ich finde das einfach……….irgendwie ist mir das richtige Wort auch nach 2,5 Jahren noch nicht eingefallen. Danke.

Also am morgen des 20.1. war ich ganz früh im Krankenhaus, aber ……… man wächst ja mit seinen Aufgaben ……… diesmal war ich schlauer und hatte mich genau erkundigt, dass diese OP auch mit örtlicher Betäubung geht. Steht kein Arzt drauf, denn du könntest dich ja bewegen und dauernd reden. Deshalb versuchten sie mir einzureden, so ein bißchen schlafen und dann ist alles erledigt…………. never, niemals, ich will örtliche Betäubung oder ich bin weg. Okay, aber sie müssen mir trotzdem einen Zugang legen, das ist Vorschrift wenn irgendwas passiert, mein Kreislauf explodiert oder was auch immer. Ja, aber niemand sticht in meinen Fuß, nein !! Nein, dann eben in die Halsschlagader. Gut, das war geklärt. Auf der Liege sagte ich denen dann, falls irgendwas passiert und sie mich schlafen legen müssen, dann können sie mich ruhig an den Armen festhalten sollte ich irgendwohin rutschen, denn ich bin schon mal vom OP-Tisch gefallen. Nein, aber so was ist bei uns ja noch nie vorgekommen. Ja, sagte das andere Krankenhaus auch. Da war das Problem, dass die mich bei der Bandscheiben-OP auf den Bauch drehen mussten und ich ins rutschen kam. Der doc hat erzählt, dass einfach alle eine Sekunde zulange gewartet haben weil sie wohl dachten, sie reißen mir die Arme raus. Da war es zu spät und obwohl er mir glaubhaft versicherte, dass er sich noch im letzten Moment auf mich geschmissen hat, bin ich abgeschmiert und auf den Boden gekracht. Aufgewacht bin ich Stunden später mit einem blauen Auge und einer Platzwunde am Kopf. Aber operiert und alles gut. Der doc gehört absolut zu den Ärzten denen ich vertraue. Er hat sofort gesagt was passiert war und wie furchtbar er das fände und wie leid es ihm tut. Alles gut, ich denke mal es war keine Absicht und so was passiert ihm bestimmt nicht wieder. Trotzdem hab ich in dem Krankenhaus immer das Gefühl alle grinsen mich an, denn nachdem ich unten lag gab es erst mal Alarm, einen Haufen Leute im OP, ich zum CT gerollt ob ich mir nicht vielleicht doch das Genick gebrochen habe. Wurde mir hinterher alles erzählt, denn ich habe ja gemütlich geschlafen und ich glaube, was die sonst noch gemacht haben will ich gar nicht so genau wissen. ………………. Es ging dann die obligatorische Diskussion mit dem Blutdruck los, Messung unten am Knöchel ist nicht wie oben und alles gut wenn unten 200, keine Aufregung. Hat der Arzt natürlich anders gesehen und außerdem würde der Monitor Alarm geben ab 180, ja und? Was kann ich dafür? Irgendwann war alles ausdiskutiert und der doc konnte anfangen. War der Chef persönlich und der Port sitzt 1a, behindert mich in keiner Weise und ich liebe ihn. Aber auch ihm musste ich erst erklären, dass ich mir das Ding zur Not wieder selbst rausschneide wenn es nicht sitzt. Ich kann nur richtig mit dem rechten Arm was anfangen, da hab ich ein ordentliches Schultergelenk, drei Finger dran, von denen ich den mittleren knicken kann. Der linke Arm war bislang immer mein Dekoarm. Das Gelenk funktioniert nicht wirklich und die drei Finger da sind steif und können nicht wirklich was halten. Der Port wird immer auf die Seite gesetzt die nicht betroffen ist, also rechts bei mir da links der Doofkrebs wohnte. Würde mich der Port behindern, hätte ich Probleme beim anziehen, Auto fahren, tragen usw.. Das wäre ein Eingriff in meine Lebensqualität, den ich nicht toleriert hätte. Dann hätte die Chemo eben über die Halsschlagader laufen müssen ………… aber er sitzt perfekt. Ich kenne viele, die Probleme beim liegen etc. haben und er drückt oder was auch immer. Da hab ich ja mal Schwein gehabt. Auch dem doc ein Danke.

