Placebo- und Noceboeffekt…

 

Das ist echt ne coole Sache, mal vereinfacht….. wie mit dem bekannten Placeboeffekt – ich kriege z.B. ein Medikament das meine Übelkeit lindern soll und es funktioniert -, so geht das natürlicher auch annerster. Ich kriege gesagt, dies jetzt aber kann die und die Nebenwirkungen haben, schon tauchen die passendes Symptome auf. Beide Pillen bestehen natürlich nur aus Zucker oder weiß der Geier, was sagt uns das? Die Psyche mischt da ordentlich mit und schon sind wir wieder bei Hildegard Knef: denken schadet der Illusion. Stimmt, aber der Kopf, in dem die Psycho wohnt, also bei mir zumindest, sagt: Mooooooooooooment, so einfach lass ich mich nun aber nicht ausschalten. Also ist der Plan, wir denken placebotechnisch und nicht nocebomäßig. Wieso eigentlich wir, ich rede hier ja nur von mir. Also ich. Ich fand das mal ne gute Idee. Warum? Weil komplett das ganze Jahr 2020 bislang für den Arsch war, um es mal unnett auszudrücken. Erst ist mein Cousin in Österreich verstorben, dann mein Cousin in Leipzig, zu dem ich viel Kontakt hatte und den ich ein Stück des Weges begleiten durfte, Corona, dazu Schmerzen die ich nicht einordnen konnte, Menschen, die sich plötzlich als charakterlos entpuppten, und es ist ganz furchtbar, in den letzten Wochen sind mehrere Frauen aus der Brustkrebsgruppe einfach verstorben, andere neu erkrankt …..jedenfalls hätte ich irgendwie mal alles hinschmeißen können. Aber was wohin werfen? Nach mehreren Gläsern Sekt und vorsichtshalber einer Entschuldigung an meine Leber hab ich dann gedacht, so, entweder schlitterst du in eine Krise, welcher Art auch immer,  oder du machst jetzt die Placebo-Nummer, egal was passiert, es hat gute Vibrationen.

Zuerst hab ich mal bei der Nachsorge im Brustzentrum über meine ganzen Beschwerden gejammert. Die waren, bzw. sind echt so, dass ich Überweisungen für ein neues staging bekommen habe, also CT Thorax, Abdomen, Hüfte und ne Knochenszintigraphie. Na dann, das Gute daran ist, dann weiß ich, ob jetzt im 7. Jahr nach Doofkrebsdiagnose sich nicht doch irgendwas doofes in meinem Inneren abspielt. Also an dem Tag bin ich wie immer ganz cool hin und wie immer, ich dachte schon, ey, passiert nichts? schoss kurz vorher meine Psyche aus dem Kopf durch den Körper: sorry, Platz da, kann ich mal schnell….. in Richtung Magen- und Darmtrakt und da war es wieder, das vertraute Gefühl: ich glaube, ich kriege Durchfall. Ist irgendwie beruhigend, es ist ja ein alt bekanntes Gefühl. Diesmal habe ich die halbe Praxis aufgehalten, Porti weigerte sich diesmal auch Kontrastmittel rein zulassen, im Sitzen schon, ist in der Röhre natürlich nicht wirklich machbar. Dank höchstem körperlichen Einsatz der herbeigeholten Ärztin, einer neuer Nadel und der Einsicht des Portes, klappte es dann.

Ergebnis: yeah, toll……….. nirgendwo im Innenraum eine Metastase zu entdecken. Gott sei Dank, Prost ………… aber die Schmerzen? Ich leide ja nicht an Halluzinationen. Tja, Rücken und Hüfte und Becken sind im letzten Jahr weiter schlimmer geworden und irgendwie nicht mehr kompatibel. Scheiße, die Medikamente funktionieren auch nicht richtig und manchmal könnte ich irre werden weil jeder Schritt weh tut und nein, ich übertreibe nicht, ich meiner jeder. Was daran jetzt das Gute ist weiß ich noch nicht so genau aber vielleicht erhellt  mich ja irgendwann mal die Erkenntnis. Ich wäre jedenfalls dazu bereit. Natürlich kann man ja nicht nichts tun, also hab ich nachgedacht. Ich habe ja ein Laufband auf dem ich nicht mehr laufen kann weil ich nicht mehr laufen kann. Also hab ich auf den zweit wichtigsten Mann meines Lebens gehört und Laufband weg und ein Liege-Ergometer her. Das ist so geil und das Fahrrad fahren ist eine Bewegung, die meine Hüfte nicht wirklich übel nimmt. Okay, das Knie knirscht als ob man mit dem Auto über Kies fährt aber man kann ja nicht alles haben.

Natürlich bin ich absolut dankbar, dass es im Moment krebstechnisch ganz gut aussieht, die Knochenszinti habe ich ja noch erst demnächst – aber trotzdem machen mich die dauernden Schmerzen blöd im Kopf. Zu Fuß gehen ist der reine Horror, also mehr als 50 Meter, ist einfach so. Ich nerve nächste Woche erstmal wieder meinen Orthopäden und dann muss ich mal sehen wie weiter. Meine absolute Wunschvorstellung wäre mal zumindest ein Medi was funktioniert, nicht mit Nebenwirkungen so dass ich die Farbe meines Autos nicht mehr erkenne. Also eins was vielleicht sogar gegen die Rückenschmerzen UND die Nervenschmerzen zwischen Rücken, Arschbacke, Oberschenkel, Knie und Fuß wirkt. Ich hab demnächst Geburtstag. Das wünsche ich mir einfach mal. Also wenn einer ne Idee hat, herbei damit.

Ja, das ist im Moment so der Stand der Dinge zwischen Büro, homeoffice, Therapien und dem Leben überhaupt. Manchmal ist es echt nicht einfach, nicht nen Wutanfall oder sowas zu kriegen, also warum immer ich, ich will das nicht, ich will meine Unbefangenheit und mein grenzenloses Vertrauen in mich zurück……….. irgendwie höre ich gerade meine Mutter: das heißt nicht ich will, das heißt ich möchte.  Am Arsch Muttern, keine Zeit für Höflichkeiten, ich will.

Wenn man, okeee wenn ICH jetzt aber mal ehrlich bin, es ist doch Mist, wenn man nur immer alles negativ sieht. Das macht es nur noch schlimmer. Die Tage habe ich bei facebook die Aussage eines an ALS erkrankten Mannes gelesen und recht hat er: ich habe beschlossen glücklich zu sein, das ändert zwar an der Lage nichts, macht mich aber glücklicher. So isses. Und jetzt setz ich mich auf mein Fahrrad, radel so 10 km in Ruhe und schaue „Mein Leben mit 300 Kilo“ und schon bin ich glücklicher weil ich vor Schreck die Tüte Chips nicht aufmache, die ich vorhin gekauft habe. Man muss einfach ganz langsam anfangen.  Der Weg ist das Ziel.

Eine Geschichte über Leben und Tod…

…. oder besser, der momentane Inhalt meines Kopfes.

