O Sole mio

Ey, wochenlang zermartere ich mir mein Resthirn, also das, was die Chemo überlebt hat um endlich mal eine Entscheidung zu treffen. Setze ich den Aromatasemistdinghemmer ab oder leide ich weiter, mehr oder weniger still vor mich hin? Da gibt es ja tausend Dinge zu bedenken. Die Hälfte dafür, die andere Hälfte dagegen. Ich hasse es, Entscheidungen zu treffen, das Blöde daran ist, man kann hinterher niemanden die Schuld geben. Also habe ich mit mir mal eine kleine Diskussion gestartet: Also liebe Sabine, ist es denn wirklich so schlimm, kannst du denn nicht mal den Hintern zusammenkneifen und aufhören, wie ein Mädchen zu machen? Sooooo schlimm ist es doch bestimmt gar nicht. Doch, es ist sogar schlimmer: ich kann mich kaum alleine anziehen, es dauert gefühlte Stunden, alles fällt mir runter, wenn ich auf dem Klo sitze und will mir den Hintern abputzen, die Turnübung ist Olympiareif. Aber das Schlimmste ist mein einzig sehendes Auge, das wird von Woche zu Woche schlechter………… ich bewege mich wie 85, die PNP in den Zehen ist schlimmer geworden, ich hasse mein Leben, es ist so furchtbar. Ja, is ja gut, nun heul mal nicht gleich rum und stell dich nicht so an, schließlich hattest du auch Chemo, bist mittlerweile ziemlich alt und undankbar, du könntest tot sein. Was nen scheiß Argument, ist auch schwierig zu widerlegen. Und das Beste kommt zum Schluss: Wenn du das nicht nimmst bekommst du ein Rezidiv, ha !!!! Treffer, versenkt.
Mooooooooooooooment, meine Liebe, zeig mir mal wo das steht, dass das Zeug wirklich einen Rückfall verhindert, na? Wo denn, lese ich nicht von Mitkriegerinnen, denen das genauso passiert ist? Und was ist mit der Osteoporose? Ist ja wohl erwiesen, dass die Knochen blöd machen durch das Zeug. Was ist, wenn ich falle und mir was breche??? Dann bin ich erstmal ein kompletter Pflegefall, ganz tolle Idee. Und dann krieg ich bestimmt nen Rezidiv oder neuen Doofkrebs und habe mir umsonst das Bein gebrochen…….. hör mir auf. Okay, Waffenstillstand.
Ich bin schon groß, treffe seit Ewigkeiten meine Entscheidungen für mich und reiß mich jetzt mal zusammen. Ich will das nicht mehr nehmen. Punkt aus. Ha, ich bin stolz auf mich, das zieh ich jetzt durch (oh Gott, hoffentlich geht das gut) und sage meiner Ärztin, bis hier und nicht weiter. Ich lasse mich durch nichts mehr beeinflussen, egal was sie vorbringen sollte, nein, ich habe mich jetzt entschieden und Ruhe ist. Ey, ich bin so mutig. Bis ca. 3 Uhr in der Nacht, da musste ich aufs Klo und prompt kamen so kleine gemeine Gedanken angeschlichen. Also, wir wollen ja nicht unken, und es ist echt cool, dass du dich entschieden hast, aber ich würde es mir ewig vorwerfen, wenn dann was käme. Ganz toll, danke, es kann aber auch so was kommen. Ja, aber dann kannste sagen, ich hab alles versucht. Aber okay, du hast dich entschieden, es war ja nur so ne Idee. Is klar, die Nacht war gelaufen, aber das Fernsehprogramm war okay. Ich liebe die alten Folgen von Autopsie.
Nach gefühlten Monaten hatte ich dann jetzt endlich gestern einen Termin im Brustzentrum bei meiner, mein volles Vertrauen besitzender, Frau Dr. Schmatloch. Ich war sowas von vorbereitet, alle Gegenargumente, die ich mühevoll in schlaflosen Nächten gesammelt hatte, waren bereit zum Abruf. Also sage ich: äh, ich hätte da mal ne Entscheidung getroffen, ich habe vor ner guten Woche die Aromatasehemmer abgesetzt weil: alle Argumente……….mit Begründung………….. ich fand mich völlig überzeugend. Also ausatmen und warten auf den Gegenschlag…………..
Die Antwort kam in ihrer unnachahmlichen freundlichen Art: SOLE ! Hä? Sie hätte sich gerade noch mal mit einer neueren Studie befasst und da brauchte ich mir jetzt mal gerade nicht so den Kopf machen. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied macht, ob man das Zeug 12 Monate durch nimmt oder nur 9 Monate und 3 pausiert und dann wieder 9 usw.. Und das würde ja prima passen, Ende Januar muss ich ja eh wiederkommen, dann sollte ich bis dahin mal auf Veränderungen schauen und dann sehen wir weiter ob ich wieder anfange. Vielleicht würde ich ja auch feststellen, dass das arme Zeug unschuldig ist und es einfach meine Ohnarmer-Folgeschäden sind. Wer weiß, wer weiß. Ob sie sonst noch was für mich tun könnte? Nö, ich war erstmal verwirrt und sprachlos. Da investierst du gefühlte hunderte Stunden an Hirnaktivität und dann kommt SOLE und sagt: hättest ja mal früher was sagen können.
Mannnnnn, ich sags immer wieder, für den Scheiß musste kerngesund sein und ne Herzkrankheit wäre auch schlecht. Also oft krieg ich so ne Nummer auch nicht klar.