So, Port fertig. Ich musste dann vorne noch sitzen und durfte erst gehen, nachdem ich einen Tee getrunken und was gegessen hatte. Da ich ja informiert war, hatte ich ein geschmiertes Brot dabei und als ich das Frühstück nach 20 Minuten nicht auf den Boden gekotzt hatte konnte ich los zum Röntgen. Ch. war in der Zwischenzeit da und hat mich nach Hause gefahren. Allerdings erst röntgen ob Port richtig sitzt und dann noch zur Notaufnahme, da ein zweiter Arzt gucken muss ob alles okay ist. Der guckte mich ganz groß an und fragte, was um Himmels Willen gemacht worden sei. Im OP gab es keine kleinen Pflaster und so hatten sie mir ein riesen Ding auf die Seite mit dem Zugang geklebt und rechts war alles verpflastert von der OP. Sah es irre aus. Um 11 war ich wieder zu Hause und habe so dies und das erledigt.

Für den nächsten Tag um 8 war ein Taxi bestellt, das mich ins Brustzentrum zur Chemo brachte. Denn man fährt nicht selber hieß es, warum ? Keine Ahnung, die ersten zwei Mal hab ich mich fahren lassen, dann bin ich selbst gefahren. Ich hatte nicht wirklich Ahnung was passiert und wie das so abgeht. Als 1. bekam ich meine Chemoakte mit allen Unterlagen drin, dem aktuellen kleinen Blutbild und der Aufforderung, immer erst Akte im Sekretariat holen, dann hoch auf Station und sich bemerkbar machen und Platz im Chemozimmer aussuchen. Das hat 6 Plätze, die eigentlich alle immer belegt sind. Das 1. Mal ist natürlich irgendwie doof, alle schauen einen an und du sagst Hallo und innerhalb von ein paar Minuten hast du das Gefühl, du hast nen Familientreffen. Kein großes vorsichtiges Beschnuppern sondern gleich, ich heiße Andrea und habe den und den Krebs mit oder ohne Metas, hab die 3. Chemo oder ich heiße Anja, heute ist meine letzte und wie heißt du und vor allem, wie heißt dein Doofkrebs? Und dann gibt’s sofort Ratschläge was man bei den und den Beschwerden machen kann und auf jeden Fall ordentlich essen vor oder während der Chemo, denn auf nüchternen Magen geht ja gar nicht. Genug Zeit hat man, denn erst wenn man da ist ordern die Schwestern in der Apotheke die Medikamente und die werden dann für jeden gebracht. Das dauert. In der Wartezeit war dann Port anstechen gesagt und die Stationsärztin wunderte sich über die frische Wunde. Ich hätte keinen Mucks von mir gegeben, egal wie eh es getan hätte, erst die große Klappe und dann jammern……….niiiiiiiiiemals. Aber ein Stich, ein kurzes Zucken und alles gut. Ich war schon mal völlig begeistert. Dann kam die Lieferung Aperol, wie die Schwestern es liebevoll nannten. Das Zeug in meinem Fall hatte exakt die Farbe. Es war ein komisches Gefühl aber ich habe sofort gesagt, ich liebe es und will alles haben, den es kann vielleicht mein Leben retten. Also herbei und rein das Zeug. Gesagt, getan und in der Zeit der Infusionen tratscht man sich durch alles und jeden und erzählt Geschichten aus dem Chemoleben und die Zeit vergeht, das 1.Mal ist durch und jetzt heim. Ich muss immer nur aufpassen, denn der Port wird mit Heparin gespült gegen das ich ja allergisch bin und irgendwann zum Schluss sagten dann die Schwestern und Ärzte schon im Chor auf meine Frage: ist das… nein, kein Heparin, nur NaCl…….. fragen darf man ja mal. Die 1. Chemo war durch, ich wartete nun gespannt was passiert. Was soll ich sagen, es passierte absolut nichts, okay, dann bin ich eben zur Arbeit.

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2 Gedanken zu “Port-OP und 1. Chemo

  1. … jetzt ist aber mal gut!
    Ich freue mich auf jeden Arbeitstag mit Dir! Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, ausserdem bist Du auch immer für uns da, wenn irgendetwas ist, dass ist auch nicht selbstverständlich! Ein dickes Danke dafür!
    Eschreckend finde ich, dass wirklich schon über zwei Jahre seit der Diagnose vergangen sind. Beim Lesen kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen und alles lebt wieder auf. Warten auf Blutwerte, neue Termine, neue Haare, …
    Du machst das wunderbar, weiter so!

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