Wir werden alle sterben, das ist die Theorie und jeder weiß das. Man verdrängt es gerne und das ist auch eine gewisse Zeit gut so, denn man soll sein Leben genießen, glücklich sein, Spaß haben, wie heißt es so schön: lebe, liebe, lache. Das erste Mal, dass mir bewusst wurde, dass man tatsächlich stirbt ist lange her, damals war ich 12 oder 13 und im Internat und eines Tages war jemand morgens tot, den ich tags vorher noch gesehen habe. Hm …. das für mich einschneidende Erlebnis war allerdings Anfang der 90er als ein Freund von mir an AIDS verstorben ist, fast keiner ging ihn besuchen und das Krankenhaus hat sich so was von menschenverachtend gezeigt…….unglaublich…… jedenfalls dachte ich damals, niemand sollte alleine sterben und am besten auch Zuhause. So bin ich dann auch mal 2008 beim Hospiz gelandet. Ja, ich weiß, das ist nicht immer möglich……….. aber man sollte schauen, ob es nicht doch geht. Jeder wünscht sich wenn es mal soweit ist, nicht im Heim oder Krankenhaus sein zu müssen. Ich auch, das ist für mich auch die ultimative Horrorvorstellung. Und für mich ist es immer noch das Wichtigste im Leben was ich hingekriegt habe, dass meine Mutter Zuhause sein konnte.

Wenn ich was über das Sterben erzähle, dann hör ich immer, also das könnte ich nicht, das halte ich nicht aus usw.. Was genau hält man nicht aus oder kann nicht? Am Mittwoch und Donnerstag durfte ich mit jemandem, der wirklich einen ordentlich großen  Platz in meinem Herzen besetzt hat, ein Stück des Weges mitgehen. Und ja, es war natürlich furchtbar weil man es kommen sieht aber dennoch auch schön, da sein zu können und sich bewusst zu verabschieden. Gerade in der Familie ist es ein Mensch, den man lange kannte, liebte. Ja, es ist unschön zu sehen wie ein Mensch immer weniger wird, man kann und will es nicht glauben, nicht loslassen, weil es einfach weh tut. Wenn jemand stirbt, dann sieht er anders aus, riecht vielleicht anders, man ist hilflos weil man nichts machen kann ……  nein, man kann viel machen, da sein, es bequem machen, Hand halten, erzählen, Musik hören……. was auch immer.

Und man wird sich seiner eigenen Sterblichkeit auch nochmal brutal bewusst. Es zählt immer nur, ich muss schlank sein, gutaussehend, das Haar muss sitzen, die Fingernägel lackiert, ein Schmollmund für das Selfie auf instagram. Ich muss gefallen, was sollen die Leute denken…. . Und plötzlich ist das alles nicht mehr wichtig, das ist schon nicht so einfach. Man hat Angst vor Dingen, die man nicht kennt. Weil Sterben, darüber redet man nicht. Ich finde das so unverständlich, denn es trifft definitiv jeden von uns. Es ist ein natürlicher Prozeß, genau so wie das Leben beginnt. Darüber wird dauernd geredet, Bilder gemacht, erwartungsvoll begleitet. Warum nicht wenn jemand stirbt? Seit ich mich ein bisschen informiert habe, wie so ein Prozeß vor sich geht, habe ich keine Angst mehr davor und bin dankbar, dass ich die Gelegenheit habe, den Weg zu begleiten. Und insgeheim wünsche ich mir natürlich auch, dass auch mal jemand bei mir ist.

Natürlich fragt man sich wie das gehen soll, was ist mit Medikamenten, was ist wenn ich nicht weiter weiß, was ist, wenn ich dem körperlich oder psychisch nicht gewachsen bin? Dafür gibt es wirklich ein Netzwerk von Pflegedienst, Hospizdienst und vor allem Palliativdienst. Am Weltkrebstag bei einer Veranstaltung der Krebsberatungsstelle der DRK Kliniken Nordhessen, da haben die Psychologin und eine Palliativärztin eine Geschichte von Erika und Horst erzählt, die ich so perfekt umgesetzt finde, dass ich sie gerne weitergeben möchte, besser kann man es nicht erklären. Ich versuch mal die Kurzfassung in meinen Worten:

Stellt Dir vor, Du feierst gerade mit all den Menschen, die zu Dir gehören und plötzlich drehst Du Dich um und da steht Erika (Krebs). Erika ist nicht eingeladen und versucht die Party (Leben) zu sprengen. Du hast keine Chance sie rauszuwerfen, was machst Du? Du versuchst sie zu ignorieren, drehst Dich weg. Irgendwie ist der Spass weg, Du weißt, sie ist da und es macht Dich unruhig, wer weiß, was sie als nächstes macht? Und Du spürst ihre Blicke im Genick, alle sind angespannt, sogar Angst macht sich breit. Die Situation ist für alle belastend, denn jeder merkt, dass was nicht stimmt.  Und dann kommt Horst (Palliativdienst) dazu. Er erfasst die Situation und kümmert sich um Erika. Geht mit ihr in die Ecke, gibt ihr ein Glas Sekt und er gibt ihr zu verstehen, sie kann da bleiben, soll sich aber ruhig verhalten, er bringt ihr zwischendurch was zu essen und zu trinken. Dank Horst entspannt sich die Lage, der Fokus liegt erst mal wieder mehr auf der Party. Natürlich wird Erika die Party irgendwann sprengen, das kann auch Horst nicht verhindern. Aber die Zeit bis dahin ist entspannter, friedlicher……. angenehmer, wertvoll.   Genau so ist es. Ein Palli-Arzt ist nicht Dr.Tod. Er kümmerst sich nur um die Symptome der Erkrankung und kennt sich wesentlich besser aus mit Medikamenten, was zusammen geht, was nicht ……….. kann ein Hausarzt nicht leisten. Es gibt Pallipatienten, die über Jahre begleitet werden, immer neu eingestellt, niemand muss unter Schmerzen leiden.

Was ich mir wünschen würde…. traut Euch, informiert Euch, habt keine Angst. Scheiß drauf, dass das Pflegebett das halbe Wohnzimmer einnimmt. Dann liegen eben Krümel ein paar Tage auf dem Teppich, dann stapelt sich eben die Wäsche im Bad, dann wird der Urlaub eben mal gecancelt, die Jogginghose bleibt mal 3 Tage an…… Diese Zeit kann Euch keiner nehmen. Ich denke mittlerweile immer mit einem Lächeln an die Zeit mit meiner Mutter zurück. Es gibt mir ein gutes Gefühl. Überlegt einfach was geht und was nicht geht. Wenn man sich absolut nicht in der Lage fühlt, kein schlechtes Gewissen. Aber es ist so, die meiste Angst hat man vor Dingen, die man nicht kennt und nicht einschätzen kann. Wenn ich helfen kann….. immer gerne.

Ich bin dankbar, dass ich da war …….. und Ihr 4 Mädels, Ihr ward so toll. Ich denke, im Laufe der Zeit werden wir zusammen lächeln wenn wir uns erinnern.