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Etwas über 2 Stunden

So, jetzt hatte ich ja einen Tag in der Radiologie. Also ich finde es ja besser alles hintereinander abzuarbeiten, statt dauernd wieder hin. Oder, kurz gesagt, lieber nur einmal Durchfall statt öfter. Es hat mich gewundert, dass mein Darm ziemlich zurückhaltend war. Diesmal hat es mich erst hinterher erwischt, auch ne neue Erfahrung. Jedenfalls war es ein langer Tag, um 9 bin ich bei meiner Frauenärztin aufgeschlagen, da brauchte ich noch ne Unterschrift und Überweisungen. Um 10 ins Wartezimmer zum Hausdoc zum Porti anstechen. Der kann das echt, ich bin sowas von begeistert. Anpeilen, stechen, gucken ob was raus und reingeht, Pflaster drauf und adios, nicht ohne den dezenten Hinweis: machen Sie bloß kein Scheiss, ne, das ist echt nicht mein Plan.
Woran erkennt man, dass man ernsthaft erkrankt ist, Anmeldung: breites Lächeln ..Ach, schön Sie wieder zu sehen, erschrockener Blick …. Ist alles okay ??? Ja, ist Nachsorge … Gott sei Dank, ich drück die Daumen, kommen Sie doch nochmal vorbei, wenn Sie fertig sind. Klar, mach ich. Wartezimmer 1 zur Mammografie. Ängstliche Blicke überall, Totenstille, jeder guckt vermeintlich heimlich auf meinen Port und den Schlauch und keiner traut sich was zu fragen. Ich also, das ist ein Port, der ist an die Halsvene angeschlossen, weil bei mir Kontrastmittel und Blut abnehmen nicht wirklich funktioniert. Ah ja und schon ist man mitten im Gespräch, alle entspannter. Dann war ich dran, junges Mädchen: hatten Sie schon mal eine Mammografie? Ja und der Schlauch muss da aber weg. Das ist dann so der Moment wo ich einen mittleren Anfall kriege, okay, sie macht ihre Arbeit, aber es steht dick und fett überall drauf NACH MAMMA-CA, wer lesen kann ist leicht im Vorteil. Natürlich biste einfach eh schon nervös und das kann man dann gar nicht brauchen. Ich also in Ruhe: nein, das ist meine gefühlte 104te Mammo, ich hatte Brustkrebs und die Portnadel bleibt drin, kriege noch 2x Kontrastmittel, bislang störte das nie. Ja also, da muss ich erstmal fragen, na dann. Gott sei Dank kam ihre Kollegin, kenn ich auch schon länger, alles gut, die traut sich auch an meinen Armen zu ziehen und zu drehen für gute Bilder. Die durfte dann die Kleine wieder mache, nicht ohne die Diskussion: bitte drehen Sie den Bildschirm wieder zurück, nein, das ist nicht vorgesehen. Doch, es ist meine Brust, die gehört mir und wenn da jemand was fotografiert oder so, dann möchte ich das sehen. Ging dann, die hatte wohl keinen Bock mehr auf mich. Versteh ich. Ab ins nächste Wartezimmer für MRT, äh, sorry, ich bin hier falsch, ich bin immer vorne in dem Gerät … wegen der Bilder .. Vergleich ..? Oh, ja, klasse, na super, dass Sie aufpassen … klar, kein Ding. Hier beginnt dann die 1. echte Herausforderung des Tages. Für eine Brust MRT muss man auf dem Bauch liegen und die beiden Dinger in 2 Löchern versenken, tja, da gibt es als Ohnarmer mehrere Wege um dahin zu kommen. Der uneleganteste ist, breitbeinig draufsetzen, nach vorne umfallen und hoffen, dass man die Löcher trifft. Hat den Nachteil, wenn du den Hals nicht hochgenug reckst, dann knallst du voll auf die Liege mit dem Gesicht und wenn es dumm läuft, dann brichst du dir die Nase. Also Plan B, halb seitlich drauflegen und sich langsam drehen, dabei mit Füßen, Kinn und Kopf nachhelfen um hoch zu rutschen. Der nette Herr am MRT und ich, wir kennen uns schon ne Weile, sind übereingekommen, dass ich jedes Mal aussehe wie eine verendende Robbe. Wenn man lachen muss geht’s gar nicht. Aber der Mann ist gut, er zieht nirgends an mir rum, bleibt nur daneben, sollte ich versehentlich nen Abflug machen. Lustig wird’s beim Aufstehen. Keine rechtskonvexe Rotationsskoliose liegt gerne auf dem Bauch. Da darf er dann mal an mir ziehen. Halt, Port noch spülen, Skelett auseinander klappen und wieder in Wartebereich auf Auswertung warten, leicht verschwitzt, das war echt Sport. Bisschen warten zur Entspannung und Leute gucken. Mein Lieblingsradiologe, der verzieht echt nie die Miene, ruft jemand anders auf, ich gucke und hebe meine rechte Augenbraue, das einzige was der Mann bewegt ist der Daumen an der rechten Hand. Tief durchatmen, zurücklehnen, lächeln, alles im grünen Bereich. Als Nächste bin ich dran. Wir schauen uns zusammen die Bilder an und vergleichen zur letzten Aufnahme …… alles gut, bis auf Wasserlöcher, Ölzysten und was es sonst noch so gibt, alles gut. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, was aus der und der geworden ist ….. und bis zum nächsten Mal, und ich erwarte von Ihnen nur gute Aussagen, er will sich weiterhin bemühen, hat er versprochen. So, kurz schon mal an der Anmeldung gegrinst, alles gut, Daumen hoch und jetzt in den anderen Stock zur Nuklearmedizin. Da grummelte mein Darm etwas, denn vor der Knochenszinti ………….. ich hatte kein gutes Gefühl.
Und weiter geht es mit dem nächsten Kontrastmittel………………… ach, die Portnadel ist ja schon gelegt? Ja, das macht immer mein Hausarzt. Warum? Na weil es kann…. Ja, ich kann das aber auch, das habe ich in der Ausbildung gelernt, okay, wann die war habe ich nicht gefragt. Ja, das glaube ich gerne, aber mein Port und ich sind sehr sensibel und da darf nur mein Hausarzt dran und die Chemodocs vom Elisabeth. Diese Aussage gefiel ihr nicht so und sie meckerte über den Port, ich kriege da nichts raus. Muss ja auch nicht, es soll ja nur das Kontrastmittel rein, ja aber ich finde der funktioniert nicht richtig, doch, geht. Kontrastmittel rein, warten Sie, ich hole noch Heparin. Nein, sage ich, ich bin allergisch dagegen. Vollbremsung, sind sie Sie sicher? NEIN, DAS HABE ICH MIR GERADE AUSGEDACHT!!!, ich glaub es nicht, bin ich doof oder was? Und dann mit einem süffisanten Lächeln: was passiert denn, wenn Sie Heparin kriegen? Och, nicht schlimm, wenns gut läuft Ausschlag von oben bis unten. Hab ich nen schlechten Tag krieg ich keine Luft und falle um, also wenn wir es ausprobieren wollen ………. Ich nehm dann die Notaufnahme vom Elisabeth bitte. Das ist echt der Hammer, man muss echt kerngesund sein und aufpassen. Und, ob man es glaubt oder nicht, ich bin echt ein netter Patient, aber da werde ich doch ein wenig bissig. Nun denn, erst mal 2 Stunden heim und Wasser trinken, schnell über facebook verkünden, dass die Dinger schon mal okay sind und dranbleiben können ………… und schon sind 2 Stunden um und ich liege auf dem nächsten Tisch, mit allen in der Praxis verfügbaren Decken unter den Knien, mein Hohlkreuz. Die kennen mich auch schon und schieben den Monitor so, dass ich gucken kann. Hab ich jetzt nicht so die Peilung, ist aber trotzdem ein gutes Gefühl. Aber 20 Minuten regungslos liegen, ach du Alarm. Aua. Auch das geht vorbei und ich sitze und warte, bis die Auswertung erfolgt ist. Tja Frau Kuhnt, ….. schluck …, ich sehe hier nix was ich das letzte Mal nicht gesehen habe. Kleiner Schweißausbruch der Erleichterung, außer ……… also Ihre Skoliose ist viel schlimmer geworden und alles was hier leuchtet ist Arthrose, na dann. Und dann erzählte sie mir noch, dass Contis eh ein schnell alterndes Skelett haben und meins ginge stramm auf die 80 zu, hab ich das gefragt? Danke für die Info. Jedenfalls keine kleine doofe Knochenmetastase, wie befürchtet, mein Doofkrebs steht auf sowas ……. Also alles gut bis auf das Schlechte. Aber man freut sich echt über Arthrose kann ich sagen.
Mittlerweile war es fast 4 Uhr, erst mal Mädels anrufen und die Skoliose mit nem dicken fetten Eis schmieren und runterkommen. Irgendwie regt es einen echt auf, ob man will oder nicht.
Die Woche verlief ansonsten okay, ich bin nur müde und die Knochen tun weh, aber es ist nun mal so. Freitagmittag nach Feierabend dachte ich, so, legst dich nen Stündchen und während mir die Augen zufielen kam mir so der Gedanke, so wie es jetzt gerade ist, auch in meinem Umfeld, kann es jetzt mal bis Weihnachten bleiben. Lächeln, schlafen. Dieses Gefühl hielt genau etwas über 2 Stunden, dann klingelte das Telefon und ich wusste, geh ich ran, ist alles anders. Aber ich bin ja schon groß. Mutters Freundin, mit 80 in 2016 Brustkrebs, jetzt explodiert in die Haut, die Wunden der OPs gehen wieder auf, Metas in der Lunge. Ich hätte auf der Stelle kotzen können. Und jetzt schlägt meine billige Internatserziehung durch:
Du verdammtes drecks Krebsarschloch, musst du dich mit Menschen anlegen, die dem nichts entgegenzusetzen haben? Musst du dir alle um mich rum greifen? Ist das die Rache dafür, dass du mich bislang nicht klein gekriegt hast? Ich nehme das persönlich. Und ich werde dich bis zum letzten Atemzug bekämpfen, du Arschloch. Und wenn du mich kriegst, dann hast du nicht gewonnen, dann werde ich dich aus der Hölle weiter bekämpfen, du feiges Arschloch. Punkt.

