Geschichten aus der Chemowelt

Was ich völlig interessant fand, waren die Geschichten der anderen Mädels, wie wo und von wem der Doofbrustkrebs erkannt wurde, bei jedem irgendwie anders, durch Mammo bei mir, selbst abtasten, irgendwo komische Knötchen im Körper die sich als Metas entpuppten, allgemeine Schwäche und Unwohlsein und und und………..was ich völlig erschreckend fand war das Alter von einigen. Okay, ich war gerade über 50 und auf dem Weg in die Wechseljahre, da kann das schon mal passieren, dachte ich, aber junge Frauen mit kleinen Kindern………..was ist das denn für ein verdammter Mist? Was ich völlig nicht wußte war, dass es gefühlte 483 Arten von Doofbrustkrebs gibt. Was ich jetzt aber völlig sicher weiß ist, dass jegliche Prognose für die Tonne ist.  Niemand ist eine Statistik und du kannst ne super Prognose haben, alles gut und 3 Tage später wachst du auf und über Nacht haben sich überall Metas eingefunden. Da fällt einem echt nichts dazu ein. Der Grundsatz jeder Chemo lautet: alles wird gut und zwar für jeden von uns. Was anderes kommt schon mal gar nicht in Frage, und gestorben wird in 50 Jahren an Altersschwäche. Das ist der Plan. Und wehe, es halten sich nicht alle daran.

Für den einen ist es natürlich viel schwieriger als für den anderen erst mal die Diagnose ohne bleibende Schäden zu überstehen. Da muss jeder für sich den Weg finden. Was aber geht, ist gegenseitige Unterstützung und Hilfe. Und so entstehen neue Freundschaften fürs Leben. Apropos Freunde, auch völlig interessant, da ging uns allen gleich. Du stellst kurzfristig sehr genau fest, wen du an deiner Seite haben möchtest und wen nicht, du wunderst dich wer plötzlich bei Fuß ist und du bist enttäuscht, dass der an den du geglaubt hast, plötzlich dringend gerade mal die nächsten 5 Jahre was zu tun hat. Oder eine erzählte, ihre eigentlich beste Freundin teilte ihr mit, sie könne das nicht ertragen und müsste sich zurückziehen, Hallo ? Wer erträgt denn hier was? Oder Leute posten für jede durch eine Windschutzscheibe getötete Fliege wie furchtbar das ist und man soll doch sich immer um alles und jeden kümmern und und …………….. aber fragen ein halbes Jahr lang nicht, ob man überhaupt noch lebt. Sorry, da können wir uns echt nicht mit aufhalten. Ist schon interessant………

Wenn man Glück hat, ist es immer dieselbe Truppe mit denen man sich, wie in meinem Fall, alle 3 Wochen zum Frühschoppen mit Aperol und wie die Mittel alle heißen, trifft. Und dann wird erst mal erzählt und zwischendurch steckt immer eine Chemoschwester den Kopf ins Zimmer und schimpft, wir sollten nicht son Krach machen und die ganze Station unterhalten. Es war wirklich immer schön, wenn man den Hintergrund außer Acht lässt. Und ja, es gibt sie wirklich, diese Geschichten, wo sich jemand die große weiße Tablette in die falsche Körperöffnung gesteckt hat und sich dann wunderte, wieso er plötzlich Schaum vorm Mund hatte………….cool. Lesen hilft.

Es ist mir einige Male passiert, dass ich angesprochen wurde, mein Gott, dass sie jetzt auch noch Krebs haben. Das mit den Armen ist ja schon schlimm genug. Ich frage dann immer, okay, hätten Sie einen Vorschlag, wen es an meiner statt treffen sollte? Warum nicht ich? Ich habe nicht einmal eine Antwort erhalten.

Ich glaube, das nächste Mal schreibe ich was über Haare, das ist auch immer ein riesen Thema und manchmal lustig. Nach dem Motto: Frau K. warten Sie, Ihre Haare liegen noch im Zimmer……………….und ich wunderte mich schon, dass ich noch mehr als sonst beäugt wurde.

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