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Auf dem Weg zur Post ……….

 

Jetzt haben wir wahrhaftig schon Ende Januar und es ist dauernd was Anneres. Das Jahresende habe ich mit Freunden mit einem wunderbaren Essen verbracht und anschließend dem ein oder anderen Glas Sekt. Ehrlich gesagt, in der Hoffnung, 2020 ist uns Allen freundlich gesinnt. Genau bei dem Gedanken explodierte draußen ein Böller, äußerst unheilschwanger.

Also 2019 war ………… völliger Kack eigentlich, dass man denkt, man könnte Jahre beeinflussen oder kann sich was wünschen, macht aber Spass. Im Dezember hab ich erst mal geschafftes Jahr 6 nach Doofkrebsdiagnose gefeiert. Die Zeit vergeht so schnell und natürlich finde ich das völlig geil, aber es macht auch irgendwie Angst, da es schon so lange gut geht. Man kriegt sie einfach nicht aus dem Kopf, sie wohnt irgendwo wo ein bisschen Platz ist, hat sich dort einen eigenen Hausstand eingerichtet und wenn Alles ruhig ist, dann geht die Haustür auf und ein munteres „Hallo“ hallt durch mein Resthirn. Ich bemühe mich dann immer, ganz freundlich zu sein. So geht es jedem von uns, ist manchmal anstrengend. Vor Allem nachts, denn nachts sind bekanntlich ja alle Katzen grau. So, das war der Jammerteil ………… obwohl ne, meine anderen Gebrechen haben auch das Recht, erwähnt zu werden. Im Dezember hatte ich wieder Mammografie und MRT von den Möppis. Alles gut, bei der MRT sagte der nette Helfer: wasn los, das wird ja immer ungeschmeidiger ………  ja, plazier dich mal ohne mit Arme auf einer MRT Liege auf den Bauch, mit Rücken- und Hüft-Aua. Ist gar nicht so einfach, zumal ich immer an Antje denken muss und mit Lachen ist es noch wackliger. Antje … das Walross  vom NDR Fernsehen, wir erinnern uns …….

Falls ich nicht gerade arbeiten war oder auf irgendeiner Therapeutenliege rumlag, ja da saß ich im Wartezimmer meines Hausarztes. Mittlerweile kann ich mit ihm über Medis sinnieren,  man denkt, ich sei vom Fach. Ich habe, glaube ich, alles was so auf dem Markt ist an Schmerzmitteln durchprobiert. Problem ist Rücken und Hüfte. Ich kann echt manchmal nicht mehr als eine Minute am Stück laufen, der Rücken bricht durch, das rechte Bein tut weh, incl. Nerv bis zum Fuß. Ich laufe in der Stellung wie Quasimodo, nur noch nicht so stark gekrümmt aber als Double wär ich der Renner. Abgesehen davon, dass Schmerzen doof in der Birne machen, behindert er mich auch und ich werde ab und zu mal echt ungehalten. Letztens beim Einkaufen. Mal abgesehen davon, dass eh Alles oben in den Regalen ist was ich will, unten wäre auch scheiße, finden Knie und Hüfte auch unpassend ………….. ja, ich weiß, ich kann jeden fragen, wenn ich scheiße drauf bin hab ich aber keinen Bock. Also Hals und Arm gestreckt und versucht, diese dämliche Tüte so anzustoßen, dass sie runterfällt, möglichst nicht auf den Boden oder in mein rechtes Auge, nein am besten auf die Möppis, dann kann ich mit dem Arm halten. Die ganze Zeit beobachtete mich eine Frau genau und ich dachte, wie gesagt scheiße drauf, ne, dich frag ich nicht. Von rechts kam ein junger Mann, mit Migrationshintergrund wie es so schön heißt, nahm das Ding runter, legte es ohne Worte in den Korb und ging weiter. Ich natürlich DANKE hinterhergebrüllt und in der Körperdrehung hatte ich Blickkontakt zu der Frau. Diese hat den fatal error begangen was zu sagen: Ich wusste nicht ob ich Ihnen helfen soll………. Tja, leider war ich scheiße drauf und antwortete: nun, Sie dachten sicher, ich spare das Geld fürs Fitnessstudio und sie wollten warten, bis ich hochgeklettert bin?  Jetzt bin ich eine unfreundliche Behinderte und sie fragt niemand mehr, das hätte sie nicht nötig. Na dann hab ich ja Glück gehabt. Normal bin ich aber eine echt nette Behinderte, das muss ich aber noch erwähnen.

Medis ……………… von Diclo, Ibu, Novalgin, Tramabian, Tilidin, Pregabalin …………. wie sie alle heißen, keins hat funktioniert. Also irgendwie schon, leichte bis mittlere Benebelung, Überlegung ob ich mich übergebe oder doch nicht, Schweißausbrüche ……… die haben schon was drauf. Seit gestern bin ich in der Testphase mit einen BTM. Palexia ….. im Moment habe ich das Gefühl, außer bissi schwindelig, das könnte vielleicht was werden. Wenn, dann wäre das ein Ding, was das Leben mal wieder echt irre hingekriegt hat.  Ich dachte sofort, es schließt sich der Kreis. Palexia ist ein Präparat von Chemie Grünenthal, dem Hersteller von Contergan. Man kann also sagen, das Leben beginnt und endet mit Grünenthal. Also nicht kurzfristig, irgendwann. Ich finde das ………………. gefühlt irgendwie stimmig, schräg, keine Ahnung. Ich war ein Contergankind, jetzt bin ich eine gestandene Frau, also eher sitzend, und was ich auf keinen Fall bin, ist mein Leben lang ein Opfer. Diese Wiese ist schon lange gemäht.

Was war denn noch, aaaaaaaaaaaaaahhhh, mein neues Auto. So geil, ich habe mehr Platz weil ich eine Lenkgabel am Lenkrad habe, einige Schalter in die Mittelkonsole verlegt wurden, die Servo so leicht geht, dass ich mich manchmal erschrecke und 150 PS. Es ist für mich leichter und bequemer und die Farbe tornadorot ist sowas von meins. Mittlerweile habe ich auch schon fast ein Jahr mein neues Auge, es fasziniert mich noch immer und ich bin extrem dankbar. Es gab also nicht nur Scheiß in 2019, es war ein durchwachsenes Jahr, das sind sie ja meistens, aber ey, ich wünsch mir so sehr, dass 2020 vor Allem mal gnädig ist mit den Menschen, die mir am Herzen liegen. Ich hab ja so gut wie keine Familie mehr, nur so plus minus meine Generation und da gibt es jemandem, der alle guten Wünschen gebrauchen kann.  Und dann ist wieder jemand in meiner Familie, mit dem, bzw. der ich durch die Widrigkeiten des Lebens, der Familien und was auch immer, seit 1997 kein Kontakt mehr hatte. Wir haben als Kinder ganz viel zusammen gemacht, z.B. ausgerüstet mit Essen morgens in den Wald abgezogen weil unsere Eltern doof waren und wir niiiiiiiiiiiiiemals wiederkommen würden. Damals konnte man definitiv noch allein in den Wald. Vorm ersten Treffen war mein Magen- und Darmtrakt etwas nervös, aber dann war sofort das vertraute Gefühl wieder da, obwohl wir beide in der Zwischenzeit nicht gerade wenig erlebt haben.  Ich bin wirklich glücklich darüber, das Leben ist so kurz, also seid nett zueinander.

Und natürlich hatte ich das Glück total tolle Menschen kennenzulernen, die unterschiedlicher nicht sein können und mit ihnen Fotos zu machen. Das war wirklich eine irre Erfahrung und ich liebe die Bilder.

 

 

Alles in Allem also mal ruhig und dankbar sein und sich freuen über Dinge, die gehen und nicht hadern mit Kram der durch ist. Theoretisch bin ich echt der Hammer, mal sehen wie es in echt läuft.

Halt, eine Sache noch, die ich demnächst in Angriff nehme. Ich gehe zum Schönheits-Doc. Nein, soviel Geld habe ich nicht um ne Altbausanierung hinzukriegen, aber ein bisschen Fett muss wohl dran glauben. Durch die entnommenen Lymphknoten auf der Krebsseite hab ich ja ein Lymphödem, was ja nun nicht gerade den Platz hat sich auszubreiten, also erinnert mich mein linker Arm irgendwie an nen gekochtes Eisbein, so formtechnisch, irgendwie rund und fett. Wenn ich nicht zur Lymphdrainage gehe, dann wird der immer dicker und steht richtig ab. Wäre ich mit einem Fahrrad unterwegs würde man wahrscheinlich denken, ich will links abbiegen. Ist auch mit dem drauf liegen doof. Aber wir haben hier einen renommierten Prof. der meint mir helfen zu können, in dem man vorne etwas Fett absaugt. Natürlich gaaaaanz vorsichtig, wie die Strukturen in so einem Conti-Arm aussehen, das weiß man ja nicht. Das ist der Plan und ich denke, ich trau mich mal, ist ja eh der Dekoarm.

Es wird also nicht langweilig und denkt dran, aufgegeben wird nur bei der Post.

 

 

 

Reisebericht für Fortgeschrittene …. oder, scheiße, da komm ich nicht ran.

Eigentlich wollte mich ja eine Freundin nach Metzingen begleiten, manchmal sagt aber das Leben am Vorabend gegen 18.00 hmmmm, passt mir jetzt doch nicht, bleib lieber da. Das ist nun mal so und da kann man nichts machen. War echt doof, wenn man zu irgendwelchen Leuten fährt, die man nicht kennt, die könnten einen allein schon töten und verscharren………. da ist man doch lieber zu zweit, ach Quatsch, ich bin schon groß und ich kann fragen wenn ich was brauche ….   aber trotzdem. Da es aber schon so spät war, hatte ich natürlich nicht die Möglichkeit, jemand Anderen zu organisieren und hatte kein Hotel gebucht, reicht ja auch kurzfristig. Also hab ich mich dann erst mal durch die Schlafangebote in M gegoogelt und festgestellt, das hätte ich lieber doch früher gemacht.

Als allein reisender Kurzarmer hat man da so gewisse Vorgaben. Zug fällt aus, ich kann nicht meinen Kram rumschleppen, nicht schnell genug umsteigen usw.. Also Auto, hatte Glück, keine Staus. Die Hotelrezeption muss durchgehend besetzt sein ….  warum? Na weil mich einer reinlassen muss. Es waren fast alle Hotels ausgebucht ……..  warum auch immer, Appartements, Wohnungen etc. hätte ich haufenweise kriegen können. Tja, da steh ich dann nachts allein vor einer Wohnung, Hotel oder was auch immer und kriege die Tür nicht auf. Ich kriege die meisten Türen nicht auf, denn man muss mit einer Hand am Griff oder Knauf ziehen und mit der anderen dann Schlüssel drehen ………. ich denke, man erkennt das Problem….  Ich hätte natürlich nen Taxi oder die 110 rufen können, äh, können Sie mal bitte aufschließen….    Gott sei Dank hab ich echt das letzte Zimmer erwischt in einem Hotel, war echt das letzte, denn ich musste ne Treppe hoch und da hat meine Hüfte keinen Bock drauf und als ich nach einem Aufzug fragte war die nette Dame sehr bemüht, ach hätten Sie beim buchen doch was geschrieben ….. tut mir leid, wir sind ausgebucht …. alles gut, ist ja nur der 1. Stock. Alles hingeschmissen, auf den Topf und los……

Natürlich machte sich eine gewisse Nervosität breit als ich zu dem Treffen ging, aber das war innerhalb von 0,2 Sekunden total weg. Ich wurde so freundlich, echt, ohne Berührungsängste begrüßt, dass ich mich gleich wohl gefühlt habe. Schaut Euch auf insta z.B. die Bilder von Vince Voltage, Lisa Rocketcock oder und die Seite von Ita Modelpage. Alle ein bisschen irre, aber ich habe die Hoffnung, dass auf der Welt noch nicht Alles verloren ist, solange es solche Menschen gibt. Nochmal danke für den tollen Abend. Und ich hab endlich mal ein Bild mit Make-up, cool …..

Na ja, irgendwann war ich dann zu später Stunde, dank Nachtportier, wieder im Hotel. Katzenwäsche, okay, bis Make-up weg war und dann noch ne Piccolo aus den Minibar und Alles gut.

So weit, so gut ……… bzw. hmmmm, duschen war nicht, eine riesen hohe Badewanne, okay, da wäre ich noch irgendwie rüber gekommen aber ich konnte nicht auf Dusche umstellen. Nicht genug Kraft. Ja natürlich hätte ich mir was anziehen können und an der Rezeption anrufen, äh, könnte mal jemand… aber echt, ne. Also wieder ans Waschbecken und so gut wie möglich die strategisch wichtigen Areale unter Wasser gesetzt. Geht auch, ist aber anstrengend. Egal, weiter ……. oh scheiße ………. nur ganz runde Tür- und Fenstergriffe. Okeeeeeeeee, wie mach ich das jetzt mit dem BH? Normalerweise über den Kopf und die Möppis mit dem Fuß ziehen, dann hinter in Türklinke einhaken und rumzappeln bis Alles da sitzt wo es soll. Nun das klappte nicht. Hab soweit es ging gezogen und gezappelt, alles ein bisschen verdreht, reichte aber fürs Frühstück. Da sind die Leute echt immer nett, so dass ich alles gebracht bekam.

Nach der Hälfte der Rückfahrt bin ich dann entnervt aufs Klo an einer Raststätte und hab den BH entsorgt, das Teil hat überall gedrückt weils verdreht war, natürlich bevorzugt auf die Narben, is klar. Dann ist es eben so, dann sagen die Leute, sollte ich einen Unfall haben, ey, die ist nur halb ordentlich gewaschen und nen BH könnte sie auch tragen. Mir egal, kenn ich die Leute ………nö.

Fazit: Geht doch, Wasser und BHs sind völlig überbewertet. War ne geile Fahrt. Aber ich gebe schon zu, das nächste Mal beweg ich mich nicht so weit aus meiner Komfortzone. Man wird ja schließlich älter und bequemer ………

Ich hoffe nur, ich werde nicht so schnell dement und vergesse, auf was ich Alles achten muss. Also hofft mit, in Eurem eigenen Interesse, denn sonst muss das nächste Mal einer von Euch mit.

Making-of Fotoshooting Vince Voltage

Making-of … 13.11.2019 Fotoshooting Vince Voltage in Metzingen #ita_modelpage

 

Was hat der Krebs mit mir gemacht? Klar, mich verändert, mir Angst gemacht, mich manchmal an meine Grenzen gebracht und Vieles mehr…… aber er hat mich auch mutiger gemacht, mich einfach mal aus meiner Komfortzone zu bewegen, zu polarisieren und keine Angst vor der Meinung anderer Menschen zu haben. Ich muss niemandem mehr gefallen. Ich muss abends im Bett liegen und grinsen und denken: das war ja mal ein toller Tag. Einen solchen Tag hatte ich am Mittwoch Dank ein paar klasse Menschen, die auch polarisieren … aber, normal kann jeder, dazu hab ich keine Zeit mehr!

 

 

 

 

Durcheinander

Also in den letzten Wochen läuft irgendwie wieder Alles quer ….  oder auch nicht, keine Ahnung. Ich habe das Gefühl die Zeit hat auch Stress und rennt vor mir fort. Leider komme ich nicht mehr hinterher, denn meine Hüfte, Knie und Rücken machen echt doof. Dh., dass mein Schmerzmittelkonsum ansteigt und meine Leber eher auf dem absteigenden Ast ist. Mal sehen, wer gewinnt. Jetzt muss ich mir auch noch merken, wann ich wo wie lange zu Fuß hin will, damit ich mir rechtzeitig ne Dröhnung verpasse. Meistens verpasse ich das rechtzeitige Einnehmen. Mein armer Osteopath muss sich mein Gemecker dauernd anhören, wenn ich sage, es tut weh, dann kommt ein freundliches: ja ja, ich weiß. Ja ich auch. Dann das freundliche: ich weiß eh nicht wie der Körper das die ganzen Jahre hingekriegt hat. Toll, wer will das wissen? Ich will wissen wie das weiter geht. Ja eher langsamer und mit mehr Aua. Von neuer Hüfte krieg ich weiterhin abgeraten, er meint, da ich das Bein ja zum rechts ausklappen brauch wäre der Aufwand zu groß, das würde ich einmal machen, dann springt die Kugel aus der Pfanne, das Bein bleibt in der Position stehen und dann ham wa den Salat. Na dann ………… wie sagte der von mir sehr geschätzte Frank Elstner die Tage über seine Parkinsonerkrankung: na dann zitter ich eben. Recht hat er, na dann jammer und humpel ich eben …..

Eigentlich lief es soweit ganz gut, wenn auch langsam und dann stirbt plötzlich jemand, die eigentlich so das Erfolgsvorbild war, mehrfach Krebs über lange Jahre und dann macht des buff und das war es. Abgesehen davon, dass sie eine ganz tolle Frau war und viel bei der Allianz gegen Brustkrebs für uns Alle getan hat, man denkt sofort, scheiße, du kannst dir keine Minute sicher sein, irgendwann auch wenn du schon vergessen hast, dass du Krebs hattest, irgendwann erwischt dich das Drecksbiest. Mal ehrlich, wir denken doch Alle, ne wir sterben daran nicht. Hat nichts mit Hoffnung oder so zu tun, ich glaube, das ist der angeborene Verdrängungsmechanismus. Also war erst mal nen kurzer mentaler Absturz angesagt. Um da wieder rauszukommen dachte ich, okay, wenn nicht jetzt wann dann und ging schnurstracks zu der Autoverkäuferin meines Vertrauens und sagte: Hallo, ich hab vor ner Stunde beschlossen, ich brauch nen neues Auto. Der Fairness halber ……….. ich hatte eh schon drüber nachgedacht, allerdings erst für 2020.  2020 !!!!!  Da kann ich schon längst in den ewigen Jagdgründen sein. Ich will jetzt sofort und laut und auffällig, ich lebe noch. Da passt es prima, dass das Auto in der wunderschönen Farbe tornadorot zu kriegen ist. Ja, das bin ist, fett rot und überhaupt. So schnell hab ich noch nie ein Auto gekauft. Meine Tante Hilla sagte immer: Kind, wenn du was haben möchtest und es dir leisten kannst, dann mach es einfach. Und wenn du morgen früh tot aufwachst, dann hattest du einen Abend Spass dran. Tja, meine Patentante hatte es drauf. Abgesehen davon machen meine Gebrechen ein wenig mehr Technik notwendig und ein altes Auto umrüsten bringt es nicht. Jedenfalls bekomme ich Ende November ein neues Auto und freu mich einfach mal. Und es wird den Namen meines Vorbildes bekommen. Mein jetziger heißt Dicker, ist ja auch nicht so nett.

Was mich immer wieder erschreckt  …………  mein Körper und mein Hirn können sich ohne Probleme komplett voneinander lösen. Ich hab da gar kein Mitspracherecht. Wie schon mehrfach erwähnt, ich sehe ja nur auf meinem, im Februar operierten rechten Auge. Ich dachte letztens immer mal, ey, irgendwie ist da ein Störgefühl, zu trocken … was weiß ich. Letzte Woche dann wollte ich mir dann ne Linse ins Auge zwirbeln, dazu brauch ich meinen linken Fuß, am besten nen Teelöffel und ruhige Finger, klingt nach: hä ??? klappt aber gut. Ich klappe also das Unterlid um und seh da eine Verdickung. Ich hätte jetzt Tumor gesagt, hab aber rausgefunden, dass dann jeder Schnappatmung kriegt, weil Tumor gleich Krebs, was ja nicht stimmt aber jeder denkt. Fehler Nummer eins: ich habe gegoogelt, natürlich mit Bilder, alle Fotos, egal ob gut- oder bösartige Tumore, alle sahen aus wie meiner, der hier vielleicht von der Farbe, der von der Form usw.. Aber wir machen uns ja nicht hysterisch ….. nein, es ist ein Gerstenkorn oder weiß der Geier, alles gut, in 2 Wochen hast du eh Augenarzttermin, das reicht. Schluss jetzt, reiß dich zusammen. Gesagt, getan, ging den ganzen Tag gut aber dann kommt die böse dunkle Nacht und ich spürte schon die Anwesenheit der sich reibenden Hände: leg dich erst mal hin, dich kriegen wir schon. Okay, zwei Gläser Wein später und nachts so gegen 3 hatten sie mich dann:  so, du denkst also es ist nichts Schlimmes? Ist ja ganz schön mutig. Du weißt, wenn das rausoperiert werden muss, dann kommt da ein Verband drauf und du kannst gar nichts mehr sehen, Ha, das wird lustig.  Und wenn es wieder Krebs ist …….. haste gelitten, tja, ist ja auch Pech, gerade das Auge, an dem anderen Auge wärs ja nicht jetzt son Stress, so in der Art und noch weiter …………. du solltest mal zum Arzt. Nachdem ich das dann zwei anderen Leuten gezeigt habe und die auch meinten, ey, geh zum Arzt dachte ich dann, nein, du bist schon groß, jetzt ist es aber gut, warte bis zum Termin und hör jetzt auf wie ein Baby zu machen. Mehrere Unkonzentriertheiten und Durchfälle später hatte ich mich kleingekriegt und erst mal Hautarzt angerufen, ne, nicht da, erst nach Ferien, kriegen dann gleich Termin, nein, bei dem Anderen nix frei……….  Augenärztin angerufen. Problem geschildert, ich gleich gesagt, ich weiß, es ist kein Notfall aber …..  okay, kommen Sie um 14.40 Uhr, geil………  meine Dankbarkeit kannte keine Grenzen. Ich also hin und musste echt nur kurz warten und dachte so, was ist jetzt wenn die sagt, oh, das sieht nicht gut aus……….  das ist echt nicht das primäre Problem. Ich kann mit einer Diagnose leben, nicht nur, weil ich es muss, was ich nicht mehr kann ist warten. Es ist unerträglich. Liebe Ärzte, ich weiß, Krebs ist keine Akuterkrankung, ich habe lange genug in der Branche Staub geputzt, wie meine Mutter immer sagte, aber Ihr wisst nicht, was einen das kostet zu warten, zumal, wenn man schon einmal Krebs hatte. Es ging in meinem Fall auch nicht um Untersuchungen, nur einmal draufschauen und Meinung abgeben. Das dauert keine Minute. Ich wäre auch entspannter mit Diagnose: oh gewesen, nicht zu wissen was ist, ist tödlich. Die Zeit könnt  Ihr bitte dazwischenschieben. Also zu 95 bis 99 Prozent ist das Ding bei mir gutartig doof, aber trotzdem, mein Darm interessiert sich nur für Antworten. Aber ich bin der Frau unendlich dankbar, sie sagte, klar, ich verstehe sie total.

Schluss mit dem Scheiß, ich hatte ein total tolles Erlebnis. Ich durfte den Fotografen Pierre Steinhauer aus Wuppertal kennen lernen. pierre-steinhauer.de. Es ging eigentlich um Krebs, er fand aber schlussendlich, Contergan sei das Thema des Tages und machte, mich absolut berührende Schwarzweißfotos. Ich fand mich in denen sowas von wieder ……. es ist unglaublich wie sehr er mich gesehen hat, also mich. Und ich mich. Momentan hab ich die nur auf meiner Facebook Seite da ich ja technisch begabt bin wie Toastbrot. Ich habe jetzt aber eine ganz liebe Freundin, die diesen blog ein bisschen schöner macht und das mit den Bildern kann und ich hoffe, sie sind hier bald zu sehen. Nicht, dass ich dich jetzt irgendwie unter Druck setzen will ………… nein, mach langsam.

Tja, es ist wie es ist ………….. hoffentlich ist es noch lange.

Nachtrag:
Hier nun die Fotos Fotoshooting bei Pierre Steinhauer

Resilienzen

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Resilienzen ………… irgendwie haut damit gerade jeder rum. Die Fähigkeit, psychische Widerstandskraft, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überwinden. Oder kurz gesagt: Kacke in Gold umwandeln. Irgendwie hatte meine Resilienz die Fähre von Oslo nach Kiel verpasst. Aber es war ein echt geiler Urlaub. Ich habe Bekanntschaft gemacht mit Körperteilen und Knochen, von denen ich bislang nicht wusste, wozu genau ich die habe. Über 6200 km mit dem Bus durch Schweden, Finnland, Lappland zum Nordkap und links wieder runter durch Norwegen und die Lofoten. Ganz ganz toll. Ehrlich, ich hab vorher nicht gewusst ob ich das schaffe, also mein Fahrgestell. Bus raus … rein, gucken, staunen, freuen, jeden Abend ein anderes Hotel, Tasche oder Koffer rein … raus. Die Hymne, die Beppo (Reiseplaner, bester Busfahrer ever etc.) jeden Tag laut spielte: Dieser Weg wird kein leichter sein ………. , der Titel war Programm. Jedenfalls mit ohne Arme gibt es da ein paar Dinge zu bedenken, vor Allem die Klos. Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist ……….. und dann unterwegs Klos zu klein, zu eng, zu dreckig, zu was weiß ich. Also habe ich erst mal getestet ob ich noch unten dicht bin. Ich bin echt nur morgens und abends in den jeweiligen Hotels aufs Klo. Das hatte ich früher perfektioniert, dass das im Alter noch funktioniert ………  cool, also hat die Schwerkraft meine Blase noch nicht erreicht. Und ich danke dem zuständigen Gott, dass er mich nicht mit Durchfall beschenkt hat.  Dann die Hotelzimmer, musste Heidrun immer erst bei mir mit gucken, die Handtücher im Bad liegen zu hoch, die Brause in der Dusche hängt zu hoch, wenn ich Pech hab krieg ich die Tür nicht alleine auf. Alles son Kleinkram. Aber Deutschland ist meilenweit entfernt von den Ländern. Überall Behindertentoiletten, alles barrierefrei. Ich hätte echt aufs Klo gekonnt …. aber mit so was will ich erst gar nicht anfangen.  Meine Hüfte, das Knie und der Fuß und der Rücken haben jeden morgen zum Frühstück eine Diclo100 Retard bekommen. Dazu ein paar mahnende Worte: ey Leute, 14 Tage mal Klappe halten muss drin sein. Und wahrhaftig, ich bin zwar immer noch gehumpelt, oder heißt das habe? egal, aber ohne dolle Schmerzen. Körper und Seele vereint, yeah, geht doch. Allerdings bin ich in Flip-Flops durch die Gegend, mein rechter Fuß war abends so dick, unglaublich, wie nen Elefantenfuß. Zur Entschädigung gabs dann abends immer den einen oder anderen Wein. Ich bin so stolz auf mich, dass ich mich das getraut habe, ich hab immer erst die große Fresse, klar, mach ich, gar kein Problem. Nach einmal drüber schlafen: geht’s noch, denk mal vorher nach. Aber ich wollte das unbedingt sehen und in ein paar Jahren schaff ich das nicht mehr. Also mitnehmen was geht und wenn ich in Zukunft mal lassen würde was eigentlich nicht geht, da wäre ich mir echt dankbar.

 

 

Das coole an der Reise war auch, in meinem Kopf war nur Platz für die einzelnen Tage, keine blöden Gedanken, einfach mal Müll aus dem Kopf und nur Bilder des Tages rein. Und ich habe gelernt, keine Kreuzfahrt, never, ever. Die Color Line ist 20 Stunden von Oslo nach Kiel geschippert, ich spüre jede einzelne Welle, ich schwöre es. Ich hasse es, wenn meine Füße keinen festen Untergrund haben. Nix für mich. Der Kracher war aber eine 3 Stunden Fähre auf den Lofoten. Mit Seegang, na prima. Irgendwer sagte ich sollte was essen, damit meine Gesichtsfarbe sich wieder normalisiert. Es hat geschwankt, so dass die Langarmer sich überall festhielten und trotzdem bei Mitpassagieren auf dem Schoß landeten. Jetzt musste ich aber mit zum Essen holen, ich war die mit Kreditkarte am Mann ……  also erst angepeilt wohin und dann los. Ich kam mir vor, wie beim Dreh zu Dinner for one, ich war besser als der Butler von Miss Sofie, vor, rechts, zurück, links ….. alle, auf die ich zugeschossen kam gingen in Deckung. Arsch lecken, ich kam durch. Hat mir mehrere Daumen hoch mit breitem Lächeln eingebracht. Trotzdem neeeeee.

 

Wieder daheim dachte ich, so, nun ist Schluss mit Doping. Keine Diclo mehr, mein Magen und die Leber sind eh schon .

 

… na ja. Meine Fresse, es geht gerade fast nix mehr, mir tut Alles weh, echt Alles, ich kann mich nicht gerade machen, meine Hüfte sticht und der Fuß. Ich hab mir wahrhaftig bislang nicht klar gemacht, wie schlimm es wirklich ist. Irgendwann trifft dich die Erkenntnis, das bleibt so, das wird von allein nicht besser. Mich meistens nachts um 3 auf dem Klo. Nachts sind die Dämonen ja eh größer und lauter. Ich war echt seit langem mal wieder an dem Punkt, ne, ich hab keine Lust mehr. Ich will kleine Schmerzen mehr, ich will keine Kollateralschäden, ich will nicht immer beobachten müssen ob sich die bekannten Schmerzen nur verschlimmern oder ob da die eine oder andere Metastase hinter steckt. Nein, ich bin nicht glücklich, dass es schon so lange gut geht, es macht mir Angst. Gott sei Dank hatte meine Resilienz die nächste Fähre genommen und war pünktlich zur Krise daheim. Jetzt ist es aber gut …. es ist wie es ist, mach das Beste draus und hör um Himmels Willen mit dem Gejammer auf. Ja, is ja gut, aber ein bisschen rumgrummeln die Tage muss noch drin sein. Und ich muss mich unbedingt mit dem Thema Medikamente befassen. Ich habe alle gängigen Mittel ausprobiert. Es gibt ja auch genug Warnungen bei Langzeiteinnahme. Herzinfarkte, Schlaganfälle. Trotzdem, was ich Alles verschrieben kriege….. eigentlich dürfte das nicht sein. Außerdem gibt es da noch ein Problem, was natürlich auch keinen interessiert. Es sterben in den letzten Monaten irgendwie mehrere von uns Contis. Und es ist ein Streit entbrannt aufgrund der Gefäßschäden. Da soll jetzt nen Haufen Kohle rausgeschmissen werden, wir machen mal ne Studie …….. das Thalidomid Gefäße schädigt ist ja nun nicht neu. Beim Port legen war das für meinen doc wie Fischen im trüben Wasser, er schaute immer auf das Ultraschallgerät und sagte: hm, hier nicht, ach, hier geht’s weiter, ist ja interessant, ne, so geht das nicht…. hat echt gedauert einen Weg zu finden, das Teil da ordentlich einzubauen. Dabei kann ich dem noch die Füße küssen, dass er von selber auf die Idee kam zu schauen vorher. Ich werde mich mit dem Thema Cannabis beschäftigen. Auch wenn die Reaktion meines Arztes erst mal war: man muss sich ja nicht immer gleich auf Alles was neu ist stürzen. Doch, muss ich zur Not. Ich fühle mich wie auf ner Landmine, die jederzeit hoch gehen kann und wen ich darauf warte, dass sich einer um meine Gesundheit kümmert, na dann werde ich doch 200. Ich hasse diese Nebenkriegsschauplätze. Ich hab manchmal keine Lust auf diese ewigen Diskussionen.

 

 

Aber dann: Auftritt Resilienz. So, wir trinken jetzt nen Gläschen und überlegen uns wie wir was ändern können. Ich bin ganz schön froh, dass ich sie habe. Ich gebs zu. Wir stoßen heute Abend nochmal auf Moritz an, der am 6. mit 14 Jahren verstorben ist an diesen verdammten Krebs. Es ist so ungerecht und es mach mich demütigt, dass ich schon so lange Zeit seit Diagnose habe. Vor allem aber macht es mich wütend. Wut setzt Energie frei, dass wiederum ist Nahrung für meine Resilienz, irgendwie hängt Alles zusammen.

Ich hoffe, Ihr habt auch eine Resilienz, pflegt sie, sie ist echt wertvoll.

Andere Sichtweise

So, nach einer gefühlten Ewigkeit hab ich dann auch mal wieder Zeit und vor allem ….. einen komplett neuen Durchblick. Das ist soooooooooooooo geil. Obwohl, es hat mich Jahre meines Lebens gekostet und ich hatte noch nie vorher vor ner OP so ne Angst. Jedenfalls musste ich mich mal trauen, mein einzig sehendes Auge wieder richtig sehend zu machen. Mittlerweile lag ich ja bei minus 15 Dioptrien. Im Worten: minus fünfzehn. Sie sehen, dass Sie nichts sehen ……….und das mit nur einem Auge …..  war echt grenzwertig. Muss ich leider zugeben. Die letzten 3 Dioptrien hat mir die Chemo beschert, dazu dachte der graue Star, ups, die ist ja auch langsam Ende 50, da will ich auch hin. Mit Brille und auch mit Kontaktlinse kam ich nicht mehr klar. Also Plan neue Linse. Dadurch, dass mein linkes, seit Geburt und dank Contergan, Auge nicht nur nichts Ordentliches sieht sondern auch noch blöd rumschielt, war der Plan, wir lassen so eine Kurzsichtigkeit von so 1,5 bis 2 Dioptrien und ich krieg dann ne neue Gleitsichtbrille. Ohne Brille seh ich aus, als wenn ich aus irgendeiner geschlossenen Abteilung abgehauen bin.  Also OP. Da ich ja mittlerweile die absolute Krankenhauskrise habe, habe ich mich dann, renitent wie ich nun mal bin, ambulant operieren lassen. Es gab kurz Stress als ich gehen wollte, aber da ich ja hell und dunkel unterscheiden kann, hab ich mich an den blauen Anorak meiner Freundin blickmäßig geheftet und hinterher. Es sind uns auch alle schön aus dem Weg gegangen. Dringend lobend erwähnen muss ich eine der Schwestern. Es gab ne Kurznarkose um das Auge betäuben zu können, natürlich hatte mein Hausdoc mir früh morgens den Port angestochen,  im Krankenhaus hätte das nicht funktioniert, hä??? Okay, keinen Kommentar. Jedenfalls erzählte ich der Schwester von meinem Problem mit Anästhesisten, die immer die Krise beim Blutdruck an meinem Bein kriegen und Alarm schreien………… die war so cool, die rief den Arzt und sagte: hör hier mal zu, die Patientin kennt sich am besten, wir machen wie sie es sagt. Geil…… und so ging es, egal was gepiept hat wurde ausgestellt und Alle waren glücklich.

Jedenfalls sagte der Arzt, heute Abend könnte ich ev. schon sehen was ich sehe. Aber der Verband müsse draufbleiben bis zum nächsten Tag. Nach einem Umweg zum Hähnchen kaufen, nach Narkosen muss ich immer sooooofort essen, hab ich mich echt zuhause geruht, kein Kopf runter etc…. Ich versuch mal zu beschreiben, was man mit minus 15 sieht: eigentlich nur was, wenns genau auf dem Auge hängt. Ansonsten nur wie durch eine dicke Milchglasscheibe. Mit Brille war die Welt dann komprimiert, alles irgendwie klein, natürlich für mich normal, ich kenn ja erst jetzt den Unterschied. Also natürlich, neugierig wäre jeder…………….. ich lag im Bett, „hörte“ Fernsehen und hab gaaanz vorsichtig den Verband an der unteren Seite gelockert, Auge aus Angst zugelassen, also Angst nichts mehr sehen zu können, und dann bei 3 Auge auf. 1 ….  2 …. 3 ..fast ist mir das Herz stehengblieben. Es war so unglaublich, der Fernseher sprang mich an, das ganze Leben größer, dichter an mir dran, bunter, heller und vor allem klar. Man kann es nicht verstehen wenn man es nicht kennt. Ich bin dann ins Wohnzimmer, hab rausgeschaut und bin nen Schritt zurück, es war so groß und nah und klar vor allem.

Es hat echt ein paar Wochen gedauert, bis mein Hirn das intern umgebaut hat. Das hat meinen rechten Außenspiegel und den Pfeiler in der Tiefgarage ein paar Kratzer gekostet, auch egal, aber es hat echt gedauert. Beim ersten Mal Auto fahren, es gab nur Gehupe. Ich hab nie grün mitgekriegt, übrigens grün und rot sind ja echt fett grün und rot, ich hab immer geschaut was ich alles sehen und lesen kann. Wie Alice im Wunderland. Und wenn ich draußen rumgelaufen bin, ich hab Sachen genau gesehen, bin mit offenem Mund stehengeblieben, bis ich merke, die Leute guckten: oh die Arme…..keine Arme und im Kopf stimmts wohl auch nicht. Egal, einfach geil. Das Ganze ist jetzt 9 Wochen her und ich kann mir fast nicht mehr vorstellen, wie es vorher war. Schade, dass das meine Mutter nicht mehr erlebt hat, die hätte sich ein zweites Loch in den Hintern gefreut.

Bekanntlich liegt der Teufel manchmal im Detail. Irgendwie sind meine Arme ein bisschen zu kurz, dh. wär ich Langarmer, dann könnte ich problemlos das Handy in der Hand halten und lesen. Auf halbem Weg ist das nicht optimal. Aber……….. gut für den Rücken. Wenn ich es auf den Tisch lege und mich gerade hinsetze, dann ist es perfekt. Ich bin gespannt, ich war die Tage zum neue Brille ausmessen und kann es kaum abwarten was ich mit Gleitsicht wann wie wo oder auch nicht sehen kann.

Apropos Rücken……….ja, diese Baustelle nervt mehr und mehr. Oder ist es die Hüfte oder das Knie oder die Füße oder was weiß ich. Zwischenzeitlich hab ich mir 2 PRTs gegönnt. Das ist das mit im CT liegen und der doc versucht anhand der Bilder mit der Spritze exakt den Nerv zu treffen. Soweit die Theorie. In der Praxis klappt das bei mir nicht wirklich. Liegt nicht an dem tollen doc sondern an meiner rotationsskolioseverdrehten Wirbelsäule. Dh. die ist im Weg und er kommt nicht richtig dran. Allerdings ein bisschen wohl, die Nervenschmerzen sind kurzzeitig etwas weg. Sind sie da kann ich nicht ohne Schmerzen sitzen, liegen oder sogar schlafen. Das macht einen echt im Hirn weich. Dazu die Hüfte. Ich lahme wie ein totes Pferd. Jeder Schritt tut weh. Als 1. wurde mal Knochenszintigrafie gemacht. Mein Brustkrebs steht auf Knochenmetas, da ist man immer mal gut beraten nachzusehen. Mein Hirn sagte, wenn es so ist, dann ist es eben so. Als die doc bei der Besprechung sagte: hm, hier leuchtet es schon sehr, da müssen wir noch mal genauer schauen ….  sagte mein Darmtrakt: ich glaube ich kack mir in die Hose, der Puls sagte: okay, ich beschleunige… irre, Körper und Geist bei mir können sich irgendwie nicht leiden und machen was sie wollen. Jedenfalls bin ich in ner Radiologie, die Krebsis möglichst nicht warten lassen und so konnte ich gleich runter ins CT. Es ist erstaunlich, was einem so alles durch den Kopf geht. Irgendwie auch gar nichts. Es passiert dauernd so vielen von uns, warum mir nicht. Aber warum doch? Was mach ich ? Irgendwie aber ist der Kopf leer. Diesmal hatte ich Glück. Aber komischerweise stand ich so unter Spannung, richtige Freude kam erst mal nicht auf. Eine weitere MRT hat dann gezeigt, die Hüfte ist komplett fertig. Aber mit einem neuem Gelenk könnte ich viele Dinge nicht mehr alleine, also Schmerzmittel. Darüber muss ich noch ein ausführliches Gespräch mit meiner Leber führen. Die hat ihre besten Zeiten seit Chemo und Aromatasehemmer auch hinter sich. Und den einen und anderen Sekt, Aperol oder Lillet muss sie ja auch dauernd abarbeiten. Die arme ……….. aber ich esse und trinke was ich mag, das ist meine Lebensqualität und wird es dadurch eben ein paar Wochen kürzer….. so what.

Alles in Allem also der normale Wahnsinn der letzten Wochen. Manchmal könnte ich den Krebs vergessen aber es wird einem immer wieder bewusst, dass man bislang Glück hatte ….. wenn, ja wenn wieder plötzlich Menschen sterben die du kennst oder mit denen du Kontakt über die sozialen Netzwerke hast. Dann ist der Verdrängungsmodus wieder auf standby und es zieht im Magen. War leider dieses Jahr schon öfter.

Das Leben ist wie es ist ………… obwohl ehrlich ..  es ist seit der Augen-OP nicht unbedingt schöner geworden….. ich seh dauernd Dreck …. und Falten und ………… manchmal denke ich: Alter, hast du schon immer so ausgesehen ……… natürlich auch wenn ich in den Spiegel schaue…………. es ist eben wie es ist.

Frohe Ostern!