Reaktionszeiten

 

Normalerweise verlangsamen sich ja im Laufe des fortschreitenden Alters die Reaktionszeiten. Kann ich jetzt mal gerade nicht so bestätigen. Bei mir läuft es andersrum. Früher haben mich die Dinge des Lebens weniger reagieren lassen und auch nicht so schnell.

Ich hatte eine wunderschöne Urlaubswoche auf Mallorca und ich bin noch nicht mal sonderlich aufgefallen, denn da laufen eine Menge fußkranke Leute rum. Natürlich viele Deutsche und im Hotel waren auch ne Menge Engländer. Also ich bin echt stolz auf mich, bin ganz viel geschwommen, gelaufen, okay nennen wir es humpeln, aber es ging. Und von schnell ist ja eh nicht die Rede. Trotzdem regt es mich auf, wie lahmarschig ich geworden bin. Und, als guter ordentlicher Patient, habe ich auch schön meine Medis mitgenommen, z.B. meinen über alles geliebten Aromatasehemmer. Allerdings habe ich den nicht mit Wasser, sondern mit Caiphirinha runtergespült, kleiner Triumpf, aber ich habe ihn genommen. Jedenfalls ging es dank meines Osteopathen einigermaßen gut. Und was mich echt überrascht hat, die Einzigen, die wieder doof gucken sind die Touris, die Spanier kann auch mein Anblick nicht schocken. Im Gegenteil, die greifen einfach zu und ziehen am Arm, ohne Angst zu haben, dass der wie beim Grillhähnchen abfällt. Da ich hohe Busstufen nicht hochkomme ohne festhalten oder auf schwankenden Schiffsplanken ins Trudeln gerate, kein Problem, es wird gezogen, festgehalten und geschoben. Und zwar einfach so, ohne vorher nen Fackelzug und ne Zeichnung zu machen. Bin begeistert. Man könnte also meinen, ich war gut erholt. Genau zwei Tage war ich an der Arbeit, das wars. Ich hatte schon gemerkt, dass ich mich erkältet habe. Und zwar, denke ich, bei der letzten Busfahrt durchs Gebirge auf Mallorca im klimatisierten Bus. Da war ca. Windstärke 10 drin, weil alle die Düsen volle Kanne auf Kühlung gestellt haben. Der Plan war, okay, es kommt Wochenende, da kurier ich mich mal aus. Tjjjaaaaaa, dieser Plan hat nicht funktioniert. Als ich heimkam fand ich dickes Tier ziemlich schlapp rumliegend auf dem Teppich vor. Beim genaueren Hinsehen musste ich feststellen, die Schleimhäute waren ziemlich blau. Dickes Tier ist herzkrank und da war Alarm angesagt. Die Zeit bis Diana kam, ich kann dickes Tier nicht alleine tragen, hab ich auf dem Klo gesessen, überlegend ob ich muss oder mich erst übergebe. Leichte Schnappatmung und nur im Kopf: neeeeeiiiiinnnnnn, nicht das auch noch. Also ehrlich, so war ich vor Doofkrebs nicht. Okay, also langsam und bewusst atmen und immer schön sagen: jetzt komm mal runter, es ist wie es ist, wir sehen was passiert. Jetzt reiß dich, verdammt nochmal, zusammen. Also kurz noch übergeben und ab zur Tierärztin. Lange Rede, kurzer Sinn: dickes Tier spielte totes dickes Tier und hatte Probleme mit Atmung und Wasser in der Lunge und Anna (Tierärztin) hatte die Prognose, dass sie das Wochenende wahrscheinlich eingeschläfert werden muss. Ich habe echt gedacht, gleich schrei ich. Jeeeeeeeedesmal wenn ich denke: ach so wie jetzt könnte es mal nen Monat bleiben, prompt passiert irgendeine Kacke. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich jetzt einfach mal so die Segel streichen würde. Also mal pragmatisch drangehen. Die Katze ist älter und hat Herz, ja und, ich bin auch älter und hab Doofkrebs, lassen wir uns deswegen hängen und geben gleich auf? Never ever. Also ruhig bleiben und mit 10 kg Entwässerungstabletten, 2 verschiedenen Sorten Herzmedis und dickes Tier heim. Die nächsten Stunden waren entscheidend, also ich die Nacht hin und her zwischen Klo, Katze und Bett. Mittlerweile mit dichten Stirnhöhlen und mörder Kopfweh. Wäre einer gekommen und hätte gefragt: äh, dürfte ich Sie erschießen? Ich glaube, ich hätte einen Moment überlegt. Essen ging auch nichts rein. Auch son Phänomen, früher war die Devise, wenn das Leben schon scheiße zu mir ist, dann will ich jedenfalls was Schönes essen. Und jetzt? Würgen bei der Vorstellung oder Geruch. Jedenfalls lebt dickes Tier immer noch, dank Medis und hat sich ziemlich gut erholt. Gott sei Dank ist sie verfressen und mag Maltpaste oder Leberwurst- oder Vitaminpaste. Darin kann ich die Tabletten schön kleingehäckselt versenken. Der Rest ist dann ne mittlere Varieté-Nummer. Nein Kater, das ist für dickes Tier, du darfst das nicht  ….  Und du musst alles aufessen damit du gesund wirst, nein, das reicht noch nicht, weg da Kater usw.. Leben live. Ich habe dann 3 Tage, krankgeschrieben, nur noch gepennt. Es war als ob ich den Schlaf der letzten Jahre nachholen musste. Eine ganze Woche kaum bewegt und erkältet bin ich immer noch und sobald ich sitze klappen die Augendeckel runter. Okay, kann jetzt auch was mit Alter zu tun haben, meine Mutter sagte immer, mit zunehmenden Alter wird man dünnhäutiger.

Ich bin im internet in so zwei Brustkrebs-Gruppen und verfolge diverse Bloggerinnen…………und ich habe auch verschärft drüber nachgedacht das nicht zu tun. Mehrere Leute haben mich gefragt warum ich das mache, das belastet doch nur und wenn jemand verstirbt, das ist doch furchtbar. Na klar, das ist absolut beschissen und manchmal brauch ich auch ne Tag Pause. Aber habt ihr eigentlich ne ungefähre Ahnung wie viele wird sind? Tausende !!! Es ist unglaublich wie viele Krieger/innen da unterwegs sind und ich bin stolz eine davon zu sein. Diese Gruppen und Gespräche und Tipps und Hilfen sind einfach klasse, man lernt so tolle Leute kennen und dann denkst du, ey, komm mal runter, du bist nicht alleine und anderen geht es echt gerade mal schlechter. Also reiß dich mal zusammen. Klar kann nicht jeder gewinnen und manchmal muss man Abschied nehmen, aber du kannst im normalen, krebslosen Leben auch sterben. Es ist wie es ist, einfach das Beste draus machen. Das ist die Theorie, in wie weit ich das leben kann erzählt mir dann immer mein Magen- und Darmtrakt.

Man könnte also meinen, im Moment ist mal wieder alles gut. Aber nein, damit ich nicht aus der Übung komme ………….. Montag ist Radiologietag. MRT Brust, Mammografie, Sonografie und Knochenszintigrafie. Letztere wegen des rechten Oberschenkels …….. glaubt zwar weder mein Osteo noch mein Orthopäde aber wie beide sagten: reingucken können wir nicht. Kaum geschrieben meldet sich der Darm. Nein, heute nicht, ich bin schon groß und verschiebe mein ungutes Gefühl auf morgen Abend um diese Zeit. Treffen wir uns in 24 Stunden wieder. Hätte ich einen schönen Mittelfinger, fühle ihn dir gezeigt. Wir reden morgen weiter.

 

Erinnerungen……

Gott sei Dank verdrängt man ja eine Menge von dem Scheiß, der einem im Leben so passiert. Mich hat jetzt die Erinnerung heimgesucht …………… und ehrlich gesagt, hätte sie auch lassen können. Doofkrebs hat sich jetzt mit jemanden angelegt, der mir sehr wichtig ist. Natürlich ist es immer scheiße, aber wenn es jemanden trifft, der einem nah steht, dann ist man umso trauriger, wütender, angepißt und was es sonst noch für Gefühle gibt. Wenn man bedenkt, dass es jeden zweiten trifft ist es ja eigentlich kein Wunder ……. Trotzdem.
Was wollte ich denn eigentlich erzählen? Ach ja, Erinnerungen …………… irgendwie ist mir wieder ins Gedächtnis gekommen, wie das damals war, mit der Diagnose Doofkrebs. Mir schlägt ja immer alles auf den Darm, und wenn ich Pech habe, gleich durch. Mir ist dieses Gefühl wieder hochgekommen, wie ich auf den Straßenbahnschienen stand und nicht wusste, übergebe ich mich erst oder kacke ich in die Hose. Ich kann so gut nachvollziehen, wie es einem geht, wenn man plötzlich gesagt kriegt, Sie haben Krebs. Und wenn man dann eigentlich keine Symptome hat, ey du denkst was erzählen die dir hier eigentlich gerade für ein Mist. Da nützt es auch nicht wirklich, wenn man versucht zu vermitteln, dass man im Laufe der Zeit echt entspannter wird. Aber so der Anfang mit Diagnose, einem Wahnsinnshaufen Informationen, dem Gefühl: Krebs gleich das wars dann und ich wollte doch noch so viel machen. Da musste echt kerngesund sein. Ich habe mal so am Wochenende quer gelesen was ich alles so geschrieben habe. Echt, man vergißt wirklich viel. Ist auch gut so, aber eigentlich bin ich jetzt mal völlig stolz auf mich, was ich schon alles so hingekriegt, überlebt und überstanden habe. So wie auf alle Kriegerinnen, die ich persönlich und auch über facebook Gruppen kenne, also ich finde uns ja mal toll. Wenn mich sonst keiner lobt.
Aber ich gebe auch zu, ich traure manchmal echt den Zeiten hinterher als ich, für meine Verhältnisse, noch viel mehr konnte. So bewegungstechnisch und überhaupt. Wobei mir gleich wieder Staatsfeind Nr.1 einfällt. Diese miese Aromatasehemmer. Das Ding ist echt nen Sargnagel. Und wehe es stellt sich irgendwann raus es nutzt nichts. Irgendwie jammert man ja immer über die vergangenen Zeiten. Aber was willste machen. Jeder Satz der mit hätte, wäre, wenn anfängt ist so unnötig wie Fußpilz. Augen geradeaus und los. Vergangenem nachtrauern kostet nur Energie. Und die brauche ich jetzt mal gerade zum Verreisen.
In ein paar Stunden fliege ich nach Mallorca. Mädchenurlaub. Mein Mann muss arbeiten und ich hab eine Freundin mit der das gut klappt, dh. wir gehen uns nicht gegenseitig auf den Sack. Mal abgesehen davon, dass ich alleine Urlaub nur brauche, wenn ich voll genervt bin, ich käme allein, also ohne Langarmer gar nicht klar. Früher schon eher, ich kann mich aber nur noch schlecht bewegen, komme hier und da nicht mehr raus, kann mir die Dusche nicht mehr von oben holen, weil ich nicht mehr klettern kann, Koffer tragen etc. ist alles Mist. Früher war das auch schwierig, aber da ging es mir nicht so auf die Nerven. Ich habe auch viel mehr andere Menschen gefragt, können Sie mal bitte ….. aber das nervt mich jetzt auch. Stimmt, ich bin zusehens genervter, geb ich zu. Das Blöde ist, ich kann echt nicht unterscheiden wem ich die Schuld gebe, Doofkrebs und Aromatasehemmer oder Contergan, meine Wirbelsäule sieht mittlerweile aus wie eine Serpentine.
Lange Rede, wie immer kaum Sinn, es sind ja nur Gedanken ………….. was ist das Ergebnis daraus?
Ich bin dankbar. Ich lebe seit 4 Jahren mit Doofkrebs, immer wachsam ob was plötzlich anders ist, weh tut, komisch aussieht usw.. Es geht mir eigentlich gut. Ich muss halt nur akzeptieren, dass ich nicht ohne einen Koffer voll Hilfsmittel irgendwohin kann und dass es nicht mehr einfach ist. Aber das heißt ja nicht, dass das schlechter ist. Nur anderster wie der Hesse sagt. Und anderen geht es echt schlechter.
Also aufhören zu jammern, sich fokussieren auf das was geht und nicht hinterher trauern um das was nicht mehr ist. Das ist der Plan und ich finde ihn gut. Ich verabschiede mich jetzt nach Mallorca und werde es mir einfach mal gutgehen lassen. Füße hoch, Kopf aus und zufrieden sein. Ist eigentlich ganz einfach, wenn man nur will. Bis bald.

Kopf ausschalten?

Coole Idee wenn das so einfach ginge. Im Moment laufe,  bzw. humpel ich mit dem Kopf. Das ist keine gute Idee weil ich immer überlege ob und wie der nächste Schritt weh tut. Also automatisch Schonhaltung angenommen und auf den Schmerz warten. Kommt garantiert wenn man daran denkt. Was auch Spaß macht, zwei Schritte vor der Rolltreppe denken, hoffentlich geht das, hoffentlich schubst mich keiner, hoffentlich stolpere ich nicht und schoooooooon ……. geht gar nichts mehr und ich kratze die Kurve kurz vor der ersten Stufe, ganz toll.  Das hat mir früher noch nicht einmal einen Gedanken entlockt. Was ne Kacke,  ich bin echt genervt. Noch mehr nervt es mich,  dass es nicht wirklich voran geht. Ich pendel zwischen Orthopäde, Feldenkrais und Osteopath. Das ist auch eine Beschäftigung, jedenfalls bin ich an der frischen Luft.

Was aber wirklich nervt ist, nicht genau zu wissen, warum es ist wie es ist. Es gibt da so ein bis 3 Theorien,  alle Mist. Ich denke das Problem liegt an der Materialermüdung meiner Knochen, den kaputten Nerven im Rücken, meiner rechtskonvexen Rotationsskoliose und natürlich meinem Erzfeind dem Aromatasehemmer. Und so ganz vergessen darf man die Möglichkeit von Knochenmetas auch nicht. Glaub zwar keiner wirklich dran aber ich hab ja auch nicht geglaubt, dass der Weihnachtsmann nen fake ist. Und irgendwie ist es auch irre wie das mit dem Hirn funktioniert.  Da ausschalten ja nicht möglich ist, ablenken. ………..coole Idee. Also los,  wo ist die nächste Rolltreppe.  Ich denke mir mal, ach, schau ich mich mal hier um und was überhaupt muss ich eigentlich noch an Katzenfutter ranschaffen? Und plötzlich ist da die Rolltreppe,  drauf und fertig.  Ey, ich bin begeistert.  Natürlich tut auch weiterhin jeder Schritt weh aber mein Hirn merkt, Rolltreppe geht trotzdem.  Also auf zur nächsten und meinem Hirn ne klare Ansage, wir beide stellen uns jetzt gemeinsam da drauf, wehe, du schiesst quer. Funktioniert,  klasse, ich grinse und humpel weiter und höre so ganz leise,  guck mal die arme Frau, keine Arme und kann schlecht laufen. Hallllllllllloooooo? Ich bin klasse, ich bin ein humpelnder Kurzarmer der sein Hirn in seine Schranken verwiesen hat. Ha, was habt ihr vorzuweisen?

Vor kurzem sagte mein Chef, es sei doch scheiße wenn man merkt, daß soviel Dinge nicht mehr gehen, einfach so und ob ich nicht stinksauer bin, dass alle 2 Minuten was anderes bei mir doof macht. Klar bin ich sauer, stinksauer sogar,  ja und weiter? Was bringt mir das? Nichts, ob ich sauer bin oder nicht interessiert weder meinen Rücken, den Doofkrebs oder das Leben überhaupt. Also abhaken,  es ist wie es ist. Obwohl ich zugeben muss,  mal ein paar Wochen Ruhe, das wäre toll. Einfach mal spontan wohin ohne zu überlegen, wie lange laufen, wie groß ist das Klo usw.. Aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben, Hauptsache der Spaß bleibt.

Der Osteopath  hat mich aber auf jeden Fall  zum nachdenken gebracht. Der ist sowieso gut. Der Erste weit und breit, der mir mal Fragen gestellt hat, wie ich die Dinge so mache. Z.B. wie ich einen BH anziehe oder Klamotten mit Reißverschluss oder was ich alles mit den Füßen mache und was die Hände für Unterschiede haben. Das hat echt noch keiner gefragt.  War ich echt begeistert. Ich denke es passt mit uns, es sei denn, ich rede zuviel. Das tu ich immer, und ich hab mal drüber nachgedacht, warum das so ist. Und ich hab mich erinnert.  Wenn du irgendwie behindert bist haben die Leute Berührungängste.  Zumindest die meisten. Ich musste immer mein halbes Leben lang hingehen, ein Gespräch beginnen bis die Leute merkten,  ah, die ist nicht so doof wie sie aussieht. Wenn ich mal ne Tag hatte an dem ich keine Lust auf Kommunikation hatte, dann stand ich alleine rum und war irgendwie raus. Auch doof. Also quatsche ich immer munter drauf los,  daran jetzt noch was zu ändern, das ist zu spät.  Tut mir leid für alle die ich nerve. Ne, eigentlich nicht,  muss mir ja keiner zuhören.

Ich höre jetzt direkt wie der eine oder andere denkt,  wasn mit der los, warum mährt die heute nur rum.  Na ganz einfach,  weil es mich manchmal echt nervt und ich mein altes Leben wieder haben will, die Zeit vor Doofkrebs,  vor der Mörder Skoliose,  bevor mein Auge blöd macht, es noch die DM gab, von Erderwärmung keine Rede war und überhaupt.  Ich finde es ist auch mein gutes Recht einfach mal die Schnauze voll zu haben. Und ich jammer ja auch auf hohem Niveau,  eigentlich geht doch noch fast alles,  ich lebe noch,  ich kenne andere denen es wesentlich schlechter geht. Jetzt hör ich eine ehemalige Kollegin, ich muss mich doch nicht nach unten orientieren. ……….. ne, mach ich nicht, ich orientiere mich am Leben und an den Dingen in denen ich gut bin. Ich schau nach vorne,  was vor einer Minute war ist eh Vergangenheit und es gibt noch so viele Dinge die ich tun kann und will und werde. Ich liebe es wie es ist,  außer meinem Oberschenkel,  den Aromatsescheiß und noch so ein zwei Dinge. Nächstes Mal bin ich bestimmt wieder besser drauf. Wahrscheinlich heute Abend noch denn ich geh nachher weg und nach Ibu 600 in Rotwein sieht die Welt schon ganz anders aus. Dazu noch ein kleiner Aperol und was tat nochmal weh? Es ist heute eben einfach mal so wie es ist, ist doch so, oder?

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und ich hör jetzt mal auf zu jammern und überlege was ich anziehe. Oh Mann anzuziehen hab ich irgendwie auch nichts. …. das Leben ist echt hart. Gerade bekam ich den dezenten Hinweis,  ich solle jetzt mal aufhören mit dem Gemähre und mich anziehen,  wir müssen gleich los.  Na dann mach ich das doch mal……………..auf einen schönen Abend mit ohne Treppen,  geräumigen Klos,  genug Alkohol,  vielleicht einer Kleinigkeit zu essen, wobei mir einfällt,  mir ist schon wieder ein Stück Zahn abgebrochen,  also vom Osteopath gleich zum Zahnarzt,  nicht,  dass ich noch irgendwann Zeit habe, mit meiner Freizeit was Schönes anzufangen. Damit könnte ich ja gar nicht umgehen.

 

 

Hm, ……. wer hat meinen Konflikt?

Also nachdem ich mich jetzt ein bisschen eingelesen habe in die Thematik „Krankheit als Weg“ oder „wer krank werden will, der tuts auch“ oder es sind immer „ungelöste Konflikte“ und ich muss den „Weg zu mir selbst“ finden und all son Kram, seitdem suche ich den ungelösten Konflikt. Leider habe ich ihn noch nicht gefunden und wenn ihn keiner geklaut hat, dann behaupte ich mal dreist, ich habe wegen Veranlagung, Pech, Schicksal, zuviel Chips, Übergewicht und weiß nicht noch was Brustdoofkrebs gekriegt. Einfach mal so. Tja, jetzt würde ein Verfechter dieser Theorien ja sofort sagen, ah, die Frau ist ein Musterbeispiel an Verdrängung. Ich zitiere mal: Eine Krankheit/Krise beinhaltet immer etwas Positives und will uns eine Disharmonie aufzeigen. Der Sinn ist zur Besinnung zu kommen und über unser Leben nachzudenken. Und wenn es sein muss, dann zwingt uns die Krankheit eben. Ah ja.

Ehrlich gesagt, ich hab nicht wirklich Lust, mich mit so was zu beschäftigen, je mehr ich lese, desto abenteuerlicher wird es. Ich habe in meinem Leben eine Menge Dinge getan, aber bestimmt nicht, die Tatsachen verdrängt. Natürlich hat mich der Krebs komplett kalt erwischt, ich war so überzeugt von mir, dass mir nichts passieren kann………..ich hätte es wahrscheinlich noch nicht mal gerafft, wenn der auf der Brust gewachsen wäre. Klingt blöd, ist aber so. Krankheit darf nicht als unser Feind betrachtet werden, die Symptome wollen uns zeigen wo das Problem ist, ach so. Wenn wir das begriffen haben, können wir unser Leben ändern und einen „lebensrichtigen“ Weg gehen. Dann bin ich eben ein bisschen dumm, ich verstehe gar nichts.

Vor Doofkrebs hatte ich ein absolutes Gefühl der Stärke und Glauben an mich, ich kann alles was ich will. Ein Problem damit, dass ich nicht Tennis spielen kann oder alles tun kann was Langarmer können, das hatte ich nie. Es gibt so viel was man tun kann. Ich habe meinem Körper vertraut, der macht das schon, sei es so profane Dinge wie auf die Knie gehen, Balance halten und all son Kram. Und ich war glücklich und zufrieden, denn ich hatte keine Angst. Und auch keinen passenden Konflikt. Ich habe keine Probleme damit, dass meine Arme kurz sind, ich wollte bewusst keine Kinder, ich wollte nie irgendwo die große Karriere machen um mir was zu beweisen. Alles war gut so wie es war. Vielleicht hat mir ein Konflikt gefehlt. Dann jagte ab 2007 eine OP die nächste, Knie, Fuß, Augen, Rücken, Schilddrüse….. und als da immer noch nichts mit Konflikt war, da dachte sich wohl jemand, gut, dann setzen wir noch einen drauf und probieren es mal mit Doofkrebs. Und das war ein Treffer. Das erste Mal im Leben hatte ich den Gedanken, oh scheiße, das kriegste jetzt nicht hin.  Und damit war die Saat des Zweifels gesät, um mich mal ein bisschen unheilschwanger auszudrücken.

Also liebe Verfechter dieser Krankheit als Weg Theorien, dann erklärt mir das mal für Blonde. Vorher hatte ich ein Urvertrauen – hm, vielleicht soll man das nicht haben? – und jetzt ? Jetzt bremse ich vor jeder Rolltreppe und denke, pass bloß auf, ich hoffe, mir fällt nichts runter, komm ganz schlecht wieder hoch. Hoffe, dass es nicht so warm ist, dass mir die Klamotten am Hintern kleben, alles Sachen worüber ich mir früher niiiiieemals Gedanken gemacht hätte. Ich höre es schon, jaaaaaaaaaaaaaaaa, das ist doch klar, diese Kollateralschäden haste nur weil du dich gegen dich und für Chemie entschieden hast. Wahrscheinlich ist das die Strafe und ich muss deshalb jetzt unter dem ganzen Scheiß leiden. Auch ne Erkenntnis. Hätte ich Chemie abgelehnt und statt dessen mal ernsthaft nach meinen Konflikten gesucht ………………. wir werden es nicht wissen, außerdem wäre ich dann tot. Auch doof.

Natürlich dachte ich auch, scheiße, wie konnte das passieren und dachte, so, jetzt änderst du dein Leben, machst alles anders und besser. Aber was ist besser. Ich bin jetzt eigentlich wieder da wo ich 2013 im Dezember auch war. Okay, ich habe ein paar Runden um mich selbst gedreht, musste aber leider feststellen, ich will es nicht anders. Ich bin immer noch glücklich und habe zu damals nicht viel geändert. Was ich von dem Weg der Selbsterkenntnis habe sind deutlich mehr Schmerzen, ein angeknackstes Selbstvertrauen in meinen Körper, Kollateralschäden wohin ich gucke, bzw. fasse. Also irgendwie ist da wohl mit der Theorie was falsch gelaufen. Und ein 3,5 cm großes, Her 2 neu positiv duktal invasives Mamakarzinom finde ich, ehrlich gesagt, für diese Erkenntnis etwas übertrieben. Außerdem muss man mal bedenken, jeder Arzt früher in meinem Leben tat als Erstes kund, ja, das Schicksal hat es ja nicht gut gemeint mit dir, so eine Behinderung ist ja furchtbar………….. okay, warum das furchtbar ist haben sie mir nicht erklärt. Ich habs damals schon nicht gerafft, deswegen hat das Schicksal mir jetzt Doofkrebs geschickt. Is klar. Leute, Leute….. manche Menschen sollten lieber arbeiten statt dauernd zu denken. Was ist, wenn das Schicksal sich selbst nichts dabei denkt oder einfach mal Bock darauf hatte.

Es ist wie es ist und ich werde natürlich versuchen, mich etwas gesünder zu ernähren, weil darauf habe ich Einfluss …………….. und wenn jemand einen Konflikt hat den er nicht braucht, ich guck ihn mir mal an.

Natürlich  ist es  wichtig, mit sich im Reinen zu sein, das hilft ungemein sich mit Krebs auseinanderzusetzen und die Behandlung einigermaßen gut zu überstehen,  auch und vor allem mental, aber eine Krankheit wie Krebs zu verhindern, nö,  da bin ich raus, definitiv. Ich verdächtige da eher auch schonmal unsere Umwelt, unser Essen, Hauptsache billig und viel, ein bisschen verstrahlt oder genmanipuliert, lecker Antibiotika drin  ……ja, da macht sich so jeder seine Gedanken. Aber zuviel denken ….. wer weiß

 

Kirschen

Gestern sagte der Verkäufer an der Kirschenbude: der Sommer ist so gut wie rum, heute ist der letzte Tag Kirschenverkauf. Die Erdbeeren sind auch nicht mehr schön……tja, ist so. Und ich dachte: na Gott sei Dank. Sommer und ich sind nicht so die besten friends. Wenn es 26 Grad sind, blauer Himmel und trocken, alles gut, liebe ich auch … aber diese Schwüle, ätzend. Vertrag ich gar nicht mehr. Nachdem ich 2012 die Schilddrüse entsorgt hatte, war das mit dem Schwitzen echt gut geworden. Seitdem ich diese scheiss dämlichen Aromatasehemmer nehme….. alles auf Anfang. In der facebook-Gruppe meiner Mitleiderinnen unter dem Mist toppen wir uns dauernd mit Anekdoten, eine peinlicher als die andere, wo man gerade unangebracht rumgeschwitzt hat.
Aber es ist ja nicht nur der Scheisss, fragt mal einen Ohnarmer, ich liebe das Wort immer noch, wie er Wärme findet. Mal ein Tag in meinem Sommerleben. Also aufstehen, Knochen sortieren, über Medis, Gott und die Welt schimpfen und duschen. Nach dem Abtrocknen könnte ich gleich wieder duschen, die Haut fühlt sich klebrig an. Also langsam machen um abzudampfen, immer mit einem Blick auf die Uhr natürlich. Und los geht’s, Aufgabe des Tages, so wenig wie möglich anziehen. Wer Lust hat kann mal versuchen, mit einem Finger, der Rest lässt sich ja bekanntlich nicht knicken, den Schlüppi hochzuziehen. Was im Winter mit einigen tänzelnden Bewegungen super funktioniert, null chance, die Seite wo Finger ist kommt Schlüppi fast hoch, eingerollt versteht sich, die andere Seite klammert sich am Oberschenkel fest. Prima, also Bügel holen und immer stückchenweise, links rechts, aufrollen, ziehen, zwischendurch nicht vom Bett fallen, nach 10 Minuten hängt er ungefähr da wo er soll, duschen könnte ich jetzt auch wieder. Okay, im Sommer soll man viel trinken, bin ich bekloppt? Ich werde sowas von vertrocknen, denn sonst muss ich unterwegs aufs Klo, Bügel und Bett mitnehmen ist schwierig, andere Klos zu klein, zu dreckig und überhaupt. Jetzt Blick zu Uhr, ups, los jetzt. Phase 2, BH. Funktioniert in kalt auch ganz gut, in warm also BH übern Kopf, dicken großen Zeh unter den Rand und die Dinger rein, aber leichter als früher, weil weniger wegen Doofkrebs und dann hoffen, vergeblich natürlich, dass sich nichts einrollt, verdreht und sonstwas. Klappt natürlich nicht, also los Richtung Türklinke, bißchen in die Knie, super Idee dank Aromatase, tut scheiße weh, schnellstmöglich die Wulst hinter die Klinke und wackeln und zappeln bis das Ding einigermaßen da sitzt wofür es geplant war. So, duschen und nen Stündchen ruhen, das wärs jetzt. Kleid übern Kopf, Haare drauf, ach du Alarm, liege schlecht in der Zeit und los. Das beantwortet vielleicht auch manchen Blick, was hast du denn an? Leute, es geht hier nicht um Mode oder schön sein, sondern einfach nur um allein anziehen mit ohne Knöpfe und Reißverschlüssen. Ich will nicht auf den Laufsteg, ich will nur ins Leben. Natürlich kann man sagen, wie blöd bin ich denn, kann mir ja helfen lasen von Pflegedienst, Kollegen etc., na klar, kann ich, aber das wäre eine Art von Kapitulation, dazu bin ich noch nicht bereit. Ich hätte damals nicht den Hals so weit aufreißen müssen, Krebstherapie ist nicht so schlimm, war sie für mich auch nicht, aber die Kollateralschäden … habe ich voll unterschätzt. Und ich kann auch nicht mehr hören, ich muss das unbedingt nehmen. Die docs die ich habe wollen wirklich mein Bestes, haben aber leider keine Ahnung und Peilung von meinen Problemen. Langarmer eben, da kannste nichts machen.
Aber ich kann was machen. Also ich werde so wie es aussieht, demnächst die Tabletten ignorieren. Jetzt habe ich nämlich was Neues seit einiger Zeit. Ich humpele wie doof, der rechte Oberschenkel tut so scheiße weh, wenn ich aufstehe, laufe und hinsetze, ist ein Gefühl als würden Sehnen über einen Knochen springen. Jeder Schritt tut weh. Ich habe den Aromatsehemmer von ner anderen Firma genommen, nach Tagen taten die Knie kaum noch weh. Dafür fingt der Oberschenkel an. Alarm angesagt, nein, wir müssen ne Knochenszinti machen, gucken ob nicht ne blöde Meta………… nix, ich vertrau erst mal meinem Bauch, der ist ja groß genug, Orthopäde meint, wäre nen Muskelproblem, meine Feldenkrais-Frau auch, was zu tun? Hm, wird schwierig, im Moment haue ich mich mit ibu 600 voll, am besten ist die Wirkung wirklich mit Wein………… aber ich bin echt am Ende meiner Frustationstoleranz, also wenn einer was weiß was mir weiterhilft, bitte sofort Bescheid sagen. Wenn meine Gyn wieder da ist probiere ich wieder einen anderen Hersteller……….. und wenn das nichts bringt, adios amigos, macht wen Anderes unglücklich. Aber wer damit wenig Probleme hat soll sie nehmen, auf jeden Fall.
Fakt ist, Doofkrebs und Conti ist gleich Pest und Cholera, oder so ähnlich. Und da ich nicht völlig blöd bin, es wird Zeit für Plan B. Ich war mal bei der Rentenberatungsstelle. Ich muss sagen, der Typ war voll nett und ich habe es auch verstanden. Ich überlege jetzt bis zum 22.8. ob ich einen Antrag auf Teilerwerbsminderungsrente stelle, ich arbeite ja schon nur noch 30 Stunden statt Vollzeit, hätte ich gleich mal damals machen sollen, aber irgendwie dachte ich, alles wird besser. Lustig. Jedenfalls will ich nicht ganz aufhören, 3 Stunden täglich wäre super. Leider war ich so gut wie nie krankgeschrieben, so bin ich einfach nicht, mal sehen wie sich da was ergibt. Ich möchte auch mehr ehrenamtlich machen im Bezug auf Krebsis oder Sterbebegleitung etc. , mal sehen. Aber ich brauche auch mehr Auszeit für mich um mich hingebungsvoll um meine Gebrechen zu kümmern. Da bin ich doch schon mal halb ausgelastet.
Und liebe Freundin Gerlinde, du hast recht. Es ist wieder schwieriger geworden mit den Menschen. Es gab eine Zeit, da war Behinderung okay, in letzter Zeit merke ich aber auch, dass die Toleranz und Akzeptanz nicht mehr so da sind und vor allem die Berührungsängste wieder zunehmen. Kommt mir manchmal so vor wie früher, ich hab nichts gegen Dunkelhäutige, aber in der Familie ………… da gibt es auch viel zu tun. Da habe ich auch zu lange geträumt, da muss ich ja einer gewissen Chefin eines Vereins eigentlich dankbar sein, dass sie mich unsanft geweckt hat.
Ich habe jedenfalls nicht vor, mich behindern zu lassen, weder von blöden Langarmern noch von Doofkrebs, nun ja, der Aromatsescheiss hat momentan die Nase vorn … aber ich erwische dich noch irgendwie irgendwo irgendwann.
Es ist viel zu tun, legen wir los. Bis bald, werde berichten ….