Diagnose – und plötzlich ist nichts mehr wie es war?

Liest und hört man immer………..nö, kann ich so nicht sagen, ich fand es damals einfach unglaublich und eine persönliche Frechheit und so geht es mir manchmal heute auch noch so. Natürlich bin ich nicht unkaputtbar und das klingt vielleicht für den einen oder anderen zu easy, aber ich hatte seit 2007 jedes Jahr was anderes, teilweise zu operieren oder sonst was. Ich denke,  jeder Conti weiß von was ich rede. Es gab eine Situation,  das war nachdem ich am 18. da raus bin, da hatte ich einen Moment wo ich dachte, ich mach mir gerade auf den Straßenbahnschienen in die Hose. KREBS !!! Das ist ne Nummer die schaffst du nicht. Hab ich mich erstmal mit dezent wackelnden Knien ins Auto gesetzt und bevor ich mich hysterisch denken konnte kam ne Sims von Ch. wo ich bin und was nu is. Sie war im Lokal in der Nähe und ich sollte sofort kommen. Ich dahin gewankt und dann gab es den für mich magischen Moment. Hätte sie gesagt, oh wie furchtbar,  nein, warum du und was man eben so sagt, hätte ich vielleicht die Krise gekriegt.  Aber sie lachte und sagte: das ist wieder typisch für dich, du musst immer noch einen draufsetzen und hast jetzt eben mal Krebs. Fand ich gut, musste auch lachen und dachte, okay, 2014 haste mal Krebs. Also, gehen wirs an und warum soll ich das nicht hinkriegen. Und schon kam mein Appetit wieder.

2 Tage später, am 20.12. hatte ich wieder Termin bei dem doc. Ich sollte mir ein Brustzentrum aussuchen wo ich hin wollte und da eine Kollegin von mir dort behandelt wurde, hatte ich gesagt, bitte von dem Krankenhaus.  So lernte ich Frau doc Sch. kennen und ich kann sagen, es passte von Anfang an und ich bin echt dankbar, denn wenn man einen Arzt hat, dem man vertraut und das Gefühl hat, ihm bzw. ihr ist wirklich dran gelegen, dass alles gut wird, dann ist das für den Anfang schon mal die halbe Miete.  Ch. ist mitgekommen, denn natürlich war ich ein bißchen aufgeregt und 4 Ohren ..  ………… Ich habe zu doc L. gesagt, so, ich habe schon allen erzählt , dass ich Brustkrebs habe, wehe, das ist jetzt doch gutartig. Der arme Mann guckte völlig fassungslos aus der Wäsche und sagte dann ganz kangsam: Nein,  es ist schon so. Wie gesagt, dabei war Dr. Sch. und ich sah, dass sie leicht grinste. Das gab mir das Gefühl, dass es passt, denn ich hasse es, wenn man nicht mal ein bisschen locker die Dinge des Lebens angehen kann. Das Leben passiert einem doch sowieso, egal wie man mit umgeht…… wo war ich, ach ja, ich hörte dann , mein Krebs heißt her2 positiv nochwas , ist sehr aggressiv , aber den würde sie kennen und wüsste wie man mit ihm umgeht. Und das sagte sie in einer Art und Weise, die völlig normal klang, so dass man gar nicht auf die Idee kam, dass das ein scheiß Diagnose war.  Ich schreibe man und nicht ich, weil ich viele andere kenne, die das auch sagen. Sie schafft es bis heute auch bei den beschissensten Diagnosen diesen Tonfall beizubehalten und einem niemals das Gefühl zu geben, es ist nichts mehr zu machen und bitte ordnen sie jetzt ihre Angelegenheiten. Sie hat meinen vollsten Respekt und ich hoffe, sie kann das durchhalten. Auf jeden Fall ein fettes DANKE  dafür von mir. Der Plan für mich war dann wie folgt. Erstmal sollte ich Chemo machen und gucken wie der Dooftumor darauf reagiert,  wenn er sich an den Plan hält und kleiner wird, kommt die OP nach 8 Zyklen Chemo und danach noch volle Kanne Bestrahlung , alles was die Therapie so hergibt.Aber, was als 1. anstand war das sogenannte staging.  Dh. in der Radiologie CT, MRT, Knochenszintigrafie um eventuell vorhandene Metastasen aufzustöbern, denn die müßten als erstes erledigt werden und die Diagnose würde sich ändern von beschissen auf oh mein Gott. Aber bislang hatte ich Schwein.  Doofkrebs hatte noch nicht rumgestreut.  Danke schön. Das war am 30.12. und so endete das Jahr.

Zwischenzeitlich war ich wieder an der Arbeit. Meine Chefs Chefs (mein Chef und sein Chef) wollten mich unbedingt sprechen.  Nach dem gefühlt 5. Mal Nein,  ich will nicht. …Hallo , soll ich mich vor die hinsetzen und was über meine linke Brust erzählen??? habe ich mich bequatschen lassen und bin hin. Völlig saublöde Situation, da versuchste gerade mal deiner Brust nicht böse zu sein, sitzen 2 Herren vor dir und erzähl nu mal. … braucht kein Mensch. Aber die kennen mich und wissen,  dass ich relativ schmerzfrei in diesen Dingen bin, aber mal als kleinen Tipp am Rande, das könnt ihr nicht mit jeder machen.  ……….Aber was zählt ist das Ergebnis, sie haben gesagt , ich soll sagen was ich brauche und womit sie helfen können und haben das umgesetzt und beibehalten bis heute, Danke.

Das allerschwierigste aber war meiner Mutter zu erzählen was passiert ist. Mal abgesehen davon, dass jede Mutter die Krise kriegt wenn Kind krank ist,  ist es noch ein bisschen anderes bei uns Contis, unsere  Mütter hatten ihr Leben lang ein schlechtes Gewissen wegen der Einnahme von Contergan. ……. jedenfalls habe ich das , glaub ich, einigermaßen hingekriegt und Mutter sagte von da an immer, wir haben Krebs.  Dass sich das im wahrsten Sinne des Wortes dann bestätigte ist auch völlig daneben. Wie war das, das Leben ist das was uns passiert während wir gerade Pläne machen .

So, nun war alles geklärt, jeder wusste Bescheid und Silvester hab ich mir erstmal ordentlich die Kante gegeben.  Wie sagte mein Chef: Der Teufel scheisst immer auf den größten Haufen. Fand ich gut…. Prost und willkommen Jahr des Krebses.

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2 Gedanken zu “Diagnose – und plötzlich ist nichts mehr wie es war